Wilde Kaninchenbabys pflegen

Die Chancen, auf ein Nest mit verlassenen Kaninchenbabys zu stoßen, sind bei der stetig wachsenden Population von wilden Kaninchen in den Stadtgebieten heutzutage gar nicht mal so klein. Wenn du dich um Kaninchenbabys kümmern musst, lies diesen Artikel, um zu lernen, wie du vorgehen musst.

Vorgehensweise

  1. Vergewissere dich, dass die Babys auch wirklich Hilfe brauchen. Kaninchenmütter verstecken sich gut und verlassen das Nest tagsüber, um Räuber abzuhalten. Sie hat ihre Jungen nicht verstoßen. Wenn du ein Nest mit Kaninchenbabys findest, lass’ es in Ruhe. Wenn es aber offensichtlich ist, dass sie Hilfe brauchen (die Mutter z.B. tot auf der Straße liegt), dann musst du sie aufziehen.

Teil 1 von 3: Einen Platz für die Kaninchen schaffen

  1. Bereite einen Ort vor, an dem die Kaninchen bleiben können. Eine Holz- oder Plastikkiste mit hohen Wänden ist ideal. Lege die Kiste mit pestizidfreier Einstreu aus und lege darauf noch eine Lage Heu (keinen feuchten Grasschnitt).
  2. *Bereite ein rundes "Nest" im Heu, wo die Babys drin schlafen können. Wenn möglich lege etwas desinfiziertes Tierfell hinein (wenn du ein Haustier hast das Fell abwirft, lege ein Büschel von der Fellbürste ein paar Tage in die Sonne, damit die Bakterien abgetötet werden). Wenn nicht, benutze einfach eine dicke Lage Taschentücher.
  3. *Lege an einem Ende der Kiste ein Heizkissen oder einen Brutkasten als Wärmequelle hinein.
  4. Setze die Kaninchen vorsichtig ins Nest. Trage Lederhandschuhe, wenn du die Kaninchen anfasst. Sie können Krankheiten übertragen und so fest zubeißen, dass es blutet. Außerdem sollen sie sich nicht an den menschlichen Geruch gewöhnen.
  5. *Lege vorsichtig etwas Fell oder ein Taschentuch über die Kaninchen.
  6. Lege einen Deckel auf die Kiste sobald sie laufen können, so dass kein Kaninchen herausspringt. Sie sind vielleicht nur ein paar Wochen alt, aber sie können schon sehr gut hüpfen!

Teil 2 von 3: Die Kaninchen füttern

  1. Kaninchenmütter säugen ihre Jungen während der Abend- und Morgendämmerung für jeweils etwa 5 Minuten, daher muss dein Baby (je nach Größe und Alter) vielleicht auch nur zweimal am Tag gefüttert werden. ÜBERFÜTTERE SIE NICHT, Blähungen sind eine häufige Todesursache für wilde Kaninchen. Du kannst Welpenmilch benutzen und eine Kleine Menge Probiotika hinzufügen, für eine gesunde Darmflora. Erwärme die Milch ein wenig und füttere das Kaninchen mit einer Pipette während es sitzt, so dass es die Milch nicht einatmet! VERWENDE KEINE KUHMILCH.
  2. Sei sehr behutsam und nimm dir Zeit, und deine Kaninchen sind alle recht zügig gefüttert.
  3. Neugeboren bis 1 Woche alt: 2-2.5 ml pro Fütterung (2 Fütterungen pro Tag).
  4. 1-2 Wochen alt: 5-7 ml pro Fütterung (abhängig von der Größe des Babys. Bei kleineren Kaninchen kann es durchaus einiges weniger sein!) Neugeborene Kaninchen müssen eventuell angeregt werden, nach dem Füttern zu urinieren und zu defäkieren. WILDE Hasen müssen nicht stimuliert werden.
  5. 2-3 Wochen alt: 7-13 ml pro Fütterung. (2 Fütterungen) Fange an, sie langsam an 'Wiesenheu', Haferheu, Pellets und Wasser zu gewöhnen (füge auch immer frisches Grünzeug für wilde Kaninchen hinzu).
  6. 3-6 Wochen alt: 13-15 ml pro Fütterung (2 Fütterungen) AUCH HIER kann es wieder VIEL WENIGER sein, je nach Größe des Babys. Hasenbabys nehmen viel weniger. Waldkaninchen werden nach etwa 3-4 Wochen entwöhnt und Hasen viel später: (9+ Wochen).
  7. 6-9 Wochen alt: Nur für Hasen gültig: Mache bis 9 Wochen mit der Babynahrung weiter und gehe langsam dazu über, die Babynahrung in einem Napf zu geben. Ersetze die Babynahrung nach 9 Wochen langsam durch kleingeschnittene Bananen und Äpfel.
    • Wenn sie noch so jung sind, dass ihre Augen nur teilweise geöffnet sind, hilft es auch, sie in ein kleines, warmes Stück Stoff zu wickeln und ihre Augen und Ohren zu bedecken, so dass sie keine Angst bekommen. Neige sie leicht nach hinten und führe den Nuckel an der Seite in das Maul. Beachte, dass es unmöglich ist, den Nuckel direkt von vorne zwischen ihre Nagezähne zu bekommen!
  8. *Wenn der Nuckel an der Seite im Maul ist, schiebe ihn behutsam nach vorne. Drücke vorsichtig ein bisschen Babynahrung aus der Flasche und das Hasenbaby sollte innerhalb der nächsten zwei Minuten anfangen zu saugen.
  9. *Mache mit der Fütterung der Babynahrung 3-4 Tage weiter, ZWEIMAL am Tag, mit der letzten Fütterung in der Abenddämmerung, so wie es die Hasenmutter tun würde. Wenn möglich, lasse sie in den ersten 3 Tagen in einem Schuhkarton in (oder in der Nähe von) deinem Schlafzimmer schlafen, und ziehe sie dann langsam in einen größeren Käfig in einem anderen Zimmer (z.B. dem Wohnzimmer) um.
  10. Lasse sie auch draußen Zeit verbringen und Gras fressen. Sobald alle Kaninchenbabys laufen können, lasse sie ein paar Stunden in einem Drahtkäfig auf dem Rasen Gras fressen.
  11. Lege am 4. Tag eine flache Schale oder Deckel mit Wasser und Babynahrung in den Käfig. Behalte die Babys im Auge und schaue, was sie machen. Du wirst überrascht sein, dass sie das Futter essen und Wasser trinken.
  12. *Prüfe den Käfig auf Nässe, für den Fall dass sie das Futter und Wasser überall verteilen und gleichzeitig kannst auch nachschauen, wie viel Futter gegessen und Wasser getrunken wurde. Fülle beide Deckel nach und schaue am nächsten Morgen wieder, was verbraucht wurde.
  13. Mache mit dieser Routine ein paar Tage lang weiter, mit ein paar Zusätzen:
  14. *Frisch gepflücktes Gras
  15. *Getrocknetes Gras
  16. Ergänze die Nahrung auch mit Brotstückchen, Kleeheu, Wiesenheu, Apfelstückchen und Haferflocken. Achte darauf, dass sie immer frisches Wasser haben.
  17. Sobald sie schon relativ selbständig sind, entwöhne sie von der Babynahrung und stelle draußen einen Drahtkäfig mit Dach auf. Achte darauf, dass der Boden auch aus Draht ist, so dass sie Gras fressen können, aber die Maschen sollten natürlich klein genug sein, dass sie nicht durchschlüpfen können.
  18. *Ziehe sie in einen größeren Stall auf dem Gras draußen um und füttere sie weiterhin zweimal am Tag mit dem Extra-Grünzeug. Zu diesem Zeitpunkt solltest du nun aufhören, sie anzufassen, so dass sie auf die Auswilderung vorbereitet werden.

Teil 3 von 3: Die Kaninchen auswildern

  1. Du kannst sie wieder an einem sicheren Ort in die Freiheit aussetzen, wenn sie im Sitzen etwa 20-23 cm lang sind. Sollten sie noch nicht selbständig sein, behalte sie noch etwas länger, aber nicht so lange, bis sie geschlechtsreif sind. Sollte ein Kaninchen nicht für sich selber sorgen können, rufe bei einem Naturschutzbüro in deiner Nähe an. Sie können dir Ratschläge geben, wie du in deiner speziellen Situation vorgehen solltest.

Tipps

  • Füttere die Babys jedes Mal am selben Ort. Sie werden anfangen, diesen Ort mit der notwendigen Fütterung zu verbinden, und so wird jede neue Fütterung einfacher als die vorige.
  • Achte darauf, dass sie atmen können. Wenn du einen Plastikdeckel benutzt, muss er Löcher haben.
  • Halte sie in einer ruhigen Umgebung und mit möglichst wenig menschlichem Kontakt.
  • Benutze Fensterglas, um die Kiste abzudecken. Durch sein Gewicht und die leichte Handhabung kannst du es einfach von der Kiste nehmen und wieder drauflegen, aber die Kaninchen können es nicht herunterstoßen.
  • Wenn du nicht mehr genau weißt, welches Kaninchen du schon mit der Flasche gefüttert hast, male einfach einen kleinen Punkt mit Nagellack auf das Ohr jedes Kaninchens. Füttere sie dann alle in einer bestimmten Reihenfolge (z.B. wie die Farben eines Regenbogens).
  • Sei dir bewusst, dass wenn du ihnen Namen gibst, die Gefahr recht hoch ist, dass du dich zu sehr an sie hängst und sie eventuell behalten möchtest.

Warnungen

  • Füttere keinen Spinat, Kohl, Brokkoli, Blumenkohl oder Ähnliches. Diese Nahrungsmittel können bei Kaninchen schlimmen Durchfall und schmerzhafte Blähungen verursachen. Vergiss nicht, dass Kaninchen keinen Wind ablassen können und deshalb diese Nahrungsmittel zu einer Ausdehnung des Magens führen!
  • Heize die Babynahrung nicht zu sehr auf, wenn du die Kaninchen fütterst. Sie werden keine heiße oder saure Milch trinken.
  • Gehe sehr vorsichtig mit ihnen um, wie bei jedem wilden Tier. Sie können viele Krankheiten haben.
  • Achte darauf, dass der Brutkasten nicht zu heiß eingestellt ist und eventuell die Kiste anzündet.
  • Behalte ein wildes Tier nie länger in Gefangenschaft, als unbedingt nötig.

Was du brauchst

  • Holz- oder Plastikkiste mit Wänden
  • Saubere, weiche Einstreu
  • Sauberes Wiesenheu
  • Desinfiziertes Tierfell (oder Taschentücher)
  • Brutkasten oder Heizkissen
  • Lederhandschuhe
  • Einmachgläser
  • Milchflasche
  • Kleinen Nuckel aus Plastik
  • Homogenisierte Milch
  • Baby-Zerealien
  • Handtücher
  • Deckel
  • Drahtkäfig (mit Dach und Drahtboden)
  • Kleeheu (oder Wiesenheu)
  • Haferflocken
  • Brot
  • Wasserschüssel
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