Eine Hausgeburt durchführen

Bei einer Hausgeburt entscheidet eine Frau, ihr Kind anstatt in einem Krankenhaus, Zuhause zu gebären. Manche Frauen bevorzugen diese Variante, die Gründe sind vielfältig. Es bietet ihnen beispielsweise größere Freiheit sich während der Geburt zu bewegen, zu essen und zu baden. Andere schätzen die gewohnte Umgebung und die Nähe zu ihren Lieben. Hausgeburten bergen allerdings auch spezielle Risiken und Herausforderungen. Solltest du eine Hausgeburt in Betracht ziehen, ist es daher wichtig, den gesamten Prozess vor der Geburt gut zu verstehen.

Teil 1 von 3: Entscheide ob eine Hausgeburt die richtige Wahl für dich ist

  1. Verstehe die Vor- und Nachteile einer Hausgeburt. Geschichtlich gesehen waren Hausgeburten bis vor nicht allzu langer Zeit die Regel. Seit einigen Jahren ist die Zahl der Hausgeburten jedoch sehr niedrig. Nichtsdestotrotz, entscheiden sich einige Mütter bewußt gegen eine Krankenhaus- und für eine Hausgeburt. Die Gründe, warum Mütter eine Hausgeburt bevorzugen, sind vielfältig. Wichtig zu beachten ist jedoch, dass das Risiko einer Komplikation 2-3 mal höher ist, als bei einer Krankenhausgeburt. Auch wenn das erhöhte Risiko in absoluten Maßen nicht besonders hoch ist (nur wenige Komplikationen pro 1000 Geburten), sollten bisher unentschlossene Mütter diese Tatsache im Hinterkopf behalten. Andererseits können Hausgeburten gewisse Vorteile bieten, die im Krankenhaus wegfallen. Zum Beispiel:
    • Größere Freiheit für die Mutter sich zu bewegen, zu baden und zu essen
    • Mehr Spielraum die Position während der Geburt anzupassen
    • Die Annehmlichkeit in den eigenen vier Wänden zu sein und bekannte Gesichter zu sehen
    • Die Möglichkeit ohne medizinische Hilfe zu gebären (beispielsweise ohne den Einsatz von Schmerzmitteln), falls gewünscht
    • Die Möglichkeit religiöse oder kulturelle Erwartungen zu erfüllen
    • Niedrigere Kosten in einigen Fällen
  2. Wissen wann eine Hausgeburt nicht in Frage kommt. In bestimmten Situationen, stellen Geburten ein erhöhtes Komplikationsrisiko für das Kind, die Mutter, oder beiden dar. In diesen Fällen sollte die Gesundheit der Beteiligten im Vordergrund stehen und die möglichen Vorteile einer Hausgeburt außen vor gelassen werden. Die Geburt sollte in einem Krankenhaus stattfinden, denn dort stehen erfahrene Ärzte und lebensrettende Technologien für den Notfall zur Verfügung. Hier einige Beispiele für Situationen, in denen die Geburt unbedingt im Krankenhaus stattfinden sollte:
    • Wenn die Mutter chronisch krank ist (Diabetes, Epilepsie, etc.)
    • Wenn die Mutter bereits einen Kaiserschnitt in einer früheren Schwangerschaft hat machen lassen
    • Falls in der pränatalen Diagnostik gesundheitliche Bedenken im Bezug auf das ungeborene Kind geäußert wurden
    • Falls die Mutter schwangerschaftlich bedingte, gesundheitliche Beschwerden vorweist
    • Falls die Mutter Tabak raucht, Alkohol trinkt, oder andere illegale Drogen konsumiert
    • Falls die Mutter mit Zwillingen, Drillingen, etc. schwanger ist oder das Kinder nicht in der richtigen Geburtsposition liegt
    • Falls es sich um eine Früh- oder Spätgeburt handelt. Mit anderen Worten, plane keine Hausgeburt vor der 37. oder nach der 41. Schwangerschaftswoche
  3. Kenne die legalen Aspekte einer Hausgeburt. In der Regel sind Hausgeburten gesetzlich nicht verboten. Erkundige dich zeitgemäß nach den Bestimmungen und Voraussetzungen, um spätere Probleme zu vermeiden.

Teil 2 von 3: Deine Hausgeburt planen

  1. Treffe Vorkehrungen mit einem Arzt oder einer Hebamme. Es wird unbedingt empfohlen, eine zertifizierte Hebamme oder einen Arzt bei deiner Hausgeburt dabei zu haben. Trete früh genug mit der Hebamme oder dem Arzt in Kontakt und vereinbare einen Termin für den Hausbesuch. Bespreche die anstehende Geburt und halte ihre/seine Nummer bereit, um dich melden zu können, sowie die Wehen einsetzen.
    • Die Hebamme oder der Arzt sollte in der Lage sein, im Zweifelsfall Unterstützung im örtlichen Krankenhaus anzufordern.
    • Ziehe außerdem in Erwägung eine Geburtstbegleiterin mit einzubeziehen – eine Person die dich während der Geburt physisch und emotional begleitet.
  2. Lege einen Plan für deine Geburtserfahrung zurecht. Zu gebären ist, einfach ausgedrückt, eine emotional und körperlich auslaugende Angelegenheit. Das Letzte, um das du dich während der Geburt kümmern möchtest, ist schnelle und wichtige Entscheidungen über den Ablauf treffen zu müssen. Es ist bei weitem klüger, bereits im Voraus einen groben Plan aufzustellen. Versuche jeden Schritt zu bedenken, von Anfang bis Ende. Selbst wenn du nicht in der Lage sein wirst den Plan vollständig einzuhalten, so wird es dir eine gewisse Ruhe verleihen, einen Plan zu haben. Versuche Fragen wie diese in deinem Ablaufplan zu beantworten:
    • Abgesehen von der Hebamme/dem Arzt – welche Personen sollen bei der Geburt sonst noch anwesend sein?
    • Wo möchtest du gebären?
    • Welche Dinge solltest du bereit halten? Sprich mit deinem Arzt – in der Regel wirst du eine Menge Handtücher, Laken, Kissen und Decken, sowie eine wasserdichte Unterlage für dein Bett und den Boden brauchen.
    • Wie wirst du mit dem Schmerz umgehen? Wirst du Schmerzmittel benutzen, die Lamaze Technik, oder eine andere Form des Schmerzmanagements, anwenden?
  3. Kümmere dich um Krankenhaustransport. Die große Mehrheit der Hausgeburten verläuft erfolgreich und ohne Komplikationen. Nichtsdestotrotz, wie bei jeder Geburt, gibt es eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass eine Komplikation auftritt und die Gesundheit des Baby’s und/oder der Mutter in Gefahr ist. Aus diesem Grund ist es wichtig darauf vorbereitet zu sein, die Mutter und das Baby im Ernstfall schnell in ein Krankenhaus bringen zu können. Das Auto sollte vollgetankt und mit Handtüchern und Laken ausgestattet, vor der Tür stehen. Kenne die schnellste Strecke zum nächstgelegenen Krankenhaus – vielleicht möchtest du diese Route sogar vorher abfahren.
  4. Wähle den Ort, an dem du das Baby gebären möchtest. Auch wenn du dich während der Wehen die meiste Zeit frei im Haus bewegen kannst ist es eine gute Idee, vorab darüber nachzudenken, wo genau du die Geburt stattfinden lassen möchtest. Entscheide dich für einen sicheren, bequemen Platz – viele Mütter bevorzugen ihr eigenes Bett, es geht aber auch auf der Couch, oder an einer weichen Stelle auf dem Boden. Unabhängig davon für welchen Ort du dich letztendlich entscheidest, achte darauf, dass diese Stelle gründlich gereinigt wurde und mit ausreichend Handtüchern, Decken und Kissen ausgestattet ist. Du möchtest vermutlich auch ein wasserdichtes Plastiklaken verwenden, um Blutflecken zu vermeiden.
    • Ein trockener und sauberer Duschvorhang könnte als Plastikunterlage dienen.
    • Auch wenn dein Arzt oder die Hebamme diese Utensilien sehr wahrscheinlich haben werden, solltest du sterile Mulltupfer und Verband griffbereit halten, um die Nabelschnur des Neugeborenen abzutrennen.
  5. Warte auf die Geburtswehen. Nachdem du alle nötigen Vorkehrungen getroffen hast, warte ganz einfach darauf, dass die Wehen einsetzen. Die meisten Schwangerschaften dauern im Schnitt 38 Wochen, der Geburtstermin kann aber auch ein bis zwei Wochen davor oder danach liegen. Sollten deine Wehen vor der 37. Woche, oder nach der 41. Woche beginnen, suche umgehend ein Krankenhaus auf. Ansonsten achte einfach auf die folgenden Zeichen:
    • Dein Wasser bricht
    • Erweiterung des Gebärmutterhalses
    • Schmierblutung (die Absetzung von pinkem oder bräunlich gefärbtem Blutschleim)
    • Wehen die 30 bis 90 Sekunden andauern

Teil 3 von 3: Die Geburt

  1. Höre auf deinen Arzt oder deine Hebamme. Der Gesundheitsexperte, für den du dich entschieden hast, wurde professionell dazu ausgebildet Neugeborene sicher auf die Welt zu bringen. Höre immer auf deinen Arzt oder die Hebamme und gib dir große Mühe ihren Anweisungen zu folgen. Einige dieser Dinge mögen temporär dazu führen, dass dein Schmerz ansteigt. Die Anweisungen sind jedoch wichtig, um dein Baby so schnell und sicher wie möglich auf die Welt zu bringen.
    • Die restlichen Ratschläge in diesem Artikel sind lediglich dazu gedacht, dir einen groben Leitfaden zu geben, höre immer auf die Anweisungen des Gesundheitsexperten.
  2. Bleibe ruhig und konzentriert. Die Wehen können lange anhalten, schmerzvoll sein und ein gewisser Grad an Nervosität ist unumgänglich. Es ist jedoch niemals eine gute Idee sich in Gedanken von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung zu verlieren. Gib dein Bestes um so entspannt und positiv wie möglich zu bleiben. Dies wird dir helfen den Anweisungen so gut wie möglich zu folgen, sodass die Geburt schnell und sicher ablaufen kann. Am einfachsten ist es ruhig zu bleiben, wenn du dich in einer bequemen Position findest und tief ein und aus atmest.
  3. Schaue nach Anzeichen von Komplikationen. Wie bereits erwähnt, die meisten Hausgeburten verlaufen reibungslos. Es besteht allerdings immer ein gewisses Risiko bei einer Geburt. Falls du eines der folgenden Anzeichen beobachtest, suche umgehend ein Krankenhaus auf. Es kann sich um ernsthafte Schwangerschaftskomplikationen handeln, die die Technologie und Expertise eines Krankenhauses benötigen:
    • Spuren von Fäkalien in deinem Fruchtwasser nachdem die Blase geplatzt ist
    • Die Nabelschnur tritt vor dem Baby aus der Vagina
    • Du hast vaginale Blutungen, die nichts mit Schmierblutungen zu tun haben oder zu viel Blut enthalten (normalerweise sind Schmierblutungen pink oder bräunlich gefärbt)
    • Du scheidest keinen Mutterkuchen aus nachdem das Baby geboren wurde oder der Mutterkuchen ist nicht intakt
    • Dein Baby kommt nicht mit dem Kopf zuerst heraus
    • Dein Baby sieht auf irgendeine Art und Weise gestresst aus
    • Die Wehen führen nicht zur Einleitung der Geburt
  4. Lasse die Erweiterung deines Gebärmutterhalses von deiner Begleitperson messen. Während der ersten Phase der Wehen erweitert sich dein Gebärmutterhals, um den Weg für das Baby freizumachen. Dies mag zuerst zu einem leichten Unwohlsein führen. Mit der Zeit treten die Wehen häufiger und stärker auf. Du wirst vermutlich einen Schmerz oder ein Druckgefühl in deinem unteren Rücken- oder Bauchbereich verspüren, während sich dein Gebärmutterhals weitet. Dein Begleiter sollte in dieser Zeit dein Becken prüfen, um den Fortschritt zu messen. Sowie der Gebärmutterhals vollständig geöffnet ist, etwa 10cm, bist du für die zweite Phase der Geburt bereit.
    • Du verspürst ein Bedürfnis zu pressen – deine Begleitperson wird dir wahrscheinlich auftragen, erst dann zu pressen, wenn der Gebärmutterhals vollständig geweitet ist.
    • Zu diesem Zeitpunkt ist es meist nicht zu spät, Schmerzmittel einzunehmen. Falls du dich auf diesen Moment vorbereitet und Schmerzmittel zur Hand hast, besprich mit deinem Arzt oder der Hebamme, ob du sie nun einnehmen kannst.
  5. Presse den Anweisungen entsprechend. In der zweiten Phase der Geburt treten die Wehen häufiger und stärker auf. Falls dein Gebärmutterhals bereits vollständig geöffnet ist, wird dein Geburtsbegleiter dir die Erlaubnis geben zu pressen. Kommuniziere mit deinem Arzt oder der Hebamme und informiere ihn/sie, sowie du Veränderungen spürst. Er/sie wird dir sagen wann du pressen sollst, wie du zu atmen hast, und wann du dich ausruhen musst. Diese Phase der Geburt kann für Mütter, die ihren ersten Säuglin gebären, bis zu 2 Stunden dauern. Bei Frauen die bereits Kinder haben, geht es oft schneller, manchmal innerhalb von 15 Minuten.
    • Habe keine Angst davor verschiedene Positionen auszuprobieren. Knie dich hin, geh auf alle Viere oder in die Hocke. Dein Arzt oder deine Hebamme werden dich in der Regel bitten, die für dich bequemste Position zu finden, um effektiv pressen zu können.
    • Während du presst und dich anstrengst, mache dir keine Sorgen darüber aus Versehen zu urinieren oder zu koten – es passiert sehr häufig und dein Geburtsbegleiter wird es erwarten. Konzentriere dich ausschließlich darauf dein Baby herauszudrücken.
  6. Presse dein Baby durch den Geburtskanal. Durch dein Pressen und die Wehen, wird dein Baby von der Gebärmutter in den Geburtskanal befördert. Zu diesem Zeitpunkt kann es sein, dass dein Geburtsbegleiter bereits den Kopf des Baby’s sieht. Du kannst einen Spiegel zur Hand nehmen, um es selbst zu sehen. Sei nicht frustriert, falls der Kopf des Baby’s danach wieder verschwindet, das ist ganz normal. Dein Baby wird mit der Zeit immer weiter nach unten rutschen. Du wirst stark pressen müssen, um den Kopf herauszudrücken. Sowie dieser Moment erreicht ist, wird der Geburtsbegleiter die Nase und den Mund deines Kindes von der amniotischen Flüssigkeit säubern und dir helfen, den restlichen Körper ans Tageslicht zu bringen.
    • Eine Steißgeburt (das Baby wird mit den Füßen voran geboren) ist ein medizinischer Umstand der ein erhöhtes Risiko für das Baby bedeutet und wird wahrscheinlich bedeuten, dass du ein Krankenhaus aufsuchen musst. Die meisten Steißgeburten führen zu einem Kaiserschnitt.
  7. Kümmere dich nach der Geburt um dein Neugeborenes. Herzlichen Glückwunsch – du hattest soeben eine wunderschöne Hausgeburt. Lasse die Nabelschnur deines Baby’s vom Doktor oder deiner Hebamme mit einer sterilen Schere abschneiden und verbinden. Wische dein Baby mit sauberen Handtüchern ab, zieh ihn/sie an und wickel dein Kind in eine saubere, warme Decke.
    • Nach der Geburt kann es sein, dass deine Geburtsbegleitung empfiehlt mit dem Stillen anzufangen.
    • Bade den Säugling nicht sofort. Du wirst bei der Geburt sehen, dass dein Baby von einer weißlichen Schicht überzogen ist. Das ist normal – diese Schicht nennt sich Käseschmiere. Es hilft dein Baby vor bakteriellen Infektionen zu schützen und versorgt die Haut mit Feuchtigkeit.
  8. Scheide den Mutterkuchen aus. Nachdem dein Baby auf der Welt ist, hast du zwar das Schlimmste hinter dir, aber du bist noch nicht ganz fertig. In der dritten und letzten Phase der Geburt musst du die Plazenta, das Organ welches das Baby im Mutterleib mit Nährstoffen versorgt hat, ausscheiden. Leichte Wehen (so leicht, dass manche Mütter sie nicht ein mal spüren) trennen die Plazenta von der Gebärmutterwand. Kurz darauf tritt sie aus dem Geburtskanal heraus. Dieser Prozess dauert in der Regel 5-20 Minuten und ist, im Vergleich zur Geburt des Babys, ein Kinderspiel.
    • Falls die Nachgeburt nicht, oder nicht als Ganzes, ausgeschieden wird, suche ein Krankenhaus auf. Es ist ein medizinischer Zustand der, falls ignoriert, schwerwiegende Konsequenzen haben kann.
  9. Gehe mit deinem Baby zu einem Kinderarzt. Falls dein Baby nach der Geburt gesund und munter aussieht, ist es das vermutlich auch. Nichtdestotrotz solltest du deine Tochter oder deinen Sohn innerhalb der ersten ein, zwei Tage nach der Geburt zu einem Kinderarzt bringen. Dieser wird das Kind untersuchen und dir außerdem nützliche Pflegetipps mit auf den Weg geben.
    • Es mag ebenfalls sinnvoll sein, dich selbst von einem Gynäkologen untersuchen zu lassen. Eine Geburt ist ein intensiver, anstrengender Vorgang und die sicherste Variante ist, sich von einem Experten begutachten zu lassen.

Tipps

  • Gebäre dein Kind niemals alleine ohne einen Arzt oder eine Hebamme. Viele Dinge können wahnsinnig schief gehen.

Warnungen

  • Falls die Nabelschnur um den Hals des Babys gewickelt ist, ist in der Regel ein Kaiserschnitt erforderlich. Führe eine Hausgeburt also niemals ohne professionelle Hilfe durch.
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