Von zuhause weglaufen

Wolltest du jemals von zu Hause weglaufen? Es gibt eine Menge Gründe, warum junge Leute von zu Hause weglaufen wollen – einige der Gründe sind gut und andere sind nicht so gut. Was junge Menschen aber unbedingt verstehen müssen, ist dass Weglaufen wesentlich härter und weit weniger glamourös ist, als sie vielleicht denken. Da sind kalte, schlaflose Nächte; da ist Gefahr und Hunger; da ist das allgemeine Gefühl verloren zu sein und nicht wirklich zu wissen, wo man hingehen soll. Unabhängig davon, kann es legitime Gründe dafür geben, weglaufen zu wollen. Lies diesen Artikel, der dir dabei helfen kann die Folgen abzuwägen und einen Wissens-Vorsprung zu haben, wenn du beschließt, dass dies die richtige Entscheidung für dich ist.

Teil 1 von 4: Die Vor- und Nachteile abwägen

  1. Halte kurz inne und wäge deine Optionen ab. Warum möchtest du weglaufen? Gibt es einen wirklich guten Grund zum Weglaufen oder bist du nur gelangweilt oder mit deiner Situation unzufrieden? Da ist ein entscheidender Unterschied zwischen weglaufen aus einem triftigen Grund (du bist in physischer Gefahr) und weglaufen aus einem schlechten Grund (du hattest gerade einen kleinen Streit mit deinen Eltern). Triff in der Hitze des Gefechts keine übereilte Entscheidung, du könntest es später bereuen.
  2. Denke an all die Menschen, die durch dein Weglaufen betroffen sein könnten. Wir Menschen sind eine gesellige Spezies. Wir binden uns aus Bedürfnis und reiner Notwendigkeit heraus, aber auch, weil wir Befriedigung aus der Nähe zu anderen ziehen. Denke an alle die Menschen, die von deiner Entscheidung ernsthaft betroffen sind. Du bist es ihnen schuldig. Du weißt es vielleicht nicht, aber sie denken ständig an dich.
    • Denke an deine Eltern. Auch wenn es nicht immer so aussehen mag, deine Eltern lieben dich von ganzem Herzen. Sie sehen sich selbst in dir, und sie möchten eine bessere Zukunft für dich als für sich selbst. Streitigkeiten und Auseinandersetzungen mit Eltern kommen vor; ihre Liebe für dich wird sich aber niemals ändern.
    • Denke an den Rest deiner Familie. Deine Brüder und Schwestern, Onkel und Tanten, Großmütter und Großväter – sie alle haben eine Beziehung zu dir, die tiefer geht als reine Freundschaft. Es ist gut möglich, dass deine Familie sich verletzt und für dein Weglaufen verantwortlich fühlen wird, selbst wenn sie nichts damit zu tun haben.
    • Denke an deine Freunde. Deine Freunde sind der Lebensnerv deines sozialen Umfelds. Sie lachen mit dir, sie heben deine Stimmung, wenn du niedergeschlagen bist, sie sehen dich manchmal sogar als einen Bruder oder eine Schwester an. Wegzulaufen bedeutet wahrscheinlich, dass du sie zurück lassen musst.
    • Denke an andere Vorbilder. Vielleicht ist es ein Lehrer; vielleicht ist es ein Freund deiner Mutter. Viele von uns haben Mentoren, die sich um uns kümmern. Sie wollen uns erfolgreich und sicher sehen. Deine Entscheidung wird zweifellos einen Einfluss auf sie haben.
  3. Beachte, dass in manchen Ländern Ausreißen illegal ist. Auch wenn in den meisten Ländern Minderjährige (jemand unter 18 Jahre) nicht für das Weglaufen bestraft werden, sehen andere es als illegal an. In manchen Staaten der USA (Georgia, Idaho,Nebraska, South Carolina, Texas, Utah, West Virginia, und Wyoming) z.B. wird es als Anmaßung betrachtet und ist für Kinder unter 18 Jahre verboten. Informiere dich also besser vorher im Internet über die Gesetzeslage, wenn du außerhalb von Deutschland lebst.
    • Wenn allerdings deine Eltern oder Schutzbefohlenen versucht haben dir Schaden zuzufügen, solltest du unbedingt von dort wegkommen und das ist auch absolut legal – du solltest es nur auf die richtige Art und Weise tun. Sprich mit einem Lehrer oder einem Erwachsenen, dem du vertraust, oder informiere die Polizei. Stelle sicher, dass du für ein oder zwei Nächte eine Übernachtungsmöglichkeit hast, damit du nicht irgendwohin musst, wo es gefährlich oder seltsam ist.
    • Du machst dir vielleicht Sorgen darüber, dass eine Pflegefamilie oder Pflegeeinrichtung noch schlimmer ist, als mit deinen Eltern zu leben, selbst wenn sie dich verletzen, aber es ist das Risiko wert. Du kannst vielleicht sogar bei einem anderen Familienmitglied oder der Familie eines Freundes bleiben, wenn du das vorher abklärst.
    • Wenn du in einem Staat der USA lebst, in dem das Weglaufen nicht illegal ist, kannst du trotzdem Probleme mit dem Gesetz bekommen. In über 30 Staaten der USA wird ein Kind, das regelmäßig wegläuft, als Kind betrachtet, das „überwacht werden sollte“ (CHINS = Child in Need of Supervision). Ein Vorgang, der Kindern dabei unterstützen soll ein besseres Leben zu führen. Kinder, die im CHINS-Programm sind, können mit Geldstrafen, Entzug von Privilegien und verbindlichen Drogentests belegt werden.
  4. Wenn du kannst, denke über deine Motivation nach. Es gibt viele Gründe, warum ein Kind weglaufen möchte. Sich mit dem Grund warum zu befassen, kann das Problem lösen, bevor es so schlimm wird, dass du dich gezwungen dazu fühlst wegzulaufen. Hier einige Statistiken:
    • 47% der entlaufenen Jugendlichen beschreiben erhebliche Probleme mit einem oder beiden Elternteilen. Gibt es einen anderen Erwachsenen, der dir vielleicht Ratschläge geben kann, wie du das Problem mit deinen Eltern lösen kannst? Wenn nicht, überlege dir, das Jugendamt anzurufen.
    • Mehr als 50% der entlaufenen Jugendlichen in Notunterkünften beschreiben, dass ihre Eltern sie aufgefordert haben zu gehen oder wussten, dass sie gehen würden, und es ihnen egal war. Wenn deine Eltern dich auffordern zu gehen oder sagen, dass es ihnen egal ist, wenn du gehst, dann gehe zum Jugendamt oder rufe dort an. Es ist kein Verrat an deinen Eltern, wenn du jemanden finden willst, der sich um dich kümmert. Du verdienst das.
    • 80% der weggelaufenen und obdachlosen Mädchen berichteten von körperlichen und sexuellen Missbrauch. Wenn du das Opfer von körperlichem oder sexuellem Missbrauch bist, dann finde einen Erwachsenen, dem du dich anvertrauen kannst (das können deine Eltern sein oder auch nicht) und suche die Polizei auf, um Anzeige zu erstatten.
  5. Schreibe eine Liste mit allen Vor- und Nachteilen des Weglaufens. Oftmals hat es einen beruhigenden Effekt seine Gedanken zu Papier zu bringen und dabei wird der Sachverhalt auch gleich klarer. Hier einige mögliche Vor- und Nachteile des Weglaufens.
    • Die Vorteile:
      • Mögliche Befreiung von Vernachlässigung, Missbrauch (verbal, körperlich oder sexuell) und/oder Schikane
      • Die Möglichkeit zu reisen, neue Orte zu sehen und neue Leute zu treffen
      • Mehr Freiheit und die Möglichkeit der Reife und des persönlichen Wachstums, egal wie schwer es wird
      • Entwicklung von Selbstvertrauen, ein Gefühl dafür in der Lage zu sein, Dinge selbst und für sich selbst zu tun
    • Die Nachteile:
      • Erhöhte Wahrscheinlichkeit die Nächte im Freien zu verbringen, auf der Straße, unter Brücken oder Überhängen oder sogar auf Dächern
      • Erhöhte Wahrscheinlichkeit von Depression, Isolation und Hilflosigkeit (32% der entlaufenen Jugendlichen haben irgendwann in ihrem Leben einen Selbstmordversuch unternommen)
      • Erhöhte Wahrscheinlichkeit von Gewalt, Drogen, Krankheiten und Prostitution auf der Straße
      • Das Gefühl zu haben, mit niemanden reden zu können, dass es niemanden kümmert oder dass die Dinge, die du machst, keinen Unterschied machen
  6. Gib deinen Emotionen eine Woche, um sich abzukühlen, bevor du irgendwelche großen Entscheidungen triffst. Oftmals lassen wir in Wirklichkeit unsere Emotionen Entscheidungen für uns treffen, wenn wir denken, wir handeln rational. Das kann eine gute Sache sein. Aber manchmal ist es auch schlecht, weil wir uns selbst davon überzeugen, wir würden rational handeln. Um deine Emotionen abkühlen zu lassen und dir wirklich Zeit zu geben, über mögliche lebensverändernde Entscheidungen nachzudenken, warte eine Woche, bevor du etwas unternimmst. Wende dich an Menschen, denen du vertraust und sprich vielleicht mit ihnen darüber. Nach einer Woche wird der rationale Teil deines Gehirn wahrscheinlich genug Zeit gehabt haben, um eine Entscheidung zu treffen.

Teil 2 von 4: Die Vorbereitungen

  1. Plane voraus. Denke darüber nach, was du machen wirst, wenn ein Teil deines Plans schiefläuft und lege dir für alles eine Ausrede zurecht. Hier sind einige Dinge, die du bedenken solltest:
    • Was wirst du machen, wenn du krank wirst?
    • Was wirst du machen, wenn du geschnappt wirst?
    • Was wirst du essen?
    • Wie willst du gute Körperhygiene beibehalten?
    • Wie wirst du von der Straße und außer Gefahr bleiben?
  2. Versuche einen sicheren Unterschlupf bei jemanden zu finden, dem du vertrauen kannst. Wenn du jemanden hast, der dir dabei hilft wegzulaufen und bei dem du zumindest für eine kleine Weile bleiben kannst, bist du so gut gerüstet. Wenn das allerdings keine Möglichkeit ist, wo wirst du Zuflucht finden?
  3. Packe eine Tasche mit ein paar lebenswichtigen Dingen. Reise mit leichtem Gepäck; packe nur das aller Nötigste ein. Jetzt ist nicht die richtige Zeit, um einen Rekord für getragene Kilos aufzustellen. Packe Lebensmittel, Geld, extra Kleidung zum Wechseln, eine Jacke oder Mantel, für den Fall das es kalt wird, Kleidung mit Taschen, eine Zahnbürste, Zahnpasta, Seife, Shampoo und alles andere, was du benötigen wirst. Wenn du nicht willst, dass es auffällt, packe nur Kleidung, die du nicht so häufig trägst. Einige andere Dinge, die dir bei deiner Aufgabe helfen können:
    • Allzweckmesser
    • Landkarten
    • Regenschirm
    • Kombinationsschloss
    • Decke
  4. Versuche etwas von deinem Taschengeld mitzunehmen, aber nicht so viel, dass es auffällt. Vielleicht 10 € für den Bus oder andere Transportmittel und 50 € für Notfälle. Wenn du planst, das Geld zu klauen, dann finde eine Möglichkeit, wie du es schnell bekommst, ohne von deinen Eltern erwischt zu werden.
    • Wenn du eine Kreditkarte besitzt, nimm diese auf jeden Fall mit. Diese kann dir nicht so leicht geklaut werden und du kannst sie zu jeder Zeit sperren lassen. Sei allerdings auch darauf vorbereitet, dass deine Eltern sie sperren lassen, wenn sie herausfinden, dass du weggelaufen bist. Verwende sie nicht als deine einzige Geldquelle. Das Verwenden deiner Kreditkarte kann auch dein Versteck verraten. Die Bank kann deine Kreditkarte zurückverfolgen und herausfinden, in welchen Geschäften und Läden du eingekauft hast. Das Gleiche gilt für Handys; damit kann dein Aufenthaltsort geortet werden. Du musst dir über diese Dinge bewusst sein und dich entsprechend verhalten.
  5. Warte auf eine günstige Gelegenheit zum Weglaufen. Stelle sicher, dass du genug Zeit hast wegzukommen, bevor jemand bemerkt, dass du weg bist. Versuche gleich morgens loszugehen, zu einer Zeit, zu der du eigentlich in der Schule sein solltest oder jeder gerade das Haus verlassen hat ist und nicht so schnell zurück kommt. Wenn du dich dazu entscheidest, zögere nicht. Das letzte was du möchtest, ist, dass jemand aus der Nachbarschaft dein Weggehen bemerkt.
  6. Finde eine Transportmöglichkeit. Du willst wahrscheinlich eine schnelle und einfache Fortbewegungsart wählen. Der Stadtbus ist deine beste Wahl oder ein Langstreckenbus, wenn du die Gemeinde/Stadt verlassen willst.

Teil 3 von 4: Langfristige Überlebens-Strategien

  1. Denk dir eine Geschichte aus. Dir muss klar sein, dass an irgendeinem Punkt deiner Reise jemand wissen werden will, wer du bist, wo du herkommst und was du an diesem Ort tust. Darüber solltest du ein wenig nachdenken. Denke dir etwas Vernünftiges und Realistisches aus, aber sage nicht, dass du weggelaufen bist.
    • Halte es einfach. Du willst die Geschichte überall und zu jeder Zeit gleich erzählen, denn in dieser Welt spricht sich alles schnell herum, also solltest du dich an eine Variante halten, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Vermeide Widersprüche, indem du dir die Details vorher zurechtlegst.
    • Wenn es dir wirklich ernst damit ist, für immer wegzulaufen, ändere deinen Namen. Hab Spaß damit, aber wähle nichts zu Verrücktes. Denke darüber nach, etwas Gewöhnliches wäre wahrscheinlich das Beste, weil es schwerer ist, sich daran zu erinnern und schließlich ist dein Hauptziel nicht aufzufallen.
  2. Lebe in der Nähe von Lebensmittel- oder Süßigkeiten-Läden. Diese Orte bieten in der Regel Kostproben an, die du naschen kannst. Stelle aber sicher, dass du einen Einkaufswagen dabei hast und versuche so auszusehen, als ob du aus einem Grund hier bist; hänge nicht herum. Du kannst auch die öffentliche Toilette nutzen, um dich zu waschen und dein Geschäft zu erledigen.
    • Es ist nicht glamourös, aber du kannst immer die Mülleimer hinter großen Lebensmittelläden durchsuchen. Du wirst wirklich erstaunt darüber sein, was Menschen wegschmeißen. Je öfter du „containern“ gehst, desto mehr wirst du dich an Lebensmittel gewöhnen, die das Verfallsdatum überschritten haben. Am Anfang fühlst du dich deswegen vielleicht unwohl, aber du solltest dich schnell daran gewöhnen.
  3. Suche Unterschlupf, wenn du keinen hast. Wenn du keinen Ort zum Bleiben hast, dann musst du anderswo Zuflucht suchen. Versuche einen einigermaßen sicheren Ort unter einer Brücke, in einer Nische, in einem verlassenen Gebäude oder vielleicht in einem öffentlichen Gebäude, das rund um die Uhr geöffnet ist, zu finden. Wenn das nicht funktioniert, versuche nach den nächsten Obdachlosenheim Ausschau zu halten und übprüfe die Verfügbarkeit von Schlafplätzen.
    • Wenn du nur einen Ort zum Bleiben brauchst, um etwas Zeit zu überbrücken, dann sind öffentliche Büchereien, Kirchen, Universitätsgebäude, Flughäfen und Bahnhöfe mögliche Optionen. Diese Orte sind sicher, weil dort in der Regel genug Leute um dich herum sind, die es dir einfach machen unbemerkt zu bleiben.
    • Wenn du in den Wintermonaten in der Innenstadt bist, kannst du versuchen ein Gebäude mit einem Aufzug zu finden. Versuche im Treppenhaus neben dem Aufzug bis ganz nach oben zu gehen. Dort findest du vielleicht einen netten und warmen Platz, an den nicht so viele Menschen gehen.
    • Halte dich von Wäldern oder der Wüste fern. Diese Orte sind in der Regel sehr ländlich und machen es für andere Leute einfacher, dich zu schikanieren. So romantisch es scheinen mag, es ist heutzutage wirklich schwer, in der Natur zu leben, besonders wenn du nichts über die Tier- und Pflanzenarten weißt. Versuche Orte mit anderen Menschen in der Nähe zu finden; die sind in der Regel sicherer.
  4. Du wirst wahrscheinlich irgendwann Geld benötigen, also lerne zu betteln. Betteln ist andere Menschen nach Geld zu fragen. Es liegt nicht viel Stolz darin und einige Menschen werden dich schlichtweg ignorieren, aber mit den richtigen Strategien, kannst du recht erfolgreich sein, vielleicht sogar so gut, dass du etwas Geld sparen kannst.
    • Wähle die richtige Lage. Finde einen belebten Ort, an dem viele Menschen unterwegs sind, wie z.B. vor einem Einkaufszentrum, einem Supermarkt oder einem Geschäfts. Viele werden Wechselgeld in der Tasche haben, also frage die Kunden nach Geld, nachdem sie aus dem Geschäft kommen, nicht vorher. Bitte alternativ an einer belebten Kreuzung Autofahrer um Geld. Stelle sicher, dass du links von den Autos stehst, dort wo die Fahrerseite ist.
    • Lächle und bitte die Leute freundlich und höflich um Kleingeld. Du wirst nicht viel Geld bekommen, wenn du fies, frustriert oder unglücklich aussiehst. Wenn dir jemand Geld gibt, danke ihm mit einem Lächeln und einer freundlichen Bemerkung.
  5. Verwende nicht den Trick mit dem ausländischen Akzent. Einige finden das Vortäuschen eines ausländischen Akzent verlockend, aber in der Regel ist es eine schlechte Idee. Ein ausländischer Akzent lenkt die Aufmerksamkeit auf dich. Leute wollen mehr über dich und deine Kultur wissen, wenn du eigentlich versuchen solltest, so wenig wie möglich aufzufallen. Außerdem ist es extrem schwierig einen Akzent vorzutäuschen; es spielt keine Rolle wie gut du denkst, dass dein ausländischer Akzent ist, sondern wie alle anderen das sehen.
  6. Pflege dich. Dieser Teil ist mit Abstand der härteste, insbesondere die Aufrechterhaltung einer gesunden Ernährung und einer guten Hygiene. Krankenhäuser sind dafür bekannt besonders saubere Toiletten zu haben und bieten eine gute Privatsphäre. Hier ein paar weitere Tipps, die du nutzen kannst, um eine gute Hygiene zu pflegen, auch wenn du gerade keine so gute Zeit hast:
    • Verwende Toiletten in großen Lebensmittelläden. Dort gibt es nicht viel Privatsphäre, aber auch wenig Laufkundschaft (Denke darüber nach: wie häufig verwendest du die Toilette in einem Lebensmittelladen?). Du wirst dort wahrscheinlich in der Lage sein, dir eine kleine Katzenwäsche zu gönnen und kannst etwas von der angebotenen kostenlosen Seife verwenden.
    • Verwende ein normales Gleitgel, um dich zu rasieren und deine Haare zu glätten. Es klingt verrückt, aber es funktioniert. Trage einen Klecks Gleitgel auf deine Haut auf und arbeite es mit ein wenig Wasser ein. Rasiere dich und achte darauf, den Rasierer sofort auszuwaschen. Wenn du dein Haar morgens glätten oder zähmen musst, wirkt ein wenig Gel Wunder, und es ist nachher unsichtbar.
    • Dusche in öffentlichen Schwimmbädern, sowie Hochschulen und Universitäten. Wenn du vorgibst ein Student zu sein, fragen Hochschulen häufig nicht nach deinem Ausweis. Das wird nicht immer funktionieren, aber es ist den Versuch wert, besonders wenn du einen Dauergast dazu bringen kannst zu glauben, dass du dort hingehörst.
  7. Entscheide was passiert, wenn dir das Essen ausgeht. Stelle einen Plan auf, und wenn dir wirklich die geeigneten Optionen ausgehen, dann überlege dir nach Hause zurück zu kehren. Oder wenn es dir wirklich ernst ist mit dem Weglaufen, dann fang ein komplett neues Leben an. Suche dir eine Arbeit, eine Unterkunft (egal wie schlecht, alles was du brauchst ist Schutz vor dem Wetter) und einige Freunde, in deiner neuen Stadt oder Gemeinde.
  8. Kontrolliere deine Verzweiflung produktiv. Wenn du ein wenig Pech hast und dir die Optionen ausgehen, kannst du dich schnell ein wenig verzweifelt fühlen. Versuche dieses Gefühl zu kontrollieren, anstatt dich dadurch zu übereilten Schritten hinreißen zu lassen. Sieh zu, dass du ein gutes Essen in deinen Magen bekommst, auch wenn das bedeutet, jeden Cent auszugeben, den du noch besitzt. Hole tief Luft, auch wenn es sich wie Zeitverschwendung anfühlt. Denke zurück an eine Zeit, als du dich leistungsfähig und einfallsreich gefühlt hast, bereit die Welt zu erobern. Kontrolliere deine Verzweiflung, indem du deine Einstellung kontrollierst. Es gibt kein Problem, das nicht mit ein wenig Phantasie und Mut in Angriff genommen werden kann.

Teil 4 von 4: Schutzmaßnahmen

  1. Vermeide Trampen. Wenn du dich entscheidest zu trampen, dann denke daran, dass es Fahrer gibt, die dir schlimme Dinge antun wollen. Sie könnten dich im Stich lassen oder sogar verletzen. Auf der anderen Seite, gibt es auch wirklich nette Leute, die dich gerne mitnehmen würden. Es geht nur darum, den Fahrer richtig einzuschätzen und die richtige Entscheidung zu treffen.
    • Versuche mit einer netten Frau, einer Familien mit mehreren Kindern oder einem Auto mit anderen Passagieren zu trampen. Sie werden dich wahrscheinlich fragen, wohin du reist oder was du machst, also hab eine nette kleine Lüge parat. Erzähle ihnen nicht, dass du weggelaufen bist und sprich so wenig wie möglich über dich.
    • Wenn dir eine dubiose oder unheimlich aussehende Person eine Fahrt anbietet, frage sie zuerst, wohin sie fährt. Wenn sie antwortet, erzähle ihr, dass du zu einem anderen, vorzugsweise weit entfernten, Ort willst. Wenn sie sagt, dass sie dich dort hinbringen kann, lehne höflich ab und beende das Gespräch danach. Warte bis sie weggefahren ist.
  2. Schütze dich. Wenn du in einer großen Stadt mit vielen Menschen bist, solltest du wissen, dass es wahrscheinlich Leute gibt, die eine Gefahr für dich darstellen könnten. Führe etwas mit dir, mit dem du dich verteidigen kannst, wie z.B. Pfefferspray. Sich der Gefahren bewusst zu sein und sie bewusst zu vermeiden, ist allerdings in der Regel besser, als sich ihnen zu stellen.
    • Entferne dich von Menschen, die eine Bedrohung für dich darstellen. Stehe aufrecht, groß und bleibe gelassen, aber lasse dich auf keinen Streit ein und reize die Person nicht. Versuche zu einem öffentlichen, gut beleuchteten Bereich zu gehen, wo viele Menschen sind. Die Menge schützt dich normalerweise.
  3. Lass dich nicht in die Prostitution ziehen. Lass dich von niemandem zu etwas zwingen, das dir unangenehm ist. Und solltest du jemals so verzweifelt sein, dass du dich dazu gezwungen fühlst, auf diesen Ausweg zurückzugreifen, solltest du unbedingt Hilfe suchen. Örtliche gemeinnützige Organisationen und Kirchen werden dir helfen, ohne viele Fragen zu stellen.
    • Prostitution ist oft ein Resultat beim Ausreißen. Eine Studie aus dem Jahre 1998 hat sogar festgestellt, dass 43% aller Ausreißer, egal ob Jungen oder Mädchen, dazu gezwungen waren Anschaffen zu gehen, nachdem sie ihr Zuhause verlassen hatten. Das ist fast die Hälfte.
    • Aufgrund dieser hohen Wahrscheinlichkeit und aufgrund der schlechten sanitären Bedingungen, haben Ausreißer eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit an HIV/AIDS zu erkranken. Sei also sehr vorsichtig.
  4. Vermeide Drogen und Alkohol. Obdachlose Jugendliche haben eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit alkohol- und/oder drogensüchtig zu werden. Das kann zu Krankheiten wie HIV/AIDS führen oder sogar zum Tod durch eine Überdosis. Und das nur als Zusatz zu den normalen Nebeneffekten von Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Sei vorsichtig und nimm keine Drogen, ganz egal wie schlecht du dich fühlst.
  5. Vermeide es, festgenommen zu werden. Obdachlose werden überproportional oft festgenommen, üblicherweise wegen Belästigung, Herumlungerns oder unbefugten Betretens. Du willst auf keinen Fall im Gefängnis landen, also achte darauf, wo du dich aufhältst und wie du aussiehst und dich benimmst.
  6. Sei auch mit anderen Obdachlosen vorsichtig. Manche Menschen sind obdachlos, weil sie eine schwere Zeit hatten und diese Menschen können wundervoll sein. Aber manch andere sind sehr verzweifelt und mental instabil. Gerade in Ländern, in denen die Gesundheitsversorgung für geistige Krankheiten notorisch unzureichend ist (wie z.B. in den USA), enden viele geistig kranke Menschen auf der Straße. Diese Menschen können gefährlich sein und dich ohne Grund angreifen. Halte zu anderen Obdachlosen Abstand, um dich selbst zu schützen.

Tipps

  • Trage eine Kappe oder etwas, das einigermaßen deinen Kopf/dein Gesicht bedeckt, wenn du mit dem Zug reist. Die Kameraaufnahmen des örtlichen Bahnhofs werden geprüft.
  • Vermeide Orte, an denen du gerne deine Zeit verbringst. Ein Restaurant oder die Spielhalle, in der du gerne bist, ist in Ort, den die Behörden überprüfen werden.
  • Du kannst öffentliche Waschräume in Einkaufszentren und Geschäften nutzen und du kannst deine Hygiene in öffentlichen Schwimmbädern oder Umkleideräumen von Fitnessstudios pflegen.
  • Versuche nicht etwas zu tragen, in dem man dich erkennen könnte. Wenn du zum Beispiel immer den Schal eines Fußballklubs trägst, dann trage ihn nicht!
  • Bleibe nicht an einem Ort, an dem deine Eltern und die Polizei zuerst suchen würden. Die Häuser deiner Freundin/deines Freundes, von Familienmitgliedern und engen Freunden sind die Orte, die zuerst überprüft werden.
  • Wenn du dich entscheidest dauerhaft wegzulaufen, dann solltest du vielleicht versuchen dich selbst zu verändern. Siehe es als einen "Neustart" an. Deinen Namen zu ändern ist ein guter Anfang. Eine neue Frisur und neues Make-up wird dich von deinem vorherigen Ich unterscheiden. Versuche es auch mit neuer Kleidung.
  • Wenn du gute Kenntnisse der Wildnis hast, dann kannst du es damit versuchen, ein Zelt einzupacken und in der Natur zu leben. Das ist jedoch keine gute dauerhafte Lösung.
  • Dies sollte ziemlich offensichtlich sein, aber vermeide Orte, an denen du von jemanden gesehen werden könntest, der dich kennt und dich der Polizei melden könnte. Darum solltest du versuchen, eine sichere Entfernung von zuhause einzuhalten.
  • Wenn du dich dazu entscheidest wegzulaufen, nimm etwas mit, das du machen kannst. Du könntest dich sonst langweilen.
  • Erzähle nicht deinen Freunden, dass du wegläufst. Sie könnten es deinen Eltern erzählen. Es sei denn, sie sind loyal und werden dir beim Weglaufen helfen.

Warnungen

  • Nimm nicht dein Handy (es sei denn du kannst die Nummer ändern und die Sim-Karte wechseln) oder Kreditkarten mit, da diese verwendet werden können um deinen Aufenthaltsort zu bestimmen. Wenn du jemanden anrufen musst, dann borge dir ein Handy oder nutze eine Telefonzelle. Wenn du etwas einkaufst, zahle immer bar.
  • Sei vorsichtig, wenn du dich bei einer anderen Person versteckst, weil dein Gastgeber dafür bestraft werden könnte, einen Ausreißer zu verstecken.
  • Sei darauf vorbereitet, dass dir Nahrung und Geld ausgeht, denn die Zeit wird kommen und du wirst vielleicht auf Lebensmittelproben, öffentliche Toiletten und Matratzen in Bettenläden zurückgreifen müssen, wenn das überhaupt möglich ist.
  • Die Familie zu verlassen, die dich liebt, ist der schwerste Teil, also stelle sicher (wenn du darauf bestehst wegzulaufen), dass du es aus den richtigen Gründen machst und nicht nur, weil du Aufmerksamkeit möchtest.
  • Nimm etwas mit, bei dem du gut bist, so dass du eine Arbeit finden kannst.
  • Laufe nicht weg, nur weil die Situation zu Hause gerade schlecht ist. Denke darüber nach, ob es eine Chance gibt, dass es mit der Zeit besser wird. Wenn ja, dann gibt es keinen Grund wegzulaufen. Wenn es diese Chance nicht gib, dann mach, was du für das beste hältst.
  • Denke vernünftig darüber nach. Durch das Weglaufen läufst du Gefahr geschnappt, ausgeraubt, vergewaltigt oder ermordet zu werden. Das ist etwas, was du für den Rest deines Lebens bereuen könntest.
  • Wenn du bestraft wurdest und denkst, das es unfair war, denke einfach darüber nach, was du getan hast und wie oft. Denke auch an die guten Zeiten, die du mit deiner Familie hattest. Du könntest ihnen vergeben und gar nicht erst weglaufen.
  • Von zuhause wegzulaufen verursacht mehr Kummer bei deinen Eltern und Geschwistern, als du dir jemals vorstellen kannst.
  • Denke ernsthaft darüber nach. Laufe nicht einfach aus Spaß weg.

Was du brauchst

  • Geld (50€ oder mehr)
  • Lebensmittel
  • Kleidung
  • Wasser
  • Taschenlampe (mit Ersatzbatterien)
  • Streichhölzer/Feuerzeug
  • Decke
  • Taschenmesser
  • Deodorant (nicht unbedingt, aber sinnvoll)
  • Zahnbürste/Zahnpasta
  • Toilettenpapier
  • Handy (am besten ein Prepaid, schalte das GPS aus)
  • Unterhaltung (ein Buch, Handheld-Konsole oder Laptop und einen Ort, wo du ihn aufladen kannst. Wenn du etwas Elektronisches mitnimmst, behalte es immer bei dir, damit es nicht gestohlen wird)
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