Mit rechthaberischen Menschen fertigwerden

Im Laufe unseres Lebens werden wir zweifellos immer wieder Individuen begegnen, die extrem rechthaberisch und besserwisserisch sind. Egal, ob es sich dabei um Freunde, Familienmitglieder oder Arbeitskollegen handelt – Menschen dieser Art schaffen es immer wieder, uns gehörig auf die Nerven zu gehen. Es ist völlig unerheblich, um welches Thema sich die Diskussion dreht: Besserwisserische Menschen positionieren sich immer sofort als "Experten" auf dem Gebiet und versorgen alle umstehenden Menschen mit ihren Ratschlägen und Ansichten – ganz egal, ob diese es hören wollen oder nicht. Vermutlich wirst du rechthaberischen Menschen nicht entkommen können, allerdings hast du zwei Möglichkeiten, wie du mit ihnen umgehen möchtest: Du kannst sie entweder auf ihre unmögliche Verhaltensweise ansprechen oder versuchen, ihre nervige Eigenart zu akzeptieren.

Teil 1 von 3: Die rechthaberische Person konfrontieren

  1. Finde heraus, ob du diese negative Verhaltensweise ansprechen musst. Es ist unvermeidbar, hin und wieder auf rechthaberische Menschen zu treffen und mit ihnen kommunizieren zu müssen. Allerdings gilt auch hier das Sprichwort: Wähle deine Schlachten weise. Es macht keinen Sinn, jedes Mal deine gesamte Energie in verbale Gefechte zu stecken, wenn dir wieder einmal ein rechthaberischer Zeitgenosse über den Weg läuft.
    • Wenn es sich bei der rechthaberischen, besserwisserischen Person um einen Arbeitskollegen handelt, könntest du diese nervige Verhaltensweise ertragen, indem du einfach höflich zuhörst oder zumindest so tust, als würdest du aufmerksam zuhören - obwohl du in Wirklichkeit mental schon längst abgeschaltet hast. Außerdem könntest du deine anderen Arbeitskollegen um Rat bitten. Vielleicht hat sich die rechthaberische Person bereits in der gesamten Abteilung einen Ruf als Besserwisser erarbeitet. In diesem Fall ist es sehr wahrscheinlich, dass deine Arbeitskollegen bereits diverse Methoden entwickelt haben, um mit dieser nervigen Angewohnheit fertigzuwerden.
    • Wenn es sich bei der besserwisserischen Person um einen flüchtigen Bekannten oder um ein entferntes Familienmitglied handelt, könntest du versuchen, diese Person einfach nicht mehr so oft zu sehen oder nur Zeit mit ihr zu verbringen, wenn noch andere Menschen anwesend sind, die als eine Art Pufferzone fungieren können. Auch in diesem Fall solltest du gemeinsame Freunde um Rat bitten, wie sie mit dieser Situation umgehen.
    • Wenn es sich bei der rechthaberischen Person um einen engen Freund oder ein Familienmitglied handelt, solltest du das Problem offen ansprechen, bevor es zu irreparablen Schäden in eurer zwischenmenschlichen Beziehung kommt. Besonders, wenn es sich bei der besserwisserischen Person um deinen romantischen Partner handelt, wirst du nicht umhinkommen, das Thema zur Sprache zu bringen - möglicherweise mehr als nur einmal. Sprich die negative Verhaltensweise deines Partners am besten in einem Gespräch offen und direkt an, bevor deine verletzten Gefühle dafür sorgen, dass du dich emotional zurückziehst und die zwischenmenschliche Beziehung darunter leidet.
  2. Konfrontiere die andere Person unter vier Augen. Egal, in welcher Beziehung du zu der rechthaberischen Person stehst: Du solltest sie immer zur Seite nehmen und das Problem in einem vertraulichen Gespräch ansprechen. Wenn du darauf bestehst, die andere Person in aller Öffentlichkeit zu rügen, wirst du sie bloßstellen und ihre Gefühle verletzen.
    • Achte auf einen respektvollen Umgangston. Eine respektvolle Wortwahl und eine höfliche, freundliche Körperhaltung gegenüber der rechthaberischen Person sind äußerst wichtig, wenn du dich für ein klärendes Gespräch entscheidest. Achte darauf, dass du nicht verärgert oder sarkastisch klingst und erkläre dein Problem ruhig und gefasst, während du auf eine positive, nicht-bedrohliche Körperhaltung achtest. Falls die andere Person verärgert reagiert, solltest du niemals deine Stimme erheben und ebenfalls in Rage geraten.
    • Bleibe während des ganzen Gesprächs ruhig und gefasst. Es gibt nichts Schlimmeres als im Gespräch mit der rechthaberischen Person streitlustig oder herrisch zu wirken. Dieser Ansatz wird unzweifelhaft dazu führen, dass ihr gegenseitig versuchen werdet, euch zu übertrumpfen - nur um zu beweisen, wer über mehr Wissen verfügt oder wer den jeweils anderen dominieren kann. Diese Situation bringt für niemanden ein positives Ergebnis.
  3. Wende funktionierende Konversationsstrategien an. Du kannst anderen Menschen keine höheren Standards abverlangen als dir selbst. Daher solltest du dem Besserwisser zeigen, dass dir deine eigene Unwissenheit und Fehlbarkeit bewusst ist und dass du davon überzeugt bist, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn man sich die eigenen Mängel und Defizite eingesteht.
    • Verwende “Ich-Aussagen” und keine “Du-Aussagen”. Auch wenn du natürlich das Gefühl hast, dass die besserwisserische Person für das Problem verantwortlich ist, solltest du der Versuchung widerstehen, anklagende Aussagen zu machen. Beschreibe das Problem stattdessen aus deiner Perspektive.
      • “Ich hatte in der Vergangenheit hin und wieder das Gefühl, dass du meine Meinung nicht respektierst” ist wesentlich zielführender als “Du sprichst die ganze Zeit, lässt mich niemals zu Wort kommen und respektierst mich nicht.”
    • Höre der anderen Person genauso lange zu, wie du sprichst. Es ist möglich, dass die rechthaberische Person verärgert oder empört auf deine Aussprache reagiert. Falls das passiert, solltest du tief durchatmen und sicherstellen, dass du der anderen Person gut zuhörst und ihr nicht ins Wort fällst. Falls du das Gefühl hast, dass du das Gespräch abbrechen solltest, bevor es zu einer Eskalation kommt, kannst du das ohne schlechtes Gewissen tun.
    • Übe aktives Zuhören. Falls die andere Person abwehrend reagiert und versucht, ihre Sichtweise zu erklären, solltest du im Anschluss noch einmal wiederholen, was die andere Person gesagt hat. So kannst du beweisen, dass du ihr aufmerksam zuhörst und den exakten Wortlaut wiedergeben kannst.
      • Du könntest zum Beispiel sagen: „Ich habe verstanden, dass du mich mit deiner Verhaltensweise nicht beleidigen möchtest und dass ich deiner Ansicht nach überreagiere. Allerdings sind deine Kommentare dennoch ein Problem für mich und ich wünsche mir, dass du meine Gefühle berücksichtigst“.
  4. Zeige während der Aussprache Respekt. Selbst wenn die andere Person ein unwissender Hanswurst ist, der von den Themen, über die er sich so gerne auslässt, nicht die geringste Ahnung hat, handelt es sich dennoch um einen Menschen mit ehrlichen Überzeugungen und Gefühlen, der Respekt und Achtung verdient hat.
    • Wenn du Fragen stellst, kannst du ebenfalls Respekt signalisieren. Die besserwisserische Person hat weniger Anlass, deine Bedenken einfach abzutun, wenn du ihr mithilfe von interessierten Fragen zeigst, dass du zumindest versuchst, ihren Standpunkt zu verstehen.
      • Hier ein paar Beispiele von geeigneten Fragen, um in einer Auseinandersetzung Interesse zu signalisieren: „Was kann ich tun, damit wir besser miteinander kommunizieren können?“ oder „Was können wir beide deiner Meinung nach unternehmen, um unsere Arbeitsbeziehung zu verbessern?“.
    • Bewaffne dich mit Fakten und Tatsachen. Wenn du eine rechthaberische Person in die Schranken weist, ist es sehr wichtig, ihr zu zeigen, wie sich ihr Verhalten negativ auf dich und andere auswirkt. Versorge die rechthaberische Person z.B. mit Fakten darüber, wie die Zusammenarbeit am Arbeitsplatz beeinträchtigt wird, wenn eine Person ständig die Führung an sich reißt oder wie Freundschaften zerbrechen können, wenn die Stimme einer Person kein Gehör findet.

Teil 2 von 3: Mit einer rechthaberischen Person richtig umgehen

  1. Beiße dir auf die Zunge und lächle. In manchen Fällen – z.B. wenn die rechthaberische Person eine Authoritätsposition bekleidet – hast du keinen besonders großen Handlungsspielraum. In diesen Fällen solltest du einfach versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.
    • Leite deine Konversationen mit dem Besserwisser von Themen weg, bei denen du dich unwohl fühlst. Falls du nicht über jene Themen sprechen möchtest, die die rechthaberische Person zur Sprache bringt, solltest du geschickt das Thema wechseln. Versuche, eine Überleitung zu einem Thema finden, das dich persönlich mehr interessiert. Stelle der anderen Person Fragen zu ihrer Familie oder zu ihren persönlichen Interessen – frage einfach nach irgendwelchen anderen Themen, die dich persönlich interessieren und die die andere Person nicht dazu verleiten, auf eine imaginäre Kanzel zu steigen und eine Predigt von sich zu geben.
  2. Überlege dir eine Fluchtstrategie. Wenn du bereits weißt, dass du Zeit mit einer rechthaberischen Person verbringen musst, solltest du dir einen Plan zurechtlegen, wie du es schaffen kannst, so wenig Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen.
    • Am Arbeitsplatz könnte deine Strategie so aussehen, dass du jene Orte meidest, an denen sich der Besserwisser bevorzugt aufhält oder dass du immer eine gute Ausrede parat hast, mit der du dich entschuldigen und die Situation unauffällig verlassen kannst. Bei Familienfeiern solltest du diverse Aktivitäten planen, die es dir ermöglichen, Vieraugengespräche mit dem Besserwisser weitestgehend zu vermeiden.
  3. Setze Grenzen. Falls die rechthaberische Person darauf besteht, Religion, Politik oder andere Themen, bei denen du dich unwohl fühlst, zu diskutieren, solltest du die Person zur Seite nehmen und ihr im Vertrauen mitteilen, dass du nicht gerne über kontroverse Themen dieser Art sprichst und dass du solche Gespräche daher lieber vermeiden würdest.
    • Sei standhaft. Wenn die rechthaberische Person weiterhin darauf besteht, diese unerwünschten Themen anzusprechen, solltest du sie daran erinnern, dass du wirklich kein Interesse an dieser Diskussion hast.
    • Du könntest z.B. etwas Ähnliches sagen wie: „Ich weiß, dass du mich nicht beleidigen möchtest, aber dieses Thema ist wirklich unangenehm für mich. Ich möchte daher wirklich nicht darüber sprechen“.
    • Alternativ kannst du auch das Thema wechseln, z.B. indem du sagst: „Ach, lass uns lieber über weniger ernste Dinge sprechen. Erzähl mir doch, wie es deinem Baby geht!“.
  4. Sei taktvoll. Falls die besserwisserische Person ständig versucht, dir ungefragt Ratschläge zu erteilen oder dir zeigen möchte, wie du etwas besser machen kannst, solltest du einfach höflich antworten: „Danke für deinen Vorschlag“ oder „Ich schätze es, dass du mich darauf hingewiesen hast“. Falls die andere Person tatsächlich Recht hat, solltest du dem Ratschlag sogar folgen. Falls nicht, kannst du den Kommentar einfach ignorieren und tun, was auch immer du für richtig hältst.
    • Mache dir bewusst, dass du vielleicht automatisch negativ auf die rechthaberische Person reagierst. Möglicherweise wird es Situationen geben, in denen die besserwisserische Person wirklich weiß, wovon sie spricht - nur leider vermittelt sie anderen Menschen ihr Wissen auf eine überhebliche oder dominante Art und Weise. In diesen Situationen könntest du versucht sein, ihren Ratschlag einfach aus Prinzip zu ignorieren. Lasse nicht zu, dass dein Ärger dein Urteilsvermögen trübt.
    • Widerstehe der Versuchung, passiv-aggressiv zu reagieren. Selbst, wenn du dich nicht zu einem Schreiduell mit der besserwisserischen Person hinreißen lässt, könntest du einen gewissen Drang verspüren, mit den Augen zu rollen oder kaum hörbare, abfällige Bemerkungen zu murmeln. Mit Reaktionen dieser Art wirst du die Spannungen zwischen dir und der rechthaberischen Person nur noch verstärken.

Teil 3 von 3: Die rechthaberische Person aus einem anderen Blickwinkel betrachten

  1. Mache dir bewusst, dass rechthaberische Personen ihr eigenes Verhalten oft gar nicht als solches erkennen. In den meisten Fällen versucht die besserwisserische Person wirklich nicht, nervig und beleidigend zu sein und versteht daher gar nicht, warum ihre Mitmenschen auf Abstand gehen. Wenn du der rechthaberischen Person mit Mitgefühl und nicht mit Vorurteilen begegnest, könntest du ganz wesentlich dazu beitragen, dass die andere Person ihr Verhalten versteht und sich vielleicht ändert.
  2. Versuche, die andere Person auf einer persönlicheren Ebene besser kennenzulernen. Wenn du die Person von vornherein nicht ausstehen kannst, könnte es sich als ziemlich schwierig erweisen, sie besser kennenzulernen. Nichtsdestotrotz solltest du versuchen, den Besserwisser als Menschen zu betrachten, der eine Familie, Freunde und ein Leben hat. Je besser du die rechthaberische Person kennenlernst, umso einfacher wird es dir fallen, Empathie zu zeigen.
  3. Betrachte die rechthaberische Person als eine potentielle Ressource. Da es dem Besserwisser nicht an Informationen und Meinungen mangelt, die er nur allzu gerne mit der gesamten Welt teilt, könntest du versuchen, sein Wissen zu deinem Vorteil zu nutzen.
    • Ein Beispiel: Möglicherweise weiß die besserwisserische Person genauestens über die unterschwelligen Dynamiken in deinem Büro Bescheid und ist offen genug, gewisse kritische Informationen mit dir zu teilen, die deine anderen Kollegen lieber für sich behalten. Falls es sich bei der rechthaberischen Person um ein Familienmitglied handelt, könntest du von ihr Geschichten und Gerüchte erfahren, die andere Familienmitglieder aus einem Gebot der Höflichkeit heraus lieber unerwähnt lassen.
  4. Finde Gemeinsamkeiten. Selbst, wenn du die Person nervig und überheblich findest, könnte es gut sein, dass ihr gewisse gemeinsame Interessen teilt. Auch wenn du nicht gerne über Politik sprichst, könnte es sein, dass ihr einen ähnlichen Musikgeschmack habt, der sich ausgezeichnet als unschuldiges Gesprächsthema eignen würde. Falls du Gespräche über Sport fürchterlich langweilig findest, könntet ihr stattdessen vielleicht die täglichen Abenteuer des Elterndaseins besprechen. Finde heraus, welche Dinge ihr gemeinsam habt, und konzentriere dich von nun an auf diese Gesprächsthemen.

Tipps

  • Erkenne den Unterschied zwischen einer Meinung und reiner Schikane. Falls ein Arbeitskollege darauf besteht, immer wieder kontroverse Themen anzusprechen, die beispielsweise sexuell unter die Gürtellinie gehen oder übermäßig persönlich und intim sind, musst du dich nicht darauf einlassen. Kommentare dieser Art können zu einer feindseligen Atmosphäre am Arbeitsplatz führen; du hast das Recht, dich bei einem Vorgesetzen zu beschweren.
  • Wenn du einen extrem rechthaberischen Arbeitskollegen oder eine andere Person aus deinem beruflichen Umfeld auf ihr Verhalten ansprichst und die andere Person weigert sich, dir zuzuhören oder verstärkt ihr negatives Verhalten sogar, wirst du vermutlich nicht umhinkommen, die Situation mit einem Vorgesetzten zu besprechen. Gehe dabei sehr vorsichtig vor. Sobald du diesen nächsten Schritt getan hast, ist es unmöglich, das Ergebnis vorherzusagen. Möglicherweise wird man dich als Unruhestifter oder Querulant wahrnehmen oder du könntest bewirken, dass die andere Person zurechtgewiesen wird oder sogar ihren Job verliert.
  • Wenn du den Stress, den du aufgrund der negativen Verhaltensweisen der rechthaberischen Person verspürst, einfach nicht mehr ertragen kannst, solltest du dich nicht scheuen, mit einem Mediator oder einer anderen erfahrenen Person über die Situation zu sprechen. Es kann schwierig sein, eine Situation wie diese unvoreingenommen und objektiv zu betrachten, wenn man selbst mittendrin steckt. Eine objektive, außenstehende Person könnte dir einen anderen Blickwinkel auf die Situation eröffnen, den du selbst nicht erkennen kannst.
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