Eine Klarinette zusammen bauen

Die Klarinette ist ein Stückchen Geschichte. Ihre Ursprünge liegen im Altertum, wo sie von den Griechen als Hirteninstrument mit nur einem Rohrblatt gespielt wurde. Später, im 18. Jahrhundert, wurde die moderne Form der Klarinette entwickelt. Sie ist eine längere und komplexere Version der Blockflöte und ein Holzblasinstrument mit klarem, weichen Ton. Sie ist in der klassischen Musik und im Jazz weit verbreitet. Wenn du Klarinettist werden willst, solltest du lernen, wie man sie montiert und pflegt. Im ersten Teil lernst du, wie du die Birne montierst, das Mundstück einrichtest und die Klarinette funktionsfähig hältst.

Methode 1 von 3: Füge die Teile zusammen

  1. Bestimme und prüfe die einzelnen Teile der Klarinette. Öffne den Klarinettenkoffer und vergewissere dich, dass alle Teile der Klarinette funktionstüchtig, sauber und einsatzbereit sind. Eine normale Klarinette besteht aus fünf Hauptelementen, die durch Korkzapfen zusammen gehalten werden. Das Mundstück besteht wiederum aus mehreren kleineren Teilen.
    • Der Becher oder Trichter ist das glockenförmige Endstück der Klarinette.
    • Das Unterstück ist das größte Teil einer Klarinette. Es hat Metallklappen auf der rechten Seite; das Brückenteil zeigt beim korrekten Halten zum oberen Verbindungszapfen. Ober- und Unterstück kann man am besten dadurch unterscheiden, dass das Oberstück zwei Korkzapfen hat während das Unterstück unten einen Korkzapfen und oben am Verbindungszapfen einen Metallring hat. Dort befindet sich auch der Mittelpunkt des des Instruments.
    • Das Oberstück hat die Klappen auf der linken Seite und ist etwas kürzer als das Unterstück. Richtig gesteckt, überlappt das Brückenteil den unteren Zapfen. Außerdem enden die Klappen ein Stück weit unterhalb des oberen Korkzapfens, wo das Mundstück aufgesteckt wird. Oder anders gesagt: Es ist alles richtig zusammen gesteckt, wenn an keinem Teil ganz oben oder ganz unten Klappen sind.
    • Die Birne ist eine kurze Sektion des Instruments, die das Oberstück mit dem Mundstück verbindet. Die Birne hat keine Klappen und auf ihr ist oft der Markenname des Instruments zu finden.
    • Das Mundstück besteht aus einem schwarzen Gehäuse und einer Metallklammer, die das Blatt an der richtigen Stelle des Mundstücks hält. Viele Klarinetten haben auch eine metallene Schutzhülle, um das Mundstück im Koffer extra zu schützen.
  2. Beginne mit dem Becher und arbeite dich nach oben vor. Zuerst musst du den Becher und das Unterstück zusammenfügen. Halte das Unterstück mit einer Hand fest, den Becher mit der anderen. Drücke und drehe den Becher nun sanft aber fest hin und her und schiebe ihn auf das Unterstück.
    • Klarinettenspieler stecken ihr Instrument meist zusammen, indem sie mit dem Becher anfangen, dann das Unterstück, das Oberstück, die Birne und das Mundstück montieren - in dieser Reihenfolge. Man kann es aber auch anders herum machen. Die Klarinette wird nicht besser oder schlechter klingen, wenn du zuerst die Birne und das Oberstück zusammen steckst und dann die unteren Teile.
    • Allerdings musst du das Mundstück beim Zusammenbau der Klarinette immer am Schluss anbringen. Denn das Blatt muss vor dem Spielen eine Weile angefeuchtet werden. Deshalb ist es am sinnvollsten, unten zu beginnen.
  3. Fette den Kork ein, sollte es schwer gehen. Dadurch kannst du deine Klarinette einfacher zusammensetzen oder zerlegen. Korkfett wird meist in Tuben verkauft, die wie Lippenbalsam aussehen. Falls du keins hast, kannst du auch Vaseline nehmen. Allerdings ist echtes Korkfett zu empfehlen.
  4. Hebe das Brückenstück und stecke das Oberstück in das Unterstück. Halte beide Teile parallel zum Boden und richte sie so aus, dass die großen Klappen zu dir zeigen. Achte darauf, dass die Brückenteile (zwei kleine Metallstifte unter den langen Klappen an der Seite) sich genau gegenüber stehen. Stecke nun die beiden Teile mit leichtem Druck und leichter Drehung ineinander. Schiebe das obere Brückenteil vorsichtig über das am Unterstück und füge so Ober- und Unterstück sicher zusammen.
    • Nimm das Unterstück in die rechte Hand. Halte es oben, knapp unter der Gruppe von Klappen in der Mitte und über den zwei unteren großen Klappen. Diese Klappen sind relativ flach und können, wenn du das Instrument in die Hand nimmst, nicht so leicht verbogen werden.
    • Nimm das Oberstück in die linke Hand und lege deine Finger unter das Instrument an die Stelle, wo sich die große Ringklappe befindet. Sie ist dazu da, das Brückenteil anzuheben. Das ist nötig, damit die beiden Teile richtig zusammen passen. Richte die Brückenteile aus und stecke das Instrument zusammen.
    • Um sicherzustellen, dass du das Instrument richtig ausgerichtet hast, achte auf die Metallleiste, die die Klappen entlang des ganzen Instruments hält. Sie sollte perfekt von einem Teil ins andere übergehen. Ist das der Fall, sind auch die Brückenteile richtig ausgerichtet.
  5. Stecke die Birne auf. Das ist der einfachste Teil. Stecke die Birne auf das Oberteil. Das untere Ende, das mit dem Oberstück verbunden wird, ist ein wenig dicker als das obere Ende, das mit dem Mundstück verbunden wird. Drücke die Birne auf das Oberstück. Drehe sie dabei leicht und vergewissere dich, dass sie komplett abschließt und gut sitzt.
    • Die Birne wird zum Stimmen der Klarinette nach oben oder unten geschoben. So wird das Instrument je nach Wunsch etwas länger oder kürzer gemacht. Anfangs solltest du die Birne ganz nach unten drücken, bis du ein Gefühl für das Instrument entwickelt hast.
    • In der Regel wird das Mundstück vorbereitet und auf die Birne gesteckt, bevor man diese Einheit dann auf das Oberstück steckt. Man kann aber auch erst die Birne aufstecken - ganz, wie du magst. Es hängt meist von der Handgröße des Klarinettisten ab. Einigen ist das Mundstück zu klein und sie halten daher lieber an der Birne fest, wenn sie das Blatt anbringen.

Methode 2 von 3: Das Mundstück zusammenfügen

  1. Feuchte das Blatt an. Die dickere Hälfte des Blatts nennt man den Sockel. Um das Blatt anzufeuchten, steckst du diesen Teil des Blattes in 0,5 bis 1 cm Wasser. Es ist zu empfehlen, das vor dem eigentlichen Zusammenbau der Klarinette zu machen. So kann sich das Blatt vollsaugen während du den Rest machst.
    • Die Kapillaren des Blattes ziehen das Wasser vom Sockel in die Spitze. Nimm das Blatt aus dem Wasser, wenn es die Hälfte des Blattes (die Schnittmarke) erreicht hat. Dann feuchte schnell die Seite, in die du bläst, an.
    • Experimentiere mit unterschiedlichen Sättigungen. Finde heraus, wann das Blatt für dich am besten schwingt. Mach das aber nicht erst zwei Minuten vor Beginn der Bandprobe sondern früher.
    • Viele Spieler feuchten ihr Blatt an, indem sie es im Mund halten. Für viele Spieler ist es zu viel Aufwand, ein Glas mit Wasser in den Proberaum mitzunehmen. Auch wenn es Gang und Gäbe ist, das Blatt im Mund zu befeuchten – du könntest es so mit den Zähnen beschädigen. Und es gibt Spieler, die nicht gern auf einem bitteren Stück Rohr herum lutschen. Das Blatt im Wasser anzufeuchten ist auf alle Fälle eine vernünftige Sache.
  2. Lege das Blatt nun gegen das Loch am Mundstück. Lege das Ende des Blattes vertikal zum Ende des Mundstücks. Wenn das Blatt richtig platziert ist, schaut das Mundstück am oberen Ende noch ein fingernagelgroßes Stück heraus. Halte das Blatt mit einem Finger fest und bewege es leicht mit dem anderen bis es optimal sitzt.
    • Verschiedene Blätter haben unterschiedliche „Ideallagen“. Perfektes Anliegen am Loch des Mundstücks ist nicht immer die beste. Einige Spieler halten das Blatt mit ihrem Daumen und überprüfen die Lage, bevor sie es mit der Klammer befestigen.
    • Fasse das Blatt möglichst wenig an und berühre niemals das dünne Ende oder die Vorderseite. Die empfindlichen Poren könnten verschmutzen und das Blatt so seine Spielbarkeit verlieren.
  3. Befestige das Blatt mit der Klammer. Schiebe die Metallklammer über die Spitze des Mundstücks, ohne das Blatt zu beschädigen. Auf dem Mundstück sind zwei oder mehrere Linien eingraviert. Schiebe das Blatt gerade dazwischen. Nun befestige die Metallklammer an der Basis des Blattes – das ist der nicht gespaltene Teil.
    • Bei einer Metallklammer sind die Schrauben auf der Seite, auf der auch das Blatt ist. Bei einer aus Leder, ist die Schraube auf der Rückseite und das Blatt wird vom Leder gehalten. Ziehe die Schrauben fest aber nicht zu fest, so dass du eine gute Vibration und einen guten Ton bekommst. Das Blatt sollte fest sitzen, ohne sich zu verbiegen oder zu verziehen.
    • Einige Klarinetten haben Stoffbänder oder Lederriemen anstelle von Metallklammern, um das Blatt zu halten. Sie werden teilweise auf der anderen Seite, gegenüber vom Blatt, befestigt.
  4. Schiebe das Mundstück nun sachte auf die Birne. Richtig gemacht, sollte das Blatt in entgegengesetzter Richtung zu den Klappen stehen. Drehe das Mundstück sachte aber fest auf die Birne und komplettiere das Instrument.
    • Wie gesagt, haben einige Spieler eine andere Auffassung, wann das Mundstück mit der Birne zu verbinden ist. Aber es funktioniert wunderbar, wenn du das Mundstück auf die Birne und dann - als letzten Schritt - diese Einheit auf das Instrument setzt.
    • Einige Spieler stecken Mundstück und Birne allerdings auf das Instrument, bevor sie das Blatt anbringen. Das ist deine Entscheidung.

Methode 3 von 3: Wartung der Klarinette

  1. Behandele sie immer vorsichtig, um die Klappen nicht zu verbiegen. Wenn du die einzelnen Teile aus dem Koffer nimmst, tu das mit den Fingerspitzen. Fasse an den Enden an, um die Teile heraus zu heben und nicht am Korpus oder den Klappen. Fasse sie so wie du eine Schallplatte vorsichtig an den Rändern halten würdest.
  2. Reinige die Außenseite des Klarinette regelmäßig. Halte deine Klarinette gut gepflegt und strahlend, indem du sie nach dem Spielen mit einem sauberen Tuch sanft abwischt. Reinige auch die Klappen und Zwischenräume mit einem sauberen Tuch.
    • Auch, wenn deine Finger sauber sind, können Fett und Schweiß der Finger das Instrument verschmutzen. Deshalb ist es wichtig, das Instrument nach jedem Benutzen zu reinigen. So verlängerst du seine Lebensdauer.
    • Nimm ein sauberes und trockenes Tuch, um dein Instrument abzuwischen. Benutze niemals Metallpolitur oder andere Reiniger, denn sie könnten den Lack der Klarinette zerstören.
  3. Wisch auch die Innenseite der Klarinette aus. Die meisten Klarinetten haben extra Reinigungsbürsten für die Innenseite. Du kannst dir aber auch selbst eine Bürste basteln. Sie besteht in der Regel aus einem dünnen Draht (du kannst eine lange Büroklammer verwenden) mit dem ein kleines Stück Mikrofasertuch am anderen Ende in das Innenrohr geschoben wird.
    • Wenn du Birne und Mundstück entfernt hast, schiebe die Seite mit dem Tuch in das Innere. Dann fasse das Ende an und ziehe es durch. Wiederhole das ein paar mal, bis das Innere der Klarinette trocken ist.
    • Eine Klarinette zu reinigen hat weniger mit Reinigen als mit Trocknen zu tun. In Feuchtigkeit vermehren sich Bakterien und schlechte Gerüche, die das Instrument beschädigen können. Klarinetten vertragen die Feuchtigkeit, die bei langem Spielen entsteht, nicht. Deshalb ist es wichtig, sie nach dem Spielen gründlich auszuwischen.
    • Lass den Klarinettenkoffer ab und zu über Nacht offen, damit das Instrument vollständig trocknet. Am besten zu Hause an einem sicheren Ort - nicht im Übungsraum oder der Schule.
  4. Reinige das Mundstück. Einige Spieler nutzen o.g. Spezialbürsten während andere Wattestäbchen vorziehen. Nachdem du das Blatt entfernt hast, trockne das Mundstück und lass es für fünf bis zehn Minuten an der Luft bevor du es in den Koffer legst. So vermeidest du einen üblen Geruch, wenn du es das nächste Mal zum Spielen hervor holst.
  5. Halte die Klarinette richtig. Was ist die größte Gefahr für eine Klarinette? Menschliches Versagen! Gehe besonders vorsichtig mit deinem Instrument um, wenn es zusammengebaut ist. Achte darauf, dass du es nicht aus Versehen beschädigst.
    • Wenn du die Klarinette hältst, halte den Fuß des Bechers in einer Hand und wiege den Korpus mit der anderen. Trage sie nie mit nur einer Hand wie einen Schläger oder schultere sie wie ein Gewehr. Wenn die Glieder locker sind, könnte das Instrument auseinander fallen und kaputt gehen.
    • Die Klarinette hinlegen. Lege sie niemals auf deinen Stuhl, den Boden oder anderswo hin, außer in einen Klarinettenständer. Stelle sie nie aufrecht auf den Becher, denn sie könnte umfallen und kaputt gehen.
  6. Spiele deine Klarinette regelmäßig, um sie in Schuss zu halten. Eine Klarinette muss gespielt werden, damit sie gut funktioniert. Wenn du sie lange im Koffer lässt, insbesondere in einem feuchten, können die Klappen verschmutzen, Schimmel und ein schlechter Geruch können entstehen. Selbst wenn du einige Stunden nicht spielst, öffne den Koffer und lass das Instrument ab und zu „atmen“. Bau es zusammen und achte auf Funktionsfähigkeit und Sauberkeit, um die Lebensdauer des Instruments zu erhöhen.

Tipps

  • Es ist empfehlenswert, immer etwas Fett auf den Korkzapfen zu haben. Das erleichtert den Zusammenbau und reduziert die Gefahr, die Korkteile oder die Klarinette zu beschädigen.
  • Für Anfänger kann es aufgrund der großen Markenvielfalt schwierig sein, sich ein Blatt auszusuchen. Zwei Marken sind besonders bekannt: Rico und Vandoren. Ricos werden aus gepresstem Schilfrohr gemacht, Vandoren aus solidem. Die meisten Anfänger beginnen mit den Stärken zwei oder zweieinhalb – die Blätter haben verschieden Stärken von eins (dünn) bis fünf (dick). Sehr feine sind für Anfänger eher nicht geeignet. Doch mit mehr Spielerfahrung kannst du mit unterschiedlichen Stärken experimentieren.
  • Du wirst merken, wann du ein dickeres Blatt brauchst. Nämlich dann, wenn ein Blatt weniger als zehn Stunden hält oder du spielen willst und das Blatt nicht mehr sofort reagiert. Das nennt man auch ein „zaghaftes Blatt“. Stärke drei und dünner unterstützen die höheren Register nicht so gut (hohes Register H und höher). Wenn du verschiedene Stärken probierst, mach das schrittweise in halben Stärken.
  • Alternativ zum Auswischen kannst du auch sog. Padsaver nutzen. Sie sehen wie lange, flauschige Pfeifenreiniger aus. Du schiebst sie einfach in deine Klarinette und schließt dann den Koffer. Zu ihnen gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen: Einige finden sie toll und bequem, andere halten sie für nutzlos. Wenn du eine Holzklarinette hast, solltest du sie nicht nutzen.
  • Der Ton entsteht durch die Vibration des Blattes. Eilige oder nachlässige Vorbereitungen führen zu schlechter Resonanz, einige Register lassen sich nicht so gut spielen und du wirst deine Mundstellung (Form und die Muskelkontrolle) verändern müssen, um einen Ton zu bekommen.

Warnungen

  • Lass deine Klarinette oder den Koffer nicht fallen. Sie kann leicht beschädigt werden, selbst wenn sie im Koffer ist. Halte die Klarinette mit beiden Händen, die untere Hand am Übergang zwischen Becher und Unterstück, damit sie an den Fugen nicht auseinander fällt. Falls du sie mit einer Hand halten musst, dann stecke die Finger (ohne Daumen) in den Becher und lege sie wie ein Gewehr über die Schulter.
  • Stelle deine Klarinette NIEMALS auf den Becher – es sei denn, du hast einen Klarinettenständer.
  • Du solltest nicht jedes Mal beim Zusammenbau Korkfett benutzen, denn es kann sich ansammeln und die Klarinette verstopfen.
  • Die Blätter sind dünn wie Papier. Gehe sehr vorsichtig mit ihnen um, denn sie brechen leicht.
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