Eine Rückenmassage geben

Für eine fortgeschrittene therapeutische Rückenmassage ist eine langwierige professionelle Ausbildung nötig, aber du kannst trotzdem jemandem auch ohne Ausbildung eine entspannende Massage verpassen, die das Bindegewebe anregt. Wenn du einige der grundlegenden Massagetechniken und ihre Anwendung lernst, kannst du beginnen, Massagen von guter Qualität zuhause zu geben. Eine der wichtigsten Anmerkungen hierzu ist, dass du bei allen Techniken nur leichten Druck ausüben solltest, wenn du keine professionelle Ausbildung hast.

Teil 1 von 2: Alles für eine Rückenmassage vorbereiten

  1. Suche einen bequemen Ort aus. Ein Massagetisch erlaubt dir den besten Zugang zum Rücken einer anderen Person und er ist auch so gebaut, dass er bequem ist – es gibt sogar eine Kopfstütze für die optimale Wirbelsäulenausrichtung. Wenn du aber keinen zur Verfügung hast, dann gibt es ein paar Alternativen.
    • Wenn du keinen Zugang zu einem Massagetisch hast, dann kannst du probieren, den Boden, ein Sofa, ein Bett oder sogar einen Küchentisch zu verwenden, wenn letzterer robust genug ist, damit eine Person darauf liegen kann. Jede dieser Optionen hat Nachteile, die sie weniger ideal als einen Massagetisch machen: die meisten davon haben mit Bequemlichkeit zu tun – entweder für den Massierten oder für den Masseur, weil letzterer sich aufgrund einer unpassenden Höhe auf unbequeme Weise nach vorne lehnen muss.
    • Wenn ein Bett die beste verfügbare Option ist, dann achte darauf, dass der Vorschlag nicht als unpassend wahrgenommen wird. Überlege dir, in was für einer Beziehung du zu dieser Person stehst und besprich mit ihr im Voraus, dass die Massage in einem Bett stattfinden wird.
  2. Lege eine weiche Matte auf die Oberfläche. Wenn du keine Massageliege zur Verfügung hast und eine Alternative mit einer härteren Oberfläche nimmst, dann solltest du eine weiche Matte darauf legen. Nimm eine Matte, die mindestens 5 Zentimeter dick ist, damit die massierte Person auch bequem liegt.
  3. Lege ein Leintuch über den Tisch oder die Matte. Da die Person sich für ihre Massage halb oder ganz ausziehen wird, ist ein sauberes Leintuch über der Matte oder dem Tisch sowohl hygienischer, als auch bequemer für die Person. Außerdem saugt es überschüssiges Öl auf.
  4. Bereite das Zimmer vor. Stelle sicher, dass es warm, aber nicht zu heiß ist. Das ist die ideale Atmosphäre, damit die massierten Muskeln sich lockern können.
    • Spiele entspannende Musik. New Age, Ambient-Musik, ruhige klassische Musik oder auch Klanglandschaften sind hilfreich, damit die Person sich optimal entspannen kann. Schnelle, aufpeitschende Musik ist nicht hilfreich. Spiele die Musik auf niedriger Lautstärke.
    • Drehe die Lichter gerade so weit herunter, so dass es nicht zu grell im Raum ist.
    • Zünde Aromatherapiekerzen an. Das ist optional und du solltest die Person fragen, bevor du die Kerzen anzündest – manche Leute mögen den Duft gern, während andere zu sensibel darauf reagieren.
  5. Bitte die Person, sich auszuziehen, soweit sie sich wohlfühlt. Eine Massage funktioniert am besten, wenn der massierte Bereich nicht von Kleidung bedeckt ist. Das gilt besonders, wenn du ein Öl oder eine Lotion verwendest.
    • Du solltest immer ein zusätzliches Hand- oder Leintuch zur Verfügung stellen, abgesehen von dem, das den Tisch bedeckt. Auf die Weise kann die massierte Person sich hinlegen und die Körperteile, die nicht massiert werden, mit dem Tuch bedecken. Dadurch wird die Atmosphäre angenehmer und wärmer, was wiederum entspannend wirkt.
    • Wenn die Privatsphäre geschützt werden soll, dann gehe aus dem Zimmer, während die Person sich auszieht und sich mit dem zusätzlichen Hand-/Leintuch bedeckt. Klopfe an und stelle sicher, dass die Person bereit ist, bevor du den Raum wieder betrittst.
    • Wenn die Person ihre Hose oder Unterhose angelassen hat, dann könntest du den Rand vom Hand- oder Leintuch in den Hosenbund stecken, um sicherzugehen, dass das Massageöl den Stoff nicht befleckt.
  6. Bitte die Person, sich mit dem Gesicht nach unten hinzulegen. Wenn du einen richtigen Massagetisch hast, dann bedeutet das, dass das Gesicht der Person auf der Kopfstütze liegen wird.
    • Wenn es für die Person bequem ist, kannst du auch ein Kissen oder gefaltetes Handtuch unter ihre Fußgelenke legen. Dadurch wird der untere Rücken gestützt.
  7. Lege den Rücken der Person frei. Wenn die Person sich in ein Handtuch gewickelt oder das Leintuch ganz hochgezogen hat, dann falte den Stoff nach unten, um den Rücken der Person freizulegen.

Teil 2 von 2: Eine Rückenmassage geben

  1. Sage der Person, dass du jetzt beginnst. Bitte sie auch, es dir zu sagen, wenn etwas, das du machst, schmerzhaft oder unangenehm ist. Die Person muss dir vertrauen, damit sie sich entspannen kann. Das ist nicht der richtige Zeitpunkt für Scherze oder Anzüglichkeiten.
    • Erinnere die Person immer wieder einmal daran, einen langsamen, tiefen Atemzug zu machen. Das hilft bei der Entspannung.
  2. Gieße ein Massageöl auf deine Handfläche. Beginne mit etwa einem Teelöffel, was ungefähr der Größe einer Euro-Münze entspricht. Wärme das Öl auf, indem du es zwischen deinen Händen reibst, bevor du es auf die andere Person aufträgst.
    • Gute Öle, die du verwenden kannst, sind zum Beispiel biologisches Kokosöl, Traubenkernöl, Jojobaöl oder Mandelöl. Es gibt auch viele teure spezielle Massage- und Duftöle auf dem Markt, die du ausprobieren kannst.
  3. Verteile das Öl. Die Haupttechnik, um das erwärmte Öl auf dem Rücken der anderen Person zu verteilen heißt “Effleurage”, was “leichte Reibung” bedeutet. Mache gleitende Bewegungen mit langen, gleichmäßigen Strichen.
    • Setze deine gesamten Hände ein und beginne unten am Rücken der Person. Arbeite dich dann hinauf. Streiche immer aufwärts in Richtung Herz (die Richtung des Blutflusses), wenn du Druck ausübst und lege deine Hände dann leicht auf die Außenseite des Rückens. Halte Kontakt, ohne Druck auszuüben, wenn du deine Hände wieder nach unten bewegst.
    • Wiederhole diese Technik 3-5 Minuten lang, während du dich langsam von einem leichten zu einem mittleren Druck steigerst, um die Rückenmuskulatur aufzuwärmen.
    • Vergiss auch nicht die Schultern und die Nackenpartie.
  4. Wende Petrissage-Techniken an. Petrissage wendet kürzere, kreisförmigere Striche mit mehr Druck an als Effleurage. Du kannst sie dir als eine Knettechnik denken, die Rollen und Drücken anwendet, um eine bessere Durchblutung zu erlangen.
    • Diese Technik kann die Handfläche, die Fingerspitzen oder sogar die Handknöchel verwenden, um kurze, kreisförmige Bewegungen auszuführen.
    • Die Bewegung sollte aus der Hüfte kommen -- dein Kernbereich -- und nicht aus den Schultern. Dadurch ermüdest du nicht so schnell.
    • Bearbeite den gesamten Rücken 2-5 Minuten lang. Du kannst auch zwischen dieser und leichteren Effleurage-Techniken abwechseln, um deine Techniken zu variieren.
    • Wenn du kein professionelles Training hast, solltest du nur leichten bis mittleren Druck ausüben, wenn du die Petrissage-Bewegungen ausführst.
  5. Wende trommelnde Massagebewegungen an. Die Trommeltechnik (die auch als Tapotement bekannt ist) wendet eine Serie von kurzen, wiederholten Kontakten mit Teilen der Hand an. Du kannst dafür deine hohlen Hände verwenden, wobei deine Fingerspitzen alle in einem Punkt zusammenlaufen sollten, oder auch die Fläche deiner gestreckten Finger auf der Knöchelseite der Hände. Diese Bewegungen wirken anregend auf das Bindegewebe und ziehen es zusammen.
    • Halte deine Handgelenke locker und gebeugt. Wende bei der Tapotement-Technik schnelle Bewegungen an. Dadurch stellst du sicher, dass du nicht zu viel Druck ausübst.
    • Wende die Techniken jeweils 2-3 Minuten lang über den gesamten Rücken der Person an.
  6. Setze muskelkräftigende Techniken ein. Um das zu tun, schließt du deine Finger und streckst deinen Daumen ab (wie eine Hummerzange). Übe Druck aus, indem du deine Finger drehst und hebst. Wechsle deine Hände immer in einer “Scheibenwischer-Bewegung” ab.
    • Bewege dich 2-3 mal den Rücken hinauf und hinunter.
  7. Setze eine Fächertechnik ein. Stelle dich an den Kopf des Tisches. Lege deine Daumen auf die Oberseite des Rückens, direkt unter dem Hals und auf beiden Seiten der Wirbelsäule. Mache jetzt eine “Fächer”-Bewegung mit ausgestreckten Daumen und drücke langsam in Richtung des unteren Rückens hinunter, wobei dein Druck auf die Füße der Person gerichtet sein sollte und nicht auf den Boden. Alterniere den Druck von Daumen zu Daumen und bewege dich von der Oberseite des Rückens bis zu den Hüften der Person hinunter.
    • Achte darauf, dass du die Muskeln seitlich der Wirbelsäule massierst und nicht die Wirbelsäule selbst. Es kann unangenehm und gefährlich sein, die Wirbelsäule selbst zu massieren, wenn du keine ordentliche Ausbildung hast.
  8. Wende eine gewundene Technik an. Stelle dich wieder seitlich von der Person. Greife mit einer Hand um die dir abgewandte Hüfte, während die andere Hand auf der dir zugewandten Hüfte liegt. Ziehe jetzt eine Hand in einer flüssigen Bewegung auf dich zu, während du die andere Hand von dir wegführst. In der Mitte sollten die Hände aufeinandertreffen, wobei sie sich in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Wiederhole diesen Strich und bewege dich dabei den Rücken hinauf, bis du die Schulterpartie erreichst, dann gehe wieder nach unten. Wiederhole das dreimal.

Tipps

  • Rate der Person, langsam aufzustehen. Nach einer Massage vergisst man leicht, wie entspannt man ist und es kann leicht passieren, dass man taumelt oder sogar hinfällt.
  • Jeder Mensch hat eine andere Drucktoleranz. Bitte unbedingt um eine Rückmeldung, wenn du tiefergehende Striche ausführst. Ein sicheres Zeichen, dass du vielleicht zu tief gehst, ist, wenn der Muskel sich unter dem Druck zusammenzieht. Wenn der Kunde bestätigt, dass es nicht schmerzhaft ist, dann ermuntere ihn, sich zu entspannen, damit der Muskel nicht verletzt wird. Zwinge dem Körper niemals einen Druck auf.
  • Wende weichere Drucktechniken an, wenn du dich auf den Kopf zubewegst und mehr Druck, wenn du in Richtung Hüfte gehst.
  • Probiere, immer eine Hand auf der Person zu halten, um in der Massage ein Gefühl von Kontinuität und Fluss zu erzeugen. Probiere, deine Hände in flüssigen Strichen zu bewegen, ohne ständig aufzuhören und neu anzusetzen.
  • Wende nur leichten bis mittleren Druck an, wenn du noch nie einen Massagekurs besucht hast. Wenn dir diese Aktivität gefällt und du es ernsthaft angehen möchtest, dann siehe dich nach zugelassenen Massageschulen in deiner Gegend um. Selbst wenn du nicht gleich ein vollqualifizierter Masseur werden willst, gibt es viele Wochenendkurse, die dir beibringen, wie du die Grundlagen sicher anwenden kannst.
  • Wenn du fertig bist, kannst du ein Handtuch über den Rücken und die Arme der Person legen und leicht reiben, um das überschüssige Öl zu entfernen. Ansonsten könnte es die Kleidung der Person beflecken, wenn sie sich anzieht.
  • Wenn die Massage zeitlich begrenzt ist, dann solltest du eine Uhr zur Hand haben, um in der Zeit zu bleiben.
  • Lotion funktioniert genauso gut wie Massageöl.

Warnungen

  • Vermeide es, Druck auf die Wirbelsäule auszuüben.
  • Sei immer sanft, wenn du Druck auf den unteren Rücken ausübst. Denke daran, dass es dort keine Rippen gibt, die die inneren Organe vor dem Druck deiner Hände schützen.
  • Vermeide Bereiche, an denen die Haut verletzt ist, sowie Blasen und mögliche Infektionsbereiche.
  • Wende am Hals und Kopf nur leichten Druck an. Nur ein ausgebildeter Masseur sollte dort tieferen Druck anwenden, weil dort die Arterien sitzen. Außerdem gibt es bestimmte Kontraindikationen bei bestimmten Krankheiten.
  • Es gibt Fälle, in denen eine Massage eine Krankheit schlimmer machen kann. Eine Person mit einer der folgenden Krankheiten/ gesundheitlichen Problemen sollte sich mit ihrem Arzt beraten, bevor sie sich massieren lässt:
    • Tiefe Venenthrombose (ein Blutstau in einer tiefen Vene, normalerweise in den Beinen)
    • Wirbelsäulenverletzungen oder -schäden, wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall
    • Eine Bluterkrankheit oder die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten wie Warfarin
    • Geschädigte Blutgefäße
    • Schwache Knochen durch Osteoporose, einen kürzlichen Bruch oder Krebs
    • Fieber
    • Folgendes in dem zu massierenden Bereich: offene oder heilende Wunde, Tumor, Nervenschäden, eine Infektion oder akute Entzündung, Entzündung durch Krebsbestrahlung
    • Schwangerschaft
    • Krebs
    • Dünne Haut durch Diabetes oder eine heilende Narbe
    • Herzerkrankungen

Was du brauchst

  • Einen Massagetisch, eine Matratze oder Matte
  • Ein Leintuch
  • Massageöl oder Babyöl
  • 3 Handtücher
  • Ein Kissen
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