Mit einer Zwangsstörung zurechtkommen

Überprüfst du andauernd, ob du deine Hausaufgaben gemacht, das Licht ausgeschaltet oder die Türen verschlossen hast? Oder wirst du von sehr aufdringlichen Gedanken dazu genötigt, speziellen Routinen nachzugehen? Dieser Artikel wurde geschrieben, um dir beim Umgang mit einer Zwangsstörung zu helfen.

Vorgehensweise

  1. Lass durch einen Fachmann eine Diagnose stellen. Wenn du diesen Artikel liest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bei dir bereits eine Zwangsstörung diagnostiziert wurde oder du stark davon ausgehst, dass du unter solch einer Störung leidest. Gehe zu einem Psychologen und lass dir von ihm eine Diagnose stellen. Eine Zwangsstörung kann sich durch eines der folgenden Symptome äußern:
    • Eine Gewohnheit, alles mehrfach überprüfen zu müssen. Dazu gehört zum Beispiel, dass du mehrfach überprüfst, ob du dein Auto richtig abgeschlossen hast, mehrfach das Licht an- und ausschaltest, um sicherzugehen, dass es wirklich aus ist, immer wieder überprüfst, ob du die Tür wirklich verschlossen hast, und Dinge immer und immer wieder wiederholst. Menschen mit einer Zwangsstörung sind sich oftmals im Klaren darüber, dass ihre Zwänge irrational ist.
    • Eine Besessenheit mit Händewaschen oder Dreck/Verunreinigung. Menschen mit solch einer Störung waschen sich jedes Mal sofort die Hände, wenn sie etwas ihrer Meinung nach "Dreckiges" angefasst haben.
    • Aufdringliche Gedanken. Einige Menschen mit einer Zwangsstörung leiden unter sehr aufdringlichen Gedanken, die meist sehr unangemessen sind und großen Stress für die betroffene Person verursachen. Meist kann man diese in drei verschiedene Kategorien unterteilen: stark gewalttätige, unangemessen sexuelle oder blasphemisch religiöse Gedanken.
    • Eine körperliche Besessenheit. Bei einigen Betroffenen äußert sich die Zwangsstörung durch die Besessenheit mit normalen Körperfunktionen, z.B. Atmen oder Schlucken. Dies steht zwar oft in Verbindung mit aufdringlichen Gedanken, allerdings ist das Problem körperlicher Natur. Meist werden dadurch auch Panik- oder Angstattacken ausgelöst und es könnte in Verbindung mit einem körperlichen Problem stehen.
  2. Verstehe den Ablauf von Besessenheit → Stress → Zwang. Die Routine eines Menschen mit einer Zwangsstörung sieht für gewöhnlich folgendermaßen aus:
    1. Die Besessenheit. Unter der Besessenheit versteht man das Gefühl, schmutzig zu sein, aufdringliche Gedanken oder das Bedürfnis, alles mehrfach überprüfen zu müssen.
    2. Der Stress. Deine Besessenheit verursacht großen Stress in dir. Wenn du davon besessen bist, mehrfach überprüfen zu müssen, dass deine Tür wirklich abgeschlossen ist, wird dieser Stress durch die Sorge ausgelöst, dass du ausgeraubt werden könntest, wenn die Tür nicht richtig verschlossen ist. Solltest du davon besessen sein, andauernd deine Hände waschen zu müssen, wird dein Stress durch die Angst vor einer Ansteckung mit Bakterien oder Keimen ausgelöst. Falls du unter aufdringlichen Gedanken leidest, z.B. blasphemisch religiöse Gedanken, löst die Angst vor einer Bestrafung den Stress bei dir aus.
    3. Der Zwang. Der Zwang ist die "Routine", die du durchführen musst, um den durch die Besessenheit verursachten Stress zu bewältigen. Das könnte zum Beispiel sein, dass du fünf Mal überprüfst, ob das Licht wirklich aus ist, ein eigenes Gebet aufsagst oder deine Hände wäschst. Möglicherweise erwischst du dich dabei, dass du damit argumentierst, dass es weniger Stress verursacht, die Tür mehrfach zu überprüfen, als wenn du dich mit einem Diebstahl auseinandersetzen musst.
  3. Lerne wie du deine Routinen durchbrechen kannst. Um mit deiner Zwangsstörung zurechtkommen zu können, musst du lernen, wie du das Einsetzen des Zyklus von Besessenheit/Stress/Zwang verhindern kannst.
    1. Werde dir bewusst darüber, dass du deine Besessenheit nicht kontrollieren kannst. Egal, was du tust, deine Besessenheit, sei es eine Aneinanderreihung von aufdringlichen Gedanken, ständigem Überprüfen oder der Drang zum Händewaschen, wird sich zu Wort melden. Es gibt nichts, was du dagegen tun kannst.
    2. Allerdings solltest du erkennen, dass du den Stress kontrollieren kannst. Deine Besessenheit wird nur dann Stress verursachen, wenn du daran glaubst, dass sie rationale Gründe hat. Wenn du dich überzeugen kannst, dass deine Zwangsstörung die Ursache für deine Besessenheit ist, wirst du keinen Grund haben, dich besorgt zu fühlen. Nehmen wir an, dass deine Besessenheit darin besteht, dass du blasphemisch religiöse Gedanken hast. Dein Stress wird durch die Annahme ausgelöst, dass du für diese Gedanken bestraft wirst. Wenn du dir allerdings im Klaren darüber bist, dass diese Gedanken durch deine Zwangsstörung ausgelöst werden, hast du keinen Grund mehr für deinen Stress. Denke einfach daran, dass Gott (oder Götter, je nach Glauben) niemanden für Gedanken strafen, die durch eine Geisteserkrankung verursacht werden und nicht unter der Kontrolle der Person stehen.
    3. Sei dir im Klaren darüber, dass selbst wenn du es nicht schaffst, deinen Stress unter Kontrolle zu bekommen, kannst du dich immer noch davon abhalten, deinen Zwängen nachzugeben. Mach es einfach nicht. Nehmen wir an, dein Zwang besteht darin, dir andauernd die Hände zu waschen. Wenn du dich dazu zwingen kannst, dir nicht unnötigerweise die Hände zu waschen, schaffst du es, deinen Zyklus in der letzten Phase zu durchbrechen. Dies resultiert darin, dass du dich im Grunde einer "Konfrontationstherapie" unterziehst, bei der du ständig deiner Besessenheit ausgesetzt bist, es dir aber nicht erlaubt ist, deinen Zwängen nachzugeben. Dadurch sollte es dir mit der Zeit leichter fallen, Kontrolle über deine Probleme zu erlangen.
  4. Setze dich deinen Ängsten aus. Das ist eine großartige Möglichkeit, um eine bestimmte Angst oder Phobie abzuschwächen. Indem du dich wiederholt deiner Angst aussetzt, wirst du immer unempfänglicher für sie. Der Grund für unsere Angst besteht darin, dass wir mit einem bestimmten Objekt negative Gefühle oder Erfahrungen verbinden. Wenn du es schaffst, diese in positive Gefühle zu verwandeln, wirst du nicht länger unter einer Angst leiden.
  5. Lass die Zwangsstörung nicht bestimmen, wer du bist. Du bist mehr als deine Krankheit. Schreibe all deine guten Qualitäten auf und lies sie dir immer wieder durch, wenn du dich niedergeschlagen fühlst.
  6. Gratuliere dir selbst. Jedes Mal, wenn du etwas erreichst, dass du vorher nicht für möglich gehalten hast, gratuliere dir selbst und fühle dich stolz. Selbst wenn es für andere nur einen kleinen Erfolg darstellt, wenn du dich deswegen großartig fühlst, dann lass es dich wissen!
  7. Gehe zu einem Psychologen oder Therapeuten. Wenn du dein Problem nicht unter Kontrolle bekommst und es sowohl dein Sozialleben als auch deinen Alltag beeinflusst, solltest du einen Experten aufsuchen. Du erhältst dann eine Therapie oder Medikamente zur Linderung deiner Symptome. Die wirksamste Therapiemethode ist die sogenannte Exposition mit Reaktionsverhinderung.
  8. Falls dich deine Erkrankung zu einem zwanghaften Verhalten zwingt, solltest du lernen, wie man dieses kontrolliert. Einige zwanghafte Verhaltensmuster können durch den Betroffenen kontrolliert werden. Solltest du Probleme dabei haben, suche Hilfe bei einem Psychologen oder Arzt.

Tipps

  • Vertraue dich mit einem Freund an und sprich mit ihm über deine Zwangsstörung und deine Anstrengungen, mit dieser Krankheit umzugehen. Es kann eine große Hilfe sein, wenn dich jemand unterstützt.

Warnungen

  • Wenn deine Zwangsstörung zu einem ernsthaften Problem wird und einen großen Einfluss auf dein Leben hat, solltest du unverzüglich einen Psychologen aufsuchen. Es ist sehr wichtig, dass du dir fachmännische Hilfe suchst.
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