Schüchternheit überwinden

Hast du alleine beim Gedanken daran, vor anderen sprechen zu müssen, das Bedürfnis deinen Kopf nach der Dusche aus dem Fenster zu halten, damit du eine Erkältung bekommst? Wenn dem so ist, keine Sorge, du bist alles andere als alleine damit. Viele Menschen auf dieser Welt leiden unter einer leichten bis extremen Form an Schüchternheit und haben haben große Probleme damit, sie zu überwinden. Vergiss nicht, dass man nicht auf magische Weise über Nacht aus diesem Schneckenhaus ausbrechen kann. Es braucht Zeit, Anstrengung und natürlich den Wunsch, etwas zu verändern. Indem du auf diese Seite gekommen bist, bist du schon mal auf dem richtigen Weg – also jetzt nicht langsamer werden.

Teil 1 von 4: Deine Schüchternheit verstehen

  1. Denke über die Wurzel deiner Schüchternheit nach. Schüchtern sein ist nicht unbedingt das Gleiche wie introvertiert zu sein oder sich selbst nicht zu mögen. Es bedeutet einfach, dass du, aus welchem Grund auch immer, peinlich berührt bist, wenn die Scheinwerfer auf dich fallen. Was ist die Wurzel deiner Schüchternheit? Es ist normalerweise das Symptom eines größeren Problems. Hier sind drei Möglichkeiten:
    • Du hast ein schwaches Selbstbild. Das passierst, wenn wir uns selbst bewerten sollen und die Stimme in unserem Kopf negativ ist. Es ist schwer, ihr nicht mehr länger zuzuhören, aber am Ende des Tages, ist das deine Stimme und du kannst bestimmen, was sie sagen soll.
    • Du hast Probleme damit, Komplimente zu akzeptieren. Ganz egal, ob du selbst denkst, dass du gut aussiehst, jemand anderes tut es, und darum hat er es dir gesagt. Du würdest diese Person keinen Lügner nennen, oder? Also hoch das Kinn, sage Danke schön und akzeptiere das Kompliment. Versuche nicht die Person, die dir ein Kompliment gemacht hat, davon zu überzeugen, dass sie sich irrt.
    • Du bist zu sehr davon besessen, wie du auf andere wirkst. Das passiert, wenn wir uns zu sehr auf uns selbst konzentrieren. Weil wir den ganzen Tag unsere Handlungen aufzeichnen und sicher gehen wollen, dass wir nichts vermasseln, gehen wir automatisch davon aus, dass das auch jeder andere tut. Wir sollten über die Verlagerung von deinem Fokus sprechen, wenn das nach dir klingt.
    • Du wirst von anderen als schüchtern bezeichnet. Manchmal ist es einfach so – bist du klein, bist du schüchtern. Unglücklicherweise glauben das viele Leute und behandeln uns dementsprechend, selbst wenn unsere Persönlichkeit schon lange daraus erwachsen ist. Es ist möglich, dass andere dich in diese Schublade gesteckt haben und du versuchst jetzt dieser Vorstellung zu entsprechen. Die gute Nachricht? Du musst nur deiner Vorstellung entsprechen.
      • Was die Gründe dafür auch sind, du kannst darüber hinwegkommen. Das sind alles Arten zu Denken und das Denken ist das eine Ding, über das du Kontrolle hast. Jawohl!
  2. Akzeptiere deine Schüchternheit. Einer der ersten Schritte, um deine Schüchternheit zu überwinden, ist zu versuchen deine Schüchternheit zu akzeptieren und sich damit wohlzufühlen. Je mehr du ihr bewusst oder unterbewusst widerstehen willst, desto länger wird sie vorherrschen. Wenn du schüchtern bist, dann akzeptiere das und umarme es vollständig. Eine Möglichkeit, wie du das machen kannst, ist dir immer wieder vorzusagen „Ja, ich bin schüchtern. Und ich akzeptiere es!“.
  3. Finde deine Auslöser (Trigger). Wirst du schüchtern, wenn du vor vielen Zuschauern stehst? Wenn du etwas Neues lernst? Wenn du einer neuen Situation ausgesetzt bist? Wenn du von Leuten umgeben bist, die du kennst und bewunderst? Wenn du irgendwo niemanden kennst? Versuche deine Gedanken in dem Moment zu bestimmen, in dem dich deine Schüchternheit überkommt.
    • Die Chancen stehen gut, dass dich nicht alle Situationen einschüchtern. Du fühlst dich im Kreise deiner Familie wohl, oder? Was machst sie so anderes, im Vergleich zu Fremden? Nicht wirklich etwas Bestimmtes – du kennst sie nur einfach besser und was noch wichtiger ist, sie kennen dich. Es bist nicht du, es ist nur die Situation, in der du dich befindest. Das beweist, dass es keine universelle, 100% der Zeit, Sache ist. Exzellent!
  4. Stelle eine Liste von Situationen zusammen, die dich ängstlich fühlen lassen. Ordne sie so an, dass die Dinge, die dir am wenigsten Angst machen, ganz oben und die Dinge, die dir am meisten Angst machen, ganz unten stehen. Wenn du die Dinge konkretisierst, fühlen sie sich wie eine Herausforderung an, die du angehen und bewältigen kannst.
    • Mache sie so konkret wie möglich. Vor fremden Menschen zu sprechen ist zwar ein Auslöser, aber wie kannst du ihn noch genauer beschreiben. Vor Menschen sprechen, die mehr Autorität haben als du? Mit jemandem sprechen, den du attraktiv findest? Je konkreter du bist, desto einfacher kannst du die Situation identifizieren und an ihr arbeiten.
  5. Besiege die Liste. Sobald du eine Liste von 10-15 stressigen Situationen hast, versuche dich durch sie hindurchzuarbeiten, Schritt für Schritt (nachdem du diesen Artikel durchgelesen hast, natürlich). Die ersten paar einfacheren Situationen helfen dir dabei dein Selbstvertrauen aufzubauen, damit du es schaffst, auch die schwereren Situationen auf deiner Liste anzugehen.
    • Mach dir keinen Kopf, wenn du manchmal einen Schritt rückwärts auf der Liste machen musst; gehe nach deiner eigenen Geschwindigkeit vor, aber versuche wirklich dich selbst zu pushen.

Teil 2 von 4: Besiege deinen Geist

  1. Benutze die Schüchternheit als einen Hinweis. Was auch immer in dir die Schüchternheit auslöst, wirkt deswegen, weil wir es als Auslöser für Schüchternheit wahrnehmen. Das funktioniert ähnlich wie beim Programmieren: wenn ein Programm unterbrochen wird, dann verhält es sich genauso, wie wir programmiert haben, dass es sich verhalten soll, wenn es unterbrochen wird. Ähnlich kann auch unser Gehirn programmiert werden. Grabe ein wenig tiefer, wir wurden seit unserer Kindheit dazu programmiert auf bestimmte Impulse zu reagieren, wie z.B. uns von Fremden fernzuhalten, von Höhen, gefährlichen Tieren, usw. Auf andere Impulse reagieren wir automatisch, wir nehmen sie also wahr und reagieren so, wie es uns natürlich erscheint. Und diese Reaktionen können fehlerhaft sein. Wenn z.B. Menschen eine Eidechse sehen, sehen viele nur ein hässliches Reptil, während andere es als ein wunderschönes Haustier wahrnehmen. Das könnte aufgrund ihrer natürlichen (automatischen) Reaktion auf diesen Impuls (Eidechse) so sein. Ähnlich funktioniert es, wenn schüchternen Menschen, andere Menschen (Impuls) sehen, ihre natürliche Reaktion ist Schüchternheit. Die Wahrheit ist, dass du diese Reaktion verändern kannst, indem du dein Gehirn umprogrammierst. Einige Möglichkeiten hierfür sind:
    • Hinterfrage dich selbst und überprüfe die Gültigkeit deiner Beweggründe. Zum Beispiel .
    • Es ist unabdingbar, dass du das öffentliche Sprechen übst, wenn du wirklich deine Probleme mit Schüchternheit überwinden willst. Sieh deine Schüchternheit als Hinweis darauf an, dich selbst zu pushen und genau das Gegenteil davon zu machen, was du aufgrund deiner Schüchternheit tun würdest. Wenn du dich in der Öffentlichkeit schüchtern fühlst, gehst du wahrscheinlich normalerweise an einen ruhigen Ort, weil das für so lange Zeit deine natürliche Reaktion darauf war, wenn du dich schüchtern fühlst. Also zwinge dich dazu, genau das Gegenteil zu tun, z.B. dich mit anderen unterhalten. Ja, du wirst dich extrem unwohl und negativ fühlen, aber auch diese Gefühle solltest du als Auslöser dafür ansehen, dich noch mehr zu pushen. Je stärker der Impuls dieser negativen Emotionen ist, desto stärker werden sie dich dazu motivieren, dich noch stärker zu pushen. Nach einiger Zeit wirst du erkennen, dass diese negativen Gefühle und Emotionen eigentlich gute Freunde sind, weil sie dich dazu motiviert haben, dich noch mehr zu pushen.
  2. Konzentriere dich auf andere. 99% von uns werden deswegen schüchtern, wenn wir den Mund aufmachen und auffallen müssen, weil wir Angst davor haben, uns zu blamieren. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns auf andere konzentrieren und unsere (mentale) Aufmerksamkeit auf etwas Anderes richtigen. Wenn wir uns nicht länger auf uns selbst konzentrieren, können wir uns auch nicht mehr länger Sorgen deswegen machen, wie wir auf andere wirken.
    • Der einfachste Weg hierfür ist, wenn wir uns auf unser Mitgefühl konzentrieren. Wenn wir mit anderen mitfühlen, sympathisieren oder empathisch sind, machen wir uns nicht mehr länger Sorgen um uns selbst und widmen stattdessen unsere gesamten geistigen Ressourcen dem Verständnis anderer. Denke daran, dass jeder seine Kämpfe auszufechten hat – große und kleine (groß für sie!) - das erinnert uns auch daran, dass jeder unser Mitgefühl verdient.
    • Sollte das nicht funktionieren, stelle dir ein Gedankenmuster vor, von dem du denkst, das andere es haben. Wenn du dir Gedanken um dein Aussehen machst, dann gehst du damit davon aus, dass jeder andere auf Äußerlichkeiten fokussiert ist (kleiner Hinweis: sie sind es nicht). Denkmuster sind ansteckend; sobald du damit angefangen hast, kannst du nicht mehr damit aufhören.
  3. Stelle dir Erfolge vor. Schließe die Augen und stelle dir eine Situation vor, in der du schüchtern sein würdest. Jetzt stelle dir vor deinem inneren Auge vor, dass du stattdessen selbstbewusst bist. Tue das oft und in verschiedenen Situationen. Das ist besonders effektiv, wenn du es täglich machst, besonders am Morgen. Es fühlt sich vielleicht zunächst seltsam an, aber viele Athleten verwenden diese Visualisierung, um ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln, warum solltest du es also nicht auch tun?
    • Beziehe alle deine Sinne mit ein, um die Situation so echt wie möglich zu gestalten. Denke daran glücklich zu sein und dich wohlzufühlen. Wie klingst du dabei? Was tust du? Auf diese Weise bist du vorbereitet, wenn es soweit ist.
  4. Übe eine gute Körperhaltung ein. Aufrecht zu stehen, gibt der Welt den Eindruck, dass du selbstbewusst und aufgeschlossen bist. Oftmals werden wir so behandelt, wie wir uns fühlen – wenn wir uns also offen und zugänglich fühlen, wird dein Körper dieses Gefühl auch ausstrahlen. Körper über Geist!
    • Das wird auch dein Gehirn täuschen. Studien haben gezeigt, dass eine gute Körperhaltung (Kopf hoch gehalten, Schultern zurück, offene Arme) uns autoritärer und selbstbewusster fühlen lassen, und dazu – um das ganze noch abzurunden – Stress reduziert. Und du hättest gar keine weiteren Gründe gebraucht!
  5. Übe deutlich zu sprechen. Das hilft dir dabei, dir die potentielle Peinlichkeit zu ersparen, dich wiederholen zu müssen, weil du murmelst oder zu leiste sprichst. Du musst dich an das Hören deiner eigenen Stimme gewöhnen! Und sie sogar lieben lernen.
    • Nimm dich selbst auf und tue so, als würdest du ein Gespräch führen. Klingt lächerlich, klar, aber dir werden Muster auffallen, wann und warum du leiser wirst, Momente, zu denen du annimmst, dass du laut und deutlich sprichst, es aber in Wirklichkeit gar nicht tust, usw. Zu Beginn wirst du dich wie ein Schauspieler fühlen (du tust ja auch Dinge, die Schauspieler machen, um sich in den Moment einzufühlen), aber schon bald hast du dich daran gewöhnt. Die Übung macht schließlich den Meister.
  6. Vergleich dich nicht mit anderen. Je mehr du dich mit anderen vergleichst, desto mehr gelangst du zu dem Gefühl, dass du nicht mithalten kannst und umso eingeschüchterter wirst du dich fühlen, wodurch du noch schüchterner wirst. Es hat keinerlei Nutzen, wenn du dich mit anderen vergleichst – wenn du es aber unbedingt tun musst, dann mache es wenigstens realistisch. Auch jeder andere hat genügend Probleme mit seiner Selbstsicherheit.
    • Ernsthaft. Wenn du einige Freunde oder Familienmitglieder hast, die super-selbstbewusst und extrovertiert sind, befrage sie zu dem Thema. Sie werden höchstwahrscheinlich etwas sagen wie, „Oh, ja, ich macht total einen auf selbstbewusst, um besser rüberzukommen.“ oder „Ich hatte echt Probleme mit meinem Selbstvertrauen. Ich musste hart daran arbeiten.“ Du bist einfach nur in einer anderen Phase des Prozesses, als sie es sind.
  7. Denke darüber nach, wie absolut großartig du bist. Ein jeder hat dieser Welt eine besondere Begabung oder Eigenschaft zu bieten. Es mag abgedroschen klingen, aber es ist wahr. Denke darüber nach, was du weißt, was du kannst und was du bereits erreicht hast, anstatt dich auf dein Aussehen, deinen Ausdruck oder deine Kleidung zu fixieren. Vergiss nicht, dass jeder, auch die "schönen Menschen", irgendwelche Dinge an sich selbst oder ihrem Leben nicht mögen. Es gibt keinerlei Grund, dass dein "Problem" dich schüchtern macht, während deren "Problem" sie nicht schüchtern werden lässt.
    • Wenn du dich darauf konzentrierst, wirst du feststellen, dass du jeder Gruppe oder Situation jede Menge zu bieten hast. Deine Ressourcen oder Fähigkeiten sind dazu fähig, jedes Problem, jedes Gespräch und jeden Umstand zu verbessern. Wenn du dir dessen bewusst wirst, fällt es dir viel leichter deinen Mund aufzumachen.
  8. Identifiziere deinen sozialen Wert und deine Stärken. Nur weil du nicht das Alphamännchen im Raum bist, nicht die dröhnenste Stimme hast oder die Party alleine in Schwung bringst, heißt das nicht, dass du keine sozialen Stärken hast. Bist du ein guter Zuhörer? Hast du ein Auge für Details? Es ist gut möglich, dass es etwas ist, was dir gar nicht bewusst ist, also lehne dich zurück und nimm dir eine Minute. Hast du eine bessere Beobachtungsgabe, als die meisten der Menschen um dich herum? Wahrscheinlich.
    • Deine Stärken können dir einen Vorteil verschaffen. Wenn du ein guter Zuhörer bist, bist du wahrscheinlich dazu in der Lage zu erkennen, wenn jemand ein Problem hat und sich Luft machen muss. In diesem Fall sind sie diejenigen, die dich brauchen. Es gibt nichts furchteinflößendes in dieser Situation. Also frage die Person, was los ist! Dir ist aufgefallen, dass der Person schon Dampf aus den Ohren quillt, kannst du ihr eines deiner Ohren leihen?
    • In jeder sozialen Gruppe müssen alle Rollen ausgefüllt werden. Du hast deinen Platz, selbst wenn du ihn selbst nicht erkennst. Niemand ist besser als irgendein anderer – deinen Wert zu erkennen, welcher das auch ist, komplettiert die Gruppendynamik.
  9. Verfalle nicht in Schubladendenken. Für das Protokoll, beliebte Menschen sind nicht automatisch glücklich. Extrovertierte Menschen sind nicht unbedingt beliebt oder glücklich und schüchterne Menschen sind nicht unbedingt introvertiert, unglücklich oder kalt und distanziert. Genauso, wie du selbst in keine Schublade gesteckt werden willst, solltest du auch andere nicht in eine stecken.
    • Die beliebten Kids in der Schule arbeiten hart daran, Tag für Tag, um beliebt zu sein. Sie versuchen sich anzupassen, dazuzugehören und erfolgreich zu sein. Gut für sie, aber das heißt nicht, dass sie glücklich sind oder das es für immer so bleibt. Etwas vorzugeben, was gar nicht so ist, wird dich nirgendwohin bringen. Du machst am besten dein eigenes Ding – die Schule geht vorbei, die Uni geht vorbei, und was hast du dann noch? Wenn du Pech hast, ein paar Sportabzeichen und eine lustige Mütze.

Teil 3 von 4: Meistere soziale Situationen

  1. Informiere dich. Wenn du für nächste Woche zu einer Party eingeladen bist, bereitest du dich am besten mit ein paar wichtigen Themen vor. Steht eine große Entscheidung im Bundestag an? Findet ein heißes Fernsehfinale statt? Ein internationales Event? Mach dich schlau. Sollte dann eines dieser Thema in einem Gespräch aufkommen, kannst du einspringen.
    • Du willst hier nicht mit deinem vollkommen, im-Detail Wissen glänzen. Du willst einfach mitreden können. Auch andere wollen nicht gerne verurteilt werden oder einem Monolog lauschen, also halte es locker und freundlich. Ein einfaches, „Ohmann, ich möchte jetzt nicht in Merkels Schuhen stecken“, kann ein Gespräch davon abhalten im Sande zu verlaufen.
  2. Stelle dir ein Gespräch in verschiedene Phasen aufgeteilt vor. Soziale Interaktionen können bis zu einem gewissen Punkt vereinfacht werden. Wenn du sie in ihre Grundlagen zerlegst und verinnerlichst, kannst du sie im Autopilot absolvieren, was weit weniger stressig ist. Denke an ein Gespräch in vier Phasen:
    • Phase Eins ist eine einfache Eröffnung. Das ist Smalltalk, wie er im Buche steht.
    • Phase Zwei ist die Vorstellung. Selbsterklärend.
    • Phase Drei ist Gemeinsamkeiten finden. Themen, über die man zusammen sprechen kann.
    • Phase Vier ist die Verabschiedung. Ein Teil informiert den anderen, dass er zu gehen hat und, um das ganze abzuschließen, werden eventuell Informationen ausgetauscht. „Es hat wirklich Spaß gemacht, sich mit dir zu unterhalten – Ich habe John noch nie auf diese Art und Weise gesehen. Hier ist meine Karte – vielleicht können wir uns ja bald mal wieder unterhalten!“
  3. Beginne eine Unterhaltung. Erinnerst du dich an dieses Wahnsinns-Projekt, das du abgeschlossen hast? An diesen Berg, den du hochgeklettert bist? Die Krankheit, die du überwunden hast? Wenn du all diese Dinge schaffen kannst, ist ein Gespräch ja wohl ein Klacks. Ein zufälliger Kommentar über etwas, das ihr miteinander teilt, kann den Anfang machen - „dieser verdammte Bus kommt immer zu spät“ oder „nicht die Hoffnung aufgeben, der Kaffee wird irgendwann kommen!“ oder „hast du die Krawatten von Hr. Bossmann gesehen? Oh. Mein. Lieber. Gott!“ Von da ab läuft alles von ganz alleine.
    • Füge einer allgemeinen Aussage ein Detail hinzu. Wenn dich jemand fragt, wo du wohnst, kann das Gespräch leicht zu einem super-unangenehmen, fühlt-sich-verdammt-falsch-an Ende gelangen. Anstatt einfach nur zu sagen „in der Hauptstraße“, sage stattdessen „In der Hauptstraße, direkt neben dieser tollen Bäckerei“, damit hat die Person gleich etwas, das sie kommentieren kann, womit das Gespräch weiterläuft. Anstatt „oh cool“ zu antworten, sage stattdessen „Oh mein Gott, hast du schon ihre unglaublichen Schokocroissants probiert?!“
  4. Wärme dich auf. Auf einer Party kannst du die genau gleiche Konversation immer und immer wieder haben. Sprich ein oder zwei Leute an und trainiere den Austausch derselben Höflichkeiten und Plattitüden, bis du sie wirklich verinnerlicht hast und dir fast schon schlecht wird. Dann wende dich wieder den Menschen zu, die dir wirklich wichtig sind. Damit kannst du ohne Risiko ein echtes Gespräch führen.
    • Lege schnell los, lass jedes Gespräch nur wenige Minuten dauern. Das wird dir den Druck nehmen und dich wahrscheinlich weniger nervös machen – wenn das Ende nur 120 Sekunden entfernt ist, ist es nicht so einschüchternd. Du kannst deine Zeit und Energie auf diejenigen konzentrieren, mit denen du befreundet sein willst. Das macht wirklich am meisten Sinn für deine Zeit und Ressourcen.
  5. Wirke und handle zugänglich. Vermittle über deine Körpersprache eine offene, freundliche Einstellung. Achte darauf, deine Arme nicht zu verschränken, deinen Kopf hoch zu halten und deine Hände nicht ständig zu beschäftigen. Keiner wird sich mit dir unterhalten, wenn du in eine Runde Candy Crush vertieft bist. Sie wollen schließlich nicht unhöflich sein!
    • Denke an die Menschen, auf die du gerne zugehen würdest. Was sagen ihre Körper und Gesichter aus? Jetzt denke an die Menschen, auf die du ungern zugehst. Wie du gerade sitzt – in welches Spektrum fällst du?
  6. Lächle und stelle Augenkontakt her. Ein simples Lächeln in Richtung eines Fremden, kann seinen Tag erhellen und deinen gleich mit! Lächeln ist eine freundliche Möglichkeit die Anwesenheit einer Person anzuerkennen und es ist ein guter Einstieg, hin zu einem Gespräch. Und zwar mit irgendjemand, einem Fremden oder einem Freund. Du zeigst, dass du ungefährlich, freundlich und bereit zu einem Gespräch bist.
    • Wir Menschen sind soziale Kreaturen. Ein einfacher Blick auf Gefangene in Einzelhaft kann das beweisen. Wir alle suchen nach Interaktion und Beteuerung. Du bist keine Bürde für ihren Tag – du machst ihn lebendiger und, naja, besser.
  7. Denke an deinen Körper. Wenn du in einer Gruppe von Menschen (oder auch nur mit einem Menschen zusammen) bist, überkommen dich wahrscheinlich einschüchterne Gedanken. Das ist anfangs ganz normal. Wenn du das Gefühl hast, Angstgefühle zu entwickeln, stelle dir selbst folgende Fragen:
    • Atme ich richtig? Wenn du langsam atmen kannst, wird sich dein Körper automatisch entspannen.
    • Bin ich entspannt? Wenn nicht, Verlagere deinen Körper in eine angenehmere Haltung.
    • Wirke ich offen? Du kannst Hinweise von deiner eigenen Haltung bekommen. Wenn du dich mehr öffnest, verändert das vielleicht auch, wie du in der Gruppe gesehen wirst.

Teil 4 von 4: Stelle dich Herausforderungen

  1. Setze dir selbst Ziele. Es reicht nicht zu denken, „Ich werde da raus gehen und nicht schüchtern sein!“. Das ist kein wirklich greifbares Ziel – das ist in etwas so, wie zu sagen, „Ich will unglaublich sein!“. Wir erreichst du das? Du musst dir Handlungsorientierte Ziele setzen, wie z.B. mit einem Fremden zu sprechen oder ein Gespräch mit einem süßen Jungen oder süßen Mädchen zu beginnen (wir decken diese Handlungen im nächsten Bereich ab).
    • Konzentriere dich auf kleine, tägliche Errungenschaften, die schrittweise herausfordernder werden. Selbst einen Fremden nach der Zeit zu fragen, kann eine beängstigende Handlung darstellen. Schreibe diese kleinen Dinge nicht einfach so ab – sie können unglaublich wichtig sein! Du kannst dich schon bald dazu hocharbeiten, vor großen Mengen zu sprechen. Mach aber erst mal langsam!
  2. Finde etwas, wobei du dich wohl fühlst. Direkt gesagt, bei einem Rave abzugehen oder die ganze Nacht lang in einem Club durchzutrinken, ist vielleicht einfach nichts für dich – das hat aber nichts mit Schüchternheit zu tun. Wenn du stattdessen lieber deiner Oma die Zehennägel schneidest, dann höre auf diesen Impuls. Versuche deine Schüchternheit nicht in Bereichen zu besiegen, wo du es einfach nicht schaffen kannst. Das wird nicht funktionieren.
    • Du musst nicht das tun, was jeder andere tut. Und wenn du es doch tust, wirst du nicht dabei bleiben und keine Leute finden, die du magst und die so sind wie du. Warum also Zeit verschwenden? Wenn die Bar-Szene nichts für dich ist, dann ist das total in Ordnung. Übe deine sozialen Fähigkeiten in einem Café, bei Treffen mit Freunden oder auf der Arbeit. Das passt besser zu deinem Leben.
  3. Übe, dich nicht so angenehmen Situation auszusetzen. Ok, wir wollen dich also nicht an Orten, an denen du dich in einer Ecke verstecken und dich selbst kneifen musst, um den sozialen Schmerz zu überdecken. Aber du musst dich trotzdem Umgebungen aussetzen, die nur ein oder zwei Schritte aus deiner Wohlfühlzone heraus sind. Wie willst du sonst wachsen?
    • Fange oben auf deiner Liste an, erinnerst du dich? Das kann ein kleines Gespräch mit der Kassiererin sein, eine Person im Bus nach der Uhrzeit zu fragen oder ein wenig mit dem Typen am Schalter neben dir zu quatschen. Die meisten Menschen sind schlecht darin ein Gespräch zu initiieren (und ist dir klar, warum das so ist? Weil sie genauso sind wie du!), aber die Möglichkeiten für Gespräche sind überall.
  4. Stelle dich jeden Tag einer neuen Person vor. Es ist oft einfacher mit Fremden zu sprechen, zumindest kurz. Schließlich wirst du sie vielleicht nie wieder sehen, wen interessiert es also, was sie denken? Der Typ am Ende der Straße, der in deine Richtung zum Bus geht. Versuche Augenkontakt zu ihm herzustellen und zu lächeln. Das kostet dich nicht mehr als 3 Sekunden deiner Zeit!
    • Je öfter du das tust, desto öfter wird dir auffallen, dass die Menschen reagieren und freundlich sind. Hin und wieder gerätst du an den zufälligen Freak, der paranoid reagiert und sich fragt, warum du ihn so anlächelst – siehe ihn als jemand an, mit dem du dir einen kleinen Spaß erlaubst. Aber was noch interessanter ist, wenn du lächelst, fragen sich die Leute, warum du lächelst – jetzt bist du in ihrem Kopf, anstatt andersherum.
  5. Bemühe dich. Sprich mit Menschen, bei denen du sonst gar nicht auf die Idee kommen würdest. Versuche Menschen zu finden, die ein oder mehrere Interessen mit dir teilen und versuche Pläne mit ihnen zu machen. Früher oder später wirst du dich vor einer Gruppe wiederfinden. Läute es mit selbst der grundlegendsten Aussage ein (oder als Unterstützung von jemand anderem). Beteilige dich. Das ist der einzige Weg, um zu wachsen.
    • Mit der Zeit wird das viel einfacher. Erinnerst du dich daran, wie schwer Auto oder Fahrrad fahren zu Beginn war? Das gleiche gilt für soziale Interaktion; du benötigst einfach viel Übung. Nach einer Weile geht es nur noch „ach das kenne ich schon“. Nichts wird dich mehr schocken. Olé!
  6. Zeichne deine Erfolge auf und bleib dabei. In dem Notizbuch, in dem du auch deine sozialen Auslöser aufgeschrieben hast, solltest du auch deine Erfolge notieren. Deine Fortschritte zu sehen, ist eine tolle Motivation um weiterzumachen. In ein paar Wochen wirst du überrascht sein, wie viel Kontrolle du jetzt über diese Sache hast. Du wirst mehr denn je überzeugt davon sein, dass es machbar ist. Großartig!
    • Es gibt keinen Zeitplan für diese Sache. Für manche Menschen ändert sich kaum etwas, bis irgendwann eine Birne angeht und sie es auf einmal verstanden haben. Für andere ist es ein langer, steiniger Weg, der 6 Monate oder mehr dauern kann. Es dauert so lange, wie es eben dauert. Vertraue dir selbst. Du wirst es schaffen.

Tipps

  • Denke daran, Schüchternheit ist eine Emotion, kein permanenter Persönlichkeitszug. Du hast die Kraft, um deine Schüchternheit durch Wünsche und Taten zu verändern.
  • Spiele es, dann wirst du es – ist ein gutes Motto. Gib vor selbstbewusst zu sein und nach einer Weile wirst du merken, dass du es wirklich bist. Denke aber daran, dass dich zu vielen Situationen auszusetzen, in denen du dich unwohl fühlst, das Problem nur neu entfachen wird. Schüchternheit und soziale Ängste sind instinktiv erlerntes Verhalten und du musst dich langsam an etwas Anderes gewöhnen.
  • Furcht und Aufregend bauen auf dem gleichen Wirkstoff auf – Adrenalin. Wenn du dich auf die positiven Aspekte des Events, der Rede, der Aktivität, usw. konzentrierst und die Spannung als Vorfreude ansiehst, kannst du die Angst in Nervenkitzel umwandeln, der es dich genießen lässt extrovertiert zu sein. Viele extrovertierte, eloquente Menschen gehen in öffentliche Situationen mit so viel Spannung, wie du es tust, aber sie interpretieren sie als Begeisterung und teilen sie mit anderen. Lampenfieber kann sich in einer herausragende Performance auflösen, wenn du den Schalter umlegen und deine Gefühle anders interpretieren kannst.
  • Sagen zu mehr Dingen „ja“. Zunächst wird das schwierig sein. Beginne bei den kleinen Dingen, wie z.B. Hallo zu einem Klassenkameraden zu sagen; Wenn du die Dinge öfters tust, die du sonst nicht so oft tust, kannst du viele tolle Momente erleben. Außerdem fühlst du dich dabei besser, weil du mutig genug warst, es auszuprobieren.
  • Tritt einem Verein oder einer Gruppe bei! Tritt einem Verein bei, an dem du interessiert bist und du wirst andere Leute mit den gleichen Interessen kennenlernen. Das ist eine großartige Möglichkeit, um neue Freunde zu finden.
  • Du solltest wissen, dass fast jeder in irgendeiner Form schüchtern ist. Der Unterschied ist der Grad der Schüchternheit. Du kannst dein Selbstvertrauen durch das Üben deiner rhetorischen Fähigkeiten und dem Sammeln möglicher Gesprächsthemen bestärken.
  • Lass dir mehr Zeit beim Reden. Langsam zu sprechen gibt dir mehr Zeit darüber nachzudenken, was du ausdrücken möchtest und verleiht deinen Worten mehr Gewicht
  • Stelle eine Liste über die Dinge zusammen, die du an dir liebst und klebe sie an die Wand. Das kann dir Selbstvertrauen geben, bevor du die Türe verlässt.
  • Überwinde Lampenfieber, indem du dir vorstellst jemand anders zu sein, wie etwa ein Filmstar, den du bewunderst. Bilde dir ein diese Person zu sein, bis du dich auf der Bühne wohlfühlst.
  • Scheu dich nicht davor, dir professionelle Hilfe zu suchen. Gruppenberatung, Einzelgespräche und Therapie können dich auf deinem Weg begleiten. Manchmal ist es mehr als nur Schüchternheit und es ist wichtig, das auch zu erkennen. Soziale Angststörungen werden oft als "extreme Schüchternheit" abgetan, also stelle sicher, dass du weißt, worunter du leidest.

Warnungen

  • Wenn du bei deinen Freunden und Familienmitgliedern dafür bekannt bist, schüchtern zu sein, dann sei auf harmlose Späße vorbereitet. Einige können Probleme damit haben, dass du außerhalb der Schublade existierst, in die sie dich gesteckt hatten. Ignoriere sie. Sie meinen es gut, aber lass dich nicht von ihnen zurück in dein Schneckenhaus drängen!
  • Manchmal ist schüchtern zu sein auch nur eine Phase – viele Menschen werden mit dem Alter selbstbewusster und extrovertierter. Versuche dich nicht dich selbst zu verändern, außer es macht dich wirklich unglücklich; du wirst vielleicht mit dem Alter daraus herauswachsen.
  • Oftmals ist es nur in deinem Kopf. Du musst nicht schüchtern sein, atme einfach tief durch und gehe erhobenen Hauptes.
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