Ein introvertierter Mensch werden

Introvertiertheit ist eine soziale Veranlagung. Eine introvertierte Person zieht Alleinsein oft dem Umgang mit Menschen vor. Sie ist auf ihr Inneres fokussiert, während eine extrovertierte Person eher dazu neigt, sich auf ihre Umgebung und Mitmenschen zu konzentrieren. Wenn du herausfinden möchtest, ob du introvertiert bist oder nicht und wie du dir selbst eine angenehme, reflektive Atmosphäre schaffen kannst, dann kannst du lernen, allein verbrachte Zeit mehr zu genießen und mit dir selbst produktiver umzugehen.

Teil 1 von 3: Introvertiertheit verstehen

  1. Unterscheide zwischen Introvertiertheit und asozialem Verhalten. Introvertiertheit bedeutet nicht gleich asoziales, also gesellschaftsfeindliches, Verhalten. Introvertierte Menschen laden ihre Batterien auf, indem sie Zeit allein verbringen, und ziehen das Alleinsein oft Gruppenaktivitäten vor, da sie diese als emotional anstrengend empfinden.
    • Antisoziale Persönlichkeitsstörungen haben mehr mit Psychopathie und Soziopathie zu tun und beziehen sich auf die Unfähigkeit, sich in andere Person einfühlen oder sich mit ihnen Verbunden zu fühlen. Wahre asoziale Menschen werden oft vom eigenen Ego angetrieben und sind oberflächlich angenehme Menschen, welche eher extrovertiert erscheinen.
    • Introvertiertheit ist keine schlechte Sache, und auch wenn viele Selbsthilfebücher uns weismachen wollen, dass der Schlüssel zu Glück und Reichtum in der Extrovertiertheit liegt, so gibt es doch keine Belege dafür, dass eine Veranlagung erfolgreicher oder produktiver ist als die andere. Beide Persönlichkeitstypen können in der richtigen Arbeitsumgebung sowohl kreativ als auch produktiv sein.
  2. Unterscheide zwischen Introvertiertheit und Schüchternheit. Auch wenn viele introvertierte Menschen in der Öffentlichkeit für "schüchtern" gehalten werden, so ist das nicht zwingend der Fall und es ist wichtig, den Unterschied zu lernen. Introvertiertheit ist kein Maß für Schüchternheit, ebenso wie Extrovertiertheit mehr bedeutet als bloß kontaktfreudig zu sein.
    • Schüchternheit bedeutet, ängstlich davor zu sein, in Gruppensituationen zu sprechen und mit anderen zu kommunizieren - ihre Vorliebe für das Alleinsein basiert auf dieser Angst.
    • Introvertierte Menschen bevorzugen das Alleinsein, da sie dieses als befriedigender empfinden als das Zusammensein mit anderen. Soziale Interaktionen empfinden sie oft als sehr anstrengend. Sie haben nicht unbedingt "Angst" davor, mit anderen in Kontakt zu treten, sie legen darauf bloß nicht viel Wert.
  3. Achte darauf, was dich erregt. Fühlst du dich gut bei dem Gedanken, Zeit mit dir allein zu verbringen? Würdest du an einem Projekt lieber allein arbeiten oder mit anderen? Würde es dich in einer Gruppensituation verrückt machen, deine Ideen nicht zu äußern oder würdest du sie dir lieber für kleinere Nebengespräche sparen?
    • Du wirst kein introvertierter Mensch werden, indem du dein Verhalten änderst, denn es gibt wenig bis gar keinen Grund dazu, mehr Zeit allein zu verbringen, wenn du daran keinen Gefallen findest oder es dich nicht zur Kreativität anregt.
    • Achte auf deine eigenen Tendenzen und folge ihnen. Wenn du das Gefühl hast, extrovertiert zu sein, dann gibt es keinen Grund, das ändern zu wollen. Sorge einfach für ein sozialeres Arbeitsumfeld, um produktiver zu sein.
  4. Achte nicht bloß auf Gegensätze. Eine Person muss weder klar auf der einen noch auf der anderen "Seite" stehen. Den Mittelbereich zwischen Intro- und Extrovertiertheit nennt man oft Ambiversion. In diesen Bereich fallen Menschen, die sich an beiden Enden des Persönlichkeitsspektrums wohlfühlen - und in Persönlichkeitstests fallen die meisten Personen in diesen.
    • Unterziehe dich dem Myers-Briggs-Typindikator, um herauszufinden, um mehr darüber zu erfahren, in welchen Bereich des Persönlichkeitsspektrums du fällst und wie du deine Eigenschaften am besten entwickeln kannst.

Teil 2 von 3: Mehr Zeit allein verbringen

  1. Suche dir Hobbys, denen du allein nachgehen kannst. Wenn du ein Gefühl dafür bekommen möchtest, wie das Leben eines introvertierten Menschen abläuft, dann probiere dich an Hobbys, denen du allein nachgehen kannst. Solche Hobbys sind zum Beispiel:
    • Gärtnern
    • Lesen und kreatives Schreiben
    • Malen
    • Golf
    • Musizieren
    • Wandern
  2. Bleibe Freitagnacht daheim. Wenn du dir etwas introvertierten Raum für dich schaffen möchtest, dann bleibe am nächsten Freitagabend daheim statt auszugehen. Introvertierte Menschen fühlen sich nach sozialer Interaktion oft sehr erschöpft und ziehen es vor, den Abend entspannt mit einem Buch zu verbringen, statt sich auf die nächstbeste Party zu begeben. Wenn du erfahren möchtest, ob dir das auch gefällt, dann probiere es einfach aus.
    • Hoffst du manchmal heimlich, dass deine Freunde ihre Pläne über den Haufen werfen, sodass du zuhause bleiben und deine Lieblingsserien schauen kannst? Bereust du es manchmal, einer Einladung zu einer Party zugesagt zu haben? Das sind Indizien für Introvertiertheit.
  3. Sprich weniger. Introvertierte Menschen sind nicht unbedingt sehr gesprächig. Um dich also mehr wie eine introvertierte Person zu verhalten, versuche in der nächsten Gruppendiskussion vorwiegend still zu bleiben und lasse die anderen mehr sprechen als dich. Stelle fragen, um die anderen zum Reden zu bringen, aber konzentriere dich mehr auf das, was andere sagen, als selbst etwas zu sagen.
    • Weniger zu sprechen bedeutet nicht, dass du gar nicht am Gespräch teilnehmen sollst. Übe es, mehr zuzuhören als du sprichst und denke über das Gesagte nach, bevor du auf die Aussagen anderer antwortest, um zwar aktiv am Gespräch teilzunehmen, aber nicht konstant zu sprechen.
    • Fühlst du dich manchmal beschämt oder unwohl, wenn die Aufmerksamkeit einer Gruppe sich auf dich richtet? Dann kann das ein Zeichen für Introvertiertheit sein. Wenn du das Rampenlicht allerdings heimlich liebst, dann ist das eher eine extrovertierte Eigenschaft.
  4. Konzentriere dich auf einzelne Freundschaften. Introvertierte Menschen sind keine isolierten Einzelgänger, die einfach nicht mit anderen sprechen können. Sie fühlen sich durch soziale Interaktion einfach schnell erschöpft und ziehen es daher vor, allein zu bleiben. Sie finden wesentlich größeren Gefallen an tiefen, bedeutungsvollen Unterhaltungen unter vier Augen als an Unterhaltungen in großen Gruppen.
    • Wenn du kein großer Freund von Party bist, dann ist es trotzdem gut, dir die Mühe zu machen und dich mit deinen Freunden zu treffen, da du sonst distanziert oder kalt wirken könntest. Lasse deine guten Freunde einfach wissen, dass du es vorziehst, sie allein zu treffen.
    • Dir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn du an gezwungen Smalltalk während Partys denkst? Möglicherweise ein Indiz für Introvertiertheit.
  5. Mache deine Wohnung gemütlich. Wenn du mehr Zeit allein verbringen wirst, dann ist es eine gute Idee, aus deiner Wohnung ein Heiligtum zu machen. Mache aus ihr den Ort, an welchem du am liebsten deine Zeit verbringst. Ob du Gefallen an Kerzen, Räucherstäbchen und deinen Lieblingsbüchern findest, das liegt ganz bei dir. Ein kleiner Kühlschrank und deine Lieblings-CDs in Reichweite deines Sessels? Klingt super!
    • Auf wikiHow findest du einige Artikel darüber, wie du deinen Wohnbereich angenehm gestalten kannst.

Teil 3 von 3: Introvertiert und produktiv sein

  1. Verfolge eine Karriere und Interessen, die wenig soziale Interaktion erfordern. Je weniger Zeit du mit anderen verbringen musst, desto introvertierter wirst du werden. Wenn du denkst, dass du von einem introvertierteren Lebensstil profitieren könntest, dann verfolge Interessen, Hobbys und Karrieren, die es dir erlauben, auf die für dich am produktivsten leben und arbeiten kannst. Die folgenden Jobs sind wie gemacht für introvertierte Menschen:
    • Computer-Programmierung
    • Schriftstellerkarriere und Lektorat
    • Forschender Wissenschaftler
    • Gerichtsschreiber
    • Archivarbeiten
  2. Konzentriere dich auf eine Aufgabe zur Zeit. Extrovertierte Menschen bürden sich vielerlei Aufgaben auf, während introvertierte Person eher dazu neigen, sich in eine einzelne Aufgabe zu stürzen und diese bis zum Ende zu bearbeiten. Versuche daher deine Zeit einzuteilen, um so konzentriert wie möglich an einer Sache zu arbeiten, bis du zur nächsten kommst.
  3. Grabe tiefer. Introvertierte Menschen finden normalerweise kaum Gefallen an Smalltalk und ziehen es vor, ernstere, geistvollere Konversationen zu führen. Das trifft auch auf die Arbeiten und kreativen Projekte zu, die sie auf sich nehmen.
    • Wenn du das nächste Mal an einem Projekt für die Schule oder die Arbeit werkelst, dann sei nicht zufrieden damit, "genug" oder nur das getan zu haben, was von dir erwartet wird. Gib dem Projekt deine eigene, kreative Note, indem du etwas zusätzliche Arbeit hineinsteckst.
  4. Arbeite allein. Introvertiere Menschen arbeiten lieber allein als in Gruppen. Wenn du die Hilfe anderer meist zu schätzen weißt, versuche das nächste Mal ein Projekt ganz allein durchzuziehen und schaue, ob du es auch ohne Hilfe schaffen kannst. Das kann deinem Selbstbewusstsein zuträglich sein und es sorgt dafür, dass dich in Zukunft besser auf dich selbst verlassen kannst, auch wenn es manchmal nötig sein sollte, mit anderen zusammenzuarbeiten.
    • Profitiere von Gruppenarbeiten. Manchmal muss man einfach mit anderen zusammenarbeiten und introvertierte Menschen neigen oft dazu, die Talente und Fähigkeiten anderer zurückzuweisen, ganz einfach deshalb, weil sie lieber allein arbeiten. Lerne, in Gruppenarbeiten zu verhandeln, ohne sie zu kontrollieren, indem du Hilfe annimmst und ihr Aufgaben verteilt, sodass du allein an deinem Teil arbeiten kannst.
    • Sei eigenständig. Je weniger du um Hilfe fragen musst, desto weniger musst du dich auf die Hilfe anderer verlassen.

Tipps

  • Du kannst deine Veranlagung nicht verändern, nur deine Persönlichkeit. Veranlagung ist die Leinwand, auf welche du deine Persönlichkeit malst.

Warnungen

  • Der Nachteil der Introvertiertheit ist es, dass andere dich für antisozial halten können.
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