Ein Luft‐ und Raumfahrt Ingenieur werden

Das Luft- und Raumfahrt-Ingenieurswesen dreht sich ganz um die Planung, Erforschung, Konstruktion, Erprobung und Wartung von Flug- und Raumfahrtzeugen. Es ist eine der herausforderndsten Sparten des Ingenieurswesens insgesamt und erfordert eine spezielle Hochschulbildung und Vorbereitung. Falls du fasziniert bist von Luft- und Raumfahrt und einen Hang zu Fächern wie Mathematik und Physik hast, dann könnte eine Karriere als Luft- und Raumfahrt-Ingenieur tatsächlich genau das Richtige für dich sein.

Vorgehensweise

  1. Mach dich mit dem Berufsbild vertraut. Ehe du dich für eine Laufbahn als Luft- und Raumfahrt-Ingenieur entscheidest, solltest du wissen, was das so alles mit sich bringt. Lies dich auf entsprechenden Internet-Seiten und in Fachzeitschriften schlau und sprich mit Leuten, die sich auf dem Gebiet auskennen.
  2. Eigne dir bereits ab der Mittelstufe solide Mathematik- und Physikkenntnisse an. Manche Gymnasien bieten auch technisches Zeichnen an – nutze das! Luft- und Raumfahrt-Ingenieure arbeiten mit höherer Mathematik, komplexer Physik, nutzen ausgiebig numerische Methoden und ihr räumliches Vorstellungsvermögen. Stichwörter sind hier unter anderem Gravitation, Hydrodynamik, Aerodynamik, Thermodynamik, Materialwissenschaft und Statik. Warte nicht erst, bis du auf der Uni bist, um dich mit ersten Grundlagen auf diesen Gebieten vertraut zu machen!
  3. Trainiere deine analytischen Fähigkeiten. Eine analytische Sichtweise ist Voraussetzung zur Bewältigung der komplexen Probleme, die dir in der Luft- und Raumfahrttechnik begegnen. Spiele wie Sudoku oder Schach und andere strategische Brettspiele sind gut geeignet, deine analytischen Fähigkeiten zu trainieren.
  4. Bewerbe dich um einen Studienplatz im Luft- und Raumfahrt-Ingenieurswesen. Bewerbe dich an so vielen Hochschulen wie möglich. Je mehr Zusagen du bekommst, desto mehr Optionen stehen dir zur Verfügung. Falls du vorhast, später in den USA zu arbeiten, solltest du darauf achten, dass die Hochschule deiner Wahl ABET-akkreditiert ist, um Schwierigkeiten mit der Anerkennung deiner Studienleistungen aus dem Weg zu gehen.
  5. Ziehe auch andere Ingenieurwissenschaften in Betracht. Es gibt nicht viele Hochschulen mit einem Fachbereich Luft- und Raumfahrt. Ein Einstieg beispielsweise über den Maschinenbau oder das Bauingenieurswesen kann dir alternative Möglichkeiten eröffnen. Auch die Elektrotechnik ist eine gute Wahl, wobei die Anforderungen dieser Disziplin z.T. doch stark von denen der Luft- und Raumfahrttechnik abweichen.
  6. Bemühe dich um ein Praktikum und/oder um die Teilnahme an einer Sommerakademie. Etwa ab deinem dritten Hochschulsemester ist es an der Zeit, dass du dir tiefere Einblicke in die konkrete Berufspraxis verschaffst. Zu diesem Zweck bieten Behörden wie die ESA und Unternehmen wie Airbus Praktikumsplätze und Sommerakademien an. Der Stellenwert dieser ergänzenden Studienaktivitäten für spätere Arbeitgeber im Bereich Luft- und Raumfahrt lässt sich kaum überschätzen! Auch erhältst du so hervorragende Gelegenheiten, erste Verbindungen zu Personen in Schlüsselpositionen der Branche herzustellen. Mach was daraus! Diese praktischen Erfahrungen können ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für dich sein!
  7. Ein Master ist nicht immer der Königsweg. Falls du an deinen Bachelor gleich einen Master anschließt, kannst du beruflich zwar in einer höher bezahlten Position einsteigen – Branchenkenner wissen jedoch, dass „Jung-Master“ oft dazu tendieren, ihre Fähigkeiten zu überschätzen, und dass sie nicht recht wissen, wie sie ihr theoretisches Wissen effektiv in die Praxis einfließen lassen können. Hingegen fällt es solchen Berufseinsteigern, die nach dem Bachelor erst einmal ein paar Jahre Berufserfahrung in niedrigerer Position sammeln, oder die ihren Master parallel zu ihrem ersten Luft- und Raumfahrt-Job absolvieren, wesentlich leichter, die Theorie mit der Praxis in Einklang zu bringen und entsprechend beruflichen Erfolg zu haben. Das solltest du bedenken.
  8. Pflege die richtige Arbeitseinstellung. Ein häufiger Fehler unter Berufseinsteigern liegt in der Annahme, im Unternehmen würden die gleichen Regeln gelten wie an der Hochschule. Das haut nicht hin! Denn im Unternehmen kommt ein neuer Maßstab hinzu, der an der Hochschule kaum eine Rolle spielt: Wirtschaftlichkeit. Du wirst also lernen müssen, dass das, was rein theoretisch geboten wäre, den wirtschaftlichen Interessen und Anforderungen deines Unternehmens oftmals unterzuordnen ist. Ob staatliche Institution oder privatwirtschaftliches Unternehmen: Sie alle müssen Erfolge und Profite vorweisen! Ansonsten riskieren sie entweder ihre staatliche Förderung oder eben die Förderung durch Privatinvestoren und Aktionäre. Über den Daumen gerechnet musst du mit deiner Arbeit in einem Unternehmen einen Profit generieren, der dreimal so hoch ist wie dein Gehalt, um als profitable Arbeitskraft zu gelten. Wenn du das richtig machst, gewinnen alle. Berufseinsteiger, die frisch von der Uni kommen, stecken oftmals voller Idealismus. Dir zuliebe solltest du dich aber schon während des Studiums damit auseinandersetzen, dass dieser Idealismus ein Stück weit einem gesunden Pragmatismus Platz machen muss.
  9. Halte die Flagge hoch! „Luft- und Raumfahrt-Ingenieur“ – das ist eine Auszeichnung, ein Orden an deinem Revers. Das merkst du spätestens dann, wenn du mal beiläufig dein Berufsziel erwähnst und umgehend bewundernde (und neidische) Blicke erntest. Kaum ein anderes Berufsfeld ist so hoch angesehen. Es liegt auch an dir und an deiner Arbeit, dafür zu sorgen, dass das so bleibt!

Warnungen

  • Nach relativ kurzer Zeit im Berufsleben eines Ingenieurs – nach etwa zehn Jahren – wird es dir schwer fallen, auf einen anderen Berufszweig umzusatteln. Das liegt an dem überdurchschnittlichen Einkommen, das Ingenieure verdienen. Dein Lebensstandard wird sich dem sehr rasch anpassen, was eine gewisse Abhängigkeit zur Folge hat. Sollte das Ingenieurswesen nicht dein endgültiges Karriereziel sein, dann solltest du darauf achten, dich nicht allzu sehr in diese Abhängigkeit hinein zu manövrieren. Sonst wird aus dem Traumberuf schnell ein Hamsterrad.
Information
Users of Guests are not allowed to comment this publication.