Einen Saum mit der Hand nähen

Funktioniert die Nähmaschine nicht? Im Urlaub und nur Nadel und Faden dabei? Zu wissen, wie man einen Saum mit der Hand umnäht, ist eine wertvolle Fähigkeit und du wirst sehen, dass es ein relativ einfacher Prozess ist, sobald du diese Fähigkeit erst einmal erlernt hast. Was noch? Mit der Hand umgenähte Säume sind fast unsichtbar, was sehr attraktiv ist, wenn du deiner Kleidung eine sauberes und dezentes Finish verleihen möchtest.

Teil 1 von 3: Den Saum umschlagen

  1. Bügle den Saum deines Kleidungsstücks. Es ist wichtig, sämtliche Falten und Beulen zu entfernen, so dass das Kleidungsstück glatt ist und die Saumnaht genau werden kann.
  2. Miss den Umschlag des Saumes. Ziehe das Kleidungsstück an, stelle dich vor einen Spiegel und entscheide, wie lang das Kleidungsstück sein soll. Markiere die Länge mit Stecknadeln oder Kreide.
    • Für diesen Schritt eine helfende Hand zu haben, wäre von Vorteil.
    • Um die Saumlänge festzulegen, solltest du die Schuhe anhaben, die du zu dem entsprechenden Kleidungsstück tragen möchtest. Das stellt sicher, das die endgültige Länge so genau wie möglich wird.
  3. Kürze den Stoff auf angemessene Länge und bis unterhalb der Stecknadeln oder der Kreidelinie. Entscheide zunächst, wie breit der Saumumschlag sein soll und kürze den Stoff dann entsprechend. Es sollte genug Stoff für die Umschlagbreite übrig sein. Wenn dein Saumumschlag zum Beispiel 15 mm breit sein soll, dann belasse 15 mm Stoff unterhalb der Saumlinie. Es sollte genug Stoff übrig bleiben, um den Saum umzuschlagen, jedoch nicht zu viel, da der Saum sonst wulstig aussehen könnte.
    • Eine Saumbreite von 2,5 cm ist für Hosen empfehlenswert, eine Breite von 2 cm ist gut für Blusen.
  4. Schlage den Saum um. Die meisten Säume können einfach umgeschlagen werden, links auf links. Die linke Seite eines Kleidungsstück ist die „Innenseite“, jene Seite, die du von außen nicht siehst. Die “rechte Seite” ist die sichtbare Außenseite.

Teil 2 von 3: Sich für einen Nähstich entscheiden

  1. Wenn du nicht viel Zeit hast, dann wähle den Überwendlingsstich. Dies ist die schnellste Art, aber auch die am wenigsten haltbare, da der Faden frei liegt und leicht ausfranst. Diese Nähstichart produziert auf der linken Seite des Kleidungsstücks schräge Stiche sowie sehr kleine, kaum sichtbare auf der rechten Seite.
    • Verstecke deinen Fadenknoten und führe den Faden von der Innen- auf die Außenseite deines Saumumschlags.
    • Nähe von rechts nach links (oder von links nach rechts, wenn du Linkshänder bist), überkreuze diagonal und nimm dabei einige Gewebefasern mit, die sich oberhalb der Bruchkante befinden. Halte die Nadel in Richtung Nährichtung.
    • Führe die Nadel durch die Bruchkante zurück und wiederhole das Ganze.
  2. Für mehr Flexibilität und Festigkeit kannst du den Hexenstich verwenden. Der Hexenstich produziert einen leichten Überkreuzeffekt auf der linken Seite und kleine, fast unsichtbare Stiche auf der rechten Seite des Kleidungsstücks. Anmerkung: Bei dieser Stichart nähst du in die entgegengesetzte Richtung. Rechtshänder nähen hierbei nach rechts und Linkshänder von rechts nach links.
    • Verstecke den Knoten, indem du die Nadel von innen nach außen durch die Bruchkante führst.
    • Halte die Nadelspitze in die entgegengesetzte Nährichtung. Nimm einige Gewebefasern über der Bruchkante mit und stecke die Nadel durch.
    • Nimm nun ein kleines Stück Saumstoff auf und steche die Nadel durch. Die Nadelspitze sollte dabei nach wie vor in die entgegengesetzte Nährichtung zeigen. Wiederhole das Ganze.
  3. Mit dem Leiterstich wird dein Saum fast unsichtbar. Diese Technik produziert saubere, winzige Stiche auf sowohl der linken als auch der rechten Seite und macht das Finish perfekt. Rechtshänder nähen von rechts nach links und die Nadelspitze zeigt in die linke Richtung.; Linkshänder, von links nach rechts, die Nadelspitze nach rechts zeigend.
    • Verstecke den Knoten, indem du die Nadel direkt an der Stoffkante von innen nach außen durch den Saum führst.
    • Nimm oberhalb des Einstichs einige Gewebefasern auf und steche die Nadel durch.
    • Steche die Nadel wieder durch die Stoffkante und zwar leicht unterhalb der Stelle, an der dein letzter Stich ausgetreten ist. Schiebe die Nadel circa 6 mm durch die Bruchkante, so als ob du sie durch eine Stoffröhre schieben würdest und steche dann nach außen.
    • Wiederhole die ersten drei Schritte.
  4. Nähe eine Kappnaht für ein Extra an Haltbarkeit. Eine Kappnaht ist sehr fest, hinterlässt jedoch eine Reihe von auffälligen diagonalen Stichen auf der rechten Stoffseite. Wenn du einen sehr dicken Stoff hast, dann kannst du einige zusätzliche Stiche machen, ohne dass du die Nadel ganz durchführst, wodurch nicht alle Stiche von außen sichtbar sind. Rechtshänder nähen von rechts nach links, wobei die Nadelspitze in die linke Richtung zeigt; Linkshänder nähen von links nach rechts, wobei die Nadelspitze nach rechts zeigt.
    • Verstecke den Knoten, indem du die Nadel am oberen Ende der Bruchkante von innen nach außen führst.
    • Steche die Nadel oberhalb der Saumkante in einer Länge von circa 6-13 mm durch den Stoff. Vervollständige den Stich, indem du die Nadel durch einige Gewebefasern an der Bruchkantenoberseite führst.
    • Beginne deinen nächsten Stich genau über dem Ende des vorangegangenen Stiches und wiederhole das Ganze.

Teil 3 von 3: Den Saum umnähen

  1. Miss die Fadenlänge ab und schneide den Faden ab. Die Länge des Fadens hängt vom Umfang des Saumes ab, es ist jedoch immer besser, zu viel anstatt zu wenig Faden zu haben. Einer Daumenregel nach sollte ein Faden circa 50 cm bzw. eine Armlänge lang sein. Wähle einen Faden aus, der der Farbe deines Kleidungsstückes am nächsten kommt.
  2. Bereite deine Nadel und dein Kleidungsstück vor. Fädele den Faden in eine kleine Nadel ein und mache am anderen Ende einen Knoten. Drehe dein Kleidungsstück nach links. Du solltest die Saumkante vor Augen haben.
  3. Beginne mit einem kleinen Stich an der Saumumschlagkante auf der linken Seite des Saumes. Mit anderen Worten, du stichst die Nadel von der Unterseite des Umschlages nach vorne durch. Steche die Nadel nicht durch die rechte Seite des Kleidungsstücks. Der Stich sollte nur durch den Saumumschlag geführt werden.
  4. Nähe in der gewählten Stichtechnik. Nähe rundherum, von rechts nach links oder von links nach rechts. Nähe kleine Stiche in gleichmäßigen Abständen. Der Faden sollte zwar nicht zu locker sein, jedoch solltest du die Stiche auch nicht zu fest zusammenziehen.
  5. Verknote den Faden, wenn du am Ende des Saumes angekommen bist. Wenn du wieder am Anfang deiner Saumnaht angekommen bist, führe Nadel und Faden zweimal durch die gleiche Stelle, ziehe bei diesem letzten Stich den Faden jedoch nicht komplett durch. Führe die Nadel zweimal durch die Schlaufe und festige den Knoten, indem du am Faden ziehst.
    • Verstecke das Ende des Fadens, indem du die Nadel circa 2,5 cm horizontal in den Saumumschlag führst. Steche jedoch nicht durch die rechte Seite des Kleidungsstückes.
    • Steche die Nadel durch die linke Stoffseite und schneide den Rest des Fadens ab.
  6. Ziehe das Kleidungsstück an, um zu sehen, ob der Saum gleichmäßig ist. Der Saum ist hoffentlich in Ordnung; anderenfalls musst du die Naht öffnen und ungleichmäßige Stellen des Saumes erneut nähen.
    • Wenn du den einfachen und schnellen Überwendlingsstich zum Umnähen deines Saumes verwendet hast, du jedoch möchtest, dass der Saum länger hält, dann nähe später einfach mit einer der oben angeführten Techniken oder mit der Nähmaschine darüber. Das Gute am Überwendlingsstich ist, dass man einen Saum schnell reparieren oder eine Saumlänge testen kann, was auf Reisen, Modeschauen oder Fotoshoots, beim Designen, usw. von Vorteil ist.

Tipps

  • Nachdem du den Stoff gekürzt hast, musst du die Schnittkanten säubern. Einige Stoffe müssen mehr als andere versäubert werden.
  • Säume mit der Blindstichtechnik, wenn du einen gleichmäßigeren und feineren Saum wünschst.
  • Wenn du die Wahl zwischen Handnähen und einer Nähmaschine hast, dann sei dir bewusst, dass eine Nähmaschine mit mehr Sticharten ausgestattet ist und auch festere Säume produziert. Wenn du jedoch eine unsichtbare Saumnaht oder ein Couture-Original haben möchtest, dann ist ein handgenähter Saum die bessere Wahl. Mit der Nähmaschine genähte Säume verleihen dem Kleidungsstück eine gekaufte Optik.
  • Bedenke: das ist schnell, erfordert jedoch etwas Geduld. Übereile nichts.
  • Es ist empfehlenswert, jemanden bei dir zu haben, wenn du einen Saum bearbeitest, da eine zweite Person dir beim Ausrichten der Saumlänge helfen kann. Wenn dies nicht möglich ist, dann stecke die Länge an einer Schneiderpuppe ab.

Warnungen

  • Ein Fingerhut kann hilfreich sein, wenn das Durchstechen der Nadel schmerzhaft ist.
  • Verstaue die Nähnadel immer sofort nach Gebrauch, um zu vermeiden, dass du sie verlierst oder dich damit stichst.
  • Verstaue die Nadel immer mit einem mindestens 15 cm langen doppelten Faden, den du am Ende verknotest. Es ist dadurch leichter, die Nadel wiederzufinden, wenn du sie aus Versehen fallen lässt.

Was du brauchst

  • Nadel
  • Faden
  • Schere
  • Bequemer, gut beleuchteter Arbeitsplatz
  • Bügeleisen und Bügelbrett
  • Stecknadeln und Schneiderkreide (optional, aber hilfreich)
  • Schneiderpuppe (optional, aber hilfreich)
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