Loslassen

Wenn eine Beziehung oder eine Situation für dich nicht mehr zu bewältigen ist, musst du unter Umständen emotional loslassen. Emotionales Loslassen bedeutet nicht, dass du von den Problemen davonläufst oder Misshandlung tolerierst. Es sollte auch nicht als Waffe eingesetzt werden oder als Entschuldigung gelten, jemanden zu hassen. Loszulassen ermöglicht es dir einfach, dich zu beruhigen und deine Probleme in ein hilfreicheres Licht zu rücken.

Methode 1 von 3: Grenzen ziehen

  1. Kenne deine inneren Grenzen. Innere Grenzen sind die Grenzen, die du deinen eigenen Gedanken und deinem Verhalten setzt, um dich zu schützen. Diese Grenzen sind etwas ganz Persönliches und basieren oft auf unserem Instinkt. Aber eben weil sie so persönlich sind, solltest du sie auch kennen lernen.
    • Deinem eigenen Verhalten Grenzen zu setzen scheint auf den ersten Blick unnötig zu sein, aber es kann durchaus positiv sein. Du kannst auf diese Weise zum Beispiel emotionaler Ausnutzung aus dem Weg gehen, da du selbst entscheidest, mit welchem deiner Freunde und Familienmitglieder du über deine Probleme sprechen möchtest.
    • Die meisten inneren Grenzen entwickelst du bereits von Natur aus. Du lernst sie bereits in der Kindheit von deinen Eltern oder von anderen Menschen, mit denen du viel Zeit verbringst, und die selbst ein gesundes Maß an inneren Grenzen besitzen.
    • Du erkennst sie vielleicht zu Anfang gar nicht. Aber sie äußern sich unter Umständen in dem Verlangen, dich von einigen anderen Menschen zu distanzieren, wenn dir plötzlich mulmig wird oder dich das Gefühl beschleicht, dass etwas nicht stimmt. Innere Grenzen sind eben oft mit dem Instinkt verbunden.
  2. Entwickel ebenfalls äußere Grenzen. Äußere Grenzen sind die EInschränkungen, die du anderen auferlegst. Gute äußere Grenzen schränken das Verhalten anderer in jenem Maße ein, dass diese dich nicht falsch behandeln können.
    • Es kann bereits eine äußere Grenze sein, wenn du nach einem Streit etwas Zeit für dich allein beanspruchst. Oder aber, wenn du nicht zulässt, dass dich jemand heruntermacht oder misshandelt (verbal oder physisch).
  3. Gib in überzeugtem Ton deine Absichten preis. Wenn du jemandem gegenüber solche äußeren Grenzen ziehen musst, musst du diese der Person auch deutlich machen. Hier kommt das emotionale Loslassen ins Spiel. Ziehe deine Grenze und wisse, dass du dir die Reaktion der anderen Person nicht selbst ausgesucht hast.
    • Du kannst solche Grenzen verbal oder nonverbal verdeutlichen. Ein einfaches Beispiel ist es, wenn du etwas Freiraum für dich selbst brauchst. Du stehst auf, schaust der Person in die Augen und sagst direkt: "Ich brauche jetzt etwas Zeit für mich." Alternativ kannst du auch aufstehen, der Person in die Augen sehen, nichts sagen und dann gehen. Nicht jede Art der Kommunikation muss verbal geschehen.
  4. Achte auf die Ergebnisse. Sobald du begonnen hast, diesen Weg zu gehen, musst du ihn auch weitergehen. Grenzen zu ziehen kann sehr hilfreich sein, in einigen Fällen aber auch fruchtlos verlaufen. Wirf einen objektiven Blick auf die Auswirkungen und entscheide selbst, wie du fortfahren möchtest.
    • Als Beispiel: Wenn du eine solche Grenze zwischen dir und einem Elternteil ziehst, das dich verbal misshandelt, wird dieses Elternteil entweder damit aufhören oder weitermachen, nachdem du klargemacht hast, dass du es nicht tolerieren wirst.
    • Wenn das Elternteil sein Verhalten nicht ändert, musst du Konsequenzen ziehen. Die Liebe zu deinen Eltern gebietet dir, dich um sie zu sorgen, aber in einer solchen Situation ist es eventuell besser, jemand anderen für sie sorgen zu lassen, bis zwischen euch wieder eine freundlichere Atmosphäre herrscht.

Methode 2 von 3: Sich auf sich selbst konzentrieren

  1. Erkenne, dass du die einzige Person bist, die du kontrollieren kannst. Du kannst versuchen, die Aktionen und Reaktionen der Personen um dich herum zu beeinflussen, aber letztendlich trifft doch jeder seine eigenen Entscheidungen. Die einzige Person, deren Verhalten, Denkweise und Gefühle von dir kontrolliert werden können, das bist du selbst.
    • Eine Übung: Um herauszufinden, was die Quelle deiner Sorgen tun muss, um dich wieder glücklich zu machen, vervollständige den folgenden Satz: "Wenn ____ nur ____ würde, dann könnte ich mich ____ fühlen."
      • Entferne den ersten Teil des Satzes und lasse einzig "ich könnte mich ____ fühlen" übrig.
      • Dieser Teil ist der einzige des ganzen Satzes, der unbestreitbar wahr ist und auf den du selbst Einfluss hast. Denk immer daran und versuche, den Fokus von den Aktionen anderer auf deine eigenen Gedanken und Aktionen zu lenken, da diese viel wichtiger sind.
    • Dieses Selbstverständnis ist sowohl in persönlichen als auch in geschäftlichen Beziehungen wichtig. Du hast genauso wenig Kontrolle über deinen Partner wie über deinen nervigen Mitarbeiter.
  2. Gib die Kontrolle über dein Leben nicht länger aus der Hand. Genauso wie du keinen anderen Menschen kontrollieren kannst, können andere Menschen auch dich nicht kontrollieren. Aber viel zu oft neigen wir dazu, uns dort dem Willen des anderen zu beugen, wo wir zu unserer eigenen Meinung stehen sollten. Wisse, dass die einzige Macht, die ein anderer über dich haben kann, die ist, die du ihm gewährst.
  3. Treffe "Ich"-Aussagen. Gewöhne dir an, negative Umstände aus deiner eigenen Perspektive zu schildern. Statt also zu sagen, dass jemand oder etwas dich unglücklich gemacht hat, sage lieber "Ich fühle mich unglücklich, weil...".
    • Die Dinge in die "Ich"-Perspektive zu rücken kann deine ganze Sicht der Dinge verändern, wodurch du dich als Individuum von der Situation abgrenzt. Diese Abgrenzung kann dir helfen, dich emotional von den anderen Personen, die Teil dieser Situation sind, zu lösen.
    • Diese "Ich"-Sprache kann auch dabei helfen, eine angespannte Situation aufzulösen, da sie dir erlaubt, deine Gefühle und Gedanken auszudrücken, ohne jemandem Vorwürfe zu machen.
  4. Ziehe dich zurück. Physischer Abstand kann auch emotionalen Abstand hervorrufen. Bringe tatsächlichen Abstand zwischen dich und die Person oder die Situation, die dir Sorgen bereitet, sobald du es nur kannst. Dies muss kein endgültiger Rückzug sein, aber er sollte doch lange genug andauern, um dir zur Entspannung zu verhelfen.
    • Wenn möglich, ziehe dich an einen Ort zurück, an welchem dich niemand sehen oder hören kann, damit du deiner Frustration verbal freien Lauf lassen kannst. Du kannst auch in ein Kissen schreien oder es herumwerfen, um deiner Wut auch physisch Abhilfe zu verschaffen. Je eher du deinen Gefühlen freien Lauf lassen kannst, desto schneller kannst du sie auch los- und verfliegen lassen.
    • Eine Auszeit in einer hektischen Beziehung hat ebenfalls seine Vorteile. Wenn du und dein Partner andauernd im Clinch liegen, dann zieht es in Erwägung, euch gegenseitig etwas Zeit zu geben, um Ruhe und Heilung zu finden. Wenn die Anspannung verfliegt, seid ihr beide besser dazu befähigt, zu entscheiden, ob eure Beziehung eine Zukunft hat oder nicht.
  5. Nimm dir regelmäßig Zeit für dich selbst. Wenn du es mit einer anstrengenden Beziehung oder Situation zu tun hast, die du nicht einfach beenden kannst, dann gewöhne dir an, dir regelmäßig etwas Zeit zu nehmen, um nach einem Konflikt oder einer angespannten Situation etwas Dampf abzulassen. Behalte diese Angewohnheit auch dann bei, wenn du das Gefühl hast, deine Gefühle unter Kontrolle zu haben.
    • Wenn du zum Beispiel Abstand von emotionalem Stress auf der Arbeit brauchst, nimm dir ein paar Minuten, um zu meditieren oder dich zu entspannen, sobald du zuhause bist. Alternativ kannst du dir auch ein paar Minuten während der Mittagspause gönnen, um etwas zu tun, was dir wirklich Spaß macht. Schnapp dir ein Buch oder mache einen Spaziergang. Bilde für einen Augenblick deine eigene, kleine Welt, auch wenn es nur für ein paar Minuten ist. Ese kann dir trotzdem helfen, die richtige Balance für den den Rest des Tages zu finden.
  6. Lerne dich selbst zu lieben. Du bist wichtig. Du bist genauso wichtig wie jeder andere. Verstehe, dass deine Wünsche und Bedürfnisse genauso wichtig sind wie die eines jeden anderen. Du wirst von Zeit zu Zeit Kompromisse eingehen müssen, aber du musst ebenfalls darauf achten, nicht immer bloß Opfer zu geben.
    • Du musst dich selbst zu lieben und zu respektieren lernen, bevor andere dich lieben und respektieren können.
    • Dazu gehört auch, deinen Bedürfnissen und Zielen Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn zum Beispiel eines deiner Ziele voraussetzt, dass du dich weiterbildest, solltest du die nötigen dazu Schritte einleiten, ganz egal ob dein Partner oder deine Eltern mit dieser Entscheidung einverstanden sind.
    • Dich selbst zu lieben bedeutet auch, deine eigenen Quellen des Glücks zu finden. Dein Glück sollte niemals vollkommen von einer Person abhängen.

Methode 3 von 3: In der Gegenwart leben

  1. Kehre zum Problem zurück, nachdem du dir eine Auszeit genommen hast. Wenn du mit stressigen Umständen zu tun hast, kann es leicht passieren, dass Entscheidungen auf emotionaler Basis getroffen werden. Wenn du dir nicht absolut sicher bist, ob du die Situation objektiv betrachten kannst, dann nimm dir eine Auszeit, tritt einen Schritt zurück und komme wieder darauf zurück, sobald du dich beruhigt hast.
  2. Sprich mit einem Unbeteiligten. Rufe jemanden an oder schreibe jemandem, der mit der Quelle des Stresses rein gar nichts zu tun hat. Unter Umständen kann es hilfreich sein, diese unabhängige Person nach einer rationalen Meinung zu fragen. Es kann jedoch auch hilfreich sein, kein Wort über deine Schwierigkeiten zu verlieren und einfach die Anwesenheit der Person zu genießen, um dich zu beruhigen.
    • Meisens kann jemand Unbeteiligtes die Dinge wesentlich objektiver bewerten als jemand, der selbst Teil der Situation ist. Achte nur darauf, dass du der Person, die du um Rat fragst, auch vertrauen kannst.
    • Regelmäßigen Kontakt zu Freunden und anderen geliebten Menschen zu pflegen soll einen starken Einfluss auf unser Glücksgefühl und generelles Wohlergehen haben. Dich selbst gesund und emotional stabil zu halten macht es einfacher, in stressvollen Situationen emotional loszulassen.
  3. Ärgere dich nicht über die Auswirkungen. Sobald du eine Entscheidung bezüglich deines Problems gefällt hast, stehe zu ihr. Versichere dir, dass du auf Grundlage der Informationen, die dir zur Verfügung standen, die bestmögliche Wahl getroffen hast. Erkenne, dass die Auswirkungen vielleicht oberflächlich betrachtet unangenehm sein können, aber letztlich sind auch die Auswirkungen "richtig", da deine Entscheidung "richtig" gewesen ist.
  4. Suche nach dem Positiven. Manchmal erscheint eine negative Konsequenz unausweichlich. Statt dich über die schlechten Seiten zu grämen, denke lieber über all das Gute nach, das aus dieser Entscheidung erwachsen kann. Nur sehr wenige Umstände bringen ausschließlich Negatives hervor.
    • Genauso solltest du dir vorher der positiven Seiten einer Person oder Situation bewusst werden, bevor du sie einfach abschreibst. In emotionalen Situationen neigen die negativen Seiten dazu, erdrückend zu wirken. Wenn du sowohl die negativen als auch die positiven Seiten abwägst, kannst du objektivere Entscheidungen fällen, was es dir einfacher macht, dich emotional von der Entscheidung zu lösen.
  5. Wisse, dass der Schmerz nur temporär ist. Es wird Zeiten geben, in denen du dich verletzt fühlen wirst, ganz egal, wie sehr du versuchst, emotional loszulassen. Statt zu versuchen, den Schmerz zu ignorieren, werde dich seiner Anwesenheit bewusst, aber versichere dir ebenfalls, dass er nicht ewig bleiben wird. Du kannst jetzt vielleicht noch nicht loslassen, aber du bereitest dich darauf vor, genau dies in naher Zukunft zu tun.
    • Wenn du emotional losgelöst und objektiv warst, als du die Entscheidung getroffen hast, ist es äußerst wahrscheinlich, dass du eine gute Entscheidung getroffen hast. Das ist die Wahrheit, auch wenn die Beziehung endet oder du das Geschäft nicht machen kannst.
    • Wenn aus deiner Entscheidung ein negatives Ergebnis entspricht, dann bereite dich darauf vor, wieder Schmerzen zu verspüren. Gefühle sind ganz natürlich und können niemals vollständig vermieden werden.
    • Wisse, dass deine emotionale Reaktion nur temporär ist. Das kann dir dabei helfen, die Zeitspanne dieser zu verkürzen und einfacher wieder loslassen zu können.
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