Eine persönliche Erzählung schreiben

Persönliche Erzählungen ermöglichen es dir, dein Leben mit anderen zu teilen und so auf indirektem Wege all die Dinge zu erleben, die um dich herum geschehen. Deine Aufgabe als Autor ist dabei, den Leser in den Mittelpunkt des Geschehens zu rücken und ihn auf diese Weise eine Erfahrung durchleben zu lassen. Hier kannst du lernen, wie du eine eigene, persönliche und eindrucksvolle Erzählung schreiben kannst.

Methode 1 von 3: Finde deinen Fokus

  1. Wähle dein Ereignis. Eine persönliche Erzählung stellt ein Ereignis aus deinem Leben dar. Es kann ein Scheitern sein, ein Bruch in deinem Leben, eine Erkenntnis, eine Kindheitserinnerung, praktisch alles. Wenn es interessant erscheint, darüber zu schreiben, dann ist es wahrscheinlich auch interessant, es zu lesen. Erinnere dich an einen Umstand in deinem Leben, der zu einem Ergebnis, zu einer Konsequenz oder zu einer Erkenntnis geführt hat.
    • Es muss nicht unbedingt wichtig oder außergewöhnlich sein. Manchmal kann der einfachste Gedanke oder Umstand zu einer poetischen Gewandtheit führen. Wenn du von deiner Erzählung aufschaust und dir denkst, "Ja, genau so verhielt es sich mit meinem Vater", dann hattest du bereits Erfolg. Nichts ist zu unbedeutend, wenn es deine Botschaft effektiv vermitteln kann.
  2. Bestimme deinen Erzähler und seinen Wissensstand. Wenn diese Erzählung etwa eine Hausarbeit ist, wäre es vielleicht hilfreich, aus den Vorgaben deinen Spielraum abzuleiten. Eventuell wird ein Ich-Erzähler vorausgesetzt, der dir, dem Autoren, entspricht. Ist dies nicht der Fall, steht es dir frei, den Erzähler selbst zu bestimmen und ihn genau so viel wissen zu lassen, wie du für nötig hältst.
    • Der Erzähler kann ein Ich-Erzähler sein, oder auch nicht mehr wissen, als es der Leser tut - oder nur ein wenig mehr. Er kann auch eine bösartige Seite besitzen, um der Geschichte ein weiteres Element hinzuzufügen.
  3. Denke an den Ablauf. Es mag so erscheinen, als sei der Weg von A bis Z der einzig richtige, aber das muss er nicht sein. Auch wenn es auf jeden Fall zweckmäßig ist, am Anfang der Geschichte zu beginnen, ist es vielleicht keine schlechte Idee, ein wenig mit der Chronologie der Geschichte zu experimentieren.
    • Rückblenden sind ein durchaus geläufiges und effektives Stilmittel. Eine weitere Möglichkeit ist es, den Erzähler einen bestimmten, vergangenen Zeitpunkt in der Gegenwart noch einmal durchleben zu lassen.
  4. Notiere die Ereignisse. Einen gewissen Grundaufbau zu haben wird dir helfen, deine Gedanken zu ordnen und zu erkennen, welche Details eingebracht werden müssen und welche Methoden und Stilmittel am geeignetsten erscheinen. Konzentriere dich aber zunächst nur auf das Wichtigste.
    • Dabei setzt du die Grundstimmung deiner Erzählung und bekommst ein Gefühl für deine Arbeit. Habe einen Überblick über die Thematik, die du darstellen möchtest, und wie du dies tun möchtest: wie soll sich der Leser fühlen, wenn er dein Werk gelesen hat?

Methode 2 von 3: Schreibe deinen ersten Entwurf

  1. Habe einen eindrucksvollen Auftakt. Dein Aufmacher ist der wichtigste Teil der gesamten Passage, denn er ist es, der die Aufmerksamkeit deines Lesers auf sich ziehen und ihn für deine Geschichte interessieren soll.
    • Beginne nicht als du selbst: "Ich werde euch von der Zeit erzählen, in der ich mich mit meinen Eltern zerstritt" ist kein angemessener Auftakt. Versuche stattdessen etwas wie "Ich verspürte einen immer fester werdenden Griff um meine Brust; ich wusste, ich hätte eine weisere Entscheidung treffen sollen". Versuche, den Leser schon ab der ersten Zeile zu fesseln.
  2. Habe Anfang, Mitte und Ende. Kurz gesagt, eine Erzählung ist eine Geschichte - und eine gute Geschichte hat eine klar Struktur mit Einleitung, Mittelteil und Schluss. Dabei sollte die eigentliche Geschichte im Mittelteil angesiedelt sein und der rote Faden im Schlussteil stimmig abschließen.
    • Am Ende deiner Geschichte sollte der Leser das Gefühl haben, etwas daraus mitgenommen zu haben. Dies kann eine Moral sein, Verständnis für eine Person oder ein Gedankengang. Darum lasse dein Ende gleichzeitig ein Fazit sein.
  3. Nutze Dialoge in deiner Geschichte. Es ist erstaunlich, wie viel das, was Personen zu sagen haben, über sie verrät. Um sich das zu Nutzen zu machen, kann ein durchdachter Dialog hilfreich sein. Lege dabei Wert darauf, dass Stimme und Persönlichkeit des jeweiligen Charakters durch besondere Wortwahl verdeutlicht wird. Di wörtliche Rede ist dabei effektiver als die passive.
    • Erschaffe keine Details. Wenn jemand etwas nicht gesagt hat, mache es nicht Teil deiner Geschichte. Schreibe deine Erzählung so lebensnah wie möglich.
  4. Beschreibe die Sinneseindrücke. Decke dabei alle fünf Sinne ab: schmecken, riechen, fühlen, sehen und hören. Variiere dabei: Wenn etwas nur gehört worden ist, beschreibe vielleicht, wie es sich vorgestellt wurde.
    • Erweitere dein Vokabular. Anstelle von "schön" schreibe "prächtig" oder "ansehnlich", anstelle von "hören" "vernehmen" oder schreibe statt "riechen" "einatmen" oder "schnuppern". Je lebhafter deine Worte, desto lebhafter das erschaffene Bild.
  5. Benutze Vergleiche und Metaphern. Vergleiche Dinge oder Ereignisse mit anderen Dingen oder Ereignissen durch die Wörter "wie" oder "gleich". Vergleiche und Metaphern sind die gängigsten Stilmittel und verdeutlichen dem Leser deine Worte.
    • Ein Beispiel: Schreibe nicht "Ich verletzte mir das Bein", sondern eher "Etwas schnitt mir in das Bein und es schien, als fließe das Blut gleich einer Fontäne aus der Wunde". Auf diese Art und Weise malst du im Kopf deines Lesers das Bild, das du beim Schreiben vor Augen hattest.
  6. Setze alles zusammen. Nun hast du wahrscheinlich eine Nacherzählung der Ereignisse vor dir, die unterhaltsam zu lesen, emotional, dynamisch und hoffentlich spannend ist. Wenn du es nun nochmal überfliegst, überprüfe die Reihenfolge, setzte Schwerpunkte auf gewünschte Bereiche und entferne Details von Stellen, an denen sie überflüssig sind. Kannst du erkennen, wie sich die Geschichte langsam zusammensetzt?
    • Dies ist erst dein erster Entwurf. Einige Autoren benötigen drei, vier, fünf oder sogar sechs Entwürfe, bevor sie mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Mache Änderungen, wo immer du sie als nötig erachtest; füge hier einige Details hinzu, dort etwas Dialog und verschiebe vielleicht sogar ein paar Teile. Arbeite, bis es bei dir Klick macht und du dich zufrieden zurücklehnen kannst.

Methode 3 von 3: Der gelungene finale Entwurf

  1. Finde einen Testleser, etwa einen Freund oder Familienmitglied. Lasse sie deine Geschichte lesen. Am besten ist es, wenn die Geschichte absolut neu für sie ist, so dass sie unbefangen an die Geschichte herangehen und sich eine objektive Meinung bilden können.
    • Scheue nicht davor, nach Kritik zu fragen. Wenn sie dem Ablauf deiner Geschichte nicht folgen können, sollen sie dies auch sagen! Wenn etwas unklar bleibt, so muss es überarbeitet werden.
  2. Kontrolliere Ablauf und Klarheit. Mache eine Pause und entferne dich für einige Zeit von deiner Geschichte, gönne deinen Augen etwas Ruhe. Später kannst du frisch darauf zurückkommen und findest mit etwas Abstand vielleicht weitere Elemente, die überarbeitet oder erweitert werden können.
    • Lese deine Geschichte erneut und überlege dir, welche Details überflüssig sind und vielleicht ganz entfernt werden sollten. Das Tempo der Geschichte muss detailreich bleiben, aber nicht im Schneckentempo voran kriechen. Achte darauf, dass die Hauptgeschehnisse lebhaft geschildert sind, die Überleitungen aber kurz und präzise bleiben.
  3. Kontrolliere Zeichensetzung, Grammatik und Rechtschreibung. Manchmal sind die leichtesten Fehler jene, die am schwersten zu finden sind. Wenn du einen Freund oder ein Familienmitglied ist, das gut darin ist, solche Fehler zu finden, bitte sie um Hilfe.
    • Verlasse dich nicht auf Korrekturprogramme. Sprachen beinhalten Mehrdeutigkeiten und kein Programm kann diese erkennen. Außerdem erkennen sie keine falschen oder überflüssigen Wörter und Sätze, also nutze deine eigenen Augen, um diese auszumachen.

Tipps

  • Achte darauf, dass deine Lesen verstehen, was du sagen möchtest. Nutze Wörter und Bedeutungen, die dem Alter deiner Zielgruppe angemessen ist.

Warnungen

  • Vergiss nicht, dass eine persönliche Erzählungen keine Fiktion ist.
  • Wähle keine unrealistischen Vergleiche und Metaphern. Eine gute Metapher definiert sich nicht darüber, wie spektakulär sie ist.
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