ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) diagnostizieren

Die amyothrophe Lateralsklerose (ALS), häufig auch als Lou-Gehrig-Syndrom bezeichnet, ist eine neurologische Erkrankung, die zu Muskelschwäche führt und sich negativ auf die körperliche Funktionsfähigkeit auswirkt. Diese werden vom Abbau von Motorneuronen im Gehirn, welche für allgemeine und koordinierte Bewegungen verantwortlich sind, verursacht. Es gibt keine bestimmten Tests, die das Vorhandensein von ALS bestätigen; allerdings kann eine Kombination von Untersuchungsmethoden, die die häufigen Symptome erfassen, dazu beitragen, die Diagnose auf ALS einzugrenzen. Es ist wichtig, sich seiner Familienanamnese und seiner genetischen Prädisposition für ALS bewusst zu sein und mit einem Arzt zusammenzuarbeiten, um etwaige Symptome und diagnostische Maßnahmen zu besprechen.

Teil 1 von 3: Nach Symptomen Ausschau halten

  1. Kenne deine Familienanamnese. Wenn in deiner Familiengeschichte ein Fall von ALS aufgetreten ist, solltest du mit einem Arzt darüber sprechen, wie du auf mögliche Symptome achten kannst.
    • Ein Familienmitglied zu haben, das an ALS erkrankt ist, ist der einzige bekannte Risikofaktor für die Erkrankung.
  2. Suche einen genetischen Berater auf. Für Personen mit einer Familiengeschichte von ALS empfiehlt es sich, mit einem genetischen Berater zu sprechen, um mehr über das Krankheitsrisiko zu erfahren.
    • Zehn Prozent aller Menschen, die an ALS erkrankt sind, weisen eine genetische Prädisposition für die Krankheit auf.
  3. Untersuche dich auf die typischen Symptome. Kontaktiere deinen Arzt, wenn du bei dir Symptome von ALS feststellst. Zu den ersten Symptomen von ALS gehören meist:
    • Muskelschwäche, von der ein oder mehrere Gliedmaßen betroffen sind
    • Zucken von Armen oder Beinen
    • Undeutliche Sprache oder Schwierigkeiten beim Sprechen
    • Zu den Symptomen einer fortgeschrittenen ALS können gehören: Schwierigkeiten beim Schlucken, Schwierigkeiten beim Gehen oder Ausführen von alltäglichen Aktivitäten, mangelnde Kontrolle über willkürliche Muskelbewegungen, die für Tätigkeiten wie Essen, Sprechen und Atmen benötigt wird

Teil 2 von 3: Diagnostische Tests durchführen lassen

  1. Sprich mit einem Arzt. Sprich mit einem Arzt oder Klinikmitarbeiter über eine ALS-Diagnose, wenn du Symptome aufweist und vor allem dann, wenn du auch eine Familiengeschichte der Erkrankung hast.
    • Die Untersuchungen können einige Tage in Anspruch nehmen und erfordern die Durchführung mehrerer verschiedener Methoden.
    • Es gibt keinen einzelnen Test, mit dem festgestellt werden kann, ob du an ALS leidest.
    • Bei der Diagnose wird unter anderem überprüft, ob manche der Symptome vorhanden sind; anschließend werden Tests durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen.
  2. Lass Bluttests durchführen. Ärzte suchen in vielen Fällen nach dem CK-Enzym (Creatin-Kinase), welches im Blut vorhanden ist, nachdem Muskelschäden bedingt durch ALS aufgetreten sind. Bluttests können auch angewendet werden, um auf eine genetische Prädisposition zu untersuchen, da bestimmte Fälle von ALS familiär bedingt sein können.
  3. Lass eine Muskelbiopsie durchführen. Muskelbiopsien können vorgenommen werden, um zu bestimmen, ob andere Muskelerkrankungen vorliegen. Auf diese Weise wird versucht, eine ALS auszuschließen.
    • Bei diesem Test entfernt der Arzt mithilfe einer Nadel oder eines kleinen Einschnitts ein kleines Stück Muskelgewebe, um es zu untersuchen. Vor der Untersuchung wird nur eine Lokalanästhesie verabreicht und meist ist kein Krankenhausaufenthalt notwendig. Der Muskel könnte einige Tage lang schmerzen.
  4. Lass eine MRT durchführen. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns kann dabei helfen, andere mögliche neurologische Erkrankungen zu erkennen, die ähnliche Symptome wie eine ALS hervorrufen.
    • Bei dieser Untersuchung werden Magnete verwendet, um ein detailliertes Abbild deines Gehirns oder deiner Wirbelsäule zu erstellen. Dabei muss der Patient eine Zeit lang sehr ruhig liegen, während die Maschine ein Abbild seines Körpers erstellt.
  5. Lass deine Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (eng.: cerebrospinal fluid, CSF) untersuchen. Ärzte können eine kleine Menge Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit von der Wirbelsäule entnehmen, um zu versuchen, andere mögliche Erkrankungen zu erkennen. CSF zirkuliert durch das Gehirn und das Rückenmark und ist ein effektives Medium, um neurologische Erkrankungen zu identifizieren.
    • Bei dieser Untersuchung befindet sich der Patient meist in der Seitenlage. Der Arzt injiziert ein Anästhetikum, um den unteren Wirbelsäulenbereich zu betäuben. Dann wird eine Nadel in die untere Wirbelsäule eingeführt und eine kleine Probe Rückenmarksflüssigkeit entnommen. Der Vorgang dauert nur etwa 30 Minuten. Er kann mit leichten Schmerzen und Unbehagen einhergehen.
  6. Lass eine Elektromyografie durchführen. Eine Elektromyografie (EMG) kann genutzt werden, um die elektrischen Signale in deinen Muskeln zu messen. Dies ermöglicht Ärzten zu sehen, ob die Muskelnerven ordnungsgemäß funktionieren.
    • Ein winziges Gerät wird in einen Muskel eingeführt, um dessen elektrische Aktivität zu messen. Die Untersuchung könnte ein Gefühl, das einem Stechen oder Krampf ähnelt, erzeugen und leichte Schmerzen und Unbehagen verursachen.
  7. Lass eine Elektroneurographie durchführen. Eine Elektroneurographie (ENG) kann verwendet werden, um die Geschwindigkeit der elektrischen Signale in deinen Muskeln und Nerven zu messen.
    • Bei dieser Untersuchung werden kleine Elektroden auf der Haut platziert, um den Durchfluss der elektrischen Signale zwischen den Elektroden zu messen. Dabei kann ein leichtes prickelndes Gefühl hervorgerufen werden. Wenn Nadeln zum Einführen der Elektroden verwendet werden, können leichte Schmerzen durch den Einstich verursacht werden.
  8. Lass deine Atemfunktion untersuchen. Eine Untersuchung deiner Atemfunktion kann durchgeführt werden, um herauszufinden, ob deine Erkrankungen die Muskeln, die die Atmung kontrollieren, beschädigt.
    • Für diese Untersuchung werden meist verschiedene Methoden zur Messung der Atemfunktion angewendet. Sie sind meist kurz und bestehen lediglich darin, dass der Patient unter bestimmten Umständen in verschiedene Untersuchungsgeräte atmet.

Teil 3 von 3: Eine zweite Meinung einholen

  1. Hole dir eine zweite Meinung ein. Besuche einen anderen Arzt, um dir eine zweite Meinung einzuholen, nachdem du mit deinem bisherigen Arzt gesprochen hast. Die ALS Association empfiehlt Patienten, immer die Meinung von einem zweiten Arzt einzuholen, der in diesem Bereich arbeitet, da es andere Erkrankungen gibt, die dieselben Symptome hervorrufen wie ALS.
  2. Sag deinem Arzt, dass du eine zweite Meinung einholen möchtest. Auch wenn du möglicherweise Hemmungen hast, dies deinem derzeitigen Arzt mitzuteilen, wird er wahrscheinlich deine Entscheidung befürworten, da es sich bei ALS um eine komplizierte und ernstzunehmende Erkrankung handelt.
    • Bitte deinen Arzt, dir eine zweite Fachperson zu empfehlen, die du aufsuchen könntest.
  3. Wähle einen ALS-Experten aus. Wenn du dir eine zweite Meinung über eine ALS-Diagnose einholst, solltest du mit einem ALS-Experten sprechen, der mit vielen ALS-Patienten arbeitet.
    • Selbst manche Ärzte, die auf neurologische Erkrankungen spezialisiert sind, diagnostizieren und behandeln nicht regelmäßig Patienten mit ALS, weshalb es wichtig ist, mit jemandem zu sprechen, der einschlägige Erfahrung besitzt.
    • Zwischen zehn und fünfzehn Prozent der Patienten, bei denen ALS diagnostiziert wird, leiden tatsächlich an einer anderen Erkrankung.
    • Bei nicht weniger als 40% aller Menschen mit ALS wird zuerst eine andere Erkrankung mit ähnlichen Symptomen diagnostiziert, obwohl sie in Wirklichkeit an ALS leiden.
  4. Informiere dich bei deiner Krankenversicherung. Bevor du eine zweite Meinung einholst, empfiehlt es sich, bei deiner Krankenversicherung nachzufragen, ob sie die Kosten eines zweiten Arztes abdeckt.
    • Manche Krankenversicherungspolicen decken keine Arztbesuche zum Einholen einer zweiten Meinung ab.
    • Manche Policen führen bestimmte Richtlinien zur Auswahl von Ärzten zur Einholung einer zweiten Meinung an, die besagen, dass die Kosten von der Versicherung abgedeckt werden.
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