Einen Wanderstock herstellen

Wenn du gerne wanderst oder dich einfach viel in unebenem Gelände bewegst, kann ein Wanderstock ein sinnvolles Accessoire sein. Ein guter Wanderstock verbessert deine Balance, sorgt dafür, dass deine Arme in deine Bewegungsabläufe mit einbezogen werden, und du kannst ihn dazu benutzen, kleine Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Wenn du deinen Wanderstock auch noch selbst herstellst, ist er nicht nur ein praktisches Werkzeug, sondern etwas, worauf du wirklich stolz sein kannst. Was Pfadfinder können, kannst du schon lange!

Teil 1 von 2: Aussuchen und Schnitzen deines Wanderstockes

  1. Finde einen geeigneten Stock. Um einen guten Wanderstock herzustellen, brauchst du natürlich zunächst ein gutes Stück Holz. Die Qualität des potenziellen Wanderstockes hängt dabei von der Größe, der Form, der Stabilität und dem Alter des Holzes ab.
    • Im Normalfall sollte das Holz so gerade wie möglich gewachsen sein und einen Durchmesser von etwa 5 cm haben. Schau dich nach einem Stock um, der lang genug ist - er sollte vom Boden bis zu deiner Achsel reichen (normalerweise zwischen 140 und 165 cm); wenn er etwas länger ist, kannst du ihn später kürzen.
    • Aus Harthölzern lassen sich die praktischsten und stabilsten Wanderstöcke fertigen. Eine gute Wahl wäre (unter anderem) Ahorn, Erle, Kirsche, Espe oder Sassafras.
    • Suche nach frischem Hartholz, schneide es aber nie von einem lebenden Baum, nur um einen Wanderstock herzustellen. Lebe im Einklang mit der Natur und zerstöre sie nicht. Wenn du dich gründlich umschaust, wirst du sicher einen geeigneten Stock finden, der zwar noch frisch, aber nicht mehr am Leben ist.
    • Stöcke mit Löchern oder anderen Anzeichen von Insektenaktivität solltest du liegenlassen. Sie können entweder durch den Insektenfraß geschwächt sein, oder du schleppst mit dem Stock Tiere in dein Zuhause ein.
  2. Schneide den Wanderstock auf die richtige Länge zu. Wenn du den Stock für dich selbst anfertigst, stelle ihn auf den Boden und halte ihn vor dich, wie du es auch beim Laufen tun würdest, mit bequem angewinkeltem Ellbogen (in etwa im rechten Winkel). Markiere den Stock etwa 5 cm über deiner Hand (oder etwas höher, wenn du später zum Beispiel noch eine dekorative Schnitzerei anbringen willst) und schneide ihn mit einer Säge auf die richtige Länge zu. Wenn du noch ein Kind bist oder wenig Erfahrung im Umgang mit gefährlichen Werkzeugen hast, lass dir dabei helfen. Eine elektrische Säge schneidet im Nullkommanichts einen Finger ab, und auch mit einer Handsäge kann man sich tiefe Schnitte zuziehen.
    • Wenn du für jemand anderen einen Stock machen willst, das geeignete Holz aber noch nicht gefunden hast, dann lass denjenigen einen Besenstiel wie oben beschrieben vor sich halten. Miss die Höhe vom Boden bis einige Zentimeter über seiner Hand ab und nimm ein Maßband oder ein Stück Schnur, das du auf die entsprechende Länge geschnitten hast, mit auf deine Suche nach einem geeigneten Stock.
    • Wenn du Wanderstöcke für den Verkauf herstellst oder den zukünftigen Besitzers nicht kennst, dann bleibe im Rahmen von 140 bis 165 cm. Das ist immer ein gutes Maß für die Stocklänge.
  3. Schneide die Rinde ab. Du kannst die Rinde auch dran lassen, wenn du möchtest, aber die meisten Menschen bevorzugen das Aussehen und das Gefühl der hellen und glatten Maserung eines abgeschälten Stocks in ihrer Hand. So oder so wirst du mögliche Zweige oder Beulen abschnitzen wollen.
    • Du kannst ein Taschenmesser, ein größeres Messer oder sogar einen Hobel benutzen, um die Rinde abzuschneiden. Benutze das Werkzeug, das sich für dich am besten anfühlt und mit dem du am besten umgehen kannst.
    • Entferne zunächst Zweige und Beulen, dann fange damit an, die Rinde abzuschälen. Mach das in kurzen, schnellen und flachen Bewegungen. Pass auf, dass du nicht ins Holz schneidest. Gutes und sicheres Schnitzen dauert seine Zeit.
    • Schnitze immer von deinem Körper weg und halte deine Beine aus der „Gefahrenzone“ heraus. Durch einen Knoten oder eine Beule im Holz könntest du mit dem Messer abrutschen und dich schneiden oder stechen. Wenn du mit dem Schnitzen überhaupt keine Erfahrung hast, solltest du dir zu Beginn von jemandem helfen lassen, der Ahnung davon hat.
    • Schnitze weiter, bis das helle Holz unter der Rinde zum Vorschein kommt. Die Rinde mancher Bäume besteht aus mehreren Schichten, die du entfernen musst, bevor du zum Holz darunter gelangst.
  4. Lass deinen Stock trocknen. Frisches Holz lässt sich besser schneiden und schnitzen, aber älteres ist haltbarer und härter. Zeit und Geduld sind bei diesem Prozess deine besten Freunde.
    • Die Zeit, die dein Stock zum Trocknen benötigt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Art des Holzes, den Umweltbedingungen und deinen persönlichen Vorlieben. Manche Empfehlungen besagen, dass es durchschnittlich zwei Wochen sein sollten, andere sagen, dass es besser ein Monat sein sollte.
    • Lass den Stock einfach trocknen, bis er sehr hart ist, ohne brüchig zu wirken. Du musst ihn eventuell einige Male umdrehen oder sogar irgendwo festbinden, etwa indem du ihn mit Metallclips auf einem geraden Stück Sperrholz befestigst, die sonst dafür benutzt werden, Rohre oder Kabelkanäle an ihrem Platz zu halten, damit er nicht verbiegt.
    • Holz, das zu schnell trocknet, wird leicht brüchig. Wenn die Luft drinnen also sehr trocken ist, solltest du überlegen, ob du deinen Stock vielleicht besser in einem überdachten Außenbereich wie einer Garage oder einem Schuppen reifen lässt.

Teil 2 von 2: Dekorieren und Personalisieren deines Wanderstocks

  1. Werde kreativ bei der Dekoration deines Wanderstabes. Vielleicht hast schon einmal einen Wanderstab mit einer hübschen Schnitzerei am oberen Ende gesehen; ein langhaariger und bärtiger Männerkopf scheint ein beliebtes Motiv zu sein. Je nachdem wie geschickt du mit dem Taschenmesser und anderen Werkzeugen bist, kannst du dich an einer individuellen und filigranen Dekoration versuchen. Denke dabei daran, dass du den Stock immer einfach ein Stückchen kürzen kannst, wenn du einen Fehler machst.
    • Wenn es eine etwas einfachere Dekoration sein soll, kannst du auch einfach deinen Namen oder deine Initialen in den Stock schnitzen, oder du kannst sie mit einem speziellen Werkzeug hinein brennen. Sei bitte bei jeder der möglichen Techniken sehr vorsichtig, keine davon ist ungefährlich.
    • Es kann auch aus rein praktischen Gründen eine gute Idee sein, den Bereich, in dem du den Wanderstock anfassen wirst, mit Schnitzereien zu versehen, weil der Stock dadurch besser in der Hand liegt. Du kannst zum Beispiel ein Reifenprofil als Inspiration hernehmen, oder du schnitzt für den Griff einfach ein spiralförmiges Muster um den Stock herum.
  2. Beize und versiegele das Holz. Wenn du mit Schneiden, Schälen, Trocknen und Schnitzen fertig bist, ist es an der Zeit, dein Werk entsprechend zu schützen, damit es für viele Jahre hält. Es bleibt dir überlassen, ob du das Holz versiegeln oder sogar beizen willst, aber es ist definitiv empfehlenswert, weil es nicht nur das Aussehen sondern auch die Haltbarkeit deines Stocks verbessert.
    • Ob du dich für oder gegen das Beizen und Versiegeln entscheidest - u solltest den Stock auf jeden Fall zunächst mit grobem und dann mit feinem Sandpapier abschmirgeln. Wische anschließend Staub und Späne mit einem Tuch oder Lappen ab, den du zuvor mit Verdünner befeuchtet hast.
    • Trage Beize immer gemäß der Anleitung auf der Packung auf. Stelle dich darauf ein, dass jede Schicht Beize über Nacht trocknen muss. Außerdem musst du vor der nächsten Schicht das Holz jedes Mal wieder leicht anschmirgeln. Je mehr Schichten du aufträgst, desto dunkler wird das Finish werden.
    • Trage anschließend noch drei Schichten (oder die vom Hersteller empfohlene Anzahl) einer klaren Urethanglasur auf. Zwischen den einzelnen Schichten musst du das Holz immer wieder mit extrafeinem Sandpapier leicht abschmirgeln.
    • Beizen und Versiegeln jeglicher Art sollte nur in gut belüfteten Bereichen geschehen. Trage immer Handschuhe und eventuell eine Schutzbrille und einen Atemschutz.
  3. Besorge dir einen Griff. Wenn du keinen Griff in deinen Wanderstock schnitzen willst (siehe den oben beschriebenen Schritt, in dem es um das dekorative Schnitzen geht), kannst du stattdessen auch anders einen Griff basteln, nachdem du mit sämtlichen Behandlungen mit Beize, Lack und anderen Substanzen fertig bist. Wie gesagt, das bleibt alles ganz dir überlassen.
    • Praktische und optisch ansprechende Handgriffe kannst du beispielsweise aus Lederbändern, Schnur, Nylon oder Seil basteln, die du einfach um den Wanderstock wickelst und mit kleinen Pins oder Nägeln befestigst. Auch ein selbstklebendes Griffband, wie man es etwa für Tennisschläger, Golfschläger oder Hockeyschläger benutzt, erfüllt hier den gewünschten Zweck.
    • Du kannst auch eine Handschlaufe anbringen, damit der Wanderstock noch sicherer in deiner Hand liegt. Bohre dazu (im Idealfall vor dem Beizen und Versiegeln) ein Loch durch den Stock, exakt über dem Bereich, der später der Griff werden soll. Fädele eine Lederschnur oder ein Band aus einem anderen Material durch das Loch und binde es zu einer Schlaufe, die bequem über dein Handgelenk passt.
  4. Schütze das untere Ende des Stocks. Die untere Spitze des Stocks wird relativ großen Belastungen ausgesetzt sein, wenn du den Wanderstock benutzt. Dadurch kann der Stock splittern, brechen oder verfaulen. Du kannst den Stock in seinem natürlichen Zustand belassen und bei Bedarf jedes Mal kürzen, schmirgeln und reinigen. Du kannst ihn aber auch gleich so schützen, dass erst gar keine Schäden auftreten.
    • Gummikappen für Gehstöcke und Gehhilfen sind eine einfache und sehr günstige Lösung. Du bekommst sie im Sanitätshaus und überall, wo medizinische Produkte verkauft werden. Du kannst auch einen großen Gummistopper benutzen. Bohre ein Loch in den Stopper und von unten in den Stock, das jeweils groß genug ist, damit ein Holzdübel hineinpasst, und klebe so die Verbindungsstellen zusammen.
    • Ein kurzes Stück Kupferrohr kann ein eleganter und praktischer Schutz für das untere Ende deines Wanderstocks abgeben. Nimm dazu ein etwa 2,5 cm langes Stück Kupferrohr mit einem Durchmesser von 2 cm oder 2,5 cm und schnitze das untere Ende deines Stock so lange schmaler, bis das Stück Rohr gerade so auf die Spitze passt. Befestige es dann mit einem schnell trocknenden Epoxidkleber am Stock.

Tipps

  • Du kannst ein spezielles Brennwerkzeug benutzen, um persönliche Designs in deinen Wanderstock zu brennen.

Warnungen

  • Wenn du mit einem scharfen Taschenmesser an deinem Wanderstock herum schnitzt, dann denke bitte immer daran, von deinem Körper weg zu schnitzen, niemals andersherum. Du könntest abrutschen und dich schwer verletzten, und wenn dir das während einer Wanderung passiert, bist du weit weg von jeder medizinischen Versorgung.
  • Töte oder verletze niemals einen Baum, nur um aus einem seiner Äste einen Wanderstock herzustellen. Sammele immer einen Ast vom Boden auf.
  • Wenn du noch ein Kind bist, sollte unbedingt immer ein Erwachsener dabei sein, wenn du an deinem Wanderstock arbeitest.
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