Zu einer Psychologischen Untersuchung gehen

Es kann viele Gründe geben, warum du darüber nachdenkst, dich von einem Psychologen untersuchen zu lassen, und wenn nötig, dich in eine psychologische Behandlung oder Psychotherapie zu begeben. Glücklicherweise sind psychologische Probleme heutzutage nicht mehr etwas, was man unbedingt geheim halten muss. Also wenn es dir hilft, dann tue es. Unglücklicherweise kann es sein, dass deine psychologische Krankheit, wenn du eine hast (du weißt ja bislang noch nicht, ob du krank bist), dir im Weg steht, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Idealerweise wirst du dich nach der Untersuchung bereits besser fühlen, entweder weil du dann weißt, dass du völlig normal bist, oder wenn du ein Problem hast, dann weißt du wenigstens, was dieses ist und dir kann geholfen werden. Wenn du positiv an die Sache herangehst, dann wirst du dich untersuchen lassen, denn es ist immer besser, Klarheit zu haben.

Vorgehensweise

  1. Bevor du losziehst, solltest du nach Möglichkeit Unterstützung bei einem Menschen, dem du vertraust suchen. Das kann ein Sozialarbeiter, ein Familienmitglied, dein Hausarzt, ein Lehrer, Priester oder eine Nonne sein. Lass dir dabei helfen, zu entscheiden, was zu tun ist.
  2. Wenn der Mensch deines Vertrauens vorschlägt, dass du dich untersuchen lässt, dann musst du entscheiden, ob du auf diesen Rat hörst. Das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Dich für eine Untersuchung zu entscheiden, spricht auf jeden Fall für dich.
  3. Informiere dich ein wenig über psychologische Probleme (das ist sowieso gut, für den Fall, dass irgendwer krank wird). Es gibt verschiedene Arten von psychologischen Problemen:
    • (A) Emotionale Störungen-- Das ist ziemlich klar; das beschreibt Menschen, die auf Situationen auf so extreme Arten reagieren, dass sie diese verschlimmern.
    • (B) Verhaltensstörungen-- Das ist ein kompliziertes Problem, das mit Gewohnheiten im Verhalten, zu tun hat.
    • (C) Entwicklungsstörungen-- Diese beschreiben Probleme, die aus Störungen hervorgehen, die normale mentale Entwicklung verhindern. Meistens kann so eine Person sogar selber feststellen, dass sie sich von anderen Menschen im gleichen Alter unterscheidet. Kleine Unterschiede sind nicht abnormal, aber nur ein Spezialist kann feststellen, was der Fall ist.
    • (D) Physiologische Störungen-- Diese haben den Anschein, dass es ein Problem mit dem Gehirn oder dem Verstand gibt, die Ursache sind aber physische Probleme in Nerven oder Muskeln.
  4. Mache die Sache nicht schlimmer für dich, indem du dich „ausgegrenzt“ fühlst. Du denkst, du bist völlig alleine, du denkst nur du alleine hast diese Krankheit. Das stimmt mit Sicherheit nicht.
    • Die meisten normalen Probleme, wie Depressionen, werden schlimmer gemacht, wenn sich jemand isoliert und alleine fühlt. Bedenke, dass viele Probleme, wie dieses, weit verbreitet sind und das sollte dir helfen, das Problem in den Griff zu bekommen. Oft ist aber einen Intervention nötig, das bedeutet, das Problem muss behandelt werden, sonst verschwindet es nicht. Aber das muss dir keine Sorgen machen. Andere Menschen, die das gleiche Problem hatten, können dir helfen es zu verstehen und es zu überkommen.
    • Erkundige dich nach dem besten Arzt oder Behandlungszentrum. Diese sind NICHT alle gleich und du musst in der Lage sein, den Menschen, die dich behandeln, zu vertrauen, egal ob das ein Therapeut oder eine Beratungsstelle ist. Wenn du dich bei einem Therapeuten oder in einer Beratungsstelle nicht wohl fühlst, dann ist es absolut in Ordnung, zu einer anderen zu gehen. Es ist eine wichtige Behandlung und du solltest dich absolut wohl fühlen.
  5. Wisse, was dich erwartet. Was passiert während einer psychologischen Untersuchung?
    • (i) Sie beginnt normalerweise damit, dass der Experte sich mit dir hinsetzt und dich fragt, ob du ihm verschiedene Dinge erklären kannst. Das dauert normalerweise eine Stunde. Wenn entschieden wird, dass du eine „Psychotherapie“ bekommen solltest, ist diese sehr ähnlich: eine Gesprächssitzung, in der versucht wird, dir verschiedene Aspekte deines Problems zu zeigen und dir Ideen und Einstellungen aufzuzeigen, wie du damit umgehen kannst. Es kann sein, dass du gefragt wirst nach: physischen Problemen, genetischen Problemen (Hatten deine Eltern oder Großeltern...?), Problemen im Umfeld (Gab es eine Menge Gewalt, Lärm, Feindseligkeit oder viel Herumreisen, viele Schulwechsel in deiner Kindheit...?), Lernprobleme (Hattest du Probleme in der Schule mit...?).
    • (ii) Es kann auch sein, dass mit dir über deine Gefühle und deine Reaktionen auf Ereignisse in deinem Leben, gesprochen wird. Dafür solltest du vielleicht schon vorher aufschreiben, wenn es etwas gibt, worüber du dir Sorgen machst, und dies dann in deiner Sitzung zur Sprache bringen.
  6. Halte nichts zurück: Erzähle dem Therapeuten alles. Sei nicht verlegen. Es ist absolut vertraulich; es gibt Gesetze, die verbieten, dass ein Psychologe, Arzt oder Therapeut, mit irgendjemanden über das sprichst, was du ihm in der Sitzung erzählst. Nichts von dem, was du ihm erzählst, wird ihn überraschen, denn er hat vermutlich sehr ähnliche Dinge von anderen Patienten gehört. Du wirst vielleicht überrascht sein, wie einfach es ist ,dich zu öffnen, nachdem du den ersten Schritt getan hast und dem Therapeuten etwas vertrauliches erzählt hast.
  7. Nimm deine Medikamente genau nach Anweisungen ein. Das ist wichtig. Einige der größten Probleme, die Ärzte haben, kommen von Patienten, die aufhören ihre Medikamente zu nehmen, sobald sie sich etwas besser fühlen. Das ist besonders bei Menschen der Fall, die manisch depressiv sind (extrem schwanken zwischen „Hochgefühlen“ und „Niedergeschmettert sein“). Die Medikamente verhindern die extremen Gefühle des Niedergeschmettert Seins, aber mildern auch die Hochgefühle ab. Du kannst nicht alles haben; du musst einiges von deiner Euphorie hergeben, um die tiefen Depressionen zu vermeiden: das ist der Kompromiss.
    • Organisiere die Medikamente so, dass du dich daran erinnerst, sie zu nehmen. (Viele Menschen nutzen eine Tabletten-Organizer oder Tablettensortierer, der für jeden Tag der Woche ein Fach hat und auch in Tageszeiten unterteilt werden kann. Einmal in der Woche musst du dich hinsetzen und die Tabletten ordentlich einsortieren, aber danach ist es einfach, die richtigen Medikamenten zum richtigen Zeitpunkt zu nehmen.)
    • Wenn dir irgendwelche Nebeneffekte auffallen, dann sage dem Arzt umgehend Bescheid.
    • Wenn du und ein Mensch deines Vertrauens beschließen, dass die Medikamente, die dir der Arzt verschrieben hat, für dich nicht geeignet sind, dann suche einen anderen Arzt auf und wechsle die Medikamente NUR UNTER AUFSICHT DES NEUEN ARZTES. Wenn du deinem alten Arzt nicht mehr vertraust, dann suche dir einen neuen, der mit dem alten nichts zu tun hat. Versuche auf keinen Fall Medikamente selber zu managen.
    • Unglücklicherweise wurde vor kurzem entdeckt, dass einige Ärzte bestimmte Medikamente ohne einen Anlass verschrieben haben, wie zum Beispiel die Drogen für ADD (Aufmerksamkeitsdefizitstörung). Was immer du entscheidet, du solltest dies mit einer Person deines Vertrauens tun und zusammen einen neuen Plan machen, besonders beim Wechsel eines Arztes.
    • Generell ist es besser zu einem Arzt zu gehen, der weniger Medikamente verschreibt, als zu einem, der dir jede Menge Medikamente gibt. Natürlich kann es sein, dass du schwere Medikamente brauchst, aber manche Ärzte verschreiben schlicht viel zu viel und es schwierig zu sagen, wie du mit ihnen umgehst und wann du weißt, dass du zu viele Medikamente nimmst. Im Zweifelsfall, nimm sie erst einmal weiter. Aber auch für solche Fälle ist es gut, wenn du einen Freund oder Vertrauten hast, der mit dir zusammen entscheiden kann, was zu tun ist. Der Umgang mit Medikamenten sollte nicht aufgrund einer „Meinung“ beschlossen werden, sondern nach einer „Beurteilung“.

Tipps

  • Achte auf Warnsignale. Wenn du dich nach dem ersten Monat immer noch nicht besser fühlst, obwohl du alle Medikamente nimmst, dann sage dies deinem Arzt. Dieser kann dir nur helfen, wenn du ihm sagst, was du fühlst.
  • Sei zuversichtlich. Du machst einen mutigen und positiven Schritt. Du tust etwas, was dir hilft, dass du dich besser fühlst. Das ist bewundernswert und wenn du es durchziehst, dann hast du das Potenzial ein glücklicheres Leben zu führen und deine Ziele zu erreichen.
  • Krankenversicherung ist ein Problem, aber viele Krankenversicherungen werden die Kosten für dich übernehmen. Erkundige dich, welche Versicherung dein spezielles Problem bezahlt. Darüber hinaus gibt es kommunale Gesundheitszentren und Universitäten, bei denen du die Behandlung zu einem Preis bekommst, der sich nach deinem Einkommen richtet.
  • Erwarte keine sofortige Heilung. Wenn es im Leben sofortige Heilung für alles gäbe, egal ob physische oder psychische Erkrankung, dann müsste niemand leiden. Aber, so wie es ist, nehmen sich Heilungsprozesse, die Zeit, die sie benötigen. Vergleiche es mit Krebs – Chemotherapie ist eine schmerzhafte Behandlung, die niemals kurz ist. Du benötigst Hilfe und du bekommst sie auch, aber du musst geduldig sein.
  • Sei so offen, wie möglich. Niemand wird über dich lachen oder dich komisch anschauen. Du kannst viele Probleme bereits dadurch in den Griff bekommen, indem du sie ausprichst. Und schon bald wirst du problemlos offen darüber sprechen können, was dich einmal bedrückt hat.

Warnungen

  • Halte dich von Verhaltensweisen fern, die deinen Zustand noch verschlimmern. Eine manisch depressive Person, sollte sich von Dingen (oder Menschen) fernhalten, die sie unglücklich machen oder sie wertlos fühlen lassen. Du hast immer eine Wahl, auch wenn es so aussieht, als hättest du keine.
  • Schotte nicht die Personen ab, die dir helfen wollen. Es wird eine schwere Last sein, wenn du deine Krankheit ganz alleine mit dir herumträgst. Vermeide es alleine zu sein.
  • Ignoriere alle die sagen, dass du dich Zusammenreißen solltest. Es ist offenkundig, dass diese niemals eine psychologisches Störung hatten und die Situation überhaupt nicht beurteilen können. Bei einem Herzanfall kann man sich auch nicht einfach zusammenreißen und man kann es nicht, wenn ein chemisches Ungleichgewicht im Körper zu einer psychologischen Störung führt.
Information
Users of Guests are not allowed to comment this publication.