Eine Gitarre einstellen

Deine Gitarre besser kennen zu lernen ist ein großartiges Erlebnis und wird dir auf lange Sicht sogar nützlich sein. Hier findest du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um deine Gitarre einfach selbst einzustellen. Wie bei jedem Projekt ist die primäre Herangehensweise, die wesentlichen Teile einen nach dem anderen zu untersuchen und einzustellen.

Methode 1 von 2: Einstellen des Halses

  1. Prüfe, ob der Gitarrenhals verzogen ist. Untersuche den Hals nach Anzeichen einer Krümmung oder Biegung. Um ganz genau vorzugehen, legst du ein Lineal der Länge nach auf die Bünde. Das machst du auf beiden Seiten des Halses, um sicher zu gehen, dass der Hals nicht verbogen ist.
    • Eine winzig kleine Wölbung nach innen (konkav) ist erwünscht, sodass die Kopfplatte sich minimal in Richtung Saitenhalter neigt. Gitarrenbauer bezeichnen diese Biegung als "Entlastung" des Halses. Du solltest zwischen dem Hals und dem Lineal einen kleinen Abstand lassen. Wenn sich der Hals von den Saiten weg biegt, also nach hinten (konvex), könnte sich das negativ auf die Saitenlage auswirken, und du solltest in ein Gitarrengeschäft gehen, um die Halskrümmung genau untersuchen zu lassen.
  2. Wenn du feststellst, dass der Hals verzogen sein könnte, miss genauer nach. Verwende die D-Saite und ihre Saitenhöhe. Drücke sie auf den 1. und 22. Bund (den höchsten deiner Gitarre), und miss dann die Saitenlage der D-Saite am 12. Bund. Im Idealfall solltest du eine Visitenkarte darunter durchschieben können. Du kannst die Krümmung des gesamten Halses messen, indem du verschiedene Bünde ausprobierst und die Saite als Lineal verwendest.
    • Wenn du ein Messgerät für die Saitenlage hast, nimm einen Kapodaster und setzte ihn auf den 1. Bund. Halte die tiefste Saite auf dem letzten Bund fest. Miss den Abstand zwischen der Saite und dem 8. Bund. Die Messung sollte ungefähr 0,254 mm ergeben. Wenn der Abstand größer ist, wirst du den Halsspannstab mit einem Inbusschlüssel fester drehen müssen.
  3. Passe die Spannung des Halsspannstabes (Trussrod) an. So stellst du die Position des Halses ein. Wenn du die Krümmung des Halses korrigieren musst, entferne die Abdeckplatte, die über dem Trussrod liegt. Bei den meisten Gitarren liegt sie an der oberen Seite des Halses, bei anderen an der unteren Seite, in der Nähe des Steges. Verändere die Spannung vorsichtig, mit zarten Viertel-Drehungen und mit einem Inbusschlüssel in der richtigen Größe.
    • Wenn der Hals zu konvex ist, musst du den Inbusschlüssel entgegen dem Uhrzeigersinn drehen, und die Saiten gehen höher. Lass dir Zeit dabei, und drehe wirklich jedes Mal nur eine Vierteldrehung. Dann lässt du die Gitarre ein wenig ruhen und stimmst sie neu, bevor du die Halskrümmung erneut überprüfst oder sie spielst. Lass sie ruhig über Nacht stehen.
  4. Sieh dir auch die Position des Halses im Verhältnis zum Korpus an. Wenn der Halsspannstab korrekt eingestellt ist, die Saiten über dem 12. Bund aber dennoch zu weit vom Griffbrett entfernt sind, kann es sein, dass sich die Position von Hals und Korpus verschoben hat. Stelle sicher, dass deine Gitarre auf einer flachen Arbeitsfläche liegt, bevor du dich daran machst, den Hals abzuschrauben. Angeschraubte Gitarrenhälse (Bolt-on) können durch das Entfernen von 4 Schrauben vom Korpus gelöst werden, damit du die Verbindung neu einstellen kannst.
    • Der Hals deiner Gitarre sollte parallel zum Korpus stehen, oft befindet sich an dieser Stelle aber Sägemehl aus der Werkstatt, sodass der Hals schief aufsetzt. Wenn das der Fall ist, reinige die Fläche und Schraube den Hals wieder an.
    • Wenn die Halskrümmung noch immer nicht richtig ist, kannst du sie mit einem "Platzhalter" verändern - entweder an den zwei unteren Schrauben, um ihn nach hinten zu neigen, oder zwischen den zwei oberen Schrauben, um ihn nach vorne zu neigen. Etwas sehr dünnes, wie etwas Furnier oder ein Notizzettel, genügt. Notizzettel haben den Vorteil, dass sie von selber halten und nicht verrutschen, wenn du den Hals wieder anschraubst. Wenn du etwas Dickeres brauchst, kannst du den Notizzettel falten.

Methode 2 von 2: Einstellen der Saitenlage und der Intonation

  1. Stelle die Saitenlage ein. Die "Saitenlage" einer Gitarre bezieht sich auf den Abstand der Saiten vom Griffbrett. Spieler, die mit wenig Kraft auf die Saiten drücken, können mit einer niedrigeren Saitenlage gut zurechtkommen, während Spieler, die viel Kraft aufwenden, die Saiten höher stellen müssen, um ein Klappern der Saiten zu verhindern. Am Wichtigsten ist es, dass die Saitenlage für dich angenehm ist, und dass das Griffbrett kein unbeabsichtigtes Surren abgibt, wenn du spielst. Wenn du mehrere Gitarren hast, probiere es zunächst bei deiner am wenigsten geschätzten aus, und stelle dann erst deinen Liebling ein.
    • Beginne damit, den Abstand von der Unterseite der Saite zum ersten Bund zu messen. Das wird dir einen Hinweis darauf geben, ob die Saitenreiter im Sattel die richtige Tiefe haben. Wenn diese Messung nicht das richtige Ergebnis liefert, solltest du deine Gitarre zur Werkstatt bringen. Ob der Steg höher gestellt werden muss, bestimmt die Saitenlage am 12. Bund. Hier sind ein paar Standard-Abmessungen für E-Gitarren:
      • 1. Bund Diskantsaiten - 0,397 mm (0.0156 in)
      • 1. Bund Basssaiten - 0.794 mm (0.0313 in)
      • 12. Bund Diskantsaiten - 1.191 mm (0.0469 in)
      • 12. Bund Basssaiten - 1.984 mm (0.0781 in)
  2. Mache eine rasche, unsaubere Messung. Unter der Annahme, dass der Halsspannstab richtig eingestellt ist, und der Winkel zwischen Hals und Korpus stimmt, stelle die hohe E-Saite so ein, dass ein Cent-Stück gerade so durchpasst. Die 1, 2 und 5-Cent-Münzen sind ca. 1,67 mm hoch. Wenn die Münze also locker durchpasst, wirst du die Saite etwas niedriger stellen müssen, wenn du das schaffst.
    • Die G- und H-Saiten sind auf einer ähnlichen Höhe angebracht, aber die tiefe E-Saite und die A- und D-Saiten, die gewunden sind, können weiter vom Griffbrett weg sein.
  3. Stelle die Intonation (Oktavreinheit) ein. Es ist möglich, dass deine Gitarre auf den ersten 12 Bünden gut gestimmt ist, es aber nach dem 12. Bund schrecklich klingt. Wenn das so ist, musst du die Intonation einstellen. Um das machen zu können, brauchst du einen Steg mit einstellbaren Saitenreitern. Normalerweise findet man am unteren Ende des Steges Schrauben, mit denen man die Saitenhalter nach vorne oder nach hinten verschieben kann, sodass sich die Intonation des Instruments ändert.
    • Um die Intonation anzupassen, nimm dein Stimmgerät und beginne mit der tiefen E-Saite. Prüfe den Flageolett-Ton am 12. Bund (die Note knapp hinter dem Bund), und den tatsächlichen E-Ton am 12. Bund. Sie sollten gleich sein. Wenn sie es nicht sind, musst du die Höhe der Saite (die Saitenlage) anpassen.
      • Wenn der Ton am 12. Bund höher ist als der natürliche Flageolettton, mache die Saite länger, indem du den Steg zurück Richtung Saitenhalter verschiebst.
      • Wenn der Ton am 12. Bund tiefer ist als der Flageolettton, musst du die Saite kürzer machen und den Steg mehr zur Oberseite der Gitarre hin führen.
    • Wiederhole den Vorgang für die übrigen Saiten und du wirst eine einigermaßen oktavrein gestimmte Gitarre erhalten. Wenn du ein Perfektionist bist, kannst du deine Gitarre in eine Werkstatt bringen, die über einen Strobe-Tuner verfügt, um ein noch genaueres Ergebnis zu erhalten.
  4. Ziehe in Erwägung, die Bünde niedriger zu machen. Wenn ein einzelner Bund surrt während du ihn spielst, hast du vielleicht ungleichmäßige Bünde. Wenn du mutig bist, kannst du versuchen, deine Bünde zu verbessern, indem du sie feilst. Vorher musst du aber sicher gehen, dass der Halsspannstab, die Saitenlage und der Winkel des Halses richtig eingestellt sind; ein zu weit geneigter Hals kann sich negativ auf die Bünde auswirken. Wenn bei richtiger Einstellung die Bünde zu hoch stehen, kannst du sie mit einem Plastikhammer hineinklopfen.
    • Wenn das noch immer nicht ausreicht, kannst du die Bünde auch feilen. Stelle den Hals so gerade wie möglich ein (ohne dabei den Trussrod zu brechen) und lege die Gitarre auf eine gerade Fläche, decke das Griffbrett und andere Oberflächen ab, um sie zu schützen, und lasse nur die Bünde frei. Besorge einen Schleifklotz und Schleifpapier (Körnung 100). Du musst alle - oder zumindest mehrere - Bünde gleichzeitig mit dem Schleifblock behandeln. Wenn du ihn flach auf die Saiten legst, werden die Bünde, die zu hoch stehen, auf die gleiche Höhe wie die anderen geschliffen.
    • Wenn deine Bünde in einem sehr schlechten Zustand sind, wird es zu schwer sein, sie auf eine gleichmäßige Höhe zu bringen. Dann wird es besser sein, neue Bünde anzubringen, das heißt, sie alle auszutauschen. Das ist sowohl sehr schwierig, als auch teuer, es ist also günstiger, einen Gitarrenbauer damit zu beauftragen.
  5. Stelle die Bridge des Vibrato-Hebels ein. Die wichtigste Einstellung, die nur das Floyd-Rose-Vibratosystem betrifft, ist sicherzustellen, dass die Bridge richtig justiert ist. Zuerst überprüfst du den Halsspannstab und die Verbindung zwischen Hals und Korpus. Wenn deine Gitarre gut gestimmt ist, siehst du dir die Bridge des Vibrato-Hebel an. Sie sollte parallel zum Korpus sein. Wenn sie es nicht ist, musst du die Federspannung mittels der Federblechschrauben auf der Rückseite der Gitarre einstellen.
    • Stimme deine Gitarre erneut, und überprüfe wieder die Bridge des Vibrato-Hebels. Wiederhole diese Schritte, bis sie parallel zum Korpus ist. Wenn du das gemacht hast, musst du die Gitarre neu stimmen, die Saitenlage nachjustieren und schließlich die Intonation. Während du an der Intonation arbeitest, kann es sein, dass sich die Bridge bewegt und die Federn wieder angepasst werden müssen, und dann müsstest du wieder an der Intonation feilen.
  6. Fertig.

Tipps

  • Wenn deine Saiten in der Nähe des Steges zu nah auf dem Griffbrett liegen (z.B. am 1. Bund), könnte es für dich von Vorteil sein, die Saiten am Sattel niedriger zu stellen. Das ist aber sehr schwer selber zu machen.
  • Wechsle die Saiten regelmäßig aus. Verwende immer dieselbe Saitenstärke. Diese hängt von deinen persönlichen Vorlieben ab. Die meisten Massivkörper-Gitarren sind fabrikneu mit leichten Saitenstärken (.009-.042) ausgestattet. Jazz-Gitarristen bevorzugen in der Regel etwas dickere Saiten (.010-.046). Stevie Ray pflegte mit .013-.056-Saiten zu spielen, du solltest also verschiedene Stärken auszuprobieren, um zu merken, welche für dich gut ist, dickere Saiten oder sogar .008-Saiten ausprobieren.

Was du brauchst

  • Ein Set neue Saiten (die du beabsichtigst regelmäßig zu spielen)
  • Drahtschere
  • Elektronisches Stimmgerät
  • Schraubenzieher (unterschiedlich je nach Gitarre)
  • Inbusschlüssel (einen oder mehrere) oder Steckschlüssel
  • Maßstab aus Metall oder langes Lineal
  • Kapodaster
  • Kleines Lineal (mit mm-Angabe)
  • Fühlerlehre
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