Sich trotz extremer Schüchternheit anderen Menschen gegenüber öffnen

Hin und wieder reagieren wir alle nervös, wenn wir uns vor anderen Menschen öffnen sollen. Schlussendlich erfordert es ganz schön viel Mut, sich anderen mitzuteilen und unsere Gefühle offenzulegen. Menschen, die unter extremer Schüchternheit leiden, sind leider allzu oft unsicher und neigen dazu, negativ über sich selbst zu denken. Wenn diese Unsicherheiten und fehlendes Selbstbewusstsein zum Tragen kommen, ist es noch viel schwieriger, sich anderen Menschen zu öffnen. Glücklicherweise ist es mit etwas Geduld und dem nötigen Willen zu Veränderung durchaus machbar, zu lernen, wie man sich anderen Menschen besser öffnen kann.

Teil 1 von 3: Selbstvertrauen aufbauen

  1. Entdecke deinen Wert. Horche tief in dich hinein und führe ein Tagebuch über jene Dinge, die du an dir selbst am meisten schätzt. Vielleicht bist du sehr fürsorglich, verständnisvoll und mitfühlend. Mache dir bewusst, wie tragisch es wäre, wenn der Rest der Welt niemals in den Genuss dieser positiven Eigenschaften käme.
    • Finde heraus, worin du besonders gut bist. Wenn du deine Stärken identifizierst, wird dein Selbstbewusstsein einen wahren Schub erfahren. Wenn du dich also wieder einmal in einem Moment der Selbstzweifel oder der Scham ertappst, wirst du sofort eine deiner Stärken parat haben, um die negativen Gedanken abzuwehren.
    • Konzentriere dich darauf, wie du deine Gewohnheiten zu deinem Vorteil nutzen kannst. Ein Beispiel: Vielleicht bist du eine Person, die sich gerne unter vier Augen mit anderen unterhält und ihre Freizeit am liebsten in der Natur verbringt. Diese vielen intimen Momente mit dir selbst und anderen könnten bewirken, dass du ein besserer Zuhörer wirst und deine eigenen Gefühle bewusster wahrnehmen kannst. Dabei handelt es sich um Stärken, die genauso schwierig zu entwickeln und wertvoll sind wie die Fähigkeit, in einer großen Gruppe ohne Scheu das Wort ergreifen zu können.
  2. Nimm deine Schüchternheit an. Akzeptiere dich selbst als eine Person, die dem Rest der Welt eine ganze Menge zu bieten hat, auch wenn es nicht deiner Persönlichkeit entspricht, ständig im Mittelpunkt zu stehen. Durch diese Maßnahme wirst du eine realistischere Erwartungshaltung entwickeln können, was passieren wird, wenn du dich doch einmal anderen gegenüber öffnest. Möglicherweise wirst du herausfinden, dass du, wenn du dich doch einmal ausgewählten Menschen öffnest, dazu in der Lage bist, tiefe emotionale Bindungen aufzubauen, anstatt nur dein Handy mit unzähligen Telefonnummern von vagen Bekanntschaften füllen.
    • Ein wichtiger Hinweis bezüglich deiner Selbstwahrnehmung: Achte darauf, dass du dich nicht selbst in eine Schublade steckst. Viele Menschen bezeichnen sich selbst als schüchtern, damit sie eine Ausrede haben, um sich nicht den Schwierigkeiten stellen zu müssen, die das Teilen intimer Gefühle mit sich bringt. Betrachte Schüchternheit lieber als einen alternativen Ansatz zur Herstellung emotionaler Bindungen, der gewisse Hürden mit sich bringt, die du überwinden musst und nicht als eine persönliche Grenze oder Unfähigkeit, die du nicht verändern kannst.
    • Du solltest erkennen, dass viele der Dinge, die dich dazu verleiten, dich selbst als schüchtern zu brandmarken (z.B. dass du gerne Zeit alleine verbringst, dass dich banale Gespräche auf Partys langweilen oder dass du nicht immer etwas zu sagen hast), spezifische Erfahrungen darstellen, die die meisten Menschen in ihrem Alltag erleben - ob schüchtern oder nicht.
  3. Lerne, Fehler loszulassen. Verschwende nicht länger deine Zeit damit, unangenehme oder peinliche soziale Situationen wieder und wieder zu analysieren und dich selbst dafür fertigzumachen, diese Situationen zum Teil verursacht zu haben.
    • Erkenne, dass der Rest der Welt nicht alle Augen auf dich richtet. Außerdem sind die meisten Menschen sowieso damit beschäftigt, sich selbst zu beobachten. Anstatt dich selbst so zu beobachten, wie andere Menschen es deiner Meinung nach tun würden, solltest du dein Bewusstsein und deine Aufmerksamkeit nach innen richten. Bewaffnet mit einem tieferen Verständnis dafür, was dich zu einer schüchternen Person macht, solltest du tief in dich hineinhorchen und stattdessen deine eigenen Gedanken bewusst beobachten.
    • Selbstmitleid führt nur dazu, dass du deine ganze Energie darauf verwendest, dich selbst fertigzumachen, anstatt dich auf Basis deiner Erfahrungen weiterzuentwickeln. Finde Trost in der Tatsache, dass mit großer Wahrscheinlichkeit kaum jemand deiner Mitmenschen bemerkt hat, dass du dich in deinem letzten Gespräch etwas ungeschickt angestellt hast. Da du die einzige Person bist, der dein selbstempfundenes Versagen aufgefallen ist, solltest du dich selbst so behandeln, wie du auch eine andere wohlmeinende, schüchterne Person behandeln würdest: Lächle liebevoll in dich hinein, weil du dich so sehr bemüht hast, blicke nach vorne und versuche es erneut.
  4. Setze Zurückweisung in Relation. Denke immer daran, dass Zurückweisung ein normaler, alltäglicher Bestandteil des Lebens ist und wir lernen müssen, den Unterschied zwischen uns selbst und anderen zu verstehen. Nehmen wir an, du befindest dich auf einer Veranstaltung und die Person, mit der du gerade sprichst, rückt langsam von dir weg und schlussendlich stehst du alleine da. Anstatt dir nun Schuldgefühle einzureden, solltest du erkennen, dass das Szenario für beide Beteiligten nicht ideal war.
    • Konzentriere deine Aufmerksamkeit darauf, deine Lehren aus dieser Erfahrung zu ziehen. Vielleicht hatte die Person, die dich gegen einen anderen Gesprächspartner eingetauscht hat, einen schlechten Tag und sah einen guten Freund durch die Tür kommen. Du könntest aus dieser spezifischen Situation die Erkenntnis mitnehmen, dass das eigene Bedürfnis nach Verbundenheit (mit einer vertrauten Person) manchmal wichtiger sein kann (und manchmal sogar sollte) als gesellschaftliche Umgangsformen.
    • Stelle sicher, dich selbst für deine Bemühungen zu belohnen – selbst wenn die spezifische Situation nicht den Ausgang nahm, den du erwartet oder dir gewünscht hast. Betrachte ehrlich, was du unternommen hast, um das Gespräch zu beleben und dich als guter Zuhörer zu beweisen. Berücksichtige auch deine Fortschritte – möglicherweise hättest du vor nur einem Monat niemals das nötige Selbstvertrauen aufgebracht, ein Gespräch zu initiieren – und sei stolz auf dich! Letzen Endes können wir nur uns selbst und unsere Einstellung ändern. Die tatsächlichen Resultate werden immer von unzähligen anderen Aspekten des Lebens abhängen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen.
  5. Verabschiede dich von deinem Perfektionismus. Viel zu oft zerstören unrealistische Erwartungen unsere Fähigkeit, die guten, positiven Dinge, die wir in unserem Leben leisten, zu erkennen. Frage dich selbst: „Bin ich tief im Inneren wirklich davon überzeugt, dass es eine Notwendigkeit darstellt, mit jeder anderen Person zu sprechen und ausnahmslos alle Menschen zu mögen?“. Es ist ein einfaches Gesetz des Lebens, dass wir keine innere Motivation aufweisen, uns jeder beliebigen Person zu öffnen.Stelle sicher, dass deine Mission, dich anderen Menschen gegenüber zu öffnen, keinen Versuch darstellt, dein gottgegebenes Gespür dafür, wem du vertrauen kannst und wem nicht, zu übertrumpfen.
    • Unangebrachter Perfektionismus kann außerdem auftreten, wenn wir versuchen, uns anderen gegenüber in einem bestimmten Licht zu präsentieren. Nimm den Druck von deinen Schultern und erkenne, dass du nicht kontrollieren musst (und kannst), wie andere dich wahrnehmen. Das bedeutet, dass deine Aufgabe in sozialen Situationen einzig und alleine sein kann, andere zu beobachten und das Wort zu ergreifen, wenn du etwas Positives zum Gespräch beitragen kannst – das ist wesentlich einfacher, als dein gesamtes Verhalten zu überwachen und dir zwanghaft Sorgen zu machen, wie du bei anderen rüberkommst.
  6. Nutze positive Selbstgespräche.Worte haben die großartige Macht, sich in unseren Gedanken zu verankern. Versuche daher, negativen Selbsturteilen und Selbstkritik mit Ermunterungen zu begegnen. Wenn ein Gedanke wie: „Ich bin zu schüchtern, um mit anderen Menschen zu sprechen“ in deinem Kopf auftaucht, solltest du dich selbst daran erinnern, dass du zweifellos in der Lage bist, mit anderen zu kommunizieren und dass du das nötige Selbstbewusstsein aufbringst, einfach du selbst zu sein.
    • Wenn du dein Gehirn von nun an darauf trainierst, aufkommende Zweifel zu ignorieren und stattdessen selbstbejahende Aussagen und bestätigende Worte zu denken, wirst du in sozialen Situationen vermehrt Beweise für deine Fähigkeiten und Leistungen erkennen.
  7. Schreibe ein Tagebuch. Es wird dir leichter fallen, dich zu öffnen, wenn du immer weißt, was du sagen kannst. Tagebuch schreiben ist eine großartige Methode, um deine innere Stimme zu finden. Egal, ob du in deinem Tagebuch über Dinge schreibst, die dir selbst passiert sind oder die du in den Nachrichten gehört hast: Mithilfe dieser Übung wird es dir von nun an leichter fallen, eigene Meinungen zu formulieren und passende Antworten auf Aussagen aus deiner Umwelt zu finden.
    • Auf diese Weise kannst du lernen, jene Gehirnregion zu trainieren, die für Sprache und Worte zuständig ist. Bald wirst du in der Lage sein, eine Meinung zu allen möglichen Themen zu haben. Falls du in einem Gespräch das Bedürfnis hast, ein neues Thema anzuschneiden, kannst du auf Dinge überleiten, die du in deinem Tagebuch behandelt hast. Sage zum Beispiel: „Neulich habe ich über ___ nachgedacht“.

Teil 2 von 3: Sich in einer intimen Atmosphäre öffnen

  1. Erteile dir selbst die Erlaubnis, deine Gefühle mit anderen zu teilen. Wenn du nur über ein geringes Selbstvertrauen verfügst und dir konstant Sorgen darüber machst, was andere über dich denken, könnte es unvorstellbar erscheinen, intime Gedanken und Gefühle mit anderen zu teilen. Auch wenn du ständig mit dir selbst beschäftigt bist und vielleicht sogar die Nase voll davon hast, die ganze Zeit über dich und deine Wirkung nach außen nachzudenken, solltest du immer daran denken, dass die Menschen in deinem Leben das genaue Gegenteil erleben. Da du sehr schüchtern und zurückhaltend bist und deine wahren Gefühle vor anderen nicht gerne offenlegst, wünschen sich die Menschen in deinem Leben vermutlich, dass du dich ihnen mehr öffnest, damit sie dich und deine Handlungen besser kennenlernen und verstehen können.
    • Indem du dich bemühst, einige Aspekte deines Innenlebens nach außen dringen zu lassen, erhältst du auch dich Möglichkeit, andere Perspektiven kennenzulernen. Wenn dein Selbstbild eher negativ ist, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass die Menschen, denen du genug vertraust, um dich ihnen zu öffnen, alles unternehmen werden, um dir positive Seiten deiner Persönlichkeit aufzuzeigen, die du selbst vielleicht nicht erkennen kannst.
  2. Gestehe dir deine eigene Schüchternheit ein. Wenn du dich einem Freund, einem Familienmitglied oder einem romantischen Partner gegenüber öffnen möchtest, solltest du keine Angst davor haben, dir und der anderen Person offen und ehrlich einzugestehen, worauf du hinauswillst. Indem du deine imaginäre Schutzmauer niederreißt und offen über deine aktuellen Gefühle sprichst, werden deine Mitmenschen sofort das Gefühl haben, auf einer tieferen Ebene emotional mit dir verbunden zu sein. Außerdem muss die andere Person danach nicht länger in Angst oder Zweifel leben, dass sie Schuld daran sei, dass du dich ihr gegenüber nicht öffnen kannst.
    • Versuche, das Gespräch so oder so ähnlich zu beginnen: „Ich möchte, dass du weißt, dass es mir sehr schwerfällt, über meine Gefühle zu sprechen. Also sei bitte nachsichtig mit mir“. Diese Aussage klingt nicht wie eine schlechte Ausrede, sondern wird stattdessen den Effekt haben, dass dir die andere Person ihre Unterstützung zeigen möchte. Denke immer daran, dass du dich für deine Fortschritte beim Teilen deiner Gefühle nicht entschuldigen oder rechtfertigen musst. Wenn du dich entschuldigst, setzt du nur Zweifel und Passivität in Gang.
    • Stelle sicher, dass du deine Schüchternheit nicht dafür benutzt, deinen Mitmenschen zu signalisieren, dass du Mitleid oder einen metaphorischen Babysitter brauchst. Das Eingeständnis deiner Schüchternheit hat einzig und allein den Zweck, deinen Mitmenschen eine Erklärung dafür zu geben, warum du in sozialen Situationen oft nervös und fahrig wirkst. Wenn dir andere Menschen mit Geduld und Unterstützung begegnen, wirst du mit der Zeit lernen, dich mehr zu öffnen und es wird dir leichter fallen, in sozialen Situationen aktive Bemühungen zu zeigen und gewisse Risiken einzugehen.
  3. Konzentriere dich auf die andere Person. Richte deinen Fokus nach außen und erlaube der anderen Person, dein emotionales Mitteilungsbedürfnis zu stimulieren. Beobachte die Gesichtsausdrücke deines Gesprächspartners und höre genau hin, ob sich sein Tonfall verändert, damit du die Anzeichen erkennst, die dich darauf hinweisen, worauf er freudig oder aufgeregt reagiert. Aufregung ist ansteckend und wenn du dich voll auf das Gespräch konzentrierst, wird es dir schwerfallen, nicht auf starke Emotionen zu reagieren.
    • Die volle Aufmerksamkeit für die Signale der anderen Person sollte dich allerdings nicht dazu verleiten, im Gespräch eine untergeordnete Rolle einzunehmen. Ein Beispiel: Wenn dein Bruder dir detailliert von einem Problem in seinem Job erzählt, solltest du antworten, indem du entweder nach weiteren Informationen fragst, ihm tröstlichen Rat gibst, deine eigene Meinung zum Problem äußerst oder eine ähnliche Erfahrung mit ihm teilst.
    • Schüchternheit ist, zum Teil, ein zwanghafter Fokus auf sich selbst, wodurch schüchterne Menschen Schwierigkeiten haben, angemessen auf andere zu reagieren. Die Übung, dich voll auf andere zu konzentrieren, wird dich mehr und mehr von deiner extremen Schüchternheit befreien.
  4. Teile deine Gefühle aus tiefstem Herzen. Beginne, darauf zu vertrauen, dass dir jemand in einem intimen Moment gerade deshalb seine volle Aufmerksamkeit schenkt, weil er hofft, mehr über dich zu erfahren. Mach dir das Leben selbst leichter, indem du dich daran erinnerst, dass es bei deinen Gefühlen kein falsch oder richtig gibt. Wenn du den Eindruck hast, dass dich die andere Person verurteilt oder du Angst davor hast, im Laufe des Gesprächs für deine Gefühle verurteilt zu werden, solltest du dich selbst fragen: „Wer verurteilt mich hier eigentlich?“. Wenn du beginnst, dich gegenüber anderen zu öffnen, könntest du erreichen, deinen schärfsten Kritiker ruhigzustellen – dich selbst.
    • Es wird immer Dinge geben, die du auf dem Herz hast und die du mit anderen teilen kannst. Fühlst du dich nichtssagend, leer oder ratlos? Das sind ziemlich intime Dinge, die du mit einer anderen Person teilen kannst. Wenn du den Schritt erst einmal gewagt hast, könnte es sogar passieren, dass du eine ganze Lawine von Gefühlen und Erinnerungen lostrittst, die mit deiner ersten Aussage in Zusammenhang stehen.
    • Du könntest das Gespräch beginnen, indem du beispielsweise sagst: „Weißt du, es ist schon komisch: Wann immer ich versuche, über mich und meine Gefühle zu sprechen, habe ich das Gefühl, dass in mir nur eine große, leere Fläche ist. Manchmal frage ich mich wirklich, was es ist, das ich einfach nicht ausdrücken kann...“.

Teil 3 von 3: In sozialen Situationen Unterhaltungen führen

  1. Sei vorbereitet. Stresse dich nicht selbst, indem du zu einer Veranstaltung gehst, ohne dir vorher ein paar Ideen für leichten Smalltalk überlegt zu haben. Bleibe stets auf dem Laufenden, was aktuelles Tagesgeschehen, die neuesten Bar- und Restauranteröffnungen in deinem Bezirk oder andere interessante Gesprächsthemen betrifft. Wenn du mindestens fünf bis sechs Themen vorbereitest, die du bei Bedarf anschneiden kannst, wirst du flexibel genug sein, immer auf ein Thema zurückgreifen zu können, das der spezifischen Situation angemessen ist.
    • Zusätzlich zu allgemeinen Gesprächsthemen solltest du dir einen Eindruck davon verschaffen, welche Dinge eine spezifische Gruppe von Menschen relevant und interessant finden könnte. Wenn du beispielsweise auf eine Party gehst, auf der eine Jazzband spielt, solltest du dein musikalisches Wissen wieder etwas auffrischen.
  2. Beginne klein. Zwinge dich nicht dazu, zu Veranstaltungen und Treffen zu gehen, die auf dich besonders einschüchternd wirken. Des Weiteren könntest du versuchen, dir selbst einen flexiblen, zeitlichen Rahmen zu setzen. Selbst, wenn du länger bleiben möchtest, solltest du dir immer in Erinnerung rufen, dass du mit dir selbst eine Abmachung getroffen hast, beispielsweise mindestens zwei Stunden zu bleiben.
    • Wenn du etwas früher eintriffst, könnte dir das ein gewisses Sicherheitsgefühl verschaffen, da du ausreichend Zeit haben wirst, dich an die herrschende Atmosphäre anzupassen. Die Panik, die in dir aufkommt, wenn du eine volle Veranstaltung oder einen vollen Raum betrittst, kann manchmal schon ausreichen, damit du wieder in dein altes Muster des Selbstzweifels verfällst.
  3. Wirke offen und zugänglich. Nutze dein Auftreten, um anderen zu vermitteln, dass du eigentlich gerne angesprochen werden möchtest. Wenn deine Hände in deinen Hosentaschen stecken oder hektisch SMS tippen, könnten andere den Eindruck haben, dass du beschäftigt bist oder einfach kein gesteigertes Interesse daran hast, mit anderen zu interagieren. Versuche, dir vorzustellen, wie du dich selbst gibst und verhältst, wenn du mit einer Person zusammen bist, der du absolut vertraust. Vielleicht sind deine Augen wach und offen und starren nicht auf deine Füße. Deine Arme sind vermutlich nicht verschränkt und du versteckst dich nicht unter mehreren Schichten an Klamotten.
  4. Beginne eine Konversation. Erzähle zu Beginn des Gesprächs am besten von Erfahrungen, die du kürzlich gemacht hast und vertraue darauf, dass ihr auf ein reichhaltigeres Gesprächsthema kommen werdet, sobald das Gespräch in Gang gekommen ist. Vielleicht hast du kürzlich eine Verfolgungsjagd der Polizei beobachtet oder einen aufregenden Urlaub verbracht. Beginne mit einem simplen Kommentar über ein Thema, auf das jeder Gesprächspartner mit Leichtigkeit antworten können sollte, wie z.B. „Wie bekommt das Bier?“ oder „Ich bin mir sicher, dass ich dieses Lied schon einmal gehört haben, aber ich kann es einfach nicht zuordnen!“.
    • Du wirst immer auf der sicheren Seite sein, wenn du eine Sache aus deiner unmittelbaren Umgebung kommentierst. Wenn du in deinem Gespräch deine Beobachtungen teilst, z.B. welchen Eindruck du von der Nachbarschaft hast, in der ihr euch befindet, was dir an den Menschen auffällt, die sich in der Nähe aufhalten oder was du vom Essen hältst, das auf der Veranstaltung serviert wird, lädst du dein Gegenüber quasi dazu ein, dein Meta-Kommentator zu werden. Auf diese Weise begebt ihr euch auf eine gemeinsame Mission, Kuriositäten und anderes Interessantes in der Umgebung zu finden, das ihr im Anschluss besprechen könnt.
    • Erwähne so viele thematische Leckerbissen und Details wie du nur kannst. So kannst du verhindern, dass die Unterhaltung abflacht und langweilig wird. Wenn dich jemand fragt, wie es dir geht, solltest du nicht einfach nur mit "gut" antworten. Versuche lieber etwas Ähnliches wie: „Ziemlich gut, besonders wenn man bedenkt, wie mein Tag gestern war. Oh Mann!“.
    • Wenn du Beobachtungen, ähnliche Erfahrungen und Erkenntnisse mit deinem Gesprächspartner teilst, solltest du es vermeiden, dich für dich und deine Aussagen zu entschuldigen. Einleitungen wie: „Vielleicht geht es nur mir so...“ oder „Tut mir leid, aber ich bin der Meinung...“ machen den Eindruck, dass du verängstigt bist und kein Selbstvertrauen hast.
  5. Nutze selbstbewusste Körpersprache. Es gibt diverse körperliche Handlungen, die signalisieren, dass du aufmerksam an der Unterhaltung teilnimmst. Augenkontakt, Handbewegungen und Nicken eignen sich gut, um deinen Gesprächspartnern mitzuteilen, dass dich ihre Aussagen interessieren und dass du das Gespräch gerne fortführen möchtest.
    • Wenn das Sprechen dein vorrangiges Problem ist, könntest du leicht vergessen, dass sich öffnen zur Hälfte aus aufmerksamem Zuhören besteht. Wenn du dich vor allem darauf konzentrierst, das Gesagte zu hören und zu verstehen, wirst du quasi wie von selbst eine Antwort darauf haben – du wirst nicht unvorbereitet oder überrascht sein. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du aufgrund deiner Schüchternheit weniger sprechen wirst als andere, daher solltest du das durch besonders aufmerksames Zuhören wieder wettmachen.
  6. Stelle offene Fragen. Bei offenen Fragen handelt es sich um Fragen, die nach einer Antwort verlangen, die über ein simples "ja" oder "nein" hinausgeht. Indem du diese Art von Fragen stellst, sobald du ein Gespür für ein bestimmtes Gespräch entwickelt hast, wirst du anderen zeigen können, dass du dich ehrlich dafür interessiert, was passiert oder gesagt wird.
    • Ein Beispiel: Wenn dir jemand davon erzählt, dass er gestern ewig im Stau feststeckte, solltest du nicht fragen, wie lange es gedauert hat, bis er endlich zu Hause war. Stattdessen könntest du fragen: „Wie bekämpfst du auf langen Reisen deine Langeweile?“ oder „Welcher Aspekt des Nachhausekommens macht dich am glücklichsten?“. Anstatt einer knappen Antwort wie „Für gewöhnlich eine ganze Stunde“, wird dir dein Gegenüber eine ausführliche Antwort geben, die schnell zu weiteren interessanten Themen führen wird.
    • Außerdem kannst du mit offenen Fragen erreichen, dass gesprächigere Menschen das Wort ergreifen und die Konversation führen werden. So gelangst du in die angenehme Situation, dass sich die enthusiastischen Plaudertaschen an ihre interessierten Zuhörer richten und das bist in diesem Fall du.
    • Betrachte dich selbst als eine Art Freizeit-Journalist. Du bist erpicht darauf, mehr über andere zu erfahren und du hast kein Problem damit, sie dazu zu animieren, über sich selbst zu sprechen. Nicht nur verletzt du damit nicht ihre Privatsphäre, sondern du gibst deinen Gesprächspartnern die Möglichkeit, über jene Themen zu sprechen, mit denen sie am meisten vertraut sind.
  7. Sorge dafür, dass sich andere wohlfühlen. Am besten kannst du das erreichen, indem du eine einfühlsame, zwischenmenschliche Bindung zur anderen Person herstellst, also zum Beispiel indem du sie freundlich anlächelst. Wenn du lächelst und Augenkontakt herstellst, signalisierst du der anderen Person, dass du freundlich und an einem Gespräch interessiert bist und dass du gerne in Kontakt treten möchtest. Diese Strategie funktioniert bei Freunden und Fremden gleichermaßen gut – Menschen sind darauf programmiert, gegenseitiges Lächeln wertzuschätzen. Es ist, als ob du deinem Gesprächspartner aus der Ferne einen metaphorischen Klaps auf die Schulter geben würdest!
    • Denke immer daran, dass alle Personen aus einem bestimmten Grund anwesend sind: Weil sie mit anderen interagieren möchten. Wenn du das Gefühl hast, zu direkt zu sein oder dich einer anderen Person aufzudrängen, solltest du immer daran denken, dass dein Gegenüber mit großer Wahrscheinlichkeit erleichtert und aufgeregt darüber ist, jemandes Aufmerksamkeit gewonnen zu haben.
    • Wenn du diese warmen, freundlichen Signale aussendest, könnte sich das Gespräch völlig anders anfühlen. Anstatt dich selbst formell-distanziert vorzustellen, könntest du einfach ins kalte Wasser springen und sagen: „Was für eine Nacht, nicht war?“ oder „Hallo miteinander. Den ganzen Abend habe ich schon das Gefühl, dass ich mich dieser heiteren Truppe anschließen sollte...“.
  8. Halte durch.Verwandele die einschüchternde Situation in eine Möglichkeit zur Selbstbeobachtung und eine Chance auf persönliches Wachstum. Werde zum Beobachter und hinterfrage dich und deine Handlungen. Beantworte dir dabei folgende Fragen: „Warum fühle ich mich gerade so? Was hat diese Gefühle verursacht? Könnte es eine alternative Erklärung dafür geben, was gerade passiert?“.
    • Angenommen, du bist erst seit 30 Minuten auf einer Party und du beginnst langsam, dich unwohl oder ängstlich zu fühlen. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn du kurz die Toilette oder einen anderen ungestörten Raum aufsuchst, um dich zu sammeln und ein paar schnelle Methoden anzuwenden, die bewirken, dass du dich wieder beruhigen kannst.
    • Gib in unangenehmen Situationen niemals auf. Ermögliche es dir selbst, unempfindlicher gegenüber schwierigen Situationen zu werden, vor denen du normalerweise davonlaufen würdest. Vielleicht wirst du überrascht feststellen, dass eine peinliche Pause fast komisch wirken kann und bei weitem kein so großes Desaster ist, wie du befürchtet hast.
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