Vertrauen wieder aufbauen

Vielleicht hat dich dein Ehemann betrogen, dein bester Freund ist dir in den Rücken gefallen oder dein Arbeitskollege hat das Lob für deine Idee eingeheimst. Vielleicht hast aber auch du deinen Partner angelogen, deinem Freund seine Freundin ausgespannt oder einem Mitarbeiter oder Mitschüler nicht bei einem wichtigen Projekt geholfen. Vertrauen zwischen zwei Menschen bedeutet, dass man sich jemanden gegenüber verletzlich machen kann. Vertrauen zu erhalten ist sehr wichtig in jeder befriedigenden, zwischenmenschlichen Beziehung. Vertrauen zu verlieren ist keine Einbahnstraße und das gleiche gilt für das Wiederaufbauen von Vertrauen. Beide Parteien müssen es wollen. In diesem Artikel findest du Tipps dazu, was beide Seiten tun müssen, um Vertrauen wiederherzustellen.

Teil 1 von 4: Verantwortung für deine Taten übernehmen

  1. Gestehe deinen Fehler ein. Wenn du jemand anderes betrogen hast, musst du dafür geradestehen. In zwischenmenschlichen Beziehungen ist es gerade dann wichtig, die Wahrheit zu sagen, wenn man von einer Lüge profitieren würde. Wenn du jemanden hintergangen hast und es zugibst, obwohl du dadurch Probleme bekommen könntest, zeigt das der anderen Person, dass ihr Wohlbefinden für dich wichtiger ist als dein eigenes. Wenn du deine Taten leugnest, gerade wenn die Wahrheit bereits ans Licht gekommen ist, wird der Vertrauensverlust nur noch tiefer gehen.
    • Gestehe all deine Fehler ein. Selbst wenn du Teile davon verbergen könntest, ohne erwischt zu werden. Du solltest der anderen Person alles offenbaren. Nur wenn du all deine Fehler zugibst, können dir auch alle vergeben werden.
  2. Erwarte eine emotionale Reaktion der anderen Person. Deinen Verrat zuzugeben wird nicht alles sofort einfacher machen. Ganz im Gegenteil, du kann von einem emotionalen Ausbruch der anderen Person ausgehen – sie kann schreien, weinen usw. - wenn sie von deinem Verrat hört. Aber denke daran, die beste Möglichkeit, all das hinter dich zu bringen, ist, alle Karten offen auf den Tisch zu legen.
  3. Entschuldige dich. Das sollte selbstverständlich sein, wird aber leider oft übersehen. Wie du deine Entschuldigung angehst, hat einen Einfluss darauf, ob sie akzeptiert wird und ihr beide darüber hinwegkommen könnt.
    • Wenn du dich entschuldigst, versuche deine Taten dabei nicht zu rechtfertigen. Versuche es nicht so darzustellen als hätte die betroffene Person dich missverstanden („du hast da etwas hineingelesen“). Leugne nicht ihren Schmerz („das hat dir doch gar nichts ausgemacht“). Erzähle kein trauriges Märchen („Ich hatte eine schwierige Kindheit“).
    • Die beste Art, um Verantwortung zu übernehmen, ist den Schmerz der anderen Person anzuerkennen und zu sagen, was man stattdessen hätte tun sollen und in Zukunft tun wird.
    • Lass die betrogene Person wissen, warum du dich entschuldigst. Wenn die Person erkennt, dass du dich aus Reue und Scham entschuldigst, wird sie dir viel eher vergeben. Wenn sie denkt, dass du dich aus Mitleid entschuldigst, wird sie dir eher nicht vergeben wollen. Mitleid, anders als Reue oder Scham, zeigt dem Betroffenen kein Element persönlicher Verantwortung. Mitleid impliziert zudem, dass der Täter sich dem Betroffenen gegenüber überlegen fühlt.
  4. Vergib dir selbst. Wenn du das Vertrauen einer Person missbraucht hast, dann wirst du es vielleicht schwer finden, dir selbst dafür zu vergeben. Aber auch wenn ein reumütiges Herz ein unverzichtbarer Teil der Wiedergutmachung ist, musst du deinen Fehler akzeptieren und dir selbst vergeben lernen, während du versuchst, es wiedergutzumachen.
    • Denke daran, niemand ist perfekt. Egal ob dein Urteilsfehler klein oder groß war, es zeigt nur, dass du menschlich bist. Akzeptiere deinen Fehler und versuche nach vorne zu sehen.
    • Indem du dich zu sehr an die Fehler der Vergangenheit klammerst, riskierst du, dich selbst schlecht zu machen. Wenn du erst einmal solche Gedanken hast, kann das deine Motivation zur Selbstverbesserung zerstören.

Teil 2 von 4: Mit dem Vertrauensbruch leben

  1. Mache dein Leben für die andere Person transparent. Keiner gibt gerne die Kontrolle über seine persönlichen Informationen auf, aber für eine kleine Weile musst du vielleicht genau das tun, um das Vertrauen zu der Person wieder aufzubauen. Indem du dein Leben transparent machst, kann die andere Person mit eigenen Augen erkennen, dass du nicht vorhast, sie noch einmal zu betrügen.
    • Das ist besonders wichtig, wenn eine romantische Beziehung durch Untreue zerbrochen ist. Gib deinem Partner/deiner Partnerin für einige Wochen oder Monate nach dem Betrug unbeschränkten Zugang zu deinen Textnachrichten, deiner Anrufliste, deinen Emails und deinem Terminkalender. Lasse ihn oder sie so oft es geht wissen, wo du dich aufhältst und mit wem du zusammen bist.
  2. Erlaube der anderen Person, sich Luft zu machen. Negative Gefühle sind nach einem Betrug ganz normal. Wenn eine Person sich hintergangen fühlt, muss sie ihren Gefühlen und Gedanken Luft machen, um heilen zu können. Das kann für dich unangenehm sein, ist aber für den Heilungsprozess der anderen Person unabdingbar.
    • Die Person dazu zu bringen, „den Mund zu halten“, wenn sie gerade ihre Wut ausdrückt, ist eines der schlimmsten Dinge, die du in dieser Situation tun kannst. Das zeigt nur, dass du die Gefühle der Person nicht ernst nimmst.
    • Lasse zu, dass die Person sich in ihrer eigenen Geschwindigkeit Luft macht. Ein jeder von uns hat seine eigene Art und sein eigenes Tempo. Die andere Person zu drängen, zeigt einen Mangel an Rücksicht.
  3. Halte in Zukunft dein Wort. Taten sprechen lauter als Worte. Wenn du das Vertrauen wieder aufbauen willst, musst du über einen langen Zeitraum hinweg vertrauenswürdig und verlässlich sein. Du solltest zwar versprechen, dich zu ändern, aber ein Versprechen oder eine Entschuldigung kann Vertrauen nur kurzfristig wiederherstellen. Wenn du in Zukunft nicht ehrlich sein kannst oder nicht all deine Versprechen halten kannst, wird die Person nicht akzeptieren können, dass du dich geändert hast und ihres Vertrauens wieder würdig bist.
    • Du solltest um jeden Preis verhindern, denselben Fehler noch einmal zu begehen.
  4. Bleibe geduldig. Verstehe, dass das Wiederaufbauen von Vertrauen Zeit benötigt. Sei mit der anderen Person geduldig und ausdauernd in deinen Anstrengungen.
    • Je nach Schwere deines Verrats, kann das Wiederaufbauen des Vertrauens Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern.
    • Dränge die andere Person nie dazu, dir mehr Vertrauen zu schenken.
    • Verstehe, dass die Dinge nach deinem Verrat vielleicht nie wieder die gleichen sein werden. Wenn du dich aber als eine vertrauensvolle Person beweist, kann zumindest ein Teil des Vertrauens wiederhergestellt werden.

Teil 3 von 4: Jemand anderem wieder vertrauen lernen

  1. Beurteile die Situation. Bevor du das Vertrauen in jemanden wieder aufbauen kannst, der dich hintergangen hat, musst du dir erst selbst darüber klarwerden, ob die Beziehung zu dieser Person es wert ist, gerettet zu werden. Frage dich selbst:
    • Hat mich diese Person das erste Mal hintergangen?
    • Kann ich der Person jemals wieder vollkommen vertrauen, angenommen, sie verhält sich von nun an perfekt?
    • Kann ich der Person vergeben?
    • Ist die Beziehung zu der Person wichtig genug, um für sie zu kämpfen?
    • War das ein einmaliger Fehler oder besteht ein Verhaltensmuster?
  2. Beziehe die Reaktion der Person auf die Situation mit ein. Scheint es ihr ehrlich leid zu tun, dass sie dich verletzt hat, oder tut es ihr nur leid, dass du sie erwischt hast? Ist sie bereit, dir zuzuhören und sich zu bessern? Ist sie bereit dazu, die Schuld zu übernehmen?
    • Wenn es der Person nicht wirklich leid zu tut scheint, dass sie dich verletzt hat, oder sie nicht bereit dazu ist, die Dinge zu verbessern, dann ist diese Beziehung wahrscheinlich deine Zeit nicht wert.
  3. Achte besonders auf wiederholt auftretende Täuschungen. Bewerte die Situation mit der Zeit immer wieder neu. Nach einigen Wochen oder Monaten solltest du Zeichen für Vertrauenswürdigkeit an der Person erkennen, die dich hintergangen hat. Herauszufinden, ob jemand lügt, ist kompliziert, aber die folgenden Hinweise können eine Täuschung signalisieren:
    • Menschen, die lügen, brauchen länger für eine Antwort und sagen dabei weniger.
    • Ein Lügner erzählt weit hergeholte Geschichten und geht dabei weniger ins Detail. Sie sind weniger direkt, verwenden öfter Pausen und seltener Gesten.
    • Ein Lügner korrigiert sich seltener, als jemand, der eine wahre Geschichte erzählt.
    • Menschen, die lügen, sind angespannter. Dadurch klingt ihre Stimme höher und sie wirken oft unruhig.
  4. Drücke deine Gefühle aus. Lass die Person wissen, wie sehr du dich durch ihre Handlung verletzt fühlst. Wichtiger noch, erzähle der Person, was genau dich an ihrem Verhalten verletzt hat. Erkläre ihr, was passieren muss, damit du ihr wieder vertrauen kannst.

Teil 4 von 4: Über den Vertrauensbruch hinwegkommen

  1. Versuche deine Wut loszulassen. Sobald du deinem Zorn Luft gemacht hast, lasse ihn los. Sobald ihr den Vertrauensbruch besprochen habt, musst du ihn als vergangen ansehen. Auch wenn du dich jetzt noch traurig oder wütend fühlst, das wird nicht ewig so sein. Erwähne den Vorfall nicht in zukünftigen Gesprächen, gerade dann nicht, wenn die Person alles getan hat, um ihr Fehlverhalten wiedergutzumachen.
    • Wenn du feststellst, dass du die negativen Gefühle nicht loslassen kannst, dann solltest du darüber nachdenken, warum es dir so schwerfällt. Ist es deswegen, weil dein Partner sich immer noch auf eine Art und Weise verhält, die dein Vertrauen verletzt? Oder kann es sein, dass der Vorfall einen Zusammenhang mit einem persönlichen Aspekt in deiner eigenen Vergangenheit hat?
  2. Passe deine Erwartungen an. Selbst wenn dir jemand niemals wehtun wollte, niemand kann dir zu jedem Zeitpunkt genau das geben, was du haben willst. Sobald du verstanden hast, dass du keine Perfektion erwarten kannst, kannst du besser verstehen, wie viel Vertrauen du in eine andere Person haben kannst.
    • Das Ziel ist es, realistisch zu sein, nicht sich herumschubsen zu lassen. Du musst akzeptieren, dass jeder einmal einen Ausrutscher haben kann. Lass aber niemanden damit durchkommen, dich bewusst oder aus bewusster Nachlässigkeit zu verletzen.
  3. Schenke und empfange Liebe. Du musst dazu bereit sein, der betreffenden Person Liebe zu geben und von ihr zu empfangen. Wenn die Person ihre Zuneigung für dich ausdrücken will, akzeptiere das auch als einen aufrechten Akt von Zuneigung. Versuche eine Handlung zu akzeptieren, die aufrecht scheint.
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