Nicht mehr passiv aggressiv sein

Der Begriff „passiv-aggressiv“ wurde das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet, um Soldaten zu beschreiben, die der Autorität gegenüber subtilen Widerstand zur Schau stellten. Menschen mit passiv-aggressivem Verhalten stellen sich indirekt gegen eine Autorität oder zeigen indirekt eine Abneigung gegen eine Person. Jemand, der passiv-aggressiv ist, versucht normalerweise, Konflikte zu vermeiden. Subversives passiv-aggressives Verhalten kann unbemerkt bleiben, da die zugrundeliegende Frustrationen mit oberflächlicher Höflichkeit maskiert wird. Schlussendlich kommt dein Ärger aber irgendwann an die Oberfläche, wenn die Ereignisse eine unberechenbare Stufe erreichen. Wenn du deine passiv-aggressiven Tendenzen verstehst und verbessern kannst, bist du in der Lage, positive Schritte in Richtung einer gesünderen, zufriedeneren Karriere und einem glücklicheres Sozialleben zu unternehmen.

Teil 1 von 4: Deine passive Aggression identifizieren

  1. Führe ein Verhaltens-Tagebuch. Ein Tagebuch ist ein nützliches Mittel, um dein eigenes Verhalten zu identifizieren, zu bewerten und zu korrigieren. Dein Tagebuch kann dir helfen, Auslöser für dein Verhalten zu identifizieren, und verhilft dir zu einem sicheren Ort, um ehrlich in Bezug auf deine eigenen Reaktionen zu sein und darüber, wie du gern in Zukunft anders reagieren würdest.
  2. Kenne die Stufen eines passiv-aggressiven Konflikts. Es gibt einen passiv-aggressiven Konflikt-Stil, der sich in einer Person mit passiv-aggressiven Tendenzen entwickeln kann.
    • Stufe eins des passiv-aggressiven Konflikt-Zyklus ist die Entwicklung passiv-aggressiver Verhaltensweisen. Im Lauf ihrer sozialen Entwicklung kommen betroffene Personen oft zu der Erkenntnis, dass der direkte Ausdruck von Ärger gefährlich ist und vermieden werden sollte . Die Person löst dann ihre Probleme mit Ärger und Wut, indem sie ihn mit passiv-aggressivem Verhalten maskiert.
    • Stufe zwei des passiv-aggressiven Konflikt-Zyklus ist eine stressige Situation, die irrationale Gedanken auf der Grundlage einer frühen Lebenserfahrungen auslöst.
      • Falls ein Lehrer zum Beispiel einen Schüler bittet, ein Arbeitsblatt auszuteilen, und dieser Schüler in seiner Vorgeschichte aber schon mehrmals darum gebeten wurde, Dinge zu tun, die aber nicht anerkannt wurden, könnte der Schüler diese gegenwärtige Situation mit seiner persönlichen Geschichte in Verbindung bringen. Anstatt sich nun dadurch geehrt zu fühlen, um Hilfe gebeten zu werden, fühlt sich der Schüler verärgert, weil die Anfrage eine zuvor erlernte Reaktion ausgelöst hat.
    • Stufe drei tritt auf, wenn die passiv-aggressive Person ihren Ärger leugnet, was zum Projizieren negativer Gefühle auf andere Personen und zum Aufbau von Feindseligkeiten gegenüber anderen führen kann.
    • Stufe vier des Zyklus ist, sich auf passiv-aggressives Verhalten einzulassen. Das schließt ein (ist aber nicht beschränkt auf): Leugnen von Gefühle von Ärger, Zurückziehen, Schmollen, Aufschieben, Aufgaben ineffizient oder inakzeptabel ausführen und versteckte Rache ausüben.
    • Stufe fünf dieses Zyklus ist die Reaktion anderer. Menschen reagieren normalerweise negativ auf passiv-aggressives Verhalten, und oft ist es das, worauf der Aggressor hofft. Diese Reaktion fungiert dann nur als Verstärkung für das Verhalten, und der Zyklus beginnt erneut.
  3. Identifiziere Vorfälle, bei denen du passiv-aggressiv gehandelt hast. Es könnte dich überwältigen, wenn du jedes Ereignis auflisten musst, wann du jemals passiv-aggressives Verhalten gezeigt hast. Identifiziere stattdessen drei oder vier Begebenheiten, in denen du erkannt hast, dass du passiv-aggressiv warst.
    • Ein Ort, an dem du vielleicht passiv-aggressiv gehandelt hast, könnte dein Arbeitsplatz sein. Es gibt vier spezifische Verhaltensweisen, die bei passiv-aggressiven Verhalten auf der Arbeit üblich sind: Vorübergehende Fügsamkeit, absichtliche Ineffizienz, ein Problem eskalieren zu lassen und versteckte, aber bewusste Rache.
    • Wenn du daran arbeitest, dein eigenes passiv aggressives Verhalten zu identifizieren, ist ein wirklich guter (und wichtiger) Ausgangspunkt, wenn du versuchst, Muster in deinem Berufsleben zu identifizieren.
  4. Halte Informationen darüber fest, was passiert ist. Es ist wichtig, fehlerhafte Gedankenmuster zu identifizieren und zu eliminieren, die im früheren Leben entwickelt wurden. Um diese Gedankenprozesse zu eliminieren, identifiziere zuerst, wann und wie sie auftreten. Schaue zurück und versuche, dir spezifische Details über dein Verhalten in Erinnerung zu rufen. Es kann hilfreich sein, die Umstände wie ein unbeteiligter Dritter zu betrachten und dabei so objektiv wie möglich zu bleiben. Falls du anfängst, dich emotional zu fühlen, atme tief durch und kläre deine Gedanken, bevor du weiter machst. Verfälsche nicht deine eigene Rolle in dem, was passiert ist. Der Zweck hierbei ist, die Umstände und Motivationen zu untersuchen, die deine passiv-aggressiven Handlungen hervorbringen. Denke über folgende Fragen nach:
    • Wer waren die anderen beteiligten Parteien? In welcher Beziehung standen sie zu dir (zum Beispiel: Chef, Kollege, Freund, Elternteil, Zimmergenosse, Lehrer)? Hatten sie Autorität über dich; waren sie Gleichaltrige; warst du derjenige, der die Entscheidungen getroffen hat?
    • Wo ist es passiert? Zum Beispiel auf der Arbeit, Zuhause, in der Schule, auf einer Party, bei einem Spiel oder in einem Club?
    • Wann ist es passiert? Manchmal ist der Zeitpunkt ein Faktor, wie etwa der Beginn eines Schuljahres oder während der hektischen Zeit vor einem Feiertag.
    • Wie kam es zu diesem Vorfall? Gab es einen spezifischen Auslöser oder eine Reihe von Ereignissen? Wie war die Abfolge der Handlungen und Reaktionen?
    • Was passierte zum Schluss? Waren die Ergebnisse das, was du mit deinem negativen Verhalten erreichen wolltest? Wie haben die anderen reagiert?
  5. Untersuche, was während dieser Vorfälle deine passiv-aggressiven Reaktionen waren. Im Allgemeinen manifestiert sich dieses Verhalten als bewusster Widerspruch zwischen dem, was du sagst (passiv), und dem, was du tatsächlich tust (aggressiv). Das Folgende sind übliche Manifestationen passiv-aggressiven Verhaltens:
    • Öffentlich Unterstützung anbieten, aber indirekt Widerstand leisten, den erfolgreichen Abschluss sozialer und beruflicher Aufgaben unterminieren oder hinauszögern
    • Sich einverstanden erklären, etwas zu tun und es dann nicht umsetzen oder vorgeben, nicht daran zu denken
    • Jemanden schneiden, die Person aber nicht wissen lassen, warum
    • Personen in der Öffentlichkeit alles recht machen, sie aber hinter ihrem Rücken erniedrigen
    • Nicht das Durchsetzungsvermögen haben, Gefühle und Wünsche auszudrücken, aber von anderen erwarten, diese zu kennen
    • Positive Bemerkungen mit spitzem Sarkasmus oder negativer Körpersprache überlagern
    • Jammern, von anderen missverstanden und nicht anerkannt zu werden
    • Mürrisch und streitsüchtig sein, ohne konstruktive Ideen anzubieten
    • Andere für alles verantwortlich machen und gleichzeitig Verantwortung vermeiden
    • Autoritätspersonen ohne Grund kritisieren und vor Kollegen oder Freunden verhöhnen
    • Auf unerwünschte Autorität mit verdeckten, unehrlichen Handlungen reagieren
    • Emotionen aus Furcht vor Konflikten, Versagen oder Enttäuschungen unterdrücken
    • Ausdrücken von Neid und Abneigung gegenüber denjenigen, die scheinbar mehr Glück haben
    • Übertriebene und andauernde Klagen über persönliches Unglück äußern
    • Zwischen feindseligem Trotz und Reue schwanken
    • Negative Ergebnisse vorhersagen, bevor auch nur mit der Arbeit angefangen wurde
  6. Achte auf Muster in deinem Verhalten. Während du deine vergangenen Handlungen durchgegangen bist, ist dir dabei aufgefallen, dass du auf bestimmte Situationen oder Personen immer auf dieselbe Art und Weise reagiert hast? Waren die Ergebnisse ähnlich? Haben andere Personen auf dieselbe Weise auf dich reagiert? Hast du dich am Ende besser oder schlechter gefühlt? Denke darüber nach, wie wenig dienlich dir diese Muster sind.
  7. Akzeptiere deine Emotionen. Zu leugnen, was du wirklich fühlst, ist Teil des Problems mit passiv aggressiven Tendenzen. Du möchtest nicht, dass andere wissen, dass du wütend, verletzt oder aufgebracht bist, also handelst du, als seist du es nicht. Deine Gefühle intensivieren sich nur und werden irrationaler, weil du ihnen kein gesünderes Ventil zur Verfügung gestellt hast. Daher ist es wichtig, dir selbst zu erlauben, deine Emotionen zu fühlen und anzuerkennen, so dass du auf eine gesündere Art mit ihnen umgehen kannst.
  8. Entwickle eine Eigenwahrnehmung. Hier musst du ehrlich zu dir sein, um die zugrunde liegenden Gründe zu verstehen, warum du diese negativen Gefühle hast. War es etwas, das ein Kollege gesagt hat? Hast du dich zu etwas gedrängt gefühlt, was du nicht tun wolltest? Wurde dein Beitrag zum letzten Projekt von deinem Vorgesetzten nicht anerkannt? Hat dein Freund eine bessere Zensur bekommen, als du dachtest, dass er sie verdient? Schaue unter die Oberfläche und finde heraus, was du wirklich willst.

Teil 2 von 4: Deine passiv-aggressiven Tendenzen reduzieren

  1. Erkenne dein passiv-aggressives Verhalten. Der erste Schritt dabei, weniger passiv-aggressiv zu sein, ist Selbsterkenntnis bezüglich deines Verhaltens zu entwickeln. Halte nach Verhalten, wie etwa sozialem Rückzug, Schmollen, ineffizientem Ausführen von Aufgaben (absichtlich), Sturheit und Hinausschieben Ausschau. Die chronische Natur dieser Eigenschaft bedeutet, dass sie sich nicht über Nacht entwickelt hat, also erfordert es Zeit und Entschlossenheit, Änderungen vorzunehmen.
  2. Höre zu und beobachte. Kommunikation bedeutet genauso, auf unausgesprochene Botschaften zu hören und sie zu lesen, wie es bedeutet, offen und direkt zu sprechen. Denke darüber nach, was die andere Person als Reaktion auf deine eigenen Handlungen sagt oder nicht sagt. Sie könnte genauso passiv-aggressiv sein wie du. Sieh dir die Dinge aus einer anderen Perspektive an. Könnte es sein, dass du überreagierst? Tritt einen Schritt zurück und sieh dir die Situation noch einmal an.
  3. Greife nicht auf Sarkasmus zurück. Sarkasmus ist bei Personen mit passiver Aggression eine übliche Rückfallposition und verschlimmert üble Situationen nur. Hier sind ein paar übliche Phrasen, die es zu vermeiden gilt:
    • „Wie auch immer.“
    • „Mir geht es GUT.“
    • „Was regst du dich so auf?“
    • „Ich mache nur Spaß.“
  4. Vermeide „vorübergehende Fügsamkeit“. In Arbeitssituationen lässt sich ein Mitarbeiter auf eine spezifische Art der passiven Aggression namens vorübergehende Fügsamkeit ein, wenn er sich mit einer Aufgabe einverstanden erklärt und sie dann zu spät erledigt. Er mag zu spät sein, weil er absichtlich verzögert, zu spät zu Meetings oder zum Einchecken kommt oder wichtige Dokumente verlegt. Angestellte lassen sich gewöhnlich auf vorübergehende Fügsamkeit ein, wenn sie sich bei der Arbeit unterschätzt fühlen und nicht wissen, wie sie diese Gefühle angemessen ausdrücken sollen.
    • Falls du feststellst, dass du dich auf vorübergehende Fügsamkeit einlässt, versuche zu bestimmen, ob du es tust, weil du dich nicht anerkannt fühlst.
    • Diese Art der passiven Aggression könnte auch Zuhause stattfinden. Du könntest z. B. deinem Partner sagen, dass du regelmäßig den Abwasch machst und es dann absichtlich aufschieben, um ihn zu ärgern.
  5. Erkenne deine absichtliche Ineffizienz. Bei absichtlicher Ineffizienz bewertet eine Person die Gelegenheit höher, feindselig zu sein, als ihre eigene Kompetenz. Ein Beispiel hierfür wäre ein Angestellter, der weiterhin die gleiche Menge Arbeit abliefert, allerdings mit signifikant sinkender Arbeitsqualität. Angestellte, die mit diesem Verhalten konfrontiert werden, spielen oftmals die Rolle des Opfers. Diese Art Verhalten kann sowohl der Organisation, als auch dem Ruf des Angestellten schaden.
    • Diese Art des Verhaltens zu erkennen, kann dir dabei helfen, dein passiv-aggressives Verhalten bei der Arbeit zu reduzieren, was deiner Karriere nur gut tun kann.
    • Zuhause könnte sich das darin manifestieren, beim Abwasch besonders lange zu brauchen, oder darin, es so halbherzig zu machen, dass dein Ehepartner es noch einmal tun muss, bevor das Geschirr weggeräumt werden kann.
  6. Lasse ein Problem nicht eskalieren. Ein Problem eskalieren zu lassen ist ein passiv-aggressives Verhalten, bei dem eine Person sich weigert, sich einem Problem zu stellen oder es anzusprechen. Stattdessen lässt sie das Problem sich aufbauen, bis es zu einem viel größeren Problem wird.
    • Beispiele dafür, ein Problem bei der Arbeit eskalieren zu lassen, schließt das Aufschieben von Dingen und Missbrauch von Krankheits- oder Urlaubstagen ein.
    • Zuhause könnte sich das darauf beziehen, den Abwasch solange nicht zu machen, bis sich ein gigantischer Stapel an Geschirr in der Spüle ansammelt, der sich bereits auf die Arbeitsflächen ausgedehnt hat und deine Familie dazu zwingt, von Papiertellern zu essen, weil ihr kein sauberes Geschirr mehr habt (dein Partner/deine Partnerin wird in diesem Szenario wahrscheinlich auch wütend mit dir sein).
  7. Erkenne, versteckte aber bewusste Rache. Versteckte aber bewusste Rache bedeutet, dass eine Person heimlich die Person unterminiert, die sie aufgebracht hat. Das kann in Form von Klatsch oder anderen unbemerkten Sabotageakten stattfinden.
    • Du verbreitest vielleicht im Büro Gerüchte über jemanden, der dich aufgebracht hat, was deine Professionalität und den Ruf der anderen Person kompromittiert.
    • Zuhause versuchst du vielleicht die Gunst deiner Kinder zu gewinnen und sie gegen deinen Partner aufzubringen.
    • Vermeide Selbstzerfleischung. Selbstzerfleischung beinhaltet, dass sich jemand auf Verhaltensweisen einlässt, die schädlich für ihn selbst sind, um sich an der Person zu rächen, die ihn wütend gemacht hat.
    • Beispiele hierfür könnte unter anderem ein Schüler sein, der absichtlich durch eine Prüfung fällt, um es einem Lehrer heimzuzahlen, oder ein Sportler, der ein Spiel schmeißt, um sich an einem Trainer zu rächen.
    • Bei der Arbeit könnte dieses bedeuten, absichtlich einen Kunden zu verlieren oder ein Projekt scheitern zu lassen, um es der Firma "zurückzuzahlen", obwohl es dir selbst ebenfalls schadet.

Teil 3 von 4: Gesündere emotionale Angewohnheiten entwickeln

  1. Gib dir Zeit, dich zu ändern. Ein Verhalten zu ändern, das du mit der Zeit kultiviert hast, erfordert eine Menge Zeit und Wiederholungen. Vergiss nicht, dass Veränderung ein Prozess ist, der nicht immer linear verläuft. Fürchte dich nicht davor, an den Anfang zurückzugehen und dein Verhalten neu einzuschätzen. Sei gleichzeitig nicht zu streng mit dir selbst, solltest du beim ersten Mal scheitern. Je mehr du übst und deine passiv-aggressiven Tendenzen durcharbeitest, desto wahrscheinlicher änderst du dein Verhalten erfolgreich. Falls du feststellst, dass du bei deinen Versuchen passiv-aggressives Verhalten zu ändern von der Bahn abgekommen bist, nimm dir einen Moment, um innezuhalten und zu reflektieren, was passiert ist. Frage dich:
    • Kannst du die Gründe identifizieren, warum du Rückschritte machst?
    • Musst du innehalten und beim Ändern dieses spezifischen Verhaltens eine andere Herangehensweise wählen?
    • Gibt es ein zugrunde liegendes Gefühl oder eine emotionale Reaktion, die du nicht erkannt oder noch nicht durchgearbeitet hast?
  2. Lerne, durchsetzungsfähig zu sein und dich ehrlich und respektvoll auszudrücken. Wenn du erst einmal verstehst, was dich stört, kannst du anfangen, für dich einzutreten und zu sagen, was du wirklich denkst. Übe, was du sagen würdest, um die richtigen Worte zu finden, ohne im Affekt zu handeln. Höre darauf, wie du dabei wirkst. Du kannst stark und direkt sein, ohne die anderen Person dabei verletzen zu müssen. Nimm den Vorwurf aus deinen Worten und kommuniziere deine Gefühle auf eine positive Weise. Dich selbst auf diese Art zu öffnen, mag dich anfangs verletzlicher fühlen lassen, aber du gewinnst an Selbstvertrauen, wenn du Fortschritte machst.
    • Du bist z.B. vielleicht von jemanden auf deiner Arbeit genervt, weil er immer die letzte Tasse Kaffee nimmt, ohne eine neue Kanne für die anderen aufzusetzen. Anstatt darüber wütend zu sein, es aber in dich hineinzufressen, bis es sich in einem Zwischenfall entlädt, sage ihm deine Meinung. Sage: „Wie ich sehe, hast du dir gerade die letzte Tasse Kaffee genommen. Würde es dir etwas ausmachen, eine neue Kanne aufzusetzen, wenn du die letzte Tasse genommen hast, damit wir anderen in unserer Pause auch Kaffee trinken können? Danke dir!“
    • Zuhause kannst du deine Erwartungen an deinen Partner deutlich machen. Wenn dein Partner mit dem Abwasch nach dem Abendessen dran ist, ihn aber nicht macht, versuche es hiermit: „Ich weiß, du bist nach einem langen Tag auf der Arbeit müde, aber wir haben einen Deal, ich koche das Abendessen und du kümmerst dich um den Abwasch. Wenn du lieber das Kochen übernehmen willst, dann erledige ich in Zukunft den Abwasch, aber ich denke, wir sollten uns gemeinsam um die täglichen Haushaltspflichten kümmern.“
  3. Erkenne, dass Konflikte in Ordnung sind. Unstimmigkeiten sind nicht unüblich. Einige der Konfrontationen, denen du vielleicht begegnest, sind nicht unbedingt Konflikte, sondern eher Missverständnisse. Du bist normalerweise nicht in Schwierigkeiten, wenn du deinen Ärger unter Kontrolle halten kannst und deine Diskussionsbeiträge konstruktiv und positiv gestaltest. Es ist möglich, einvernehmlich unterschiedlicher Meinung und in der Lage zu sein, Kompromisse auszuarbeiten, die eine "Win-win"-Situation für beide beteiligte Parteien bedeuten. Auf diese Weise übernimmst du Kontrolle, anstatt passiv aggressives Verhalten zu verfolgen, um Probleme außer Kontrolle geraten zu lassen.
    • Du stimmst vielleicht auf der Arbeit mit jemand nicht überein, wie ein Projekt angegangen werden soll. Du willst dich zunächst zusammensetzen und einen Plan ausarbeiten, dein Arbeitskollege will sich aber direkt hineinstürzen und Visionen des Endresultats erarbeiten, ohne sich vorher Gedanken darüber zu machen, wie man dort hinkommt. Anstatt wütend oder genervt zu werden, sprich mit der Person über eure unterschiedlichen Arbeitsverfahren. Ihr werdet euch vielleicht nicht auf eine Herangehensweise einigen können, aber vielleicht könnt ihr die Arbeit so aufteilen, dass ihr beide eure Stärken einsetzen könnt; deine Planung und seine Visionen.
    • Zuhause solltest du vielleicht mit deinem Partner darüber sprechen, wenn du ihm eine Pflicht „zugewiesen“ hast, die er hasst. Vielleicht könnt ihr einen Kompromiss erarbeiten, indem er andere Pflichten übernimmt, die ihm nicht so zuwider sind, und du dafür seine Aufgabe übernimmst. Vielleicht stimmt er z.B. zu, staubzusaugen, zu kochen und den Müll nach draußen zu bringen, wenn er dafür nicht mehr abwaschen muss.
  4. Wähle den Erfolg. Vermeide es, einem negativen Ergebnis hinterherzujagen; ändere deinen Fokus darauf, ein erfolgreiches Ende zu erreichen. Einige Menschen geben ein Versagen gerne früh zu, um keine Erwartungen zu heben, einschließlich ihrer eigenen. Wenn du passiv-aggressives Verhalten am Arbeitsplatz benutzt, weil du dich nicht anerkannt fühlst, versuche, selbst auf deine Arbeit stolz zu sein. Nimm Veränderungen vor, um deine Arbeit, wenn möglich, als erfüllender zu empfinden.
  5. Sei stolz auf deinen Erfolg. Selbst wenn du nur langsamen, aber positiven, Fortschritt machst, du veränderst dein Verhalten in die Richtung, in die du gehen möchtest. Deine typischen passiv-aggressiven Reaktionen aufzugeben, entfernt die Schutzmechanismen, die du aufgestellt hast. Also ist es in Ordnung, sich etwas unsicher zu fühlen. In der Lage zu sein, deine Gefühle deutlicher zu kommunizieren, kann dir nur dabei helfen, dich effektiver und deine Beziehungen stärker zu machen.

Teil 4 von 4: Hilfe suchen, wenn du sie brauchst

  1. Nimm Hilfe in Anspruch, wenn du sie brauchst. Habe keine Angst davor, die Hilfe eines ausgebildeten Psychiaters oder Psychologen in Anspruch zu nehmen. Die Wurzeln passiv-aggressiven Verhaltens reichen oft tief und erfordern mehr als nur eine unabhängige Verhaltensänderung. Psychotherapie kann dir helfen, einige der tief verwurzelten Probleme durchzuarbeiten, die du vielleicht hast.
  2. Verstehe die passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung. Die Anerkennung der passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung als offizielle mentale Störung steht noch zur Debatte. Einige Experten auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen bestehen darauf, dass sie sich als Persönlichkeitsstörung qualifiziert, während andere dabei bleiben, dass sie das nicht tut. Ob die Störung nun „offiziell anerkannt“ ist oder nicht, du solltest dir professionelle Beratung suchen, falls du das Gefühl hast, dass du deine passive Aggression nicht kontrollieren kannst.
  3. Sei dir des erhöhten Risikos einer Depression oder Selbstmordgedanken bewusst. Studien zeigen, dass Menschen mit einer passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung eine hohe Rate an Depressionen und Selbstmordgedanken haben. Falls du feststellst, dass du als Ergebnis dieser Probleme mit Depressionen oder Selbstmordgedanken zu kämpfen hast, suche dir sofort Hilfe! Du kannst dich an deinen Hausarzt wenden oder eine Selbstmord-Hotline kontaktieren, um mehr darüber zu erfahren. Die Notfall-Seelsorge erreichst du unter: 0800 - 111 0 111 (ev.) oder 0800 - 111 0 222 (rk.).

Tipps

  • Falls dein passiv-aggressives Verhalten sich zu tief verwurzelt anfühlt, als dass du allein damit umgehen kannst, solltest du dir die Hilfe und Anleitung durch professioneller Berater für eine geführte Therapie suchen.
  • Oftmals gibt es weitere Probleme, die zu passiver Aggressivität beitragen; darunter sind: Das Verlangen nach Perfektion und die Furcht vor Versagen, Erfolg oder Zurückweisung. Diese müssen als Teil des Verstehens der zugrunde liegenden Motivation hinter deinen Worten oder Handlungen ebenfalls angesprochen werden.
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