Der Umgang mit Schwulenfeinden

Egal ob du selbst lesbisch, schwul, bi- oder transsexuell oder ein Befürworter bist, höchstwahrscheinlich läufst du hin und wieder Schwulenfeinden (Homophoben) über den Weg. Diese Leute offenbaren sich unterschiedlich: Manche von ihnen lassen es durch leichtes Unbehagen gegenüber der Idee von Homosexualität erkennen, andere wiederum lassen sich von ihrer Intoleranz dazu hinreißen, handgreiflich oder beleidigend zu werden. Es kann passieren, dass du Schwulenfeinden innerhalb des Freundes- oder Familienkreises begegnest. Ebenso können sie dir völlig unbekannt sein. Ganz egal, es gibt ein paar Möglichkeiten, wie du deine Würde bewahren und dich selbst behaupten kannst.

Methode 1 von 3: Bleib ruhig und mach einfach weiter

  1. Behalte einen klaren Kopf. Gib Intoleranz keine Chance und lass scharfe Worte nicht an dich heran. Bleib ausgeglichent und lass deine Meinung nicht von Wut, Angst und Hass trüben. Du kannst die Meinung der anderen nicht immer ändern, aber du kannst dein eigenes Handeln kontrollieren.
    • Schlag schwulenfeindliche Phrasen mit ihren eigenen Waffen. Wenn Schaulustige sehen, dass du angesichts Widrigkeiten ruhig bleiben kannst, wird der Schwulenhasser irgendwann als der Irre dastehen.
  2. Nimm dich selbst an. Verstehe, dass genau das der Weg ist, wie du bist und funktionierst. Du kannst das „Schwulsein“ schließlich nicht wegbeten. Du bist ein menschliches Wesen, das liebt und/oder sexuelle Anziehung zu dem gleichen Geschlecht spürt. Oder du bist vielleicht eine Person, die „im falschen Körper geboren“ ist. Das alles ist absolut in Ordnung. Liebe ist Liebe und du bist all die Liebe wert, die du vertragen kannst. Lieb dich selbst und sag dir selbst, dass es ok ist, du selbst zu sein, auch wenn du es an manchen Tagen nur schwer glauben kannst.
    • Solltest du dich manchmal besonders niedergeschlagen fühlen, gönn dir eine Ruhepause von dem ganzen Chaos. Schau in den Spiegel und sag „Ich bin wertvoll. Ich heiße ____ und ich bin (sexuelle Orientierung, Geschlecht etc.). Und ich bin wertvoll.“ Ein bisschen Bestätigung hilft, auch wenn sie nur von dir selbst kommt.
  3. Vermeide Konfrontation. Feuere die Schwulenfeinde nicht an und ignoriere Beleidigungen bis du aus dem Schneider bist. Falls du der LSBTTIQ-Gemeinschaft (steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle, intersexuelle und queere Menschen) angehörst und du begegnest Schwulenfeinden, ist es manchmal das Beste, einfach so zu tun, als ob man nichts gehört hat. Kümmere dich um deinen eigenen Kram und lass die negativen Schwingungen an dir abprallen. Schreck aber nicht davor zurück zu handeln, falls dich die andere Person belästigt oder dir sogar wehtut.
    • Du hast jedes Recht dazu, für das einzustehen, woran du glaubst. Trotzdem werden sich einige Schwulenfeinde unvernünftig verhalten. Zur Konfrontation sogar noch beizutragen oder sie hochzuschaukeln wird keinem besonders guttun.
    • Falls es nicht möglich ist einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen, erinnere dich selbst daran ruhig zu bleiben. Sobald die Spannung steigt, kann es sein, dass Schwulenfeinde aggressiv reagieren oder Unsinn von sich geben. Versuch, dich nicht zu Beleidigungen hinreißen zu lassen. Stattdessen solltest du deinen Standpunkt mit sinnvollen Argumenten verteidigen.
    • Sei besonders vorsichtig, falls du mit Schwulenfeinden zusammenlebst. Wenn du zu viel dagegen ankämpfst, kann es passieren, dass du rausgeschmissen wirst. Eventuell bringst du dich sogar in eine gefährliche Lage. Solltest du dich unwohl zuhause fühlen, schau dich nach einem anderen Zuhause um.
  4. Respektiere Schwulenfeinde, auch wenn sie dich nicht respektieren. Sei der Klügere. Egal ob du selbst schwul oder ein Befürworter bist, versuch deine eigene Mitte zu finden und alle Menschen zu respektieren. Behandle jeden höflich, unabhängig davon, was die- oder derjenige sagt. Jemanden zu respektieren bedeutet nicht, dass du automatisch sämtliche Meinungen und Ansichten teilen musst. Es bedeutet vielmehr, dass du jedem das Recht einräumst, eine eigene Meinung zu haben. Manche Menschen versuchen, dir dein Recht auf Gefühle und Meinung wegzunehmen. Wenn du sie allerdings genauso behandelst, hast du damit auch nicht mehr Ruhe in die Lage gebracht.
    • Fühle mit. Denk daran, dass viele Menschen schon schwulenfeindlich erzogen wurden. Schwulenfeindlichkeit ist eine reflexartige Reaktion für jene, die sich nicht mit ihren Gefühlen auseinandergesetzt haben. Es kann sehr schwer sein, sich von dieser tief verwurzelten Intoleranz zu distanzieren.
    • Falls du von jemandem weißt, dass er oder sie schwulenfeindlich ist, dich aber nicht belästigt, versuch, diese Person wie jede andere zu behandeln. Wenn jemand gerne daran glauben möchte, dass du in die Hölle kommst oder dass du einen moralisch abstoßenden Lebenswandel führst, ist es sein oder ihr Recht. Solange es deiner Art zu leben nicht in die Quere kommt.
  5. Akzeptiere, dass nicht jeder einlenkt. Es braucht seine Zeit bis systemische Intoleranz verschwindet und eine einzelne Person kann nur bis zum bestimmten Grad etwas dafür tun. Versuch, die Sache nicht so sehr an dich herankommen zu lassen. Falls dir jemand nicht den Respekt entgegenbringt, den du verdienst, ist es vielleicht an der Zeit, diese Person hinter dir zu lassen und dein Leben zu leben.

Methode 2 von 3: Mit schwulenfeindlichen Freunden, Familienmitgliedern und Bekannten umgehen

  1. Sprich mit deiner Familie und deinen Freunden. Falls die dir Nahestehenden schwulenfeindliche Gedanken äußern, überleg dir, sie damit zu konfrontieren. Schüttet euch gegenseitig das Herz zum Thema Toleranz aus. Erkläre, warum du dich mit Schwulenfeindlichkeit unwohl fühlst, ob du nun selbst schwul bist oder nicht. Versuch, verständlich zu machen, warum und inwiefern sich die andere Person eventuell intolerant, uninformiert oder unfair verhält.
    • Warte auf den richtigen Zeitpunkt, damit die andere Person offen dafür ist, was du zu sagen hast. Fang kein Gespräch an, sollte die andere Person abgelenkt oder auf etwas anderes konzentriert sein. Gib deinen Worten die Möglichkeit, so eindringlich wie möglich zu wirken.
    • Sei dir bewusst, dass deine Strategie nicht bei jedem funktioniert. Der Versuch, andere zu erziehen, führt vielleicht zu mehr Frustration. Frag dich selbst, ob ein Versuch vielleicht Schaden anrichten könnte.
  2. Sei geduldig. Gib den Menschen eine Chance zu verstehen, warum du so denkst. Du hast vielleicht eine harte Zeit damit gehabt, deine Sexualität zu akzeptieren. Ebenso kann es sein, dass deine Familie und deine Freunde Zeit dafür brauchen. Versuche, offen und ohne Vorurteile zu bleiben, während du dich ihnen erklärst. Solltest du den Personen nahestehen, gibt es eine gute Chance, dass ihre Liebe das Unbehagen überkommt. Gib ihnen Zeit und hör niemals auf, ihnen deine Liebe zu zeigen. Du musst dir keine Beleidigungen gefallen lassen, aber lass sie spüren, dass du bereit für sie bist, sollten sie ihre Meinung ändern.
  3. Bemühe dich, Personen nicht in die Defensive zu treiben. Sag nicht, „du hasst Schwule”, selbst wenn sich jemand wirklich schwulenfeindlich verhält. Nun fühlt sich das Gegenüber vielleicht so, als ob er oder sie sich verteidigen müsste. Versuch es stattdessen mit „Was du gesagt hast, das klingt für mich schwulenfeindlich,… Wolltest du damit wirklich sagen, dass…?“ Hören Menschen noch einmal, was sie gesagt haben, weichen sie oft zurück oder sehen zumindest, wie du das Gesagte interpretierst. Manchmal wissen Menschen schlicht und ergreifend nicht, wie sie sich unter Schwulen verhalten sollen, da es noch nicht oft vorgekommen ist.
  4. Erwäge, „giftige” Menschen hinter dir zu lassen. Es ist niemals einfach, Freundschaften zu beenden oder sogar Familienmitglieder aus dem Leben zu streichen. Trotzdem, ab einem bestimmten Punkt musst du dich fragen, ob der negative Einfluss den positiven überwiegt. Wenn jemand, den du liebst, dich oder jemanden anderen nicht akzeptiert, ist es hilfreicher und sinnvoller, dich und deine Energie offeneren Menschen zuzuwenden.
    • Mach kein großes Drama aus dem Schritt. Versuch eine Distanz zwischen dir und der intoleranten Person zu schaffen. Mit der Zeit, sollten eure Werte voneinander abweichen, werdet ihr getrennte Wege gehen.

Methode 3 von 3: Mit schwulenfeindlichen Fremden umgehen

  1. Sei selbstsicher und glaub an dich selbst. So schwer es auch sein mag: Halt deinen Kopf gerade und den Blick nach vorn und lauf weiter. Die Worte von Schwulenfeinden spiegeln nicht im Geringsten wieder, wer du bist. Sie sprechen für die Intoleranz der Schwulenfeinde. Du musst den Anforderungen anderer nicht gerecht werden. Ebenso wenig musst du versuchen, jemand zu sein, der du nicht bist. Um Hass zu überwinden musst du daran glauben, dass du es kannst, auch wenn es manchmal schier unmöglich scheint.
  2. Hab keine Angst. Schwulenfeinde können Bullys sein. Sobald ein Schwulenfeind aggressiv reagiert, darfst du nicht zeigen, dass es dich verletzt. Alles, was sie wollen, ist eine Reaktion von dir. Zeigst du einem Bully, dass er dich verletzt hat, wird er damit fortfahren. Genau diese Reaktion hat sich der Tyrann erhofft. Die gesagten Dinge und Handlungen mögen wehtun. Trotzdem, wenn du stark bleibst und Mobbing nicht an dich heranlässt, gibt es eine gute Chance, dass sich die Bullys zurückziehen werden.
  3. Lach darüber. Wenn jemand etwas Schwulenfeindliches zu dir rüber ruft, lass es nicht zu dir durchkommen. Versuch zu lächeln und wirf ihnen eine Kusshand zu. Reagier niemals so, wie sie es sich wünschen. Fühlen sie sich mit deiner Reaktion unwohl, fällt es dir womöglich leichter, über die Situation zu lachen. Die Intoleranz wegzulachen wird die Situation nicht zwangsläufig ändern, aber es fällt dir leichter, mit deinem Leben weiterzumachen.
  4. Finde eine unterstützende und dich respektierende Gemeinschaft. Umgib dich mit Freunden, die dich ohne Vorurteile akzeptieren. Für das Richtige einzustehen kann ein harter Weg sein und jede Menge Energie erfordern. Deshalb solltest du dir ein stabiles, unterstützendes Freundesnetz, vor dem du dich nicht rechtfertigen musst, schaffen. Letztendlich brauchen wir alle einen sicheren Ort, an dem wir nicht immer stark sein müssen.
  5. Offenbare dich Menschen und ändere damit ihre Perspektive. Solltest du den Schwulenfeind nicht oft sehen müssen oder bist besonders wagemutig, offenbare dich ihnen. Menschen versuchen vielleicht, ihre Schritte zurückzuverfolgen und wollen ihr intolerantes Verhalten rückgängig machen. Vielleicht kannst du sogar ihre Ansicht ändern. Denk daran, dass dich deine Offenheit in Gefahr bringen kann oder zumindest in eine unbehagliche Lage. Mach dir über die möglichen Folgen eines „coming-out“ Gedanken.
  6. Lerne, dich selbst zu verteidigen. Denk darüber nach, einen Selbstverteidigungskurs zu machen oder befass dich mit einer Kampfsportart. So bist du gegenüber intoleranten Menschen, die zu Gewalt neigen, besser gerüstet. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn du in einer Gegend lebst, die für Intoleranz gegenüber Homosexuellen bekannt ist. Du weißt nie, wie sehr dir deine Kenntnisse über Selbstverteidigung noch nützen können.
  7. Melde schwulenfeindliche Drohungen und Gewalt vertrauenswürdigen Institutionen. Wenn jemand deine Rechte oder die eines anderen missachtet und dagegen verstößt, muss du nach Unterstützung suchen. In der Schule könntest du vielleicht mit einem Lehrer oder einem Berater sprechen, oder auch mit einem anderen Erwachsenen, dem du vertraust. Sollte sich die Situation stark verschlimmern, scheu dich nicht davor, einen Gesetzeshüter heranzuziehen. Schikane ist ein Hassverbrechen.
    • Sollte dich beispielweise ein Kellner im Restaurant nicht bedienen wollen, sprich mit dem Manager und involviere die Besitzer des Restaurants. Die meisten Orte wollen zufriedene Kunden und es gibt Gesetze gegen Diskriminierung. Kenne deine Rechte!

Warnungen

  • Ein Coming-out ist heikel, da du niemals wissen kannst, was die anderen denken. Aber kein Coming-out ist noch viel schwieriger und tut dir außerdem mehr weh.
  • Sollten die Bullys gewalttätig werden, sprich mit deiner Familie oder mit deinem Lehrer. Sollte es sehr ernsthaft werden, musst du die Polizei einschalten.
Information
Users of Guests are not allowed to comment this publication.