Einen Gitarrenverstärker für Rockmusik finden

Wenn du dir einen Gitarrenverstärker kaufen willst, dich aber nicht auskennst, kann das eine ganz schöne Herausforderung sein: Was sind die Unterschiede zwischen Röhre und Transistor, EL34 und 6L6, dem britischen und dem amerikanischen Sound? Und was ist mit dem „cremigen Ton“ gemeint? Das kann so schlimm werden, dass du Ukulele spielen und nach Hawaii auswandern willst. Keine Sorge: Wenn du Bescheid weißt und gute Ohren hast, findest du den richtigen Amp für dich.

Methode 1 von 6: Die Grundlagen

  1. Benutze deine Ohren. Das klingt ziemlich einfach und hochgradig untechnisch aber man kann es nicht anders beschreiben. Dir sollte klar sein , dass dir erst einmal der Sound des Amps gefallen und er zu der Musik, die du machen willst, passen muss.
    • Ein Marshall-Amp klingt großartig, wenn deine Musik in die Van Halen-, Cream- oder AC/DC-Ecke geht.
    • Ein Fender-Amp klingt genauso großartig, wenn du eher den Stevie Ray Vaughan-, Jerry Garcia- oder Dick Dale-Sound suchst.
    • Am besten testest du den Klang des Amps mit deiner Gitarre. Bist du Anfänger und etwas unsicher auf der Gitarre, suchst aber einen Verstärker, mit dem du wachsen kannst, bitte jemanden im Laden, ihn für dich zu spielen. Festzustellen wie Amp „A“ im Vergleich zu „B“ klingt, ist schwierig. Nutze jede Möglichkeit zum Vergleich.
  2. Überlege, was du brauchst. Verstärker werden eher an ihrer Leistung als an ihrer Größe gemessen (obwohl stärkere Verstärker oft auch größer sind).
    • Röhren-Amps mit geringer Leistung liefern schon bei geringer Lautstärke eine harmonische Verzerrung. Das ist gut zum Proben, im Studio und wenn der Amp live abgenommen wird.
    • Röhren-Amps mit hoher Leistung verzerren erst bei höheren Lautstärken und sind daher live schwieriger zu mischen.
    • Die Wattzahl (Leistung) hat einen Effekt auf die tatsächliche und die wahrgenommene Lautstärke. So braucht man die zehnfache Leistung für die doppelte Lautstärke. Ein 10-Watt-Amp ist etwa halb so laut wie ein 100-Watt-Amp.
    • Leistung und Preis von Verstärkern stehen nur selten im Verhältnis zueinander. So kann ein 10-Watt-Amp doppelt, dreimal oder zehnmal so viel kosten wie ein 100-Watt-Amp. Das hängt von der Qualität seiner Komponenten und dem Aufbau ab. Ein zusammen geschusterter 100-Watt Transistor-Amp ist im Vergleich zu einem 5 Watt-Boutique-Amp billig herzustellen.
  3. Lerne, was den Sound eines Amp bestimmt. Die Soundqualität eines Verstärkers wird durch viele Dinge beeinflusst. Hier sind einige:
    • die eingesetzten Vorstufenröhren
    • die eingesetzten Endstufenröhren
    • das Holz, aus dem die Lautsprecher gefertigt sind
    • der Lautsprechertyp
    • der Widerstand der Lautsprecher
    • die eingesetzte Gitarre
    • die eingesetzten Kabel
    • die eingesetzten Effekte
    • die Tonabnehmer in der Gitarre
    • und sogar die Finger des Spielers
  4. Mache dich mit den Kategorien vertraut. Es gibt zwei Hauptkategorien bei der Konfiguration der Gitarrenamps: Combo und Verstärker mit Lautsprecherbox.
    • Der Combo. Ein Combo kombiniert einen Verstärker mit einem oder mehreren Lautsprechern in einem Gehäuse. Sie sind meist kleiner als leistungsstarke Amps mit mehreren großen Lautsprechern, für die es fast einen Gewichtheber zum Transportieren braucht.
    • Die Kombination vom Amp und Box löst das Gewichtsproblem, weil Lautsprecherbox und Amp getrennt sind. Diese Amps bezeichnet man als „Heads“. Sie stehen meist auf den Boxen oder sie werden in Racks eingebaut. Das ist gut für große Touren oder komplexere Gitarren-Signalketten.

Methode 2 von 6: Röhren- und Transistorverstärker

  1. Vergleiche Röhre und Transistor. Zwischen ihnen gibt es merkliche Unterschiede. „Tube“-Amps haben sowohl in der Vor- als auch in der Endstufe Vakuumröhren, während Transistorverstärker in allen Verstärkerstufen Transistoren einsetzen. Daraus ergeben sich deutlich unterschiedliche Sounds.
    • Transistor-Amps sind für ihren brillanten, sauberen und präzisen Sound bekannt. Sie sprechen schnell auf dein Spiel an und sind stabiler als Röhrenamps. Stell dir den Unterschied zwischen einer Glühbirne (Röhre) und einer LED-Lampe (Transistor) vor. Lass beide fallen und du wirst eine davon wegwerfen können. Transistor-Amps haben viele technische Vorteile und oft modulierte Sounds diverser Amps mit an Bord. Sie sind deshalb auch sehr vielseitig.
    • Transistor-Amps bekommen vom Hersteller oft einen bestimmten Sound. Das ist gut, wenn du einen soliden, wiederholbaren Ton suchst. Im Vergleich zu ihren Röhren-Pendants sind sie Leichtgewichte – was ihr Gewicht als auch den Kaufpreis betrifft.
    • Ihre Vielseitigkeit und Robustheit kostet aber auch Wärme im Ton. Das ist natürlich subjektiv aber einige Unterschiede belegen das: Die Verzerrung in Transistor-Amps wird schlagartig und hart begrenzt – der Ton „clippt“ und der Sound wird dadurch harsch und unnatürlich. Das klingt unangenehm. Im Gegensatz dazu ist die Verzerrung eines Tubeamps weich und die Töne kippen in die Obertöne. Das klingt harmonischer und wärmer.
    • Röhren-Amps haben das gewisse, nicht messbare „Etwas“. Das macht sie zu den beliebtesten Amps. Ihr Sound wird als dick, cremig, fett und satt bezeichnet. Bezeichnungen, die eher zum Essen als zu Amps passen.
    • Röhren-Amps unterscheiden sich leicht von Amp zu Amp und von Spieler zu Spieler. Für viele Gitarristen sind ihr Amp und ihre Gitarre bestimmend für ihren spezifischen Sound.
    • Röhrenverzerrung ist weicher und klingt angenehmer. Bei großer Lautstärke wird der Ton zusätzlich komprimiert, was ihm eine Fülle gibt, wie es nur Röhren schaffen.
    • Röhren-Amps klingen kräftiger als vergleichbare Transistor-Amps. Ein 20 Watt-Tubeamp kann genauso laut klingen wie ein 100 Watt Transistor-Amp.
  2. Der Nachteil von Tubeamps ist eher praktischer als akustischer Natur. Ein Röhren-Amp kann sehr schwer sein. Das ist ein großer Nachteil, wenn du ihn regelmäßig in den dritten Stock tragen musst.
    • Röhren-Amps sind teurer in Anschaffung und Wartung. Ein Transistor-Amp bleibt wie er ist. Wenn er keinen starken Stromschwankungen ausgesetzt ist, wird er immer wieder gleich klingen – Jahr für Jahr. Röhren (ebenso wie Glühbirnen) verschleißen nach und nach und müssen ersetzt werden. Sie sind nicht wahnsinnig teuer aber eine zusätzliche Ausgabe. Das hängt natürlich auch davon ab, wie oft du den Amp spielst.
    • Röhren-Amps haben meist keine Emulations-Effekte eingebaut. Dafür brauchst du Effekt-Pedale. Einige Tube-Amps haben allerdings einen eingebauten Tremolo- und Hall-Effekt.
  3. Verallgemeinere nicht. Es ist gut, die Vor- und Nachteile beider Amptypen zu kennen. Denn Röhren sind nicht immer automatisch besser als Transistoren. Studien haben bewiesen, dass man klanglich kaum zwischen ihnen unterscheiden kann, wenn sie unverzerrt gespielt werden.

Methode 3 von 6: Combo-Amps

  1. Varianten von Combo-Amps. Hier einige der gebräuchlichsten Arten der Combo-Amps:
    • Micro-Amps mit 1 bis 10 Watt. Diese kleinen, portablen Amps sind gut zum Üben oder für unterwegs (oder wenn andere schlafen wollen). Sie liefern nicht genug Lautstärke für Jam-Sessions, wenn du dich im Mix gegen andere durchsetzten musst. Ihr Sound ist im Vergleich zu größeren Amps schlecht. Weil sie wenig Leistung und eine schlechtere Schaltung haben, eigenen sie sich nicht für professionelle Zwecke. Der Marshall MS-2 ist ein Beispiel eines super-portablen Amps (1 Watt), der für einen Transistor-Amp dieser Größe gute Bewertungen bekommt.
    • Practice-Amps mit 10 bis 30 Watt. Das sind Übungsamps, die Zuhause im Schlaf- oder Wohnzimmer gespielt werden. Die lauteren unter ihnen können auch für kleinere Gigs genutzt werden, speziell wenn sie per Mikro abgenommen werden und über die PA laufen. Beliebte Practice-Amps, die genauso gut oder sogar besser als große klingen sind: Fender Champ, Epiphone Valve Junior und der Fender Blues Jr. Generell sind Amps mit 20 bis 30 Watt und mindestens einem 10 Zoll-Lautsprecher (25,4 cm) am besten.
    • Fullsize 1 x 12 Combos mit mindestens 50 Watt und einem 12 Zoll-Lautsprecher (30,5 cm). Der 1 x 12-Amp ist der kleinste Amp mit dem schon kleinere Gigs gespielt werden können, ohne dass er per Mikrofon abgenommen wird. Den Sound von High-End-Modellen wie z.B. Mesa Engineering kann man durchaus als professionell bezeichnen.
    • 2 x 12 Combos ähneln den 1 x 12 Modellen aber sie haben einen weiteren 12 Zoll-Lautsprecher. Sie sind massiger und schwerer als die 1 x 12 Amps, sind aber für viele aktive Musiker die erste Wahl bei kleineren oder mittleren Gigs. Der weitere Lautsprecher erzeugt einen leichten Stereo-Effekt und auch mehr Druck und Lautstärke, so dass der Sound präsenter wird. Ein beliebtes Modell ist der Roland Jazz Chorus, der einen einzigartigen, sauberen Sound mit Stereo-Option und eingebauten Effekten bietet.
  2. Bedenke, dass ein kleiner Amp für Studio-Aufnahmen oft gut geeignet ist. Wenn du z.B. wissen willst, wie ein kleiner 5 Watt Fender Champ im Studio klingt, dann höre dir „Layla“ von Eric Clapton an!

Methode 4 von 6: Topteile, Boxen und Stacks

  1. Varianten von Topteilen, Boxen und Stacks. Combos sind eine tolle Alles-in-einem-Lösung aber viele Gitarristen wollen ihren Sound spezieller machen. Sie mögen vielleicht den Sound einer Marshall Box nur dann, wenn sie zusammen mit einem Mesa Engineering-Top gespielt wird. Andere sind vielleicht nicht so wählerisch bei Boxen, wollen aber besonders viele davon für einen besonders fetten Sound auf der Bühne haben.
  2. Lerne die Fachbegriffe: Ein Head ist ein Amp ohne Box. Eine Box ist ein Lautsprecher-Gehäuse, das zusammen mit einem Amp betrieben wird. Stack nennt man einen Amp, der über mehrere Boxen läuft.
    • Die meisten bevorzugen Stacks für Gigs und nicht zum Üben. Wenn deine Familie nichts dagegen hat, kannst du dir natürlich auch ein Riesenstack ins Wohnzimmer stellen. Aber wahrscheinlich hat sie etwas dagegen, denn Stacks sind massig, sehr schwer und unglaublich laut. Sie werden von Musikern benutzt, die große Hallen oder Stadien bespielen.
  3. Die meisten Heads sind vom Gehäuse her ähnlich groß, können aber eine unterschiedliche Leistung haben. Kleine haben zwischen 18 und 50 Watt, Full-Power-Heads meist 100 Watt oder mehr und Super-Heads liefern ohrenbetäubende 200 bis 400 Watt Leistung.
    • Bei kleineren und mittleren Gigs reicht ein kleines Head locker aus. Diese Amps werden meist zusammen mit einer 4 x 12 Box betrieben (wie der Name schon sagt: vier 12 Zoll-Lautsprecher). Dieses spezielle Setup wird Halfstack genannt und ist bei vielen Musikern sehr beliebt.
    • Bevor du dir ein Half-Stack kaufst, solltest du bedenken, dass es für die meisten Bars oder kleinere Bühnen (wo du wahrscheinlich spielst) zu laut und zu groß ist. Um es zu transportieren brauchst du mindestens einen Van oder Transporter und Helfer, um es auf die Bühne zu tragen. Außerdem solltest du es nur mit Ohrstöpseln spielen, sonst riskierst du einen Hörschäden. Ein Half-Stack liefert über eine Box mit vier Lautsprechern eine enorme Lautstärke. Kauf dir einen Amp, den auch die Profis benutzen.
    • Ein Full-Stack ist der Traum vieler Gitarristen, wird aber von Soundtechnikern und deinen Bandkollegen gehasst. Das Full-Stack ist meist ein 100 Watt-Amp mit zwei 4 x 12 Boxen. Die Boxen werden übereinander gestellt (engl: stacked – daher der Name). Zwei Half-Stacks bilden ein Full-Stack.
    • Ein Full-Stack ist so hoch wie ein ausgewachsener Mann und sieht sehr beeindruckend aus. Der Sound ist genauso beeindruckend. Das Full-Stack ist für die meisten Gigs, außer für riesige Veranstaltungsorte, zu groß. Und da der Sound per Mikro abgenommen wird, brauchst du eigentlich nie ein Full-Stack. Anstelle des Full-Stacks verwenden viele Profis zwei Half-Stacks.
    • Gitarristen sind oft echte Sadisten, was Lautstärke betrifft. Viele Heavy Metal-Gitarristen spielen ihre 200 bis 400 Watt-Amps über Full-Stacks. Bei jedem Full-Stack – aber speziell bei „Hod-Rod“-Amps - brauchst du bei großer Lautstärke Ohrstöpsel, um dein Gehör nicht dauerhaft zu schädigen.
    • Bei vielen Shows sind die Full-Stacks, die du siehst, gar nicht echt. Der Trick: nur in einer Box sind auch Lautsprecher, der Rest ist leer und dient nur der Show. Mötley Crüe z.B. hatten falsche Lautsprecher-Boxen bei Auftritten, damit es so aussieht, als wäre die Bühne voll mit Full-Stacks!
  4. Mach es wie die Profis: Viele nutzen 2 x 12 oder Half-Stacks, weil sie so bessere Kontrolle über ihren Sound haben. Wenn du wirklich ein Full-Stack haben willst, kauf dir eins. Aber du wirst es sicher nie nutzen außer bei einer Stadiontour.

Methode 5 von 6: Im Rack eingebaute Verstärker

  1. Ins Rack einbauen. Viele Musiker nutzen Racks, die im Grunde eine Metallbox mit abnehmbarer Front- und Rückseite sind. An der Frontseite hat die Box im geöffneten Zustand zwei vertikale Leisten mit Schraublöchern. Diese Leisten haben standardmäßig einen Abstand von 19 Zoll (48,3 cm).
    • Ähnlich wie beim Head- und Box-Setup, trennt das Rack die Verstärkerkomponenten von den Boxen. Verstärker, die im Rack verbaut werden, bestehen oft aus zwei Komponenten: dem Vorverstärker (Preamp) und der Endstufe (Poweramp). Das sind die Bestandteile, aus denen auch normale Heads und Combos bestehen. Im Rack können sie praktisch voneinender getrennt werden.
    • Die meisten großen Hersteller wie Marshall, Carvin, Mesa-Boogie und Peavey bieten speziell Verstärker für Racks an.
  2. Der Preamp. Das ist die erste Verstärkerstufe. Der Preamp verstärkt das Signal, damit es laut genug ist, um in den Poweramp gespeist zu werden. High-end-Preamps haben diverse klangverändernde Eigenschaften wie Equalizer, unterschiedliche Röhren-Konfigurationen etc.
  3. Der Power-Amp. Er ist mit dem Preamp verbunden und bekommt dessen Signal und verstärkt es so, dass es Lautsprecher antreiben kann. Wie auch die Heads gibt es sie in unterschiedlichen Leistungsstufen von 50 bis 400 Watt.
    • Du kannst so viele Power-Amps wie du magst anschließen oder mit verschiedenen Preamps verbinden und so das Signal verstärken oder um die Sounds zweier Power-Amps miteinander zu mischen.
  4. Nachteile des Racks. Wie du dir vorstellen kannst, sind Racks meist sehr komplizierte Teile und sind für Anfänger oft verwirrend. Außerdem sind sie schwerer und massiger als normale Amps. Dazu kommt dann auch noch Gewicht und Volumen des Racks an sich. Weil du viele Produkte kaufen musst, ist der Preis für ein Rack oft (aber nicht immer) deutlich höher, als für ein Head.
  5. Die Vorteile: In einem Rack kannst du alle möglichen Produkte verschiedener Hersteller miteinander mixen und deinen Ton finden! Zusätzlich zu Pre- und Poweramps gibt es eine Menge Equipment, das du mit in ein Rack einbauen kannst, z.B. Reverbs, Delays, Equalizer und andere schöne akustische Effekte.
    • Racks haben meist Transportrollen und sind deshalb leicht hin und her zu schieben. Und ein Rack zu haben, kann dein Setup auch vereinfachen, denn du hast immer alles verbunden, wenn du das Rack auf die Bühne rollst und anschließt.
    • Zuletzt: Racks sind selten und ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Die Leute werden beeindruckt sein, wenn du sie auf die Bühne rollst. Aber sie erwarten dann auch, dass du gut spielen und es auch effektiv nutzen kannst. Benutze kein Rack, wenn die Preamps und Effekte nicht genau so klingen, wie du es willst. Professionelle Gitarristen wie Robert Fripp, The Edge und Kurt Cobain haben Racks vorgezogen.

Methode 6 von 6: Den richtigen Sound auswählen

  1. Unterschiedliche Amps eigenen sich für verschiedene Musikstile. Es gibt nicht DEN Amp, der immer passt. Auch wenn es viele unterschiedliche Amps gibt, kann man sie generell in zwei Gruppen einteilen: „Vintage“ oder „High-Gain“.
  2. Den richtigen Amp auswählen. Jeder Rock-Stil hat charakteristische Amps. Hier eine Orientierungshilfe:
    • Vintage-Amps haben den klassischen Sound der frühen Jahre. Für Gitarristen, die Jazz, Blues oder Blues-Rock spielen, ist ein Vintage-Sound am besten geeignet. Vintage-Amps sind entweder wirklich alt oder Replikate alter Amps und deren Sounds. Der Sound von Fender-, Vox- oder Marshall-Amps der 50er, 60er und frühen 70er Jahre steht für den ursprünglichen Vintage-Sound. Bei „Vintage“ denkst du wohl unweigerlich an Hendrix, Led Zeppelin, Eric Clapton, Deep Purple etc. Das sind die Sounds, mit denen alles begann.
    • High-Gain-Amps haben viel mehr Verzerrung als Vintage-Amps. Über deren Entwicklungsgeschichte wird zwar heftig diskutiert aber viele glauben, dass sie auf Eddie Van Halen zurück gehen. Der hatte wenig Ahnung von Elektronik und hat zugegeben, dass seine Gitarre auch deshalb so merkwürdig zusammen gesetzt war. Deshalb drehte er alle Regler seines Amps bis zum Anschlag auf und kontrollierte dann seinen Sound mit dem Variac, einem Spannungsregler für Amps. Bei seinem berühmten Solo im Song „Eruption“ von 1977 präsentierte Van Halen den tosenden, mitreisenden Sound eines Amps, der voll aufgedreht und bis an seine Leistungsgrenze gebracht wurde. Amp-Designer erzielen diesen Effekt für niedrigere Lautstärken, indem sie weitere Verstärkerstufen in die Preamps einbauen. So haben sie auch schon bei niedriger Lautstärke viel Power (Gain). Der immer mehr aufkommenden Heavy Metal verlangte Amps mit mehr Gain und Verzerrung. Durch den Rock und Heavy Metal der früher 80er Jahre wurden die Vintage-Amps durch die High Gain-Amps verdrängt.
    • Falls du Jazz, Blues oder Bluesrock (wie z.B. Led Zeppelin) oder sehr frühen Heavy Metal (wie z.B. Black Sabbath) spielen willst, ist ein Tube-Amp mit wenig Verzerrung die richtige Wahl. Willst du Hard Rock, 80er Metal und Shred-Gitarre (der Stil unzähliger 80er-Jahre Gitarrenhelden) spielen, nimm ein High-Gain-Modell. Viele neue Amps haben beide Sounds: Vintage und High-Gain. Aber die meisten Vintage-Puristen schwören, dass nur ihre alten Amps den wahren Sound erzeugen.
    • Amp-Modeling ist eine Technologie, bei der ein Amp verschiedene andere simulieren kann. Es ist eine recht neue Technologie, die Freunde und Kritiker hat. Für die meisten Menschen klingt sie erstaunlich gut. Modeling-Amps können sehr nützlich sein, aber wenn du ein Purist bist, schlägt nichts einen Fender Twin Reverb, ein altes Marshall „Plexi“ Head oder etwas ähnliches.

Tipps

  • Immer testen, bevor du etwas kaufst. Die meisten Läden werden dir gern entgegen kommen und falls nicht, wird sicher ein anderer in deiner Nähe das Teil haben. Berichte über etwas zu lesen ist nie so gut, wie es selbst auszuprobieren. Bring deine Gitarre und dein Kabel mit in den Laden und frage, ob du ein paar Amps testen darfst. In den meisten Läden ist das kein Problem. Wenn es nicht erlaubt ist, suche dir ein anderes Geschäft.
  • Solange du nicht rohen Black Metal spielst, kaufe dir lieber einen kleineren Amp mit gutem Sound als einen riesigen, lauten und schlecht klingenden Amp. Du wirst einen tollen Sound niemals bereuen aber immer einen miesen. Einige Läden versuchen Anfängern laute Amps mit vielen Effekten zu verkaufen. Falle nicht darauf herein. Nutze deine Ohren, um den für deinen Sound passenden Amp zu finden. Gib dein Geld nur dann aus, wenn du diesen gefunden hast.
  • Falls du dir einen Transistor-Amp kaufst, gehe mit Verzerrungen behutsam um. Du kannst den Gain-Regler schon auf 10 drehen aber sei vorsichtig mit Booster-Pedalen vor deinem Amp, die Transistoren könnten sonst durchbrennen. Bei einem Tube-Amp kannst du das Signal vor dem Amp so stark boosten wie du willst. Denn Röhren verkraften problemlos einen starken Overdrive.
  • Wenn du einen Tube-Amp kaufst, behandele ihn pfleglich. Transistor-Amps sind extrem robust gebaut und vertragen Stöße o.ä. aber Röhren-Ams sind anfälliger. Wenn dein brandneues und sehr teures Soldano-Head die Treppe herunter fällt, ist es wahrscheinlich kaputt und du brauchst ein neues. Bei einem Transistor-Top bekommst du höchstens einen Schreck, kannst dann aber über das Missgeschick lachen. Wenn du dich über diese Warnung wunderst, hast du noch nicht viel Zeit mit Rockmusikern verbracht.
  • Den meisten Gitarristen reicht ein 30 Watt-Amp für zu Hause, zum Üben und für kleinere Gigs.
  • Brauchst du einen Alleskönner-Amp, denke über den Kauf eines neuen Modeling-Amp mit eingebauten Effekten nach. Die besten Amps können den Sound vieler Modelle akkurat nachbilden und du hast schnellen Zugriff auf Effekte in der Signalkette wie z.B. Delay, Chorus, Flanger, Reverb etc. Line 6, Crate, Roland und andere Firmen bauen gute Amps mit Sound-Effekten.
  • Wenn du einen Amp kaufen willst, sollte der Preis nicht im Vordergrund stehen. Einige günstige Amps klingen toll und einige teure sind nicht für deine Zwecke geeignet. Lies Benutzer-Bewertungen auf Gitarren-Webseiten, um die Qualität beurteilen zu können.
  • Wenn du eine Reihe von Sounds haben willst, kauf dir am besten ein gutes digitales Multi-Effektgerät, das auch Ampssounds simulieren kann. Davon ausgehend kannst du dir einen guten Amp - einen Transistor- oder Röhren-Combo - kaufen. Oder du benutzt deine Lautsprecher und schickst deinen Ton bei Gigs direkt an die PA. Kauf dir ein Axe FX, wenn du es dir leisten kannst.

Warnungen

  • Einen großen Combo oder ein Stack zu kaufen und im Wohnzimmer aufzustellen, kann zur Scheidung führen – ebenso wie der Kauf eines Amps für 1800 Euro, ohne deine Frau zu fragen.
  • Schalte deinen Röhren-Amp nicht an, wenn keine Lautsprecher angeschlossen sind. Ohne ihren Lastwiderstand kann der Amp durchbrennen.
  • Sei vorsichtig bei großen Musikläden. Sie schalten oft Produkt-Anzeigen, die wie echte Reviews aussehen. Informiere dich selbst und triff dann eine Entscheidung.
  • Übe Zuhause nicht zu laut oder benutze Kopfhörer. Wenn du dir ein Marshall-Stack für deinen Garagen-Übungsraum kaufen willst, sollte sich die Garage möglichst weiter weg befinden. Frau Schmidt wäre sicher nicht erfreut, wenn dank Black Sabbaths „War Pigs“ bei ihrem sonntäglichen Kaffeekränzchen die Fenster vibrieren und Bilder von der Wand fliegen.
  • Wenn du laut und mit viel Verzerrung spielst, achte darauf, dass deine Lautsprecher auch darauf ausgelegt sind.
Information
Users of Guests are not allowed to comment this publication.