Schmerzen und Gefühle ignorieren

Es gibt Momente, in denen man seine Emotionen unterdrücken muss, um eine schwierige Situation zu überstehen. Kaum jemand wird wohl die olympischen Spiele vergessen, bei denen eine Gymnastin antrat, nachdem sie sich den Knöchel verstaucht hatte, um weiterhin ihr Team unterstützen zu können. Es ist natürlich nicht empfehlenswert, ein Leben voll unterdrückter Schmerzen und Emotionen zu leben, aber in einer wichtigen und schwierigen Situation kann man ruhig auf Schmerzmanagement zurückgreifen. Vielleicht wirst du nicht in der Lage sein, deine Schmerzen oder Gefühle komplett zu ignorieren, aber du kannst lernen, Schmerzen und Emotionen neu zu bewerten, damit sie weniger schlimm sind.

Teil 1 von 3: Körperlichen Schmerz aushalten

  1. Probiere geführte Fantasiereisen aus. Diese Technik hilft, Geist und Körper zu entspannen. Stelle dir vor, du wärst an einem wundervollen Ort, einem Strand, einem Berggipfel, mitten im Regenwald, und lasse dieses Bild vor deinem inneren Auge so real wie möglich erscheinen. Rieche die Luft, schau dir alle Details deiner Umgebung an und spüre den Boden unter deinen Füßen. Stelle dir vor, wie du diesen Ort in einem absolut gesunden Körper genießt. Verbringe in dieser Welt so viel Zeit, wie du nur möchtest, und lass in die Erfahrung hineinfallen.
    • Bei diesen geführten Fantasiereisen hast du allein die Kontrolle. Wenn du schreckliche Schmerzen hast, dann bringe dir selbst in deiner Fantasiereise das Fliegen bei. Erschaffe jedes Szenario, das du dir wünschst.
  2. Beziehe auch deine anderen Sinne mit ein. Wenn du Schmerzen hast, können deine Sinne etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Der Fokus liegt dann allein auf dem Fühlen. Aktiviere bewusst auch deine anderen Sinne wieder: Höre die Geräusche um dich herum (vorbeifahrende Autos, den Rasenmäher des Nachbarn); rieche die Luft oder nimm dir etwas Zeit, um den Duft deines Essens in dich aufzunehmen; nimm deine Umwelt mit den Augen wahr; fühle deine Kleidung auf deiner Haut. Erinnere deinen Körper daran, dass er neben dem Schmerz auch noch andere, angenehme Stimuli wahrnehmen kann.
    • Wenn du deine Sinne in Momenten extremen Schmerzempfindens aktivierst, kannst du deinen Fokus verändern und deine Sinne wieder ins Gleichgewicht bringen.
  3. Konzentriere dich auf das körperliche Empfinden. Das mag zunächst einmal kontraproduktiv klingen, aber versuche doch einmal, deine Gefühle zu identifizieren. Ist das Gefühl heiß, kalt, brennend, dumpf, lokal begrenzt oder überall in deinem Körper? Vielleicht empfindest du so den Schmerz weniger als permanenten Schmerz, sondern viel eher als ein wechselndes und sich veränderndes Gefühl. Nimm deine Gefühle und Empfindungen als neutraler Beobachter wahr.
    • Indem du dich auf das körperliche Empfinden konzentrierst und nicht auf Schmerz, kannst du die Art verändern, wie du diese Gefühle wahrnimmst.
    • Stelle dir vor, wie du deinen Körper beobachtest, anstatt den Schmerz wirklich zu spüren. Verändere deine Wahrnehmung, dann lenkst du deinen Geist und deinen Körper von den negativen Erfahrungen ab. Auf diese Weise kannst du womöglich verhindern, dass du in einen Teufelskreis aus Schmerz und negativen Gedanken gerätst.
  4. Tu so, als hättest du keine Schmerzen. Der Ausdruck durch Schein zum Sein lässt sich auch auf Schmerzen anwenden. Wenn du insgeheim fürchtest, dass alles noch viel schlimmer werden könnte, musst du dich nicht wundern, wenn deine Schmerzen tatsächlich stärker werden. Je mehr du jedoch daran glaubst, dass du einen schmerzfreien Zustand erreichen kannst, desto wahrscheinlicher werden deine Schmerzen nachlassen.
    • Sage dir selbst Mir geht es jeden Tag besser und Die Schmerzen werden immer weniger.
    • Du kannst sogar sagen Ich spüre keinen Schmerz in meinem Körper oder Mein Körper funktioniert genau so, wie er soll.
  5. Sei gut zu deinem Körper. Erinnere dich daran, dass dein Körper und du keine feinde seid, und dass er dir nicht absichtlich wehtut. Behandele ihn mit Liebe, Güte und Respekt, besonders wenn er Schmerzen hat. Er will dir nicht schaden, er zeigt dir mit dem Schmerz nur, dass ihm etwas fehlt.
    • Behandele deinen Körper liebevoll, indem du gut mit ihm umgehst, ihm ausreichend Ruhe gönnst und ihn gesund ernährst. So kann er sich auch am schnellsten erholen.
  6. Gehe zu einem Schmerzspezialisten. Wenn du unter chronischen Schmerzen leidest, besprich dein Problem mit einem Fachmann. Auch wenn es eigentlich in deiner Natur liegt, weiter zu lächeln und es stoisch zu ertragen, vielleicht gibt es Mittel und Wege, wie du ganz ohne Medikamente deine Schmerzen lindern kannst, etwa durch eine bessere Haltung oder ein Sitzkissen.
    • Mancher Schmerz geht vielleicht nicht von allein weg, im Gegenteil, manchmal wird er mit der Zeit schlimmer. Höre auf deinen Körper und hole dir medizinische Hilfe, wenn es notwendig wird.

Teil 2 von 3: Deine Einstellung ändern

  1. Beobachte deine Gedanken. Wenn du Schmerzen spürst, ertappst du dich vielleicht bei dem Gedanken das hört vielleicht nie wieder auf oder ich ertrage das nicht. Wenn du solche Gedanken hast, erlaubst du dir selbst auch die emotionalen Reaktionen, die diese Gedanken begleiten. Du fühlst dich schlecht, unwohl, bist wütend oder hast Angst. Übe, deine Gedanken neu zu programmieren, und du wirst merken, dass sich auch deine Emotionen verändern.
    • Wenn du dich selbst bei einem negativen Gedanken erwischst, ersetze ihn durch einen positiven Gedanken. Statt zu denken Ich bin ein Häufchen Elend, denke Es wird jeden Tag ein wenig besser.
    • Statt zu denken Der Schmerz ist unerträglich, denke Ich kann den Schmerz aushalten und mich auf etwas anderes konzentrieren.
  2. Verlagere deine Aufmerksamkeit. Es ist einfach, sich auf das zu konzentrieren, was wehtut, aber versuche mal bewusst, dich auf das zu konzentrieren, was an deinem Körper gesund und voll funktionstüchtig ist. Vielleicht kannst du beobachten, wie mühelos du deine Finger und Hände bewegen und mit deinen Zehen wackeln kannst. Entspanne dich, während du diese Dinge fühlst und wahrnimmst, lass sie zu den dominierenden Empfindungen in deinem Körper werden. Selbst wenn der Schmerz dich zu überwältigen droht, kann dich das daran erinnern, dass der Schmerz nicht deinen ganzen Körper übermannt hat.
    • Du kannst dich selbst auf etwas so Unbewusstes wie das Blinzeln deiner Augen konzentrieren, wie mühelos es sich anfühlt, und wie dein Körper diese Bewegung fast permanent ohne dein bewusstes Zutun kontrolliert.
  3. Entscheide dich, nicht zu leiden. Leiden ist Einstellungssache, es basiert auf der Konzentration auf die Vergangenheit und darauf, dass du anderen die Schuld an deiner Misere gibst und dir selbst ständig einredest, dass es dir schlecht geht. Denke daran, dass Leiden relativ ist und sich auf emotionale Erfahrungen und nicht auf reale Gegebenheiten zurückführen lässt. Du kannst nicht entscheiden, ein ganz und gar schmerzfreies Leben zu führen, aber du kannst entscheiden, wie du mit Schmerz umgehst.
    • Statt zu denken Ich habe immer nur Pech, denke Ich habe es mir so nicht ausgesucht, aber ich werde die Situation akzeptieren und mich nicht selbst bemitleiden.
    • Etabliere eine Angewohnheit oder ein Ritual, das es dir erlaubt, bewusst nicht zu leiden. Du kannst dir ein Mantra überlegen, das du dir selbst vorsagen kannst, wann immer negative Gedanken in dir aufsteigen. Etwa so: Ich entscheide mich bewusst, auf körperliche Reize zu reagieren, ohne dabei leiden zu müssen.
    • Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens damit zu glauben, es sei in Ordnung, dass wir leiden. Gib dir selbst also Zeit, dich an die neue Sicht der Dinge zu gewöhnen. Sei dir bewusst, dass sich deine Einstellung wahrscheinlich nicht über Nacht ändern lässt, und dass es immer noch vereinzelt Momente und Tage geben wird, an denen du dich einfach selbst bemitleiden willst.
  4. Sei positiv. Positives Denken hilft dir, ein glücklicheres Leben mit weniger Stress zu leben. Konzentriere dich nicht auf die negativen Dinge in deinem Leben, sondern auf die positiven. Denke an deine Heilung, welche Fortschritte du machst, und wie gut man sich um dich kümmert.
    • Lass dich nicht dazu hinreißen, alles schwarz und weiß zu sehen. Nichts ist absolut gut oder absolut schlecht. Wenn du dir selbst die Schuld für deinen Schmerz geben willst, für schlechte Entscheidungen, die du getroffen hast, dann denke immer daran, dass jedes Ereignis von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Erlaube dir selbst, alle Seiten zu sehen, auch die Grautöne dazwischen.
  5. Wähle die Akzeptanz. Vielleicht gefällt dir deine momentane Situation nicht, aber du kannst sie als nicht beeinflussbar akzeptieren, Du kannst deine Schmerzen nicht abstellen. Du kannst eine Verletzung nicht ungeschehen machen, aber du kannst die Rolle akzeptieren, die sie nun deinem Leben spielt. Es ist sicher nicht einfach, so etwas zu akzeptieren, aber wenn du es schaffst, wirst du Frieden mit dir selbst schließen können und musst dich nicht mehr so sehr stressen.
    • Wann immer du Schmerzen oder schwierige Gefühle empfindest, atme tief ein und sage dir selbst: Was ich gerade erlebe, macht mir keinen Spaß, aber ich akzeptiere, dass es nun Teil meines Lebens ist.

Teil 3 von 3: Positive Gefühle in dein Leben bringen

  1. Konzentriere dich aufs Glücklichsein. Vergeude deine Zeit nicht damit, dir auszumalen, was du alles verpasst, oder was du alles tun könntest, wenn du nicht solche Schmerzen hättest. Stattdessen solltest du dich bemühen, jeden einzelnen Moment deines Lebens glücklicher zu machen. Das Glück liegt oft in den ganz kleinen Dingen - nimm dir die Zeit, es zu bemerken. Wenn es dir gerade schlecht geht, such nach genau diesem Glück in den Kleinigkeiten: Eine Textnachricht von einem guten Freund, eine herrlich flauschige Decke, in die du dich einkuscheln kannst, deine Katze, die sich an dich anschmiegt.
    • Tu Dinge, die dir Freude machen. Male, zeichne, tanze oder spiele mit deinem Hund.
    • Wenn du spürst, dass negative Gefühle in dir aufsteigen wollen, beschäftige dich sofort mit etwas, was dir Spaß macht. Selbst wenn es in diesem Moment einfach nur eine gute Tasse Tee oder Kaffee ist.
  2. Sei dankbar. Klar, es mag schwierig erscheinen, Dinge in deinem Leben zu finden, für die du dankbar sein kannst, wenn du gerade Schmerzen hast und dich schlecht fühlst, aber versuche es trotzdem. Dankbarkeit lässt dich das Leben von einem Blickwinkel jenseits deiner negativen Erfahrungen schätzen lernen.
    • Indem du dankbar bist, kannst du dich auf positivere Gefühle konzentrieren als nur auf Schmerz und Traurigkeit.
    • Schreibe ein Tagebuch, in dem du jeden Tag alles notierst, wofür du dankbar bist. Das können so simple Dinge wie saubere Wäsche, ein köstliches Abendessen oder ein Schnäppchen im Schlussverkauf sein.
  3. Lächele. Wusstest du, dass ein Lächeln dich tatsächlich fröhlicher machen kann? Wenn du lächelst, löst du damit Glücksgefühle aus, ebenso wie Glücksgefühle dich lächeln lassen. Selbst wenn du Schmerzen hast und wütend oder unglücklich bist, lächele und probiere, ob es dir helfen kann, deinen Schmerz oder deine negativen Gefühle anders wahrzunehmen.
    • Fühle ganz bewusst, was das Lächeln in dir auslöst, und wie eine Welle des Glücks dich überschwemmt.
  4. Lache. Lachen entspannt deinen ganzen Körper, verbessert deine Laune und wirkt sich insgesamt positiv auf Geist und Körper aus. Du musst gar nicht so weit schauen, um Dinge zu finden, die dich zum Lachen bringen: Schau dir lustige Fernsehshows oder Internetvideos an, lade unterhaltsame Freunde auf einen Spieleabend ein oder lies ein witziges Buch.
    • Jeder hat seinen eigenen Sinn für Humor. Tu das, was dich zum Lachen bringt, was es auch sein mag.
  5. Bleibe mit Freunden in Kontakt. Isoliere dich gerade jetzt nicht von deinen Freunden, sondern lass sie wissen, dass du sie brauchst. Umgib dich mit glücklichen Menschen, die eine positive Einstellung ausstrahlen. Verbringe bewusst Zeit mit Menschen, die viel und gerne lachen und lächeln, und die dir mit ihrer Anwesenheit ein gutes Gefühl geben.
    • Wenn du spürst, dass du dich zurückziehst, mache dir selbst klar, dass Isolation Depressionen verstärken kann. Für ein gesundes und glückliches Leben brauchst du Kontakt zu anderen Menschen.
  6. Suche dir Hilfe. Wenn deine Schmerzen zu stark sind, um sie einfach zu ignorieren oder allein zu ertragen, hole dir Hilfe. Du kannst einen Therapeuten konsultieren oder zunächst mit einem Freund sprechen. Du weißt selbst am besten, was dir gerade helfen könnte.
    • Vergiss nicht, dass es Menschen gibt, die dich lieben und sich um dich sorgen.
    • Wenn du chronisch unglücklich bist und dir alles hoffnungslos erscheint, können das Anzeichen einer Depression sein. Informiere dich über Depressionen und wie man damit umgeht.
    • Wenn du Hilfe bei der Auswahl eines Therapeuten brauchst, kann dich dein Hausarzt beraten

Tipps

  • Vergiss nicht, dass deine Emotionen immer da sind, auch wenn du so zu tun versuchst, als wären sie es nicht. Sie sind ein Teil von dir.
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