Zirkularatmung

Bei normaler Atmung atmen Menschen gewöhnlich durch die Nase ein und über die Lungen aus. Für Flötenspieler (Holzbläser) kann dieser Prozess sehr einschränkend sein. Sie können die Noten nicht so lange halten, wie sie müssten, und sie können sich kaum an die Musik anpassen, die für einige andere Musikinstrumente geschrieben wurde. Die Zirkularatmung ist eine Methode, die gleichzeitiges Ausatmen und Einatmen ermöglicht und Musikern somit ein breiteres Spektrum eröffnet. Diese Methode ist in der westlichen Musik nicht weit verbreitet, doch in anderen Kulturen wird die Zirkularatmung seit Jahrhunderten oder länger praktiziert. Sie wurde wahrscheinlich erstmals von der Bevölkerung der Alboriginal in Australien entwickelt.

Teil 1 von 3: Die Methode lernen

  1. Fülle deine Backen mit Luft und atme durch die Nase ein und aus. Auf diese Weise etablierst du eine zweite Luftquelle, die du nutzen kannst, wenn deine Lungen leer sind.
    • Obwohl du damit wie ein Erdhörnchen aussiehst, ist das eine nützliche Methode. Betrachte dich selbst als menschlichen Dudelsack, wobei deine Backen als Luftbalg fungieren.
  2. Blase die Luft aus, die du im Mund gehalten hast. Schließe deine Kiefer, aber lasse eine kleine Öffnung im Mund und nutze deine Kiefermuskulatur, um die Luft langsam auszustoßen. Fahre damit fort, tief durch die Nase einzuatmen. Kontrolliere die Bewegung, damit es drei bis fünf Sekunden dauert, bis du die Luft aus deinem Mund geblasen hast.
    • Experten auf diesem Gebiet sind unterschiedlicher Meinung über diesen Schritt. Einige Fachleute empfehlen, die Backen ständig aufgeblasen zu lassen, und sie häufig mit kleinen Mengen Luft aus den Lungen zu füllen. Andere empfehlen dagegen, dass es natürlicher ist, die Luft ganz aus dem Mund zu lassen.
    • Experimentiere mit beiden Möglichkeiten um festzustellen, welche Form für dich – und dein Instrument - angenehmer ist.
  3. Wechsele zum Ausatmen, wenn die Luft in deinem Mund versiegt. Weil du die ganze Zeit durch deine Nase eingeatmet hast, sollten sich deine Lungen in der Zeit mit Luft gefüllt haben, in der die Luft in deinem Mund ausgeströmt ist. Durch Schließen deines Gaumensegels kannst du die Quelle steuern, aus der die Luft kommt.
  4. Fülle deine Backen wieder mit Luft. Fülle sie, bevor die Luft in den Lungen versiegt, damit du Zeit hast, deine Lungen wieder zu füllen, während du die Luft verbrauchst, die du in deinem Mund gespeichert hast.
  5. Wiederhole diese Sequenz ständig. Sobald du in der Lage bist, einen übergangslosen Prozess zu absolvieren, wirst du nie wieder zum Atemholen pausieren müssen, während du dein Instrument spielst.

Teil 2 von 3: Die Technik praktizieren

  1. Übe zu spucken. Spucke einen dünnen Wasserstrahl aus. Damit bekommst du einen Sinn für die Technik, weil Wasser sichtbar ist und Luft nicht. Wenn du während der zirkulierenden Atemtechnik ausspuckst, kannst du am einfachsten die Kraft nachempfinden, die du brauchst, um ein Geräusch auf deinem Instrument zu produzieren.
    • Fülle deinen Mund mit so viel Wasser, wie du kannst.
    • Atme durch deine Nase ein und aus und spucke das Wasser in einem dünnen gleichmäßigen Strahl in die Spüle.
  2. Benutze einen Strohalm. Umschließe den Strohalm mit den Lippen und ahme die Position nach, die dein Mund einnimmt, wenn du dein Instrument spielst. Das ist eine gute Übung. Halte den Strohalm in ein Glas Wasser und befolge die Schritte für die Zirkularatmung, während du versuchst, so zu blasen, dass ein konstanter Strom von Luftblasen entsteht.
  3. Vokalisiere. Die Zirkularatmung kann möglicherweise zuerst entwickelt worden sein, um das Didgeridoo zu spielen und sie wird häufig für die Erzeugung von langen anhaltenden Noten eingesetzt. Die Lehrer dieser Instrumente gehen davon aus, dass der Ablauf durch Vokalisieren weicher wird.
    • Erzeuge einen starken “HA”-Laut, wenn du von der Luft in deinen Backen zu der Luft in deinen Lungen wechselst.
  4. Probiere dein Mundstück. Das Blasen durch einen Strohhalm kann bei dieser Technik hilfreich sein, aber es wird dir keine Idee davon geben, wie es sich anhört. Mit deinem Mundstück wirst du wissen, ob du ein Geräusch produzierst, wobei du dir keine großen Gedanken über seine Resonanz oder Qualität machen musst.
    • Wenn du einen deutlichen Bruch in deinem Laut hörst, wartest du wahrscheinlich so lange, bis eine Quelle deiner Luftreserven vollkommen erschöpft ist, bevor du zur anderen Quelle wechselst. Wechsele vom Mund zu den Lungen und umgekehrt gerade bevor die gerade benutzte Quelle entleert ist.
    • Diese Übung ist auch hilfreich, weil sie dir einen Sinn dafür vermittelt, wie fest du deine Lippen halten musst, damit diese Technik erfolgreich ist.

Teil 3 von 3: Übe mit deinem Instrument

  1. Probiere die Technik so bald wie möglich. Warte nicht, bis du die Technik in Übungseinheiten gemeistert hast, um sie auf dein Instrument anzuwenden. Der einzige Weg, dabei besser zu werden, ist die Praxis. Füge den Rest deines Instruments mit deinem Mundstück zusammen, sobald du in der Lage bist, einen Laut mit dem Mundstück zu erzeugen.
  2. Arbeite deinen Weg nach oben. Beginne nicht mit komplizierter Musik oder mit ganzen Liedern. Beginne stattdessen damit, einzelne Noten zu halten, und gehe dann zu einfachen, sich wiederholenden Übungen über. Damit kannst du deine Technik weiter verfeinern.
    • Einige Tonlage werden leichter als andere sein. Du wirst es vielleicht einfacher finden, mit einer Übung zu beginnen, die eine höhere Tonlage im Tonspektrum deines Instruments trifft.
  3. Übe jeden Tag ein klein wenig. Zirkularatmung kann zu Beginn mental und physisch ermüdend sein und du kannst es schwierig finden, sie für längere Zeit beizubehalten. Das bedeutet allerdings nicht, dass du nur ab und zu üben solltest. Probiere stattdessen, dreimal täglich für ein paar Minuten zu üben, während du diese Technik lernst.

Tipps

  • Atme während der Zirkularatmung weiter von deinem Zwerchfell ein und aus. Diese Technik ist ein Extra und keine Entschuldigung dafür, die Grundlagen einer guten Atemtechnik über den Haufen zu werfen.
  • Denke bei dieser Technik nicht daran, von einer Luftquelle zur anderen zu wechseln, weil die Übergänge dabei weniger reibungslos sein werden. Betrachte diese Technik stattdessen als einen fortlaufenden Prozess.
  • Wenn du beginnst, diese Technik zu lernen, solltest du nicht den gesamten Prozess auf einmal durchlaufen. Gewöhne dich an den ersten Schritt und dann an den zweiten und so weiter.
  • Sei darauf vorbereitet, Monate oder sogar Jahre darauf zu verwenden, diese Technik zu perfektionieren. Es hat Jahre gedauert, bis du dein Instrument exzellent beherrscht hast, und bei der Zirkularatmung wird es nicht anders sein.
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