Autostoppen

Egal ob du eine Mitfahrgelegenheit zum Laden um die Ecke suchst, ans andere Ende der Welt reisen möchtest oder einfach vorsorglich Informationen einholen möchtest, beim Autostoppen gibt es ein erfolgversprechendes System. Die folgende Anleitung basiert auf den Erfahrungen vieler erfahrener Autostopper.

Vorgehensweise

  1. Investiere in eine gute Landkarte. Eine detaillierte Karte ist ihr Geld wert. Suche in den USA in Tankstellen nach dem Rand McNally Map Book der Vereinigten Staaten. In Großbritannien empfiehlt sich die Ordnance Survey Map (nicht ideal für Wanderer, aber besser als eine A5 Karte des Landes), welche kostenlos in Büchereien ausgeliehen werden kann. Sie wird von Fernfahrern verwendet und enthält Raststätten und Tankstellen. Falls du auf der Suche nach einer kostenlosen Karte bist, suche nach einer Touristendestination (Hotel, Flughafen, Busbahnhof, Touristeninformation) und nimm eine Broschüre mit, die eine gute Karte enthält. Touristeninformationen an Fernstraßen in den USA bieten auch kostenlose Karten des jeweiligen Bundesstaates an. Auch Autovermietungen bieten Gratis-Karten an. Suche nach einer Karte mit Straßennummern, Raststätten und Tankstellen.
    • Mach dich mit dem System der Straßennummerierung vertraut, falls es eines gibt. In den USA führt jede Fernstraße mit gerade Zahl nach Osten/Westen. Je höher die Zahl ist, desto nördlicher ist die Straße. Straßen mit ungeraden Zahlen verlaufen in nord-/südlicher Richtung. Je höher die Zahl ist, desto östlicher ist die Fernstraße. Straßennummern mit drei Ziffern zeigen Abzweigungen und Ringstraßen an, die von der Hauptstraße weg führen. In Europa bezeichnen zweistellige Zahlen, die mit einer 5 enden, eine Referenzstraße, die von Norden nach Süden verläuft, während Straßen, deren Zahl mit 0 endet, Referenzstraßen sind, die von Osten nach Westen verlaufen.
  2. Triff Sicherheitsmaßnahmen.
    • Scanne deinen Personalausweis (und Reisepass, falls du international reist) ein und sende ihn dir selbst per E-Mail. Falls er gestohlen wird, kannst du die Kopien in einer Bibliothek ausdrucken. Falls der Reisepass verloren geht, gehe mit deinen Kopien zur Botschaft und beantrage einen neuen Pass. Meist sind zwei Passfotos und einige Formulare notwendig, um einen temporären Reisepass zu erhalten.
    • Bringe die Telefonnummer deines Kreditkartenunternehmens in Erfahrung, bevor du losfährst. Falls du deine Kreditkarte verlierst, rufe dort sofort an, sperre deine Karte und lass dir eine neue Karte an eine Adresse schicken, an der du sie in Empfang nehmen kannst (zum Beispiel eine Botschaft).
    • Packe Pfefferspray ein, falls du auf dem Weg auf eine dubiose Person triffst.
  3. Bastle ein Schild. Das zeigt Autofahrern, dass du auf einer geplanten Reise bist. Packe schwarzen oder blauen Marker und einen Notizblock ein. Schreibe deine Destination gut lesbar darauf (es muss nicht dein Endziel sein). Zeichne einen Rahmen herum - dadurch ist das Schild etwas besser lesbar.
  4. Finden eine gute Stelle zum Autostoppen. Stelle dich auf die Straßenseite, die deren Richtung du fahren möchtest. Falls du zum Beispiel nach Westen reisen möchtest, gehe in den Westen der Stadt. Suche nach einer Stelle, die die meisten der folgenden Kriterien erfüllt:
    • Sie liegt an einem geraden Streckenabschnitt (700 Meter in jede Richtung), der idealerweise leicht ansteigt, damit dich die Fahrer länger sehen können.
    • Autos fahren mit weniger als 80 km/h vorbei.
    • Genügend Licht, um Augenkontakt mit den Fahrern aufnehmen zu können.
    • Die Autos fahren in deine Richtung.
    • Es steht ein gut einsehbarer und einfach zu erreichender Bereich zur Verfügung, an dem Autofahrer anhalten können.
    • Es sind keine weiteren Autostopper zu sehen - falls sich dort bereits jemand befindet, entferne dich und warte, bis du dran bist.
  5. Präsentiere dich gut. Man sollte dir ansehen, dass du weißt, wohin du willst und was du tust. Achte darauf, dass du sauber und gepflegt aussiehst, halte ein klares, ordentliches Schild hoch und lächle.
    • Ein männlicher Autostopper hat von folgenden Erfahrungen berichtet:
      • Du wirst mit geringerer Wahrscheinlichkeit mitgenommen, falls du zu viel Jeanskleidung trägst.
      • Kurze Hosen an männlichen Autostoppern werden in vielen ländlichen Gemeinden des amerikanischen Südens und Westens nicht gerne gesehen.
      • Sehr kurze Haare lassen Menschen annehmen, dass du ein Flüchtiger bist (und aus dem Gefängnis, dem Militärdienst, einem Asylantenheim, einem Internat etc.) abgehauen bist oder vor kurzem entlassen wurdest.
      • Eine Sonnenbrille ist keine gute Idee, da sie Augenkontakt verhindert.
      • Paare warten meist länger, was am fehlenden Platz in vorbeifahrenden Fahrzeugen liegt. Stelle sofort klar, dass du in einer Beziehung mit der Frau bist, ansonsten könnte der Fahrer einen Flirt starten. Sei beschützend.
      • Regen erhöht die Chancen, mitgenommen werden, nicht - vor allem, wenn du komplett durchnässt bist. Schneefall oder vor kurzem gefallener Schnee erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Mitfahrgelegenheit. Einige Schneeflocken auf den Sitzen sind den meisten Fahrern egal, Regen durchnässt die Sitze aber komplett.
  6. Wähle genau aus, welche Mitfahrgelegenheiten du annimmst. So wirst du schneller am Ziel ankommen. Es ist besser, 80 km zu fahren und an einer Tankstelle auszusteigen, als 160 km zu fahren und an einem schlechten Autostopp-Platz zu landen. Benutze daher deine Karte! Falls du mehr als zwei Stunden lang an einer vielbefahrenen Straße stehst und niemand stehen bleibt, stehst du wahrscheinlich an der falschen Straße oder auf der falschen Straßenseite. Falls jemand hält und du aus irgendeinem Grund nicht mitfahren möchtest, sage, dass du nach einer längeren Mitfahrgelegenheit suchst oder an einen besseren Ort gebracht werden möchtest. Nur weil das Auto stehen bleibt, heißt das nicht, dass du einsteigen solltest. Folge immer deiner Intuition.

Tipps

  • Aus offensichtlichen Gründen gilt: je weniger Gepäck, desto besser. Ein Rucksack zeigt deine Absichten und identifiziert dich als Reisenden, während ein Autostopper ohne Gepäck verdächtig sein könnte.
  • Sei immer höflich mit Menschen, die anhalten, um dich mitzunehmen, und bedanke dich für die Fahrt.
  • Autostoppen ist keine exakte Wissenschaft, aber Autos mit Kindern und (komischerweise) Wohnmobile sind nur schwer zu knacken. Sehr touristische Regionen oder Urlauber sind daher schwierig für Autostopper.
  • Falls es regnet, kann ein dünner Poncho oder ein Regenschirm den Fahrern zeigen, dass ihr Auto nicht nass werden wird. Falls du Zeit hast, ist es aber oft besser, bis nach dem Gewitter zu warten
  • Der „Autostopper-Daumen“ ist in Teilen Asiens unbekannt. In Südkorea musst du einfach deinen Arm mit der Handfläche nach unten ausstrecken und dann die Handbewegung machen, die anzeigt, dass jemand herkommen soll.
  • Viele Fahrer nehmen eher einen Autostopper mit, der zu gehen scheint. Entferne dich aber nicht von einer guten Autostopper-Stelle! Du wirst wahrscheinlich einer an einer guten Stelle, an der Autos stehenbleiben können, mitgenommen werden, als an einer schlechten Stelle, während du gehst.
  • In den meisten europäischen Ländern ist das Autostoppen an kleineren Straßen in Ordnung. An Autobahnen ist es hingegen illegal.
  • In Großbritannien und dem Großteil Europas funktioniert das hervorragend. Freunde dich mit einem Lastwagenfahrer an und bringe ihn dazu, dir einen alten, gebrauchten Fahrtenschreiber zu schenken. Halte ihn hoch, wenn Lastwagen vorbeifahren, da du dadurch wie ein Lastwagenfahrer-Kollege wirkst und deine Chancen verbesserst. Da in Nordamerika keine Fahrtenschreiber verwendet werden, hat dich keine Wirkung - außer dass du die Fahrer verwirrst.
  • Obwohl das nicht immer zutrifft, ist das Autostoppen für allein reisende Frauen etwas gefährlicher. Falls du dich dadurch besser fühlst, solltest du in Begleitung reisen.
  • Von allein reisenden Frauen ohne Gepäck wird normalerweise angenommen, dass sie vor etwas flüchten (einem gewalttätigen Partner, dem Gesetz etc.). Sie haben daher meistens Probleme, Mitfahrgelegenheiten zu finden.

Warnungen

  • Stelle dich nicht neben ein Behindertenfahrzeug, um Autos anzuhalten. Ansonsten könntest du von Polizisten oder dem Besitzer befragt werden. Anhaltende Fahrer werden dich außerdem wahrscheinlich nicht mitnehmen, sobald sie erfahren, dass das Fahrzeug nicht dir gehört.
  • Versuche nicht, in der Nacht Autos zu stoppen, außer es handelt sich um eine gut beleuchtete Stelle. Vermeide es, in ländlichen Gegenden an Zahltagen zu stoppen - du willst ja nicht von einem betrunkenen Fahrer mitgenommen werden.
  • Autostoppen an der Autobahn kann gefährlich sein. Beurteile, an welcher Stelle es am sichersten ist, stehenzubleiben.
  • Beim Autostoppen steigst du immer in das Auto eines Fremden ein. Sei vorsichtig und verwende deinen Hausverstand. Beachte aber, dass dich das nicht schützen wird, wenn du von einer gefährlichen Person mitgenommen wirst.
  • In einigen europäischen Ländern ist der „Autostopper-Daumen“ eine Beleidigung.
  • Das Autostoppen ist in einigen Bundesstaaten und Ländern, wie Australien, illegal.
  • Achte auf Polizisten. Auch wenn das Autostoppen legal ist, könntest du befragt werden.
  • Vermeide stellen, an denen sich Fahrer auf die Straße konzentrieren müssen - also Kreuzungen und Stellen, an denen Kinder spielen.
Information
Users of Guests are not allowed to comment this publication.