Dir selbst Gitarre spielen beibringen

Du willst Gitarre spielen lernen, hast aber nicht das Geld, um Gitarrenunterricht zu nehmen? Zum Glück gibt es jede Menge Ressourcen, auf die du frei zugreifen kannst, um zu lernen, deine Lieblingslieder auf der Gitarre zu spielen. Dieser Artikel zeigt dir, wie du eine gute Einsteigergitarre auswählst, wie man Akkorde liest und wie du als Anfänger deine Fingerfertigkeit trainieren kannst und die nötige Kraft in den Fingern aufbringst.

Teil 1 von 3: Eine Einsteigergitarre kaufen

  1. Lege dein Budget fest. Abhängig von deinen Qualitätsansprüchen, kannst du eine Gitarre schon für 30 Euro bekommen, du kannst aber auch mehrere Tausend Euro ausgeben. Je mehr zu investierst, desto besser die Qualität der Gitarre. Du solltest dir also zunächst überlegen, wie ernst es dir mit dem neuen Hobby ist. Wenn du dir sicher bist, dass Gitarrespielen das Richtige für dich ist, dann lohnt es sich ein bisschen mehr Geld auszugeben, da der Klang einer teureren Gitarre deutlich besser ist, und du wirst auf lange Sicht mehr Freude an der Gitarre haben. Wenn du aber nur ein Instrument suchst, um dir ein wenig die Zeit zu vertreiben, dann tut es auch ein etwas günstigeres Modell.
    • Eine Gitarre für unter 100 Euro fällt eher in die Kategorie „Spielzeug“. Eine derart günstige Gitarre solltest du nur kaufen, wenn du genau das suchst, nicht aber wenn du ernsthaft lernen möchtest, Gitarre zu spielen.
    • Eine mittelmäßige Gitarre kostet zwischen 150 und 200 Euro.
    • Für 200 bis 300 Euro kannst du eine gute Einsteigergitarre erwerben; auch wenn du zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht eine noch bessere Gitarre möchtest, wirst du an einer solchen Gitarre lange Zeit Freude haben.
    • Eine gute Daumenregel ist es, ein günstigeres Einsteigermodell einer großen, bewährten Marke zu kaufen. Einige dieser Marken sind z.B. Gibson, Fender, Epiphone, Yamaha und Ibanez, aber es gibt noch viele andere.
    • Denke daran, dass, wenn du eine E-Gitarre kaufen willst, du auch einen Verstärker brauchst, was nicht unerheblich auf die Kosten schlägt, wenn du eine gute Qualität haben möchtest.
    • Du kannst auch nach gebrauchten Gitarren Ausschau halten. Dadurch kannst du eine gute Qualität zu einem sehr viel niedrigeren Preis erwerben.
  2. Entscheide dich, ob du eine Akustik- oder eine E-Gitarre möchtest. Manche Leute raten an, mit einer Akustikgitarre zu beginnen, da sie größer sind, dickere Saiten haben und generell schwieriger zu spielen sind, und man somit zunächst Kraft in den Finger aufbauen und seine Fingerfertigkeit trainieren kann. Andere wiederum sind der Meinung, Anfänger sollten besser auf eine E-Gitarre zurückgreifen, da sie schlanker ist vom Aufbau und dadurch leichter zu spielen ist. Letztendlich solltest du dich daran orientieren, welchen Klang du erzeugen möchtest, und danach die Art der Gitarre auswählen.
    • Bei Akustikgitarren entsteht der Klang durch die Vibration der Saiten. Die Saiten selbst erzeugen sehr wenig Klang; das merkst du, wenn du eine E-Gitarre ohne Verstärker spielst.Die Vibration der Saiten bringt den Resonanzkörper (oder Korpus) der Gitarre zum Schwingen. Die Vibration des Resonanzkörpers zusammen mit der daraus hervorgehenden Schwingung in der Luft im inneren des Korpus erzeugt einen Klang, der aus dem zentral gelegenen Schallloch nach außen dringt.
    • E-Gitarren haben keinen hohlen Resonanzkörper, der den Klang durch Vibration erzeugen könnte. Der Klang entsteht erst durch die Tonabnehmer – mit Kupferdraht umwickelte Magnete, welche die Vibration jeder Saite in elektrischen Strom umwandeln. Der Strom wandert durch ein Kabel zum Verstärker, wo die Tonhöhe ausgegeben wird, entsprechend der Vibration der jeweiligen Saite, die angestoßen wurde. Da der Klang elektrisch durch einen Verstärker produziert wird, hat man sehr viel mehr Möglichkeiten, diesen anzupassen und zu verändern im Gegensatz zu einer Akustikgitarre, bei welcher der Klang durch den Resonanzkörper erzeugt wird.
    • Denke beim Gitarrenkauf daran, welche Musikrichtung du spielen möchtest. Akustikgitarren eignen sich gut, um Folk, Country oder Rockmusik zu spielen, wogegen sich z.B. für Hardrock und Jazz eine elektrische Gitarre besser eignet.
  3. Kaufe deine Gitarre in einem Musikgeschäft und nicht online. Wenn du online eine Gitarre kaufst, bekommst du keine Information über ein paar der wichtigsten Aspekte: Den Klang, den sie produziert, wie sie sich in deinen Händen anfühlt, wie sie sich an deinen Körper anpasst, usw. Du solltest immer mehrere Gitarren im Geschäft ausprobieren, bevor du eine Kaufentscheidung triffst.
    • Stelle sicher, dass du eine Rechtshändergitarre kaufst, wenn du Rechtshänder bist, und eine Linkshändergitarre, wenn du Linkshänder bist.
    • Kaufe eine Gitarre, deren Größe für dich geeignet ist. Du wirst schnell die Lust am Spielen verlieren, wenn die Gitarre sich nicht gut an deinen Körper anpasst.
    • Kaufe, wenn möglich, eine Gitarre mit einer geringen Saitenhöhe. Die Saitenhöhe ist der Abstand zwischen den Saiten und dem Griffbrett. Je größer die Saitenhöhe, desto größer ist der Abstand, den du überwinden musst, indem du die Saiten auf das Griffbrett drückst, um einen Ton zu erzeugen. Wenn der Abstand sehr groß ist, schneiden die Saiten sich tiefer in deine Finger, wenn du Druck auf sie ausübst. Dies kann sehr schmerzhaft sein, vor allem zu Beginn, wenn sich noch keine Hornhaut an deinen Fingerkuppen gebildet hat.
    • Auch wenn du noch keine Erfahrung im Gitarrespielen hast, drücke ein paar Bünde nieder und schlage die Saiten an. Ist sie angenehm zu spielen, ohne dass ein störendes Schnarren zu hören ist? Kauf dir keine Gitarre, die schnarrt!
    • Hab keine Angst davor, die Mitarbeiter im Musikgeschäft um Hilfe zu bitten. Sie sind dazu da, um zu helfen und haben meist eine Vorliebe dafür, über Instrumente zu sprechen.
  4. Kaufe das notwendige Zubehör. Wenn du im Stehen spielen willst, benötigst du einen Gitarrengurt, um dir die Gitarre über Nacken und Schulter zu hängen. Es bietet sich auch an, gleich ein paar Plektren (Plättchen) zu kaufen, diese sind auch nicht teuer. Diese beiden Artikel kannst du in jedem Musikgeschäft oder auch online finden. Wenn dir ein Mitarbeiter des Musikgeschäfts weiteres Zubehör verkaufen will, wie etwa ein Stimmgerät, kannst du dankend ablehnen. Du kannst später noch weiteres Zubehör kaufen. Für den Anfang hast du alles, was du brauchst.
    • Wenn du eine E-Gitarre kaufst, musst du einen Verstärker dazu kaufen.

Teil 2 von 3: Lerne die Tabulatur zu lesen

  1. Stimme deine Gitarre. Das ist der wichtigste Schritt, wenn du lernst, Gitarre zu spielen. Wenn deine Gitarre einmal gestimmt ist, ist es relativ einfach sie nachzustimmen. Das erste Stimmen einer neuen Gitarre ist jedoch recht anspruchsvoll, vor allem wenn man noch nicht das Gehör dafür entwickelt hat. Wenn du deine Gitarre in einem Musikgeschäft kaufst, frage einen Angestellten, ob er dir die Gitarre stimmen kann, bevor du den Laden verlässt. Andernfalls kannst du auch einen Bekannten bitten, der schon länger Gitarre spielt, dir die Gitarre zu stimmen. Du kannst auch jederzeit später noch in einem Musikgeschäft vorbei gehen und darum bitten, dass dir jemand die Gitarre stimmt. Du kannst als Gegenleistung etwas Kleines kaufen, z.B. ein paar Plektren. Wenn deine Gitarre einmal gestimmt ist, solltest du vor jedem Spielen nachprüfen, ob die Gitarre immer noch gestimmt ist.
    • Lade dir eine App auf dein Telefon, um die Gitarre zu stimmen. Gstrings ist eine beliebte App für Android, für das iPhone bietet sich Guitar Tuna an.
    • Spiele jede Saite einzeln an, und vergewissere dich, dass jede Saite laut und klar klingt und du mit der anderen Hand keinen Bund greifst.
    • Drehe den entsprechenden Wirbel für die jeweilige Saite in die richtige Richtung, bis die App dich wissen lässt, dass die Saite den richtigen Ton hat.
    • Wiederhole diesen Vorgang für alle Saiten, bis die ganze Gitarre gestimmt ist.
  2. Studiere und nummeriere deine Saiten und Bünde. Halte deine Gitarre, wie wenn du spielen würdest, und schau dir das Griffbrett an.
    • Die Saite, die zu dir nach oben zeigt, ist die E-Saite. Beginnend mit E, von oben nach unten auf dem Griffbrett, befinden sich die Saiten E, A, D, G, h und e. Im Englischen wird die h-Saite übrigens als B-Saite bezeichnet. Lass dich dadurch nicht verwirren, es ist derselbe Ton.
    • Der Bund, der dem Gitarrenkopf am nächsten liegt (und am weitesten von deinem Körper entfernt ist) ist der erste Bund. Der nächste ist der zweite, dann der dritte, usw.
    • Die meisten Gitarren haben Symbole auf dem Griffbrett, die dem Spieler erlauben, den Bund zuzuordnen, ohne diese abzählen zu müssen. Normalerweise befindet sich auf jedem ungeraden Bund ein Symbol, beginnend mit dem dritten Bund.
  3. Schau dir eine leere Gitarrentabulatur an. Der einfachste Weg, ein Lied auf der Gitarre zu lernen, ist es, eine Gitarrentabulatur (Grifftabelle) zu finden. Eine leere Tabulatur zeigt einfach nur die sechs Saiten der Gitarre, die so beschriftet sind, als würde die Gitarre auf deinem Schoß liegen mit dem Gesicht nach oben: Die E-Saite ist ganz unten, und die e-Saite ist oben.
    • e ------------------------
    • h ------------------------
    • G ------------------------
    • D ------------------------
    • A ------------------------
    • E ------------------------
    • Alternativ kommt es auch vor, dass die Saiten nummeriert sind. Hierbei ist die E-Saite die 6 und die e-Saite die 1.
  4. Lerne, wie die Bünde gekennzeichnet sind. Eine Tabulatur enthält Zahlen, die auf Linien platziert sind, um auszudrücken, welche Saite an welchem Bund gegriffen angeschlagen werden sollte. Wenn eine Linie eine 0 aufweist, bedeutet dies, dass du eine Leersaite anschlagen solltest, d.h. ohne einen Bund niederzudrücken. Auf der folgenden Tabulatur solltest du z.B. nur die sechste Saite im dritten Bund gegriffen anschlagen:
    • e ------------------------
    • h ------------------------
    • G ------------------------
    • D ------------------------
    • A ------------------------
    • E ----3-------------------
  5. Lies die Tabulatur von links nach rechts. Wie wenn du einen Satz lesen würdest, liest du auch eine Tabulatur von links nach rechts. Dabei spielst du einen Ton nach dem nächsten. In der folgenden Tabulatur spielst du die E-Saite im dritten Bund gegriffen an, dann spielst du die A-Saite als Leersaite und dann die D-Saite im zweiten Bund gegriffen.
    • e ------------------------
    • h ------------------------
    • G ------------------------
    • D -------------2----------
    • A ---------0--------------
    • E ----3-------------------
  6. Spiele mehrere Töne gleichzeitig an. Um einen Akkord zu erzeugen, musst du mehrere Töne gleichzeitig anspielen. Auf der Tabulatur wird ein Akkord dadurch gekennzeichnet, dass mehrere Zahlen vertikal angeordnet sind. Alle Saiten, die nicht angeschlagen werden sollen (also stumm sind), sind mit einem X gekennzeichnet. Der A-Dur Akkord wird z.B. wie folgt dargestellt:
    • e -------0-----------------
    • h -------2-----------------
    • G ------2------------------
    • D ------2------------------
    • A ------0------------------
    • E ------X------------------
    • Bei diesem Akkord wird die sechste Saite nicht angespielt, die fünfte wird offen gespielt, die vierte, dritte und zweite werden im zweiten Bund gegriffen und die erste Saite wird wieder offen gespielt. Wenn all deine Finger in Position sind, schlägst du alle Saiten auf einmal an.
  7. Finde und lerne Tabulaturen für deine Lieblingslieder. Es gibt eine ganze Reihe Internetseiten, auf denen du kostenlos für fast jedes beliebige Lied die Tabulatur finden kannst. Suche dort nach deinen Lieblingsliedern.
  8. Übe regelmäßig. Es kann passieren, dass du die ersten paar Male, bei denen du nach Tabulatur spielst, etwas frustriert endest. Es sind sehr viele Zahlen, und es dauert eine Weile bis das Gehirn sich daran gewöhnt, diese Information an deine Finger weiterzugeben. Gib aber nicht auf! Mit etwas Zeit und Übung wirst du schon schnell Fortschritte machen.

Teil 3 von 3: Learning Your Scales

  1. Übe eine Pentatonik. Eine Pentatonik ist eine Tonleiter, die fünf Töne anstatt üblicherweise sieben Töne umfasst. Dadurch resultiert ein „offenerer, weniger linearer Klang“. Die Pentatonik ist für gewöhnlich die erste Tonleiter, mit der Gitarrenanfänger beginnen. Du solltest dies also auch tun. Verwende die folgende Tabulatur, um eine E-Dur Pentatonik zu üben:
    • e-------------------------------------------0---3----------------|
    • h-----------------------------------0---3------------------------|
    • G---------------------------0---2--------------------------------|
    • D-------------------0---2----------------------------------------|
    • A-----------0---2------------------------------------------------|
    • E---0---3--------------------------------------------------------|
  2. Übe deine Pentatonik, bis sie perfekt ist. Auch ausgebildete Gitarristen üben häufig ihre Tonleitern, weil dies die Kraft in den Fingern, die Geschwindigkeit und die Fingerfertigkeit verbessert. Du wirst dir vielleicht recht schnell einprägen können, wohin die Finger kommen, jedoch bedarf es einer Menge Übung, bis du alle Töne perfekt spielst ohne auf deine Finger oder das Griffbrett zu schauen. Übe auch, immer ein bisschen schneller zu werden beim Umgreifen.
  3. Übe die A-Moll Pentatonik beginnend im fünften Bund. Bei der A-Moll Pentatonik beginnt die erste Position am fünften Bund der E-Saite:
    • e-------------------------------------------5-7-8-
    • h----------------------------------5-6-8---------
    • G-------------------------4-5-7------------------
    • D--------------------5-7-------------------------
    • A------------5-7-8-------------------------------
    • E----5-7-8---------------------------------------
  4. Übe die Pentatonik rauf und runter. Die Tonleitern helfen dir, deine Finger daran zu gewöhnen, sich auf den sechs Saiten hoch und runter zu bewegen. Wenn du genügend übst, gewöhnen sich deine Finger daran, sich von einer Saite auf die nächste zu bewegen, ohne dass du dabei auf das Griffbrett schauen musst.:
    • e------------------------------------5-7-8-7-5----------------------------------
    • h----------------------------5-6-8-------------8-6-5---------------------------
    • G--------------------4-5-7----------------------------7-5-4--------------------
    • D---------------5-7-------------------------------------------7-5---------------
    • A--------5-7-8----------------------------------------------------8-7-5--------
    • E-5-7-8-------------------------------------------------------------------8-7-5-
  5. Übe Tonleitern mit String Skipping. Bei diesen Tonleitern bist du dazu gezwungen Saiten zu überspringen, anstatt eine nach der anderen zu greifen. Dadurch bekommst du nicht nur ein Gefühl dafür, wo die Bünde liegen, sondern auch wo die Saiten liegen, ohne auf das Griffbrett zu schauen.
    • e---------------------------------5-7-8----------
    • h-----------------------------------------5-6-8-
    • G------------------------4-5-7------------------
    • D---------5-7-----------------------------------
    • A----------------5-7-8--------------------------
    • E-5-7-8-----------------------------------------
  6. Finde und übe weitere Tonleitern. Es gibt Hunderte verschiedene Tonleitern und Übungen, die du verwenden kannst, um dein Gehör zu schulen und deine Fingerfertigkeit zu verbessern. Übe alle Tonleitern, bis du sie im Schlaf kannst. Diese Tonleitern sind die Basis für all die Lieder, die du kennst und liebst. Je mehr du mit den Tonleitern vertraut bist, desto einfacher wird es für dich, ein Lied, das du gehört hast, nachzuspielen oder selbst neue Lieder zu komponieren.

Tipps

  • Lass dir Zeit. Es ist besser, fünf Lieder gut spielen zu können, als 30, die nach nichts klingen.
  • Übe jeden Tag.
  • Verzweifle nicht. Es braucht seine Zeit.
  • Wenn du jemanden kennst, der schon länger spielt, frage die Person, wie du dich machst und bitte ihn/sie, dir Tipps zu geben.
  • Lerne, deine Gitarre nach Gehör zu stimmen.
  • Falls du noch zur Schule gehst, vernachlässige diese nicht aufgrund deines neuen Hobbys.
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