Fremde Menschen ansprechen

Auf fremde Menschen zuzugehen und ein Gespräch mit ihnen anzufangen, ist das soziale Gegenstück zu Fallschirmspringen. Es macht Spaß und ist interessant, aber auch riskant. Es könnte auch dein Leben verändern. Du kannst dich großartig amüsieren, wenn du die Anstrengung auf dich nimmst und deine Angst vor fremden Menschen besiegst. Lies weiter, aufstrebender sozialer Fallschirmspringer ...

Teil 1 von 3: Deine Ängste kontrollieren

  1. Übe, bis dir das Sprechen mit Fremden zur zweiten Natur wird. Der beste Weg, um soziale Ängste zu überwinden, ist sich ihnen auszusetzen. Mit Fremden zu sprechen, ist wie jede andere Fähigkeit: je öfter du es tust, desto besser wirst du darin. Mit ausreichend Übung wird es sich vollkommen natürlich für dich anfühlen. Du wirst nicht einmal mehr darüber nachdenken müssen, wie du das Gespräch gestalten willst. Am besten setzt du dir wöchentliche Ziele.
    • Überfordere dich nicht. Wenn das Sprechen mit Fremden zu viel für dich ist, dann gehe es langsam an. Du kannst dir z.B. selbst versprechen, dich in dieser Woche mit zwei Fremden zu unterhalten. Dann erhöhe um eine Person pro Woche.
    • Zwing dich aber auch ein wenig. Es ist eine feine Grenze, zwischen es zu weit zu treiben und es nicht weit genug zu treiben. Auch wenn du dich nicht überfordern willst, willst du doch deine Ängste angehen. Locke dich selbst ein wenig aus deiner Wohlfühlzone.
  2. Gehe alleine auf soziale Veranstaltungen. Richtig gelesen – nimm niemanden sonst mit. Begib dich freiwillig in eine soziale Situation, wo du sonst niemanden kennst. Ohne einen Freund, hinter dem du dich verstecken kannst, wirst du viel wahrscheinlicher aus dir herausgehen. Setze dich aber nicht zu sehr unter Druck. Wenn du dich die ersten paar Mal mit niemanden unterhältst, dann ist das in Ordnung! Du warst unterwegs und unter Fremden, etwas, was du sonst nie gemacht hast. Schaue dich nach Veranstaltungen in deiner Stadt um, wo du mit anderen ins Gespräch kommen kannst, z.B.:
    • Kunstvorführungen
    • Buchlesungen
    • Musikkonzerte
    • Museumstouren
    • Festivals im Freien
    • Geek Conventions
    • Paraden/Kundgebungen/Demonstrationen
  3. Bitte einen Freund um Hilfe. Wenn die Vorstellung sich alleine mit einem Fremden zu unterhalten zu viel für dich ist, sichere dir die Hilfe eines etwas extrovertierteren Freundes. Mit dessen Hilfe kannst du dich mit Fremden unterhalten und trotzdem ein vertrautes Gesicht dabeihaben, das dir Sicherheit gibt.
    • Lass aber nicht deinen Freund die ganze Unterhaltung führen. Stelle vorher klar, dass du mehr zu einem Gespräch beitragen willst, als du es vielleicht normalerweise tust.
  4. Denke nicht zu viel darüber nach. Wenn du dich wegen all der Dinge selbst fertig machst, die in einem Gespräch mit einem Fremden schief gehen könnten, dann bereitest du nur ein Scheitern vor. Je mehr du darüber nachdenkst, desto ängstlicher wirst du deswegen. Wenn du jemanden triffst, mit dem du dich unterhalten willst, dann brich sofort das Eis, bevor du dich selbst wieder davon abbringen kannst. Das Adrenalin des Moments wird dir über deine Nervosität hinweghelfen.
  5. Durch Schein zum Sein. Sich mit Fremden zu unterhalten kann einschüchternd und ermüdend sein, gerade wenn hohe Einsätze auf dem Spiel stehen. Wenn du zu einem Vorstellungsgespräch gehst oder mit einem attraktiven Mann oder einer attraktiven Frau sprichst, hast du vielleicht die Sorge, dass jeder sofort sehen kann, wie unsicher du dich fühlst. Aber keiner weiß wirklich wie nervös du bist, außer dir! Tue einfach so, als wärst du viel selbstbewusster als du wirklich bist, und die Person dir gegenüber wird dich so sehen, wie du gesehen werden willst.
    • Denke daran, je öfter du das Sprechen mit Fremden übst, desto seltener musst du dein Selbstvertrauen nur vorspielen.
  6. Lass dich von Zurückweisung nicht unterkriegen. Wenn du offener in die Welt gehst, wirst du gelegentlich auch von jemandem abgewiesen. Aber als schüchterne Person weißt du ganz genau, dass einem manchmal einfach nicht nach reden zu Mute ist. Wenn jemand deine Annäherung abweist, dann nimm das nicht persönlich!
    • Sieh das Scheitern als etwas Spannendes an – es ist die Chance etwas zu lernen und sich zu verbessern.
    • Menschen beißen nicht. Das schlimmste was passieren kann, ist, dass sie dir sagen sie wären beschäftigt und würden gerne alleine gelassen werden. Das ist nicht das Ende der Welt!
    • Keine beobachtet dich oder macht sich Gedanken über dich. Nur du selbst. Also keine Sorge darüber, dass die Leute dich auslachen könnten – sie sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Teil 2 von 3: Mit Fremden sprechen

  1. Wirke zugänglich und freundlich. Wenn du zum Einstieg ins Gespräch ängstlich oder grimmig wirkst, machst du die andere Person sofort nervös. Selbst wenn du dich innerlich furchtbar fühlst, versuche entspannt und freundlich zu wirken, damit die andere Person sich entspannt. Dadurch kommen bessere und längere Gespräche zustande.
    • Stelle Augenkontakt her. Anstatt nervös mit deinem Handy herumzuspielen, sieh dich im Raum um und beobachte die Leute. Stelle Augenkontakt mit anderen her, um herauszufinden, wer ebenfalls auf der Suche nach einer Unterhaltung ist.
    • Lächle, wann immer du Augenkontakt mit jemanden herstellst, selbst wenn du nicht vor hast dich mit der Person zu unterhalten. Das gibt euch beiden Übung in nonverbaler Konversation und erhöht die Chance, dass jemanden für eine Unterhaltung empfänglich ist.
    • Öffne deine Körpersprache. Wirf deine Schultern nach hinten, drücke die Brust raus und hebe dein Kinn an. Je selbstbewusster du wirkst, desto mehr Leute wollen sich mit dir unterhalten.
    • Verschränke nicht die Arme vor der Brust. Die Leute könnten deine verschränkten Arme so interpretieren, dass du kein Interesse an einer Unterhaltung hast.
  2. Eröffne nonverbal, bevor du wirklich mit jemanden sprichst. Es könnte vielen seltsam vorkommen, wenn du sie ansprichst, ohne vorher irgendwelche Annäherungszeichen zu geben. Anstatt auf jemanden zuzugehen und direkt ein Gespräch mit seinem Hinterkopf oder von der Seite zu beginnen, lasse es ruhig und nonverbal angehen. Stelle Augenkontakt her und lächle ein wenig, um eine Verbindung aufzubauen, bevor du ein Gespräch beginnst.
  3. Eröffne mit einer seichten Interaktion. Du willst vielleicht jemanden wirklich kennenlernen, aber wenn du direkt mit einer tiefschürfenden Frage aus dem Nichts einsteigst, wirst du denjenigen vielleicht verschrecken. Wenn du einen Einstieg aus dem Blauen versuchst (also nicht auf etwas reagierst, was ihr beide beobachtet habt), fange klein an. Anstatt mit einer Frage über die wahren Ziele im Leben zu beginnen, teile nur eine Beobachtung oder bitte um einen Gefallen:
    • Alter, die Bar ist heute aber gerammelt voll. Ich glaube wir ziehen weiter, kennst du dich hier aus?
    • Der Verkehr ist heute die Hölle! Hast du ne Ahnung, ob heute irgendeine Veranstaltung in der Nähe stattfindet?
    • Kannst du mein Akkukabel einstecken? Die Steckdose ist direkt hinter dir.
    • Weißt du, wie spät es ist?
  4. Stelle dich vor. Sobald du mit einem kleinen Einsteiger begonnen hast, solltest du den Namen der Person herausfinden. Das machst du am einfachsten, wenn du dich selbst vorstellst. Die guten Manieren gebieten es, dass die andere Person sich daraufhin auch vorstellt. Wenn sie deine Vorstellung ignoriert, ist sie entweder wirklich schlecht gelaunt oder unhöflich – egal was von beiden, es ist besser, wenn du das Gespräch nicht weiter fortsetzt.
    • Nachdem du deinen Einstieg gemacht hast, sage einfach „Ich bin übrigens [Name]“. Biete deine Hand an, während du dich vorstellst.
  5. Stelle offene Fragen. Wenn du Fragen stellst, die nur „ja“ oder „nein“ Antworten zulassen, dann könnte das Gespräch schnell versiegen. Versuche stattdessen Fragen zu stellen, die das Gespräch öffnen, anstatt es zu schließen. Zum Beispiel:
    • „Was hast du heute so gemacht?“ anstatt „Hattest du einen schönen Tag?“
    • „Ich habe dich schon oft hier gesehen. Was gefällt dir hier so? Was ist das tolle an diesem Ort?“ anstatt „Kommst du öfter her?“
  6. Bitte die Person darum, dir etwas zu erklären. Ein jeder fühlt sich gerne als Experte in irgendetwas. Auch wenn du viel über das Thema weißt, über das ihr gerade sprecht, bitte die andere Person trotzdem darum, dir etwas zu erklären. Wenn das Thema z.B. auf ein aktuelles Vorkommnis kommt, sage etwas wie „Oh, ja. Ich habe die Schlagzeilen gelesen, aber hatte nicht wirklich Zeit mir auf der Arbeit die Artikel durchzulesen. Kannst du mir mehr darüber erzählen?“ Menschen genießen eine Unterhaltung mehr, wenn sie das Gefühl haben, dass sie anderen etwas beibringen können.
  7. Habe keine Angst davor zu widersprechen. Es ist sehr wichtig, in einem Gespräch Gemeinsamkeiten zu finden. Aber so komisch es auch klingt, eine gute Meinungsverschiedenheit kann ein toller Weg sein, um eine neue Beziehung zu formen. Zeige der Person, mit der du dich unterhältst, dass die Zeit mit dir nicht langweilig wird. Versuche sie oder ihn in eine Debatte zu verwickeln, die euch beiden zeigt, wie clever und intelligent der jeweils andere ist.
    • Halte die Debatte aber heiter. Wenn du merkst, dass die andere Person sich aufregt, lass sofort ein wenig locker.
    • Du willst ein freundliches Hin-und-Her, keinen Streit.
    • Achte darauf, dass du während der Diskussion dein Lächeln zeigst und hin und wieder lachst, damit jeder sehen kann, dass du eine gute Zeit hast und nicht wütend wirst.
  8. Halte dich an sichere Themen. Auch wenn du eine Diskussion willst, willst du nicht in Bereiche abgleiten, die zu einem wirklichen Streit führen könnten. Eine Debatte über Religion oder Politik kann schnell zu verletzten Gefühlen führen, aber eine über die besten Reiseziele oder das beste Fußballteam kann heiter sein und Spaß machen. Andere sichere Themen sind z.B. Filme, Musik, Bücher oder Essen.
  9. Lass das Gespräch natürlich verlaufen. Du würdest dich vielleicht am liebsten an eine vorbereitete Liste an Gesprächsthemen halten. Das würde allerdings das Potential des Gesprächs limitieren. Lass das Gespräch ganz natürlich wachsen. Du kannst versuchen es sanft in Richtung von Themen zu stupsen, bei denen du dich wohler fühlst, aber erzwinge es nicht unangenehm. Wenn dein Gesprächspartner sich über etwas unterhalten will, von dem du keine Ahnung hast, dann gib nach. Bitte ihn oder sie dir mehr darüber zu erklären und freue dich, dass du etwas lernen kannst!

Teil 3 von 3: Auf einen bestimmten Anlass anpassen

  1. Halte es bei einer flüchtigen Begegnung locker. Mit Leuten in der Einkaufsschlange oder in einem Aufzug zu sprechen ist ein tolles Training. Da du nur für eine kurze Zeit am selben Ort bist, hast du die Sicherheit, dass du das Gespräch schnell verlassen kannst, was dich beruhigen kann. Versuche es bei diesen Anlässen nicht mit tiefschürfenden Gesprächen. Halte es locker und stelle Beobachtungen fest: „Man, in diesem Aufzug riecht es vielleicht furchtbar“ oder „Kannst du mich bitte davon überzeugen nicht all diese Schokoriegel an der Kasse zu kaufen?“
  2. Habe während einer längeren Unterhaltung Spaß. Wenn du in einem Café oder einer Bar sitzt oder es dir auf einem Stuhl in einer Buchhandlung gemütlich gemacht hast, hast du mehr Zeit für ein Gespräch. Versuche es zu genießen! Mache Witze und zeige die lustige Seite deiner Persönlichkeit, die sonst nur langjährige Freunde zu sehen bekommen.
  3. Lerne jemanden besser kennen, an dem du romantisch interessiert bist. Wenn du dich mit jemanden triffst, den du gerne auf ein Date einladen würdest, versuche persönlichere Fragen ins Gespräch einzuflechten. Das macht die neue Beziehung nicht nur sofort intimer, es lehrt dich auch viel über die Person, mit der du dich unterhältst. Du kannst sie abchecken und herausfinden, ob ihr auch wirklich gut zusammenpassen würdet.
    • Gehe dabei aber nicht zu weit. Jemanden im ersten Gespräch zu fragen, ob er oder sie gerne Kinder haben möchte, schießt übers Ziel hinaus.
    • Biete stattdessen halb-persönliche Details über dich an und überlasse es der anderen Person, ob sie ähnliches mit dir teilen möchte. Zum Beispiel: „Ich bin ein echtes Mama-/Papakind. Wenn wir nicht jeden Tag miteinander sprechen, fehlt mir etwas.“
  4. Sei bei beruflichen Gelegenheiten professionell. Du findest dich vielleicht auf einer Party mit jemandem wieder, der in deiner Arbeit eine höhere Position bekleidet. Oder du bist auf einer beruflichen Konferenz. In jeder „Netzwerk“-Interaktion solltest du die Person dir gegenüber mit deinem Selbstbewusstsein und deinen Fähigkeiten beeindrucken. Selbst wenn du dich unsicher fühlst, „aus Schein mach Sein“.
    • Mache keine unanständigen Witze, die vielleicht in einer Bar funktionieren würden.
    • Halte dich an berufliche Themen. Zeige der Person, dass du dich auskennst und gut in deinem Job bist.
  5. Versuche bei einem Vorstellungsgespräch im Gedächtnis zu bleiben. Das Gespräch selbst ist wichtig, aber der Small Talk davor und danach ist genauso wichtig. Versuche den Interviewer in ein angenehmes Gespräch zu verwickeln, damit er dich als jemanden ansieht, mit dem er gerne zusammenarbeiten würde. Im Small Talk bringst du Themen ins Gespräch, für die du im Gedächtnis bleibst.
    • Teile etwas Einzigartiges mit der anderen Person: „Ich habe mein Rugbytraining ausfallen lassen, um zu diesem Gespräch zu kommen. Sie sehen also, ich will den Job unbedingt!“

Tipps

  • Versuche nicht andere in ein Gespräch zu locken. Wenn die andere Person uninteressiert an einem Gespräch erscheint, dann mache ihr keinen Druck.
  • Wenn du dich dazu entschlossen hast, alleine in deiner Gegend auszugehen, dann lass am besten jemanden wissen, wohin du gehst und wann du wieder Zuhause sein willst.
  • Wenn du ein Facebook-Nutzer bist, überprüfe die Veranstaltungsseite, um zu sehen, wann was wo stattfindet.
  • Versuche dir einen zugänglichen und freundlichen Ruf aufzubauen. Das könnte dir in zukünftigen Meetings und Gesprächen helfen.
  • Du kannst soziale Netzwerke wie meetup.com nutzen, die Interaktionen im echten Leben ermutigen. Du kannst Gruppen in deiner Gegend finden, die an ähnlichen Dingen wie du interessiert sind. Wenn du in sozialen Gruppen involviert bist, fühlst du dich automatisch wohler dabei, mit neuen Menschen zu sprechen.
  • Der Schlüssel ist, sich mit sich selbst wohl zu fühlen, ganz egal wie seltsam oder lahm oder unangenehm die Situation zu sein scheint. Wenn du dich wohlfühlst werden die Dinge automatisch weniger seltsam.

Warnungen

  • Du wirst vielleicht folgenden Problemen begegnen, aber je eher du dich ihnen stellst, desto eher wirst du realisieren, wie harmlos sie eigentlich sind:
    • Du weißt nicht, was du sagen sollst, wenn du auf andere zugehst.
    • Du könntest etwas verloren herumstehen und dich unwohl fühlen
    • Du zitterst fast sichtbar, wenn du die ersten Male auf einen Fremden zugehst.
    • Du hast vielleicht einen guten Einstieg ins Gespräch, hängst dann aber fest und weißt nicht, was du sonst noch sagen sollst (unangenehme Stille).
    • Du sagst dir selbst, „Das ist zu schwer! Ich leihe mir vielleicht besser einen Film aus.“
    • Einige Leute werden denken, dass du sie anmachen willst.
    • Fühle dich nicht zu groß.
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