Sich aus dem Internet löschen

Willst du dem Internet entkommen? Während manche die Bekanntheit im Internet suchen, kann es für andere zu einer großen Belastung werden. Sich selber aus dem Internet komplett zu löschen ist nicht immer möglich, wenn du jedoch diesen Schritten folgst, kannst du dem sehr nahe kommen.

Vorgehensweise

  1. Denke das sehr gut durch, bevor du weitermachst. Viel von dem, was weiter unten vorgeschlagen wird, kann NICHT rückgängig gemacht werden. Das bedeutet, dass du Informationen verlieren wirst, jegliche vermarktbare Präsenz, die du online entwickelt hast, einbüßen könntest und in manchen Fällen sogar keine Möglichkeit mehr haben wirst, ein Benutzerkonto mit demselben Namen oder sogar derselben E-Mail-Adresse wieder zu eröffnen. Dies sind dramatische Maßnahmen und sollten auch als solche gesehen werden.
    • Überlege, was dein Antrieb für den Wunsch ist, dich komplett zu löschen. Ist es ein Cyberstalker? Ist es eine einzelne schlechte Erfahrung? Oder bist du es einfach satt, überall im Internet über dich zu lesen und zu hören? Stell sicher, dass du den Grund dafür genau kennst, bevor du dich weiter vertiefst.
    • Gibt es andere Möglichkeiten, das Problem zu lösen, wie das Ändern deines Online-Namens oder indem du ein anderes E-Mail-Benutzerkonto statt deines normalen verwendest? Wenn deine derzeitige E-Mail-Adresse zum Beispiel online eher anstößige Assoziationen hervorruft, könntest du eine andere anlegen, die du ausschließlich für seriöse Transaktionen wie das Senden von Bewerbungen, das Erstellen von Geschäftsprofilen etc. verwendest?
    • Sei dir im Klaren darüber, dass du dich vielleicht nicht einmal mehr an alle Seiten erinnerst, bei denen du dich eingetragen, teilgenommen, Benutzerkonten eröffnet hast etc.
  2. Lösche Benutzerkonten. Wie schon erwähnt ist es möglich, dass du mehr Benutzerkonten eröffnet hast als du dich erinnern kannst. Je bekannter die Seite, desto besser ist es jedoch, sein Konto zu löschen, wenn du versuchst, aus dem Internet zu verschwinden. Das benötigt dann nicht unbedingt eine „tiefe Interneterinnerung“ von dir, ist aber ein guter Beginn. Die folgende Aufstellung soll es dir leichter machen, deine Konten bei den gängigsten Seiten zu löschen:
    • Lösche dich von Facebook
    • Lösche dich von Twitter
    • Lösche dich von YouTube
    • Lösche dich von LinkedIn
    • Lösche dich von Flickr
    • Lösche dich von StumbleUpon
    • Lösche dich von MySpace
    • Lösche dich von Paypal
    • Lösche dich von eBay und anderen Auktionsseiten
    • Lösche dich von Craigslist und anderen Kleinanzeigenportalen
    • Lösche dich von deiner Alma Mater (Schule, Universität). Mach das nur, wenn du dort nicht länger eingeschrieben bist.
    • Lösche dich selber von Spiele-Seiten. Entferne alle deine Informationen von allen Spiele-Seiten. Ja, das umfasst auch alle virtuellen Güter, die du gewonnen und über all die Jahre gehortet hast. Verschenke sie an Leute, von denen du willst, dass sie diese erhalten, wenn die Seite das erlaubt.
    • Schließe verbundene Konten. Verbundene Seiten wie Hootsuite, Tweedeck etc. sind Applikationen von Drittanbietern, die dir die Nutzung von Konten auf sozialen Netzwerken erleichtern. Vergiss diese nicht.
  3. Sprich dich ab, wenn du unlöschbare Konten löschen willst. Manche Seiten erlauben keine vollständige Löschung, sondern zwingen dich, dein Benutzerkonto lediglich zu „deaktivieren“ (während deine Informationen im System verbleiben) oder es nur aufzugeben. Wenn es einen triftigen Grund für die Entfernung gibt (wie zum Beispiel Zeugenschutz), dann kontaktiere die Besitzer oder Ersteller der Seite; du solltest zumindest in der Lage sein, den Namen zu ändern, um deine richtige Identität zu schützen. Wenn du jedoch niemanden findest, der dich dabei unterstützt, gibt es nur die Möglichkeit der Abgrenzung bzw. Dissoziation:
    • Entferne jeden letzten Rest von Information über dich vom Benutzerkonto. Wenn es keine Option ist, manche Felder einfach leer zu lassen (oder du vermutest, dass deine Informationen irgendwo anders trotzdem gespeichert bleiben), überschreibe diese Felder mit klar falschen (Dingus Oppenheimer IV) oder klar allgemeinen (John Smith) Informationen (es besteht keine Notwendigkeit, irgendeinen anderen armen Teufel mit deinem Konto in Verbindung zu bringen). Beachte – wenn du versucht, eine andere E-Mail-Adresse einzugeben, wird dir die Seite ein E-Mail zur Bestätigung senden, was bedeutet, dass eine nichtexistierende Adresse nicht in Frage kommt. Das bringt uns zu unserem nächsten Schritt.
    • Erstelle ein neues E-Mail-Benutzerkonto mit einem Anbieter von Freemail. Je unwahrscheinlicher der Benutzername, desto besser (Beispiel: jr7_9!4dkl@woimmer.com. Mehr dazu in einer Minute). Stell sicher, dass du auch hier falsche Informationen eingibst. Schließe diese Seite nicht; wenn deine Adresse so unwahrscheinlich und komisch ist, wie sie es sein soll, kann es sein, dass du sie selber nicht mehr findest.
    • Verbinde den unlöschbaren Account mit dieser neuen E-Mail-Adresse. Bestätige die Adresse, wenn du dazu aufgefordert wirst. Wenn das abgeschlossen ist, stell sicher, dass deine richtige E-Mail-Adresse in diesem Benutzerkonto nirgends mehr aufscheint.
    • Lösche deine neue E-Mail-Adresse. Dein unlöschbares Benutzerkonto ist nun mit einer Adresse verbunden, die nicht länger existiert. Es gibt immer die Chance, dass eines Tages jemand anders versucht, ein Benutzerkonto auf der Seite einzurichten, von der du dich gerade abgegrenzt hast und dabei auch noch den unwahrscheinlichen Benutzernamen jr7_9!4dkl@woimmer.com verwendet. Er oder sie wird dann wohl etwas verwirrt sein, lass dir jedoch deswegen nicht nächtelang den Schlaf rauben.
  4. Schließe deine persönlichen Seiten. Wenn du Seiten im Internet erstellt hast, musst du diese komplett entfernen. Manche dieser Seiten können einschließen:
    • Blogs. Wenn du einen populären Blog hattest sei dir bewusst, dass Ausschnitte davon wahrscheinlich schon über das Internet verstreut wurden. Dagegen kannst du nichts tun.
    • Blogs innerhalb von Seiten. Viele Seiten bieten Blogs als Teil des Beitritts: Vergiss diese nicht, solltest du welche gestartet haben.
    • Gruppen wie Ning, Gro.ups, Yahoo Groups etc. Deine Möglichkeit, diese zu löschen, kann von der Unterstützung anderer abhängen.
    • Forum Postings. Das wird wahrscheinlich so gut wie unmöglich für viele Seiten sein, versuch jedoch, was du kannst.
    • Artikel, die du für online Artikelseiten verfasst hast. Deine Möglichkeit, diese zu löschen, hängt von den Geschäftsbedingungen dieser Seiten ab.
  5. Kontaktiere dein Telefonunternehmen, um sicherzustellen, dass du online nicht gelistet bist. Wenn du es bist, bitte sie, deine Details komplett zu löschen. Ebenso für jegliche Kundendatenbank, die bewirken könnte, dass dein Name und deine Details online zu sehen sind.
  6. Storniere alle Mailing-Listen. Das sollte relativ einfach sein, da die Methode, sich auszutragen, normalerweise im E-Mail-Text selber zu finden ist, oft auch mit einem direkten Link. Befolge die individuellen Instruktionen. Wenn du diese Instruktionen nicht finden kannst, kontaktiere direkt die Seitenadministratoren.
  7. Lösche Suchmaschinenergebnisse, die dich anführen. Führe mehrere Suchen mit Variationen deines Namens oder Onlinenamen(s) durch, um alles zu finden, was man vergessen könnte und entferne es manuell. Vergiss nicht, dass Suchmaschinen auch alte Seiten und Informationen – einschließlich Erwähnungen von dir – zwischenspeichern, die seitdem geändert oder gelöscht wurden; da es aber nicht im Interesse der Suchmaschine ist, alte Informationen zu liefern, werden diese normalerweise mit der Zeit von selber verschwinden. In manchen Fällen musst du jedoch die Suchmaschine direkt kontaktieren, um verzwicktere Löschungen durchführen zu können. Sei dir bewusst, dass deine Entfernung aus Suchmaschinen manchmal ziemlich aufwändig sein und mit Papierkrieg in der richtigen Welt (beispielsweise Faxe etc., um deine Identität zu bestätigen) verbunden sein kann. Die bekanntesten Suchmaschinen und Leute-Suchmaschinen, die du wahrscheinlich durchgehen willst, sind unter anderem:
    • Google (lies „Wie man sich selber ungoogled“)
    • Yahoo
    • Bing
    • White Pages
    • US Search
    • Intelius
    • Yahoo People Search
    • Acxiom
    • People Finder
    • Zaba Search
  8. Bleib höflich. Es kann sein, dass du durch Ärger, Angst oder Irritation geleitet bist, lass das aber nicht deinen Ton und deine Einstellung beeinflussen, wenn du Website-Manager kontaktierst. Sie sind auch nur Menschen und werden auf angemessene Anfragen auch angemessen antworten. Wenn du nach der Entfernung eines Namens aufgrund einer Jobsuche fragst, sag es ihnen; das zeigt ihnen, dass du einen echten Grund dafür hast. Vermeide laut zu sein, mit rechtlichen Schritten zu drohen (außer du willst wirklich solche Schritte ergreifen und nachdem sie sich unkooperativ gezeigt haben) oder generell ungut zu sein.
  9. Überlege dir, eine professionelle Firma mit der Löschung deiner Details aus dem Internet zu beauftragen. Wenn dich die einzelne Kontaktaufnahme mit der Unzahl an Suchmaschinen überfordert (und das ist in der Tat eine sehr beängstigende Aussicht), dann kannst du eine professionelle Firma beauftragen, das für dich zu übernehmen. Natürlich wirst du dafür bezahlen müssen, das kann es aber wert sein, wenn deine Gründe dafür dringend sind. Halte nach einem Service Ausschau der:
    • In der Lage ist, dich aus dem „tiefen Internet“ zu entfernen statt nur von den offensichtlichen Seiten.
    • Wenn möglich Vereinbarungen mit Lieferanten von Datenquellen hat.
  10. Lösche deinen E-Mail-Account. Wenn du in dieses Extrem gehst, hängt die Methode der Löschung davon ab, ob du eine bezahlte Dienstleistung in Anspruch nimmst oder einen kostenlosen Account im Web nützt. Stell sicher, dass du mit der Löschung deines E-Mail-Accounts bis zum Schluss wartest; du wirst ihn wahrscheinlich benötigen, um die meisten anderen hier aufgeführten Schritte durchführen zu können.
    • Wenn er kostenlos ist (z. B. Gmail, Hotmail etc.), dann melde das Benutzerkonto gemäß den Instruktionen der Seite ab.
    • Wenn du dafür bezahlst, kontaktiere die entsprechende Firma für Instruktionen. Sogar webbasierte kostenpflichtige Mail-Provider sollten echte Leute haben, die du kontaktieren kannst.
    • Manche kostenlose E-Mail-Accounts löschen sich selber, wenn sie nicht regelmäßig benutzt werden.
    • Überprüfe immer bevor du deinen Account löschst, ob du nicht irgendwelche wichtigen Informationen entfernst, die du behalten willst. Transferiere alle Materialien, die du brauchst, auf einen Memorystick oder auf ein anderes Speichermedium.
  11. Räume deinen Computer auf.
    • Entferne den gesamten Internetverlauf, alle Cookies etc.
    • Entferne das Internetprogramm, wenn du wirklich hartnäckig bist.
    • Entferne deinen Computer, wenn du wieder auf alte Technologie zurückgreifen willst.
  12. Vergiss manche Dinge, die du nicht entfernen kannst. Es gibt manche Dinge, wo du nichts machen kannst. In diesem Fall ist es wahrscheinlich besser, das als gegeben zu akzeptieren und weiterzugehen. Wenn du von deiner Internetvergangenheit eingeholt wirst, kannst du immer noch versuchen abzustreiten, dass du das bist – speziell wenn du einen allgemeinen Namen hast! Sei gewarnt, dass in den folgenden Fällen eine Löschung deiner Onlinepräsenz nur sehr schwierig durchführbar ist:
    • Erwähnungen von dir in den Nachrichten, Blog Postings, Audiodateien etc.
    • Interviews, die du Zeitungen, Radiostationen etc. gegeben hast.
    • Kommentare, die du hier und dort und überall abgegeben hast.
    • Fotos von dir in Onlinealben von anderen Leuten.
    • Bilder von dir, die auf Webseiten und Blogs anderer Leute nun zu finden sind.
    • Öffentliche Informationen, die als angemessen gesehen werden, auch öffentlich zugänglich zu sein (außer wenn ein Prozess im Gange ist, diese Informationen zu entfernen)

Tipps

  • Es gibt Software-Programme, die dir helfen, dich von Onlineseiten zu löschen. Führe eine Internetsuche nach diesen durch.
  • Du kannst einen „Whois“ oder Domänensuchservice verwenden, um online festzustellen, wem eine Webseite gehört, sodass du weißt, wen du gegebenenfalls kontaktieren musst. Das ist speziell hilfreich, wenn keine E-Mail-Adresse auf der Seite angegeben wird. Suche nach „Admin E-Mail“ und „Serverdaten“ in der nachgeschlagenen Information.
  • Wenn du dich süchtig fühlst und das der grundlegende Antrieb für dich ist, dich aus dem Internet zu löschen, dann könnte es sein, dass du besser deine Sucht bekämpfst statt das Internet. Einige empfehlenswerte Artikel sind unter anderem:
    • Stoppe deine Internet-Sucht
    • Bekämpfe deine Facebook-Sucht
    • Bekämpfe deine Myspace-Sucht
    • Verliere deine Sucht nach Online-Spielen
  • Wenn du wirklich verzweifelt bist, deinen Namen und deine Detailinformationen überall im Internet zu finden und nicht weißt, was du als nächstes tun sollst, dann hol dir Hilfe und persönlichen Rat von Datenschutzorganisationen wie der Electronic Frontier Foundation (EFF).
  • Wenn es ein Problem mit falschen oder diffamierenden Informationen über dich im Internet gibt, kontaktiere einen Rechtsanwalt für Hilfestellung juristischer Natur.
  • Entferne eine Seite oder Page aus den Google Suchresultaten, indem du die Webmaster von Google kontaktierst.. Sei darauf vorbereitet, deinen Fall zu schildern.

Warnungen

  • Vergiss nicht den Spruch: „Einmal online, immer online.“ Sei immer vorsichtig, was du online teilst: ein Gramm Vorsicht ist besser als ein Kilo Nachsicht.
  • Manche Seiten verwenden emotionale Erpressertechniken, um dich zum Bleiben zu bewegen. Kommentare wie „alle deine Freunde werden dich vermissen“ zielen darauf ab, dass du es dir noch einmal überlegst; schließlich will die Seite nicht deine Unterstützung verlieren. Wenn du wankst, dann besorge dir Fotos von deinen echten Freunden, hänge sie vor dem Schreibtisch auf, klick auf der Seite auf „Löschen“ und ruf deine echten Freunde an, um etwas trinken zu gehen oder miteinander zu sprechen. So einfach wirst du darüber hinwegkommen.
  • Erwarte etwas Widerstand von manchem Webmaster, der auf sein „Recht“ beharrt, öffentliche Informationen öffentlich zu belassen. Manche von ihnen verstehen die persönliche Sichtweise und Datenschutzaspekte nicht richtig und sehen es als persönlichen Affront gegen alles, wofür sie stehen. Sei hartnäckig und hol dir Unterstützung von einer Datenschutzorganisation oder einem Rechtsanwalt, wenn dein Verlangen nach Datenschutz und Privatsphäre dringend oder ernst ist.
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