Den Grenzerlös berechnen

Laut grundlegender ökonomischer Prinzipien wird eine Firma, wenn sie den Preis eines ihrer Produkte senkt, auch eine größere Stückzahl dieses Produkts verkaufen. Allerdings macht sie auch weniger Geld pro zusätzlicher Einheit, die sie verkauft. Dieses zusätzliche Geld – der Erlös, generiert durch ein einzelnes zusätzliches Produkt – ist der Grenzerlös. Dieser kann mit der einfachen Formel Grenzerlös = (Veränderung des Gesamterlös)/(Veränderung in verkauften Einheiten) berechnet werden.

Methode 1 von 3: Die Formel für den Grenzerlös verwenden

  1. Finde die Anzahl an verkauften Produkten. Eine typische Grenzerlös-Berechnung erfordert die Bestimmung verschiedener Variablen, manche davon sind konkret und leicht zu definieren, andere hingegen müssen geschätzt werden. Um den Grenzerlös eines bestimmten Produkts zu finden, bestimmen wir zunächst die Anzahl an verkauften Einheiten dieses Produkts. Es geht hier nur um einen einzelnen Produkttyp, nicht um die Gesamtzahl an verkauften Produkten des gesamten Unternehmens.
    • Gehen wir anhand eines einfachen Beispiels vor. Nehmen wir an, dass „Kims Erfrischungsgetränke“, ein mittelständisches, regionales Unternehmen, Getränke in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen produziert: Grapefruit, Orange und Malzbier. Im ersten Quartal des laufenden Jahres hat Kims Erfrischungsgetränke 100 Dosen Grapefruit, 200 Dosen Orange und 50 Malzbier verkauft. Im Zuge dieser Aufgabe versuchen wir den Grenzerlös der Orangenlimonade zu finden, mit einer Verkaufszahl von 200 Dosen.
    • Anmerkung: in der Realität benötigst du wahrscheinlich Zugang zu den internen Inventurzahlen oder Verkaufszahlen des Unternehmens, wenn du genau wissen willst, wie viele Einheiten verkauft wurden.
  2. Finde den Erlös, der durch den Verkauf dieses Produkts erwirtschaftet wurde. Als Nächstes musst du den Gesamterlös bestimmen, der durch den Verkauf der oben identifizierten Einheiten erzeugt wurde. Wenn du den Preis pro Produkt kennst, ist das einfach – multipliziere einfach die Anzahl an verkauften Produkten, mit dem Preis pro Produkt.
    • Nehmen wir in unserem Beispiel an, dass Kim hochklassige Erfrischungsgetränke verkauft und eine Dose Orangenlimonade 2 € kostet. In diesem Fall ist die Bestimmung des Gesamterlös einfach: 200 × 2 = 400 €.
    • In der Realität kannst du eine Aufschlüsselung des Erlöses eines Unternehmens aus seiner Gewinn- und Verlustrechnung entnehmen. Je nach Größe des Unternehmens und der Art von Produkten, die es verkauft, geben diese Zahlen aber vielleicht kein bestimmtes Produkt, sondern eine Produktkategorie wieder.
  3. Bestimme den notwendigen Preis, um eine Einheit mehr zu verkaufen. Hier werden die Dinge ein wenig kompliziert. An diesem Punkt musst du bestimmen, wie viel billiger das Produkt werden muss, um eine Einheit mehr davon zu verkaufen. In hypothetischen Situationen (wie z. B., wenn du eine Aufgabe im Wirtschaftsunterricht beantworten musst), wird dir diese Information meist gegeben. In der Realität allerdings ist das etwas, in das Marktanalysten viel Zeit und Mühe stecken müssen.
    • Nehmen wir für unser Beispiel an, dass wenn Kims Erfrischungsgetränke die Kosten pro Dose von 2 € auf 1,95 € senken würde, würden sie eine Dose Orangenlimonade mehr verkaufen, also die Gesamtzahl auf 201 steigern.
  4. Finde den Gesamterlös, wenn du dein Produkt zu dem neuen Preis verkaufen würdest. Wir sind fast fertig. Als Nächstes musst du den Erlös bestimmen, der durch den Verkauf des Produkts zu diesem neuen (vermutlich niedrigerem) Preis entsteht. Als Erinnerung, der Erlös ist einfach der Preis mal die Menge an verkauften Einheiten.
    • In unserem Beispiel wäre der Erlös der 201 Dosen Orangenlimonade zu 1,95 € pro Dose: 201 × 1,95 = 391,95 €.
  5. Teile die Veränderung im Gesamterlös, durch die Veränderung in verkauften Einheiten (1). Nachdem du jetzt den momentanen Gesamterlös kennst und einen hypothetischen Wert, der entstehen würde, wenn man den Preis so weit senkt, dass eine Einheit mehr verkauft werden würde, kannst du den Grenzerlös bestimmen, indem du die Gesamtveränderung im Erlös, durch die Veränderung an verkauften Einheiten (in diesem Fall 1) berechnest. In anderen Worten, ziehe den neuen Erlös von dem alten Erlös ab, um deinen Grenzerlös zu bekommen.
    • In unserem Beispiel können wir den Grenzerlös bestimmen, indem wir den Erlös durch den Verkauf der Dosen für 2 €, von dem Erlös durch den Verkauf der Dosen für 1,95 € abziehen: 391,95 - 400 = -8,05 €.
    • Da die Veränderung der Stückzahl 1 ist, ist eine Division durch die Veränderung in verkauften Einheiten nicht notwendig. Wenn deine Preissenkung allerdings darin resultiert, dass mehr als nur eine zusätzliche Einheit verkauft wird, musst du durch die Veränderung in Gesamtverkäufen teilen.

Methode 2 von 3: Den Wert für den Grenzerlös verwenden

  1. Vermeide einen negativen Grenzerlös. Grundsätzlich sollten Unternehmen versuchen, die Preise ihrer Produkte so zu gestalten, dass sie den höchsten Ertrag erwirtschaften, indem sie die Perfekte Balance zwischen Preis und Gesamtverkäufe finden. Wenn eine Preisveränderung in einen negativen Grenzerlös resultiert, wird sie grundsätzlich nicht als profitabel angesehen, auch wenn dadurch mehr Einheiten verkauft werden. In so einem Fall würde das Unternehmen mehr Geld verdienen, wenn es weniger Einheiten zu einem höheren Preis verkaufen würde.
    • Schauen wir uns noch einmal unser Beispiel an: der Grenzerlös für den Verkauf von 201 Dosen, anstatt 200 Dosen, ist -8,05€. Das bedeutet, dass Kims Erfrischungsgetränke 8,05 € weniger verdient, als wenn sie weiterhin für 2 €/Dose verkaufen würden. Solange es keine weiteren Gründe für die Preisveränderung gibt, sollte Kims Erfrischungsgetränke also bei ihrem alten Preiskonzept bleiben.
  2. Vergleiche Grenzerlöse, um die Profitabilität zu bestimmen. In der Wirtschaft wird davon ausgegangen, dass Unternehmen, die ihre Preise/Verkaufszahlen optimal ausgleichen, eine Produktion haben, in der ihr Grenzerlös gleich der Grenzkosten ist. Folgen wir dieser Logik, dann ist ein Produkt umso profitabler, je größer der Unterschied zwischen seinen Gesamtkosten und seinem Gesamterlös ist.
    • Wie du dir wahrscheinlich schon gedacht hast, sind die Grenzkosten eines Produkts die Kosten, die für das Unternehmen notwendig sind, um eine Einheit mehr zu produzieren. Ähnlich wie der Grenzerlös, werden die Grenzkosten bestimmen, indem die Veränderung in den Gesamtproduktionskosten für die Produktion einer zusätzlichen Einheit, durch die Veränderung an produzierten Einheiten dividiert wird.
    • In unserem Beispiel, nehmen wir an, es kostet Kims Erfrischungsgetränke 0,25 €, um eine weitere Dose zu produzieren. In diesem Fall, kostet die Produktion von 200 Dosen: 0,25 × 200 = 50 € und die Produktion von 201 Dosen: 0,25 × 201 = 50,25 € — offensichtlich eine Differenz von 0,25 €. Wie oben festgestellt, ist der Erlös aus 200 verkauften Dosen 400 € und der Gesamterlös aus 201 verkauften Dosen 391,95 €. Da 400 – 50 = 350 € größer ist, als 391,95 – 50,25 = 341,70 €, können wir sagen, dass es profitabler ist, 200 Dosen für 2 €/Dose zu verkaufen.
  3. Verwende den Grenzerlös, um deine Produktionsmenge zu bestimmen. In der Realität nutzen Unternehmen den Grenzerlös, um zu bestimmen, wie viel sie von einem bestimmten Produkt produzieren und wie hoch sie den Preis dafür ansetzen sollten, um die perfekte Balance zu finden und ihren Profit zu maximieren. Wenn du ein Unternehmen besitzt, willst du grundsätzlich möglichst viele Produkte zu einem möglichst profitablen Preis verkaufen – mehr zu produzieren wäre Verschwendung und könnte in steigenden Kosten resultieren, die nicht ausgeglichen werden können.

Methode 3 von 3: Verstehe verschiedene Marktstrukturen

  1. Verstehe das Verhalten des Grenzerlöses bei perfektem Wettbewerb. In unserem obigen Beispiel haben wir es mit einem vereinfachten Marktmodell zu tun, das nur ein Unternehmen in einer Art Vakuum betrachtet. Wenn in der Realität ein Unternehmen den gesamten Markt für ein bestimmtes Gut kontrolliert, nennt man das Monopol. In den meisten Märkten müssen allerdings Unternehmen miteinander konkurrieren. Das hat natürlich Einfluss auf ihre Preispolitik – Unternehmen in einer Wettbewerbssituation müssen ihre Preise niedrig halten, ansonsten verlieren sie Umsatz an ihre Konkurrenten. Als Resultat daraus, ist es in diesen Situationen meist so, dass der Grenzerlös einer bestimmten Produktlinie sich nicht mit der Anzahl an verkauften Einheiten verändert, da die Preise, die meist bereits so niedrig wie möglich sind, nicht verändert werden können.
    • Nehmen wir z. B. an, dass unser Kims Erfrischungsgetränke aus dem oberen Beispiel jetzt mit Hunderten von anderen Getränkeherstellern konkurrieren muss. Aufgrund dessen, fiel der Preis pro Dose auf 0,50 € – angenommen, dass das der wettbewerbsfähige Preis ist, den alle Unternehmen erheben – günstiger, und der Verkauf wäre nicht mehr profitabel; teurer, und das Unternehmen macht weniger Umsatz. Da in diesem Fall der Preis fix ist, wird die Anzahl an verkauften Dosen von diesem Preislevel diktiert. Deswegen wird der Grenzerlös für jede zusätzliche Dose immer 0,50 € sein.
  2. Verstehe das Verhalten des Grenzerlöses unter monopolistischem Wettbewerb. In der Realität sind die kleinen, konkurrierenden Firmen, die einen hoch konkurrierenden Markt schaffen, nicht perfekt. Sie reagieren nicht sofort gegenseitig auf Preisveränderungen, sie haben nicht perfektes Wissen über ihre Konkurrenten und sie wissen nicht immer genau, welcher Preis maximalen Profit erzeugt. Diese Form des Markts nennt man monopolistischen Wettbewerb (auch monopolistische Konkurrenz oder heterogenes Polypol) – viele kleine Unternehmen konkurrieren miteinander, aber da es kein perfekter Wettbewerb ist, kann ihr Grenzerlös trotzdem mit zusätzlichen verkauften Einheiten verringert werden (wie in einem Monopol).
    • Zum Beispiel, nehmen wir an, Kims Erfrischungsgetränke operiert in einem monopolistischen Wettbewerb. Der momentane Preis für Getränkedosen liegt bei 1 € pro Dose. Wenn jetzt Kims den Preis pro Dose auf 0,85 € senkt, wird der Markt nicht perfekt darauf reagieren. Kims Konkurrenten bekommen vielleicht nichts von dieser Preissenkung mit oder reagieren einfach nicht darauf. Genauso, wissen vielleicht viele der Kunden nichts von der Preissenkung und kaufen weiterhin ihre Dosen für 1 €. In diesem Fall erwarten wir vielleicht einen Abwärtstrend des Grenzerlöses pro zusätzliche Einheit, aber keinen so steilen, wie in einem Monopol, da die Verkäufe nur teilweise vom Preis abhängen (sie hängen auch davon ab, ob die Kunden und die Konkurrenten den Preis erkennen).
  3. Verstehe das Verhalten des Grenzerlös in einem Oligopol. Es ist nicht immer so, dass viele kleine Unternehmen oder ein einzelner Gigant den gesamten Markt dominiert – manchmal kontrollieren einige wenige große Unternehmen den Markt und stehen miteinander in Konkurrenz. Manche Unternehmen kooperieren vielleicht zeitweise (ähnlich wie in einem Monopol), um den Markt für alle langfristig zu stabilisieren. In einem Oligopol hat der Grenzerlös normalerweise einen Abwärtstrend bei steigenden Verkaufszahlen, ähnlich wie bei einem Monopol. In der Realität sind Unternehmen in einem Oligopol aber oft einer Senkung des Verkaufspreises gegenüber abgeneigt, da das zu einem Preiskampf unter der Unternehmen führen könnte, wodurch sich der Profit von allen verringert. Oftmals senken die Unternehmen in einem Oligopol nur dann den Preis, wenn sie kleinere Konkurrenten aus dem Geschäft drängen wollen (und nachdem das geschehen ist, erhöhen sie den Preis meist wieder). Deswegen sind im Falle, dass die Oligarchen sich auf einen ähnlichen Preis geeinigt haben, die Verkaufsmengen nicht mehr abhängig vom Verkaufspreis, sondern von Faktoren wie Werbung, Branding, Marketing usw.
    • Nehmen wir an, Kims ist jetzt einer der großen Spieler auf dem Getränkemarkt und teilt sich diesen Markt nur noch mit Lindas und Andys, zwei anderen großen Getränkeproduzenten. Wenn Kim, Linda und Andy sich nun treffen und sich darüber verständigen, zu welchem Preis sie alle ihre Erfrischungsgetränke verkaufen, bleibt der Grenzerlös für eine weitere Einheit unverändert, ganz egal wie hoch dieser Preis ist, da der Werbeaufwand der Unternehmen die Anzahl der Verkäufe bestimmt und nicht der Preis. Wenn allerdings Jeffs, ein kleines neues Unternehmen, Kims, Lindas und Andys unterbietet, indem er seine Getränke deutlich billiger verkauft, als zum etablierten Preis, werden die drei großen Unternehmen wahrscheinlich ihre Preise senken und zwar so weit, dass Jeffs nicht mehr konkurrieren kann und pleite geht. In diesem Fall ist der Grenzerlös der Verkäufe zu einem günstigeren Preis nicht relevant, da die Preissenkung das Geschäft langfristig profitabler für Kims macht.
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