Mit einem Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung zusammenleben

Als dissoziative Identitätsstörung (DIS), auch unter multipler Persönlichkeitsstörung (MPS) bekannt, bezeichnet man einen Zustand, bei dem eine Person mehr als zwei Identitäten hat, die sich alle durch unterschiedliche Verhaltensweisen, Stimmungen und Emotionen auszeichnen. In vielen Fällen ist sich die Person überhaupt nicht bewusst, mehrere Persönlichkeiten zu besitzen. Wenn ein Mensch, der dir sehr nahesteht, unter DIS leidet, dann solltest du versuchen, ihm deine Unterstützung und Liebe zu zeigen. In diesem Artikel kannst du erfahren, wie du das Zusammenleben mit jemandem, der DIS hat, besser bewältigen kannst.

Teil 1 von 3: Dem Betroffenen eine sichere Umgebung schaffen

  1. Lerne diese Persönlichkeitsstörung zu verstehen. Es spielt eine sehr wichtige Rolle, dass du dich eingehend mit DIS beschäftigst und lernst, was die Ursachen sein können, welche Symptome sich zeigen und wie du beim Wiedereingliederungsprozess helfen kannst. Um DIS wirklich zu verstehen, solltest du dich unbedingt mit einem Experten, der dir alles genau erklären kann, in Verbindung setzen. Einige grundlegende Dinge, die du verstehen solltest, sind:
    • Ein Mensch mit DIS hat multiple Persönlichkeiten, die seine ursprüngliche Persönlichkeit überschatten. Jede Persönlichkeit hat ihre eigenen Erinnerungen: Wenn dein Angehöriger also etwas tut, während er von einer anderen Persönlichkeit kontrolliert wird, wird er sich später wahrscheinlich nicht mehr daran erinnern.
    • Häufige Ursachen für diese Störung sind Missbrauch im Kindesalter, traumatische Erlebnisse, tiefe Unsicherheit oder schwere Misshandlungen.
    • Zu den Symptomen von DIS gehören auditive Halluzinationen, Amnesien (Gedächtnisverlust), Depressionen, Angst (bis hin zu Panikanfällen) und Dämmerzustände, bei denen der Betroffene auf der Suche nach etwas umherirrt, ohne zu wissen, was er sucht oder warum er es sucht.
  2. Gerate nicht in Panik, wenn es bei deinem Angehörigen zu einem Anfall oder einem Persönlichkeitswechsel kommt. Als Erstes solltest du versuchen, nicht panisch zu reagieren, wenn du miterlebst, wie bei deinem Angehörigen eine andere Persönlichkeit überhand gewinnt. Das Einzige, was du tun kannst, ist, so gefasst wie möglich zu reagieren. Bedenke, dass ein Mensch mit DIS zwischen 2 und 100 verschiedene Alter Egos (Persönlichkeiten) in sich tragen kann und dass sie alle unterschiedlich sind. Diese Alter Egos können Erwachsene, aber auch Kinder sein. Der Betroffene kann ganz plötzlich zu einem Alter Ego wechseln, selbst während des Arbeitens, mitten im Gespräch oder einer anderen Aktivität.
    • Ob du die andere Seite wirklich nicht kennst oder ob du nur so tust, als würdest du sie nicht kennen - gehe entsprechend der momentanen Situation mit dem Wechsel um. Die andere Person könnte anders auf ein langes Gespräch reagieren und die Situation könnte außer Kontrolle geraten.
  3. Sei geduldig. Dein Angehöriger befindet sich in einer äußerst schwierigen Situation. Selbst wenn du manchmal frustriert oder sogar verletzt bist durch etwas, was er getan hat, ist es wichtig zu bedenken, dass ihm nicht zwingend bewusst ist, was er sagt oder tut. Er hat keine Kontrolle, wenn ihn eine andere Persönlichkeit übernimmt. Versuche deshalb geduldig zu bleiben, selbst wenn sein Alter Ego etwas sagt oder tut, was dich enttäuscht oder verletzt.
    • Wenn es trotzdem zu schwer für dich ist, versuche es damit, dass du dich kurz entschuldigst und dir ein paar Minuten Auszeit nimmst.
    • Es ist schwer, die dissoziativen Anfälle in den Griff zu bekommen. Aber in einigen Fällen, wenn die Störung nach einem traumatischen Erlebnis auftritt, kann die Störung durch die Lösung des Traumas verringert werden. Das Trauma sollte direkt nach der Entstehung behandelt werden.
  4. Begegne dem geliebten Menschen mit Empathie. Zusätzlich zur Geduld, solltest du dem Betroffenen auch Einfühlungsvermögen entgegenbringen. Er befindet sich in einer äußerst beängstigenden Situation, daher wird er all die Liebe und Unterstützung, die du aufbringen kannst, brauchen. Sage etwas Nettes zu ihm, höre ihm zu, wenn er über diese Situation redet, und zeige ihm, dass du für ihn da bist.
  5. Vermeide Konflikte und andere stressige Situationen. Stress ist einer der Hauptfaktoren, der zu einem Persönlichkeitswechsel führen kann. Bemühe dich deshalb, deinen Angehörigen von jedwedem Stress zu entbinden. Auch ist es wichtig, Konflikte und Streit zu vermeiden, da sie wiederum zu Stress führen können. Wenn dein Angehöriger etwas tut, das dich verärgert, dann nimm dir einen Moment Zeit zum Durchatmen und versuche deinen Ärger zu kontrollieren. Sobald du wieder gelassen bist, kannst du mit deinem Angehörigen über das, was dich verärgert hat, sprechen und auch darüber, wie er sich in Zukunft verhalten kann, um dies zu verhindern.
    • Bist du mit etwas, was der Betroffene gesagt oder getan hat, nicht einverstanden, dann benutze die „Ja, aber...“-Methode. Behauptet er etwas, womit du nicht einverstanden bist, dann beginne deinen Satz mit „Ja, aber...“, um in keinen direkten Konflikt mit ihm zu geraten.
  6. Unternimm verschiedene Dinge mit deinem Angehörigen. Zwar können einige Menschen mit DIS sich ihre Zeit selbst einteilen und Termine einhalten, doch gibt es auch Betroffene, die ohne Hilfe nicht so gut zurechtkommen. Wenn es deinem Angehörigen schwerfällt, sich an Termine und Verabredungen zu halten, dann hilf ihm sich an Vereinbarungen, die er getroffen hat, zu erinnern.
    • Hänge ein Notizbrett oder eine Tafel, an einen Platz, wo dein Angehöriger es/sie gut sehen kann. Benutze diesen Platz, um wichtige Dinge, die er zu tun hat, aber auch Vorschläge für andere, lustige Unternehmungen, zu notieren.

Teil 2 von 3: Dem Betroffenen helfen den Überblick zu behalten

  1. Sorge dafür, dass dein Angehöriger die Hilfe bekommt, die er braucht. Du solltest ihm ebenso helfen seine Medikamente zur Behandlung der Nebensymptome von DIS, wie Depressionen oder Angstzustände, regelmäßig zu nehmen, wie auch dich darum kümmern, dass der dir Nahestehende zu seinen Therapiestunden geht. Überprüfe die Einnahme der Medikamente, die er jeden Tag nehmen soll, und kümmere dich um die Einhaltung von Therapieterminen und anderen Verabredungen, die er getroffen hat.
    • Wenn dein Angehöriger Probleme damit hat, sich an Termine zu halten, führe einen Kalender für ihn und erinnere ihn an die Termine. Du könntest sie auch auf seib Smartphone schicken, damit er Erinnerungen bekommt.
  2. Erkenne die Warnsignale, dass sich ein weiterer Schub anbahnt. Zwar ist jeder Mensch anders, doch gibt es einige Anzeichen, die bei fast jedem mit DIS auftreten, bevor ein neuer Schub oder ein Persönlichkeitswechsel stattfindet. Einige dieser Symptome sind:
    • Periodisch auftretendes Wiedererleben von Missbrauchsfällen und schlimmen Erinnerungen
    • Depressionen und tiefe Traurigkeit
    • Häufige Stimmungswechsel
    • Gedächtnisverlust
    • Aggressives Verhalten
    • Gefühlsleere
  3. Behalte den Überblick über das Eigentum deines Angehörigen. Wenn es bei einem Betroffenen zu einem Persönlichkeitswechsel kommt, werden Erinnerungen von anderen Alter Egos nicht zwingend übernommen. Dadurch kann es sehr schwierig sein, persönliche Gegenstände, wie Brieftaschen, Handy usw., wiederzufinden. Führe eine Liste mit wichtigen Besitztümern des Betroffenen und klebe Etiketten mit deinem Namen und deiner Telefonnummer auf oder in die Gegenstände.
    • Auch ist es ratsam, dir Kopien aller wichtigen Dokumente, wie Krankenkassenkarte, Kreditkarten, Ausweise, ärztliche Unterlagen, Passwörter usw., deines Angehörigen zu machen.
  4. Achte auf selbstzerstörerische Tendenzen. Menschen, die unter DIS leiden, sind fast immer Opfer von Missbrauch im Kindesalter. Selbstverletzendes Verhalten, wie Selbstmord, Gewalt, Drogenmissbrauch und eine große Risikobereitschaft, tritt bei Menschen mit DIS sehr häufig auf, weil sie das Gefühl haben, dass sie mit solchen Verhaltensweisen ihr Schamgefühl, ihre Ängste und den Schrecken der Missbräuche unterdrücken können.
    • Sollte dir auffallen, dass dein Angehöriger selbstzerstörerische Angewohnheiten entwickelt hat, dann hole sofort Hilfe von seinem Therapeuten oder der Polizei.

Teil 3 von 3: Dich um dich selbst kümmern

  1. Nimm dir Zeit, Dinge zu tun, die du liebst. Es ist enorm wichtig, dass du auf dich selber Acht gibst. Sich um jemanden mit DIS zu kümmern, kann äußerst anstrengend sein: Du solltest daher auf eine gesunde Ernährung wertlegen und dir Zeit zum Ausruhen und Entspannen gönnen.
    • Manchmal solltest du deine eigenen Bedürfnisse voranstellen, damit du deine geistige und körperliche Kraft aufrechterhalten kannst, um auch weiterhin deinen Angehörigen mit DIS unterstützen zu können.
  2. Lege Pausen ein, wenn du sie brauchst. Plane Zeit für dich alleine ein, in der du dich nicht um die Zeitplanung anderer zu kümmern brauchst. Halte Kontakt zu deinen Freunden und achte darauf, dass du jede Woche rauskommst und Spaß hast. Dir eine Pause zu gönnen, wird dir helfen, neue Kraft zu sammeln, damit du auch weiterhin geduldig und einfühlsam mit der Situation umgehen kannst.
    • Nimm an einem Yoga-Kurs teil, um zu deiner Mitte zu finden und inneren Frieden zu erlangen.Yoga und Meditation könnten für dich zwei sehr gute Methoden sein, um zu relaxen sowie Anspannung und Sorgen loslassen zu können.
  3. Gehe zu einer Familientherapie. Es gibt Familientherapien speziell für die Angehörigen von Personen mit DIS. Du solltest zu solchen Therapiestunden gehen, um zu lernen, wie du deinem Angehörigen helfen kannst, mit dieser Persönlichkeitsstörung umzugehen und wie du selber stark bleiben kannst.
    • Du könntest auch einer Hilfsgruppe beitreten, in der du mit anderen Angehörigen von Menschen mit DIS in Kontakt kommst. Frage deinen Therapeuten, welche Gruppen es in deiner Nähe gibt oder suche nach einer über das Internet.
  4. Verliere nicht die Hoffnung. Auch wenn manche Tage sehr trostlos scheinen mögen, so darfst du die Hoffnung trotzdem nie völlig aufgeben. Mit deiner Unterstützung und der Hilfe eines Therapeuten kann dein Angehöriger diese Persönlichkeitsstörung überstehen und irgendwann vielleicht alle seine Persönlichkeiten vereinen können.
    • Denke in schweren Momenten daran, dass dich diese Situation stärker machen wird.
    • Denke an gute Dinge in deinem Leben. Es mag jetzt eien harte Zeit sein, aber es gibt auch andere, gute Dinge, für die es sich zu leben und weiterzumachen lohnt.

Tipps

  • Finde deine eigene Methode, um dich zu beruhigen. Du könntest bis zehn zählen, immer wieder einen Satz, wie ein Mantra, wiederholen oder Atemübungen machen.
  • Vergiss nicht, dass dein Angehöriger nicht unbedingt Kontrolle über das hat, was er sagt und tut - versuche es nicht persönlich zu nehmen.

Warnungen

  • Verhält sich der Betroffene aggressiv gegen sich selber oder dich und du fürchtest, dass er gewalttätig werden könnte, dann rufe die Polizei.
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