Erbrechen zu Hause behandeln

Zum Erbrechen kommt es, wenn der Mageninhalt gewaltsam und unwillkürlich ausgestoßen wird. Meist geht Übelkeit voraus. Erbrechen kann viele Ursachen haben, u. a. Krankheit, Schwangerschaft, Reisekrankheit, Nahrungsmittelvergiftung, Gastroenteritis (Darmgrippe), Alkoholkonsum und Migräne. Auch einige Medikamente können Übelkeit und Erbrechen verursachen. Viele Fälle von Erbrechen können zu Hause behandelt werden; du solltest aber einen Arzt konsultieren, falls du dich nicht bald besser fühlst oder gewisse Warnzeichen siehst.

Methode 1 von 3: Sich pflegen

  1. Den Kopf abstützen. Wenn du dich erbrichst, kann es zu heftigen Kopfbewegungen kommen. Versuche, den Kopf, so gut du kannst, zu stützen.
    • Falls du langes Haar hast, solltest du es leicht nach hinten ziehen. Das wird verhindern, dass es ins Gesicht fällt, wenn du dich nochmals erbrechen musst.
  2. Sich hinsetzen oder auf etwas abgestützt liegen. Zur Abstützung können Sofakissen verwendet werden, während du dich zurücklehnst. Wenn du herumgehst oder flach liegst, wirst du dich eventuell schlimmer fühlen.
    • Falls du bettlägerig bist, lege dich auf die Seite, damit du nicht an dem Erbrochenen erstickst.
    • Wenn du flach liegst, stehst du auch in größerer Gefahr, an dem Erbrochenen zu ersticken.
    • Lege dich nach dem Essen nicht hin, da dies mehr Übelkeit auslösen kann.
  3. Flüssigkeit trinken. Erbrechen kann rasch zu Flüssigkeitsmangel führen. Zu viel zu rasch trinken kann jedoch einen weiteren Anfall von Erbrechen auslösen. Trinke daher langsam in kleinen Schlückchen. Trachte danach, alle 20 Minuten oder so ungefähr 30 ml / eine halbe Tasse Flüssigkeit zu dir zu nehmen.
    • An Eiswürfeln oder Eis am Stiel lutschen kann ebenfalls Flüssigkeitsmangel verhindern. Da diese sehr langsam schmelzen, verhindern sie eventuell auch, dass dir wieder übel wird.
    • Probiere Zitronenwasser, Ingwertee oder Pfefferminztee.
    • Klare Flüssigkeiten, wie Brühe, Apfelsaft und Sportgetränke, sind gewöhnlich hilfreich.
    • Falls du dich über längere Zeit erbrochen hast, wird dein Elektrolythaushalt eventuell in Unordnung geraten sein; trinke eine orale Rehydratationslösung oder ein elektrolythaltiges Sportgetränk.
    • Meide Milch, Alkohol, Koffein, kohlensäurehaltige Getränke und die meisten Fruchtsäfte. Milch kann das Gefühl von Übelkeit erhöhen. Alkohol und Koffein können dich austrocknen. Kohlensäurehaltige Getränke werden eventuell mehr Übelkeit verursachen. Fruchtsäfte, wie Grapefruit- oder Orangensaft enthalten zu viel Säure und können erneutes Erbrechen verursachen.
    • Iss Nahrungsmittel mit hohem Wassergehalt, wie Wassermelone. Diese können dich vor dem Austrocknen bewahren.
  4. Kleine Mahlzeiten essen. Zu viel Nahrung im Magen kann mehr Übelkeit und Erbrechen verursachen. Versuche während des ganzen Tages zu naschen, anstatt größere Mahlzeiten zu essen.
    • Iss fade Dinge, wie Cracker, Toast, Kartoffeln und Reis. Bananen und Apfelmus sind ebenfalls gut. Diese pflegen den Magen nicht zu verstimmen. Gebackenes Hähnchen oder Fisch sind gute Eiweißquellen, du solltest sie aber nicht würzen.
    • Meide fettige und würzige Nahrungsmittel, wie Wurst, Fast Food und Kartoffelchips. Gebratene Gerichte und übermäßig süße Dinge sind auch keine gute Idee.
    • Meide Milchprodukte. Erbrechen kann deinen Körper vorübergehend Laktose intolerant machen, auch wenn du üblicherweise keine Probleme mit Milchprodukten hast.
    • Iss langsam. Zwinge dich nicht, zu viel auf einmal zu essen. Wenn sich dein Magen ausdehnt, kann das die Übelkeit verschlimmern und Erbrechen verursachen.
  5. Auslöser vermeiden. Erbrechen kann durch gewisse Auslöser veranlasst werden, besonders bei Menschen, die sehr sensibel auf Gerüche reagieren.
    • Der Geruch von fettigem Essen kann Übelkeit auslösen.
    • Falls Geruch von Essen für dich ein Auslöser ist, bitte jemand anderen zu kochen. Das kommt vor allem während der frühen Schwangerschaft häufig vor.
    • Auch starke Gerüche, wie Zigarettenrauch und Parfüme, können bei manchen Leuten Übelkeit und Erbrechen auslösen.
  6. Frische Luft bekommen. Bei medizinischen Behandlungen von Erbrechen wird oft medizinischer Sauerstoff eingesetzt. Diese Art Sauerstoffbehandlung wird dir zu Hause kaum zur Verfügung stehen. Etwas frische Luft erhaschen, indem du dich ans Fenster setzt oder einen kurzen Spaziergang im Freien machst, kann dir aber auch helfen, Übelkeit und Erbrechen unter Kontrolle zu bekommen.
  7. Wissen, wann ein Arzt hinzugezogen werden sollte. Übelkeit und Erbrechen können vielfältige Ursachen haben. In vielen Fällen kannst du sie zu Hause behandeln. Falls du 12 Stunden oder länger nichts essen oder trinken konntest, oder dir länger als 48 Stunden immer wieder übel war und du dich hast erbrechen müssen, dann solltest du einen Arzt hinzuziehen. Falls eines der folgenden Symptome mit Übelkeit und Erbrechen auftritt, musst du den Notfall rufen:
    • Starke Bauchschmerzen oder Krämpfe ODER starke Schmerzen in der Brust.
    • Verschwommenes Sehen oder Doppeltsehen
    • Ohnmachten vor oder nach dem Erbrechen
    • Verwirrung
    • Kalte, klamme, blasse Haut
    • Hohes Fieber
    • Steifer Nacken
    • Starke Schmerzen oder Kopfschmerzen
    • Anzeichen von Austrocknung (übermäßiger Durst, Lethargie, Mundtrockenheit)
    • Erbrochenes, das grün ist, Kaffeesatz ähnelt oder Blut enthält
    • Stuhl im Erbrochenen
    • Erbrechen nach einer Kopfverletzung

Methode 2 von 3: Übelkeit und Erbrechen mit anderen Methoden behandeln

  1. Tiefes Atmen versuchen. Tiefes Atmen kann deinem Organismus dringend benötigten Sauerstoff zuführen. Außer Verschaffung von frischer Luft empfehlen Ärzte, tiefes Bauchatmen zu üben, um Übelkeit unter Kontrolle zu halten.
    • Lege eine Hand auf die Mitte deines Bauches. Lege die andere Hand auf die Brust.
    • Atme mit normaler Geschwindigkeit durch die Nase ein. Dabei solltest du fühlen, dass die Hand auf dem Bauch sich mehr nach oben bewegt als diejenige auf der Brust. Der untere Teil der Brust und der Bauch sollten sich mit Luft füllen.
    • Atme dann langsam wieder durch den Mund aus.
    • Nimm einen langsamen, tiefen Atemzug durch die Nase. Halte ihn solange, wie du kannst.
    • Atme wieder langsam durch den Mund aus.
    • Wiederhole diesen Zyklus mindestens noch viermal.
  2. Aromatherapie in Betracht ziehen. Aromatherapie besteht darin, Düfte von Pflanzenextrakten und anderen Chemikalien zu inhalieren. Schütte ein bis zwei Tropfen eines dieser Extrakte auf einen sauberen Gazebausch und inhaliere. Wissenschaftliche Forschungen haben gezeigt, dass die folgenden ätherischen Öle und Chemikalien bei Übelkeit und Erbrechen hilfreich sein können:
    • “Pfefferminzöl“. Pfefferminzöl kann hilfreich sein, das Gefühl von Übelkeit zu reduzieren.
    • “Ingwerextrakt“. Der Geruch von Ingwer kann helfen, deinen Magen zu beruhigen und Erbrechen zu verhüten.
    • “Isopropylalkohol“. Isopropylalkohol, allgemein Reinigungsalkohol genannt, kann den Drang, sich zu erbrechen, vermindern, wenn er in „sehr kleinen“ Mengen inhaliert wird.
    • Wende nicht mehr als ein oder zwei Tropfen an! Wenn du mehr verwendest oder zu tief inhalierst, kann das die Nase reizen.
  3. Ingwer anwenden. Bei der Bekämpfung von Übelkeit und Erbrechen ist Ingwer hilfreich, wenn er inhaliert oder eingenommen wird. Außer in seiner frischen Form ist Ingwer auch als Pulver, Tabletten oder Tee leicht erhältlich.
    • Du wirst dich „möglicherweise“ besser fühlen, wenn du Gingerale trinkst, aber Ingwerergänzungsmittel oder frischer Ingwer sind wirksamer. Das meiste kommerzielle Gingerale enthält keine bedeutenden Mengen der in natürlichem Ingwer vorhandenen Substanzen. Außerdem kann die in Gingerale enthaltene Kohlensäure die Übelkeit verschärfen.
    • Ingwertee zubereiten. Es gibt viele Rezepte, aber ein einfaches besteht darin, etwa 100 g frischen Ingwer zu raspeln (eine anständig große Wurzel). Füge einen halben Teelöffel geraspelten Ingwer etwa 2 dl heißem Wasser zu. Fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Wenn du möchtest, kannst du etwas Honig hinzufügen. Leicht gesüßte Getränke können helfen, einen verstimmten Magen zu beruhigen.
    • Die sichere Maximaldosis von Ingwerergänzungsmitteln beträgt 4 Gramm (ungefähr einen ¾ Teelöffel voll).
    • Schwangere und stillende Frauen können gefahrlos Ingwertee trinken. Sie sollten jedoch nicht mehr als 1 Gramm Ingwer pro Tag zu sich nehmen.
    • Ingwer kann einige Blut verdünnende Medikamente beeinträchtigen. Falls du Blutverdünner einnehmen musst, konsultiere deinen Arzt, bevor du Ingwer zu dir nimmst.
  4. Andere Kräutermittel probieren. Andere verbreitete Kräuter, die bei Übelkeit und Erbrechen empfohlen werden, sind u. a. Nelken, Kardamomextrakt, Kümmelsamen und Baikal-Helmkrautextrakt. Diese sind jedoch noch kaum klinisch untersucht worden. Du kannst sie ausprobieren, um zu sehen, ob du dich danach besser fühlst, eventuell werden sie aber nicht wirksam sein.
  5. Akupressur probieren. Im Gegensatz zu Aku”punktur”, die Nadeln und eine fachmännische Ausbildung erfordert, kann leichte Aku”pressur” zu Hause durchgeführt werden. Der P6 Akupunkturpunkt am inneren Unterarm kann Übelkeit und Erbrechen verhindern, wenn er stimuliert wird. Diese Stimulation sendet Signale an das Rückenmark und Gehirn, die dann chemische Substanzen in den Blutstrom ausschütten, die Übelkeit und Erbrechen bekämpfen.
    • Finde den Druckpunkt P6, auch bekannt als „Neiguan“. Positioniere deine Hand derart, dass deine Handfläche dir zugewandt ist und deine Finger nach oben zeigen.
    • Lege drei Finger der anderen Hand horizontal über dein Handgelenk. Benütze deinen Daumen, um den Punkt direkt unter dem Zeigefinger zu fühlen. In dieser Gegend liegen zwei große Sehnen in deinem Handgelenk.
    • Drücke zwei bis drei Minuten lang mit einer kreisenden Bewegung auf diesen Punkt.
    • Wiederhole diese Prozedur an deinem anderen Handgelenk.
    • Du kannst auch ein Akupressurband, wie Sea-Band® oder Easy Provider® verwenden.
  6. Frei verkäufliche Medikamente anwenden. Bismutsubsalicylat (Pepto-Bismol) kann zur Behandlung von mildem, durch eine Nahrungsmittelvergiftung oder übermäßiges Essen verursachtem Erbrechen verwendet werden. Allerdings scheint dieses Medikament in deutschsprachigen Ländern nicht verwendet zu werden.
    • Manchmal kann man Übelkeit mit Antihistaminen, wie Meclozin (in Deutschland nicht mehr im Handel) und Dimenhydrinat (Reisegold®, Antemin®, Travel-Gum®) behandeln. Diese Präparate sind besonders hilfreich bei Reisekrankheit. Sie können jedoch Schläfrigkeit verursachen.
    • Nimm nicht mehr als die empfohlene Dosis.

Methode 3 von 3: Erbrechen bei Kindern behandeln

  1. “Spucken“ erkennen. Bei Säuglingen ist Spucken nicht dasselbe wie Erbrechen. Säuglinge spucken oft kleine Mengen Milch oder Essen aus. Gewöhnlich läuft es kurz nach dem Füttern aus ihrem Mund, ist aber nicht heftig. Das ist normal und kein Grund zur Sorge.
    • Bei Säuglingen kann Erbrechen jedoch ein Anzeichen eines ernsthaften Gesundheitsproblems sein, wie Darmverschluss. Besuche sofort einen Kinderarzt oder Arzt, wenn dein Säugling sich heftig erbricht oder mehrere Anfälle von Erbrechen hat.
  2. Für ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen. Bei Kindern kann Austrocknung besonders gefährlich sein. Der Organismus von Kindern verarbeitet Elektrolyte rascher als derjenige von Erwachsenen. Wende eine orale Rehydratationslösung an, um dein Kind vor Austrocknung zu bewahren.
    • Verwende eine kommerzielle Lösung, wie die WHO-Trinklösung (Nava Jeevan). Es ist möglich, deine eigene Rehydratationslösung herzustellen, aber aufgrund des hohen Fehlerrisikos empfehlen Kinderärzte die Verwendung von kommerziellen Produkten.
    • Lass dein Kind langsam trinken. Gib dem Kind alle fünf bis zehn Minuten ein bis zwei Teelöffel (5 bis 10 ml) der Lösung.
    • Vermeide Fruchtsäfte, Sodawasser und klares Wasser. Diese werden den Elektrolythaushalt des Kindes nicht richtig wiederherstellen und daher die Austrocknung nicht genügend beheben.
  3. Dem Kind kleine Mengen Essen anbieten. Biete deinem Kind keine feste Nahrung während der ersten 24 Stunden nach dem Erbrechen an. Sobald das Erbrechen aufgehört hat, lass das Kind fade, weiche Nahrung essen, wie Götterspeise, Kartoffelbrei, Brühe, Reis und Bananen. Dränge dein Kind jedoch nicht zu essen, wenn es nicht will.
    • Vermeide Nahrungsmittel, die reich an Ballaststoffen und Zucker sind.
    • Bei Säuglingen wird Stillen dafür sorgen, dass das Kind genügend Flüssigkeit und genügend Nahrung erhält.
  4. Das Kind auf die Seite liegen lassen. Kleine Kinder können das Erbrochene einatmen oder daran ersticken, wenn sie auf dem Rücken liegen. Sorge deshalb dafür, dass dein Kind auf der Seite liegt.
    • Stütze ältere Kinder mit Kissen ab.
  5. Die Anwendung von Medikamenten vermeiden. Jungen Kindern sollten keine frei verkäuflichen Medikamente, wie Antihistamine verabreicht werden. Diese könnten ernsthafte Krankheiten auslösen, wenn sie in der falschen Dosis gegeben werden.
    • Konsultiere deinen Kinderarzt, um festzustellen, ob es Medikamente gibt, die dem Kind gefahrlos gegeben werden können.
  6. Wissen, wann ein Arzt hinzugezogen werden muss. Rufe den Kinderarzt, wenn dein Kind keine Flüssigkeiten bei sich behalten kann oder die Symptome sich verschlimmern. Du solltest auch den Arzt des Kindes beiziehen, wenn du eines der folgenden Symptome siehst:
    • Blut im Erbrochenen
    • Das Erbrochene ist grün oder hellgelb
    • Das Kind ist ausgetrocknet
    • Der Stuhl des Kindes ist schwarz oder teerig

Tipps

  • Iss kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Auch wenn du nur kleine Imbisse, wie Cracker oder Toast isst, kann das helfen, den Magen zu beruhigen.
  • Trinke keine großen Mengen Wasser, bis der Magen damit fertig wird. Zu viel Wasser kann das Erbrechen verschlimmern und die Wahrscheinlichkeit ernsthafter Austrocknung erhöhen. Nimm nur kleine Schlückchen und erhöhe die Menge alle 20 Minuten.
  • Vermeide fettige und würzige Nahrungsmittel.
  • Pfefferminzbonbons lutschen kann helfen, den Magen zu beruhigen.
  • Gib deinem Kind keine Süßigkeiten, Limonaden oder fettige Nahrungsmittel, da das die Sache nur verschlimmern wird.

Warnungen

  • Falls du dich länger als 12 Stunden immer wieder erbrochen hast, solltest du einen Arzt besuchen oder ins Krankenhaus gehen.
  • Falls du eines der in Methode 1 erwähnten Symptome erkennst, konsultiere baldmöglichst einen Arzt.
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