Die Angst vor Spritzen überwinden

Menschen haben von Natur aus Angst vor Stichen mit spitzen Gegenständen, wie zum Beispiel Spritzen. Das hilft dir wahrscheinlich nicht, aber wenigstens hilft es dir, zu verstehen, warum du beim Anblick einer Nadel einen kalten Schauer über den Rücken gejagt bekommst. Es ist nachgewiesen, dass die Angst vor Spritzen weit verbreitet ist. Manche Menschen haben Angst vor dem Schmerz, manche vor der Größe der Nadel und andere sorgen sich darum, in Ohnmacht zu fallen. Vergiss nicht, dass du damit nicht allein bist. Spritzen wirken zuerst angsteinflößend, aber mit etwas Übung und der richtigen Einstellung kannst du deinen Körper sowie deinen Geist darauf trainieren, keine Angst mehr davor zu haben.

Teil 1 von 3: Medizinische Empfehlungen für die Angstbekämpfung

  1. Teile deine Angst. Statt deine Furcht vor Nadeln für dich zu behalten und sie so immer größer werden zu lassen, solltest du mit dem Arzt darüber sprechen, der dich spritzen wird. Lass ihn wissen, dass du Angst hast. Sich auszudrücken und mit Menschen über etwas zu sprechen, hilft sehr oft, sich zu beruhigen. Der Arzt wird mit dir über Optionen sprechen und besonders vorsichtig vorgehen, damit du so wenig Schmerz und Angst verspürst wie nur möglich.
    • Sprich nicht einfach nur mit der Person, die dir die Spritze geben wird, sondern mache einen speziellen Termin bei deinem Doktor aus. Er wird dir zuhören, dich beraten und dir deine Angst versuchen zu nehmen, da er sich damit auskennt. Vielleicht wird er dich auch darüber aufklären, welche Medikamente du nehmen könntest, um deine Angst zu bekämpfen.
  2. Nimm ein Betäubungsmittel. Das sind Mittel, die den Schmerz ausschalten. Sie werden normalerweise auf die Haut aufgetragen, damit du den Schmerz durch die Spritze nicht spürst. Auch wenn Nadeln eigentlich nur einen kleinen Schmerz verursachen, kann ein Mensch mit Phobie große Schmerzen während des Vorgangs verspüren. In diesen Fällen hilft eine örtliche Betäubung enorm.
    • Dein Arzt sollte einige Möglichkeiten für örtliche Betäubungen vorweisen können, die dir helfen. Eine davon ist zum Beispiel
      • EMLA Creme
  3. Richte deinen Körper richtig aus. Für Patienten, die leicht das Bewusstsein verlieren, ist es am besten, sich hinzulegen und/oder die Beine hochzulegen, was hilft, die Symptome der Phobie zu lindern. Diese Sorge muss ernst genommen werden, da manche Betroffenen berichten, ohnmächtig zu werden und gleichzeitig einen vagovasalen Anfall zu bekommen. In diesen Fällen musst du den Arzt sowohl über deine Angst als auch über diese Möglichkeit informieren.
  4. Nimm ein Medikament, das deine Angst verringert. Diese Medikamente helfen vor allem denen, die Angst vor der Ohnmacht haben oder leicht das Bewusstsein verlieren, während sie gespritzt werden. Mit der richtigen Körperpositionierung und einer örtlichen Betäubung kann dein Arzttermin so einem Spaziergang im Park gleichkommen. Aber einiges solltest du bei der Einnahme dieser Medikamente beachten:
    • Um deine Angst vor Spritzen zu überwinden und sie nicht einfach nur kurz auszuschalten, solltest du mit hoher Dosierung beginnen und sie nach und nach verringern. Das trainiert deinen Geist so, dass er spürt, dass eine Spritze kein Grund ist, Angst zu haben und/oder in Ohnmacht zu fallen.
    • Weil beruhigende Medikamente dich schläfrig machen können, solltest du einen Freund oder ein Familienmitglied mitnehmen, der dich wieder nach Hause bringen kann. Ansonsten solltest du im Krankenhaus oder in der Praxis bleiben, bis die Wirkung nachgelassen hat.
  5. Versuche es mit anderen Medikamenten. Betablocker, die den Stress verringern, können dir auch helfen, den Eingriff zu überstehen. Das gilt vor allem, wenn du dich davor fürchtest, bewusstlos zu werden und weniger vor der Spritze selbst. Anders als andere Beruhigungsmittel machen sie dich für gewöhnlich nicht schläfrig, was bedeutet, dass sie deine Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigen.

Teil 2 von 3: Sich während des Vorgangs ablenken

  1. Versuche, das Problem nicht größer zu machen als es ist. Denke nicht an die Spritze oder wie du gespritzt wirst. Sorge dich nicht um die Größe der Nadel und mach dir keine Gedanken über den Schmerz. Wenn du dir darüber Sorgen machst, bevor du die Spritze überhaupt bekommen hast, baust du nur unnötig Angst auf. Dadurch wird die ganze Angelegenheit noch unangenehmer für dich.
  2. Denke an etwas Anderes. Lenke dich ab! Nimm dir Freunde mit, mit denen du reden und scherzen kannst. Denke an die Party, die bald ansteht oder an jemanden, den du besonders gern hast. Zähle innerlich oder zähle Schäfchen. Vielleicht hilft es dir, Musik zu hören, um dich von der Spritze abzulenken.
    • Bitte einen Freund oder deinen Partner, deine Hand während des Vorgangs zu halten. Dieser Körperkontakt hilft dir, die Schmerzen der Nadel zu überstehen und lenkt dich ab.
  3. Sieh nicht hin. Schaue woanders hin, wenn du die Spritze bekommst. Sieh weg und konzentriere dich auf etwas Anderes. Das sollte nicht unbedingt die Krankenschwester oder der Arzt sein, da diese Personen sich auf die Spritze konzentrieren und dich über die Behandlung auf dem Laufenden halten werden.
    • Manche Menschen sagen, dass es sehr gut hilft, die Augen zu schließen, auch wenn dadurch weniger Sinneswahrnehmungen vorhanden sind, die dich ablenken können.
  4. Vergiss nicht, langsam und tief zu atmen. Halte deine Atmung unter Kontrolle. Langsames, regelmäßiges Atmen beruhigt deine Nerven und gibt deinem Geist etwas, worauf er sich konzentrieren kann.
  5. Entspanne dich! Entspanne dich, schau weg und zähel von eins bis zehn oder rückwärts. Wenn du abgelenkt bist, denkst du nicht an die Nadel. irgendwann erreichst du das Ende deines Countdowns, das Spritzen ist vorbei und du kannst gehen.

Teil 3 von 3: Vernünftig denken

  1. Erinnere dich selbst daran, dass du darüber stehst. Lass die Spritze nicht deine Gefühle kontrollieren. Du selbst hast die Kontrolle über dein Leben und es gibt keinen Grund dafür, warum eine Nadel das ändern sollte. Gewinne die Kontrolle über deine Gefühle zurück, indem du dir das bewusst machst und nicht impulsiv reagierst. Du hast dich in der Hand!
  2. Erinnere dich daran, dass es manchmal notwendig ist, gespritzt zu werden und Blut abgenommen zu bekommen. Deine Gesundheit profitiert auf lange Sicht davon, auch wenn es kurz mal weh tut. Sich davor zu drücken, schadet meistens nur.
    • Viele Menschen, die Angst vor Nadeln haben, vermeiden Arztbesuche und Bluttests sowie Medikamente, die nur intravenös verabreicht werden können. Das steigert aber das Risiko, krank zu werden, was dann irgendwann zu noch mehr Blutabnahmen und Medikamenten führt. Denke also daran, dass du irgendwann mehr mit deinem Blut zu tun haben wirst, wenn du jetzt jede Spritze scheust.
  3. Sage dir selbst, dass jeden Tag tausende Menschen gespritzt werden, ohne dass etwas passiert. Okay, das ist vermutlich nicht das überzeugendste Argument, wenn es um Gefühle geht, aber es appelliert an deine Vernunft. Es handelt sich um etwas, das jeden Tag passiert, ohne dass die Menschen Schaden davontragen. Also wenn alle das können, kannst du es auch!
  4. Rede dir ein, dass es seine Sache von Sekunden ist. Ein Tag hat 86400 Sekunden, eine Spritze zu bekommen dauert etwa zwei bis 30 Sekunden. Danach ist die Nadel wieder weg und die Sache ist erledigt. Auch wenn es dich schmerzt oder Unbehagen auslöst – es dauert doch nur 0,0003 Prozent deines Tages!
  5. Belohne dich hinterher selbst. Na gut, die Spritze selbst ist nicht angenehm. Wenn du dich jedoch selbst belohnst oder irgendwie aufbaust, sobald es vorbei ist, kannst du die Angelegenheit wenigstens mit etwas kleinem Positiven assoziieren.
  6. Sei so optimistisch wie du kannst. Optimismus ist der Glaube, dass alle gleichwertig sind, dass sich alles zum Guten wenden wird, statt zum Schlechten, auch wenn es manchmal eine Weile dauert, bis sich das Gute zeigt. Eine Spritze ist nicht das Ende der Welt. Eigentlich ist es sogar die Fortführung der Welt. Das Leben geht weiter und wahrscheinlich sogar besser als vor der Spritze. Die Spritze ist nur ein kleines Schlagloch auf deinem Weg.

Tipps

  • Sag das Alphabet rückwärts auf, wenn du die Spritze bekommst. Das ist so schwierig, dass dein Gehirn gar keine Zeit dafür haben wird, sich schlecht zu fühlen und das Bewusstsein zu verlieren.
  • Schau nicht hin, wenn der Arzt dir die Spritze gibt. Denke an etwas Schönes.
  • Eine Injektion tut mehr weh, wenn der Muskel angespannt ist. Massiere die Stelle daher, bevor du die Spritze bekommst und versuche, sie zu entspannen.
  • Benutze deine andere Hand, um dein Bein zu kneifen. Das hilft dir, die Schmerzen zu überdecken und lenkt deine Aufmerksamkeit auf etwas anderes.
  • Höre dir Rock`n Roll oder Dubstep an. Dein Gehirn konzentriert sich so mehr auf die Klänge als auf die Nadel.
  • Beiße auf etwas Hartem herum, wie zum Beispiel einem Schokoriegel. Nimm etwas Zucker zu dir und atme tief ein und aus.
  • Bitte die Person, deinen stärkeren Arm zu spritzen. Weil du diesen häufig bewegst wird der Schmerz schneller verfliegen.
  • Zähle rückwärts, das lenkt dich ab, sodass du vielleicht gar nichts spürst.

Warnungen

  • Bewege dich nicht und heul nicht, während du die Spritze bekommst. Sonst riskierst du, noch einmal gespritzt zu werden.
  • Tu nichts, was die Person ablenken könnte, die dir die Spritze gibt.
  • Warte nicht auf den Schmerz und denke nicht daran!
Information
Users of Guests are not allowed to comment this publication.