Sich selbst verzeihen können

Es ist nicht leicht zu vergeben. Es braucht Zeit, Geduld und Mut, um zuzugeben, dass es ein Problem gibt, und dann nach einer Lösung zu suchen. Wenn du dir selbst für deine Taten vergeben musst, dann kann dieser Prozess sogar noch schwieriger sein. Der Weg zur Vergebung ist alles andere als leicht. Dazu musst du deine Eigenwahrnehmung trainieren und verstehen, dass das Leben eine Reise und kein Sprint ist. Dann kannst du lernen, dir selbst zu vergeben.

Methode 1 von 5: Selbstvergebung üben

  1. Finde heraus, warum du dir vergeben musst. Wenn wir feststellen, dass wir uns etwas vorzuwerfen haben, dann fühlen wir uns schuldig und wünschen uns Vergebung. Manchmal erzeugen die Erinnerungen solch unangenehme Gefühle. Finde heraus, warum du dich so fühlst. Frage dich:
    • Fühle ich mich so, weil ich mich aufgrund des Ergebnisses meiner Taten schlecht fühle?
    • Fühle ich mich so, weil ich für dieses Ergebnis verantwortlich bin?
  2. Akzeptiere, dass Fehler dich nicht zu einem schlechten Menschen machen. Jeder macht ab und zu im Leben Fehler. Glaube nicht, dass ein Versagen bezüglich einer Sache – sei es im Job oder in der Beziehung – dich zu einem schlechten Menschen macht. Wie Bill Gates sagte: „Es ist gut, seine Erfolge zu feiern. Es ist aber wichtiger, aus seinen Fehlern zu lernen.“ Ein Schritt in Richtung Selbstvergebung ist, aus seinen Fehlern zu lernen.
  3. Habe keine Angst, von vorn anzufangen. Um dir wirklich selbst vergeben zu können, solltest du keine Angst davor haben, noch einmal von vorn anzufangen. Wenn du lernen willst, dir selbst zu vergeben, dann geht es nicht nur darum, mit der Vergangenheit leben zu können. Es geht darum, aus dieser Erfahrung zu lernen. Akzeptiere, was du gelernt hast und nutze es, um ein besserer Mensch zu werden.
  4. Gewöhne dir eine neue Geisteshaltung an, indem du aus Fehlern lernst. Eine Möglichkeit, dich weiterzuentwickeln ist, sich an das Gelernte anzupassen.
    • Setze dir für die Zukunft Ziele, die dir dabei helfen, eine bessere und stärkere Geisteshaltung zu entwickeln. Dieser Blick in die Zukunft hilft, dir zu vergeben. Denn du fokussierst dich auf die positiven Veränderungen, zu denen du in der Lage bist.
    • Wann immer du dich schuldig fühlst, folge den Worten Les Browns: „Vergib dir dein Versagen und deine Fehler und mach weiter.“ Das wird dir helfen, wenn du einen Fehler machst.

Methode 2 von 5: Die Vergangenheit loslassen

  1. Erkenne, dass niemand perfekt ist. Du willst dir vielleicht Taten vergeben, die sich gegen andere gerichtet haben. Du musst zuerst erkennen, dass du nicht für die Taten anderer Menschen verantwortlich bist. Wir machen alle Fehler und jeder von uns durchlebt Zeiten, in den wir uns nicht von unserer besten Seite zeigen. Indem du das realisierst, unternimmst du den ersten Schritt im Selbstheilungsprozess.
  2. Halte dich nicht mit alten Fehlern auf. Es ist gut, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Sich damit aufzuhalten, behindert die Selbstvergebung. Denn es hält dich davon ab, die Realität der Gegenwart zu erkennen. Dein Leben kann stagnieren, wenn du ständig darüber nachdenkst, was du getan oder nicht getan hast. Konzentriere dich besser auf die Gegenwart und darauf, was du zukünftig in deinem Leben besser machen kannst.
  3. Plane heute eine glänzende Zukunft, indem du dich nicht von der Vergangenheit einschränken lässt. Gehe nach dem Motto: „In Ordnung bringen und weitermachen“ vor. Wenn dir wieder so etwas passiert, was in der Vergangenheit schon einmal für emotionale Turbulenzen geführt hat, dann konzentriere dich auf das, was du kontrollieren kannst.
    • Versuche das Problem, das du bewältigen kannst, in Ordnung zu bringen und den Rest zu ignorieren. Du willst doch nicht immer wieder dieselben Fehler machen.
  4. Lerne Achtsamkeit. Es kann der zukünftigen Heilung dienen, wenn man sich seiner gegenwärtigen Handlungen bewusst ist. Wenn du ein starkes Selbst pflegst und deine gegenwärtigen Taten akzeptierst, dann dient das einer besseren Zukunft und dazu, dir vergangene Aktionen und Reaktionen zu vergeben.
  5. Untersuche vergangene Entscheidungen. Du sollst dich nicht an deinen Fehlern festhalten. Du musst aber aus ihnen lernen, um zukünftig bessere Entscheidungen zu treffen.
    • Eine Möglichkeit, um dir zu vergeben ist, die Auslöser oder Ursachen zu finden, die deine Gefühle ursprünglich ausgelöst haben. Wenn du herausgefunden hast, was du eigentlich getan hast, dann hast du die Chance, deine Zukunft zu ändern.
    • Frage dich: „Was habe ich anfangs getan und was kann ich tun, um dasselbe Ergebnis zukünftig zu vermeiden?“
  6. Stelle fest, in welchen Situationen du starke Emotionen hast. So findest du direkt die Situationen, in denen du dich unwohl fühlst. Wenn du die kennst, dann kannst du auch über eine Lösung nachdenken. Frage dich:
    • Fühle ich mich ängstlich oder schuldig, wenn ich mich an meinen Chef wende?
    • Fühle ich starke, negative Emotionen, wenn ich mit meinem Partner rede?
    • Macht es mich wütend oder ärgerlich, wenn ich Zeit mit meinen Eltern verbringe?

Methode 3 von 5: Dir selbst und anderen gegenüber Vergebung kommunizieren

  1. Lass andere Menschen in dein Leben. Wie der Philosoph Derrida einmal sagte: „Vergebung wird oft – manchmal absichtlich – mit verwandten Themen verwechselt: Ausrede, Bedauern, Begnadigung, Verjährung etc.“
    • Vergebung muss auf beiden Seiten erfolgen. Du wirst wahrscheinlich nicht in der Lage sein, dir zu vergeben, wenn du nicht lernst, anderen zu vergeben. Du solltest deshalb andere Menschen in dein Leben lassen, die dich bei der Selbstvergebung unterstützen und sie strukturieren.
    • Bitte Menschen, die dich lieben, darum, dich bei diesem Prozess zu unterstützen.
  2. Skizziere einen Lösungsplan. Um dir zu vergeben musst du wissen, für was du dir Vergebung wünschst. Ein Schritt-für-Schritt-Plan kann dir helfen, dich auf das zu konzentrieren, das dir wichtig ist. Er gibt dir zusätzlich Struktur, wie du dich bei dir selbst oder anderen entschuldigst. Du solltest dabei die folgenden Aspekte in Betracht ziehen:
    • Entschuldige dich in einer direkten Sprache. Druckse nicht herum. Sage direkt: „Es tut mir leid.“ oder frage: „Kannst du mir verzeihen?“. Du willst ja nicht mehrdeutig oder unehrlich wirken.
    • Finde heraus, wie du wirklich eine Lösung finden kannst. Wenn du jemanden um Verzeihung bittest, überlege dir, wie du aktiv Wiedergutmachung zeigen kannst. Wenn es dabei um dich selbst geht, frage dich, welche Schritte für eine bessere Zukunft nötig sind.
    • Versprich dir und anderen, dass du dich bemühen wirst, es in der Zukunft besser zu machen. Eine Entschuldigung ist nichts wert, wenn du dich nicht daran hältst. Pass auf, dass du dieselben Fehler nicht wiederholst.
  3. Bitte andere um Vergebung. Wenn du das tust, dann wird es dir auch selbst besser gehen.
    • Manchmal kann ein Problem gelöst werden, wenn man reinen Tisch macht. Das zeigt auch, dass du über mehr nachgedacht hast, als nur über das eigentliche Problem. Es ist erwiesen, dass man bessere Ergebnisse und stärkere Beziehungen bekommt, wenn man in der Lage ist, um Verzeihung zu bitten.

Methode 4 von 5: Die Verantwortung für sein Handeln übernehmen

  1. Sei ehrlich, was dein Handeln angeht. Bevor du dir vollständig vergeben kannst, musst du die Verantwortung für dein Handeln übernehmen.
    • Dabei kann es helfen, wenn du Aktionen aufschreibst, die bei dir starke Gefühle auslösen. So stellst du fest, welche Anlässe konkret zu negativen Gefühlen bei dir geführt haben.
  2. Höre auf, zu rationalisieren und fange an, Verantwortung für deine Worte und Taten zu übernehmen. Ehrlich zu sein heißt, die Konsequenzen für sein Handeln zu übernehmen. Wenn du etwas Falsches gesagt oder getan hast, dann musst du das akzeptieren. Erst dann kannst du dir vergeben.
    • Das kannst du erreichen, indem du dich von Stress befreist. Je mehr Stress du in dir hast, desto mehr schadest du dir selbst.
    • Stress kann manchmal dazu führen, dass du deinen Ärger rauslässt und dich selbst oder andere verletzt. Wenn du dir verzeihst, dann verfliegt auch die Wut und die negative Energie. Das führt dazu, dass du dich mehr auf die positiven anstatt auf die negativen Dinge konzentrierst.
  3. Akzeptiere deine Schuldgefühle. Verantwortung zu übernehmen ist eine Sache. Die Gefühle, die dahinter stecken, sind eine ganz andere. Es ist normal, starke Gefühle wie Schuld zu haben, es ist auch gut. Schuldgefühle bestärken dich, zukünftig für dich und andere einzutreten.
    • Du hast vielleicht Schuldgefühle aufgrund deiner Gedanken. Vielleicht wünschst du anderen Schmerz oder Unglück. Oder du fühlst Lust oder Gier.
    • Wenn dich diese Schuldgefühle überfordern, dann solltest du wissen, dass sie weit verbreitet sind. Unsere Schuld stammt vielleicht von diesen starken Gefühlen. Dann sollte man sie am besten angehen und herausfinden, warum man so fühlt. Nur, wenn du dazu in der Lage bist, kannst du weitermachen und dir selbst vergeben.
    • Vielleicht beurteilst du dich (oder andere) aus Schuldgefühlen zu hart. Du überträgst diese Gefühle möglicherweise auf dich und andere und schämst dich für dein Handeln. Vielleicht gibst du anderen die Schuld, weil du selbst unsicher und voller Schuldgefühle bist.
    • Wenn du merkst, dass du anderen die Schuld gibst, dann tritt einen Schritt zurück. Stelle fest, warum du diese Dinge sagst. Das hilft dir vielleicht auf dem Weg zur Selbstvergebung.
    • Vielleicht fühlst du dich schuldig, weil jemand anderes etwas getan hat. Es ist nicht unüblich, dass ein Paar sich für das Handeln seines jeweiligen Partners schämt. Du fühlst dich ggf. schuldig, weil dein Ehepartner etwas getan hat oder aufgrund seiner Unsicherheit.
    • Du solltest herausfinden, warum du so fühlst, um dir klarzumachen, ob du dir oder einer anderen Person vergeben solltest.
  4. Bestimme deine eigenen Werte und Glaubenssätze. Bevor du dir selbst vergeben kannst, musst du festlegen, welche Werte und Glaubenssätze dir wichtig sind. Gehe einen Moment in dich und frage dich, wie du wiedergutmachen kannst, wofür du dich schuldig fühlst. Wie kannst du die Situation positiv verändern? Diese Aktionen können auf einem Glaubenssystem oder sozialen Konventionen beruhen.
  5. Analysiere deine Bedürfnisse und stelle ihnen deine Wünsche gegenüber. Um Gefühle der Unzulänglichkeit zu vergeben, musst du wissen, was du im Leben wirklich brauchst und was du im Gegensatz dazu wünschst.
    • Was sind deine konkreten Bedürfnisse wie Unterkunft, Nahrung und soziale Bedürfnisse? Vergleiche sie mit deinen konkreten Wünschen wie ein schöneres Auto, ein größeres Haus, einen schöneren Körper. Mit diesem Vergleich kannst du herausfinden, ob du ggf. zu streng mit dir bist oder ob die Dinge außer Kontrolle geraten sind.

Methode 5 von 5: Stelle dich der Herausforderung, Gutes zu tun

  1. Stelle dir persönliche Herausforderungen, um ein besserer Mensch zu werden. Um nicht wieder in Zweifel und Schuld zurückzuverfallen, solltest du dir kleine Herausforderungen stellen, um ein besserer Mensch zu werden.
    • Das kannst du tun, indem du dir einen Plan für einen Monat erstellst, um etwas zu verbessern. Indem du dir etwas für einen Monat vornimmst – z.B. Kalorien zu zählen – entwickelst du einen hilfreichen Plan für Verbesserungen. Das hilft dir, realistisch Selbstvergebung zu praktizieren, indem du positiv agierst.
  2. Arbeite an den Fehlern, die du identifiziert hast. Versuche, deine Leistung einzuschätzen, um festzustellen, ob du dich verbessert hast.
    • Wenn du Schuldgefühle hast, weil du z.B. zu zögerlich bist, dann erstelle eine To-Do-Liste und halte dich daran. Es ist wichtig, die Dinge zu erkennen, über die du Kontrolle hast. Das hilft dabei, Selbstvergebung durch Selbstverbesserung zu erreichen.
  3. Übe Eigenwahrnehmung. Das ist die Fähigkeit, die Folgen deiner Handlungen vorauszusehen. Indem wir über uns selbst nachdenken und unser Handeln beurteilen, werden wir bessere Menschen. Denn so schaffen wir eine selbst auferlegte Moralvorstellung. Du kannst deine Eigenwahrnehmung trainieren, indem du deine Stärken wahrnimmst, deine Reaktionen auf Situationen und wie du deine Gefühle ausdrückst.

Tipps

  • Anstatt über die Vergangenheit nachzudenken, konzentriere dich auf die Gegenwart und bereite dich auf die Zukunft vor. Denke daran, dass die Vergangenheit dich NICHT definiert. Du bist großartig und du bist schön! Lerne aus deinen Fehlern, vergib dir und mach weiter!
  • Denke darüber nach, wie du anderen in der Vergangenheit vergeben hast. Lerne aus dieser Erfahrung und übertrage das auf deine eigene Situation. Damit bestätigst du, dass du in der Lage bist, zu vergeben. Du musst die Vergebung nur in die richtige Richtung lenken.
  • Deine Fehler der Vergangenheit machen dich wahrscheinlich zu der Person, die du heute bist. Sieh sie deshalb nicht als Fehler, sondern als Anleitung.
  • Deine Fehler definieren dich nicht. Vertraue darauf, dass du ein großartiger Mensch bist. Denke an all die schlimmen Fehler, die normale/gute Menschen gemacht haben. Lerne daraus. Deine Fehler sind nicht halb so schlimm.
  • Eine Person ist sowohl das Ergebnis der guten als auch der schlechten Dinge, die uns widerfahren sind, und der guten und schlechten Dinge, wie wir getan haben. Die Art, wie wir auf negative Erlebnisse reagieren, ist genauso wichtig, wie die Art, wie wir auf schöne Ereignisse reagieren. Ein Mensch, der dazu neigt, immer wieder nachzugrübeln und sich von negativen Erlebnissen bestimmen zu lassen, wird wahrscheinlich eher in Wut und Bedauern leben. Er erwartet eher negative Dinge für die Zukunft, als ein Mensch, der schlimme Dinge als isolierte Ereignisse betrachtet, die nicht bestimmen, wer er ist.
  • Dir selbst oder anderen zu vergeben heißt nicht, dass die Vergangenheit vergessen ist. Es heißt aber zu vergeben, auch wenn die Erinnerungen bleiben. Das ist dasselbe wie der Zyklus des Trauerns.
  • Das Leben geht weiter, also vergib und vergesse.
  • Vergib Menschen, die dir geschadet haben. Mit der Zeit werden sie hoffentlich einsehen, dass ihre Handlungen falsch waren und sich mit sich oder dir aussöhnen. Komm darüber hinweg, das Leben ist zu wertvoll und zu kurz für Verbitterung.
  • Besorge dir ein Stress-Spielzeug. Wenn du Schuldgefühle bekommst, spiele damit.
  • Eine andere Möglichkeit, dir selbst zu vergeben ist, anderen zu helfen. Du bekommst Mitgefühl für andere und dieses Mitgefühl wird deine Schuldgefühle übertreffen. Denke daran, dich nicht darauf zu konzentrieren, was du falsch gemacht hast. Das Leben ist zu kurz für Verbitterung.

Warnungen

  • Zwinge dich nicht, mit Leuten zusammen zu sein, die die Vergangenheit auf eine negative Art repräsentieren. Menschen, die dich provozieren, entwerten oder schlecht machen und deine Verletzbarkeit ignorieren, sollten am besten zurückgelassen werden.
  • Vermeide es, vor anderen Leuten über deine Fehler zu sprechen bzw. darüber, was für ein schlechter Mensch du bist. Sie glauben das sonst auch. Geh in eine Therapie, um diese negativen Gedanken aus dem Kopf zu bekommen. Schick sie zurück in Pandora's Box, aus der sie kamen.
  • Halte dich von Menschen fern, die dazu neigen, die Erfolge von Selbstverbesserung zu sabotieren. Meist geht es diesen Menschen nur darum, ihre eigenen Unsicherheiten zu verstecken. Sie fühlen sich bedroht von jemandem, der sich bemüht, dem negativen Druck im Leben zu entkommen. Akzeptiere, dass sich mit dem Prozess der Selbstvergebung bestimmte Beziehungen lockern werden. Denn deine Negativität gab der anderen Person Kontrolle über dich. Frage dich, ob du in einer unglücklichen Beziehung bleiben willst oder dich als neuer Mensch nicht lieber gesünderen Beziehungen zuwenden willst.
  • Die Fähigkeit zur Vergebung ist schwer zu erlangen. Sie ist aber sehr wichtig, denn wenn du dir selbst und anderen vergeben kannst, wächst du als Mensch. Und dafür lohnt es sich, hart zu arbeiten.
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