Vergangene Verletzungen überwinden

Vergangene Verletzungen überwinden ist nicht einfach. Falls die Verletzung bereits einige Zeit zurückliegt und du dich noch immer nicht fähig fühlst, mit deinem Leben weiterzumachen, wirst du wahrscheinlich die Sache proaktiver angehen müssen. Was auch immer dir in der Vergangenheit widerfahren sein mag, es ist wichtig, dass du dein Leben beherrschst und die Kraft hast, eine großartige Zukunft für dich selbst aufzubauen.

Teil 1 von 2: Sich heilen

  1. Um deiner selbst willen anderen verzeihen. Wenn du jemandem, der dich verletzt hat, verzeihst, machst du dir selbst ein wunderbares Geschenk. Nicht nur deine Gesundheit kann profitieren, weil sich z. B. der Blutdruck senkt und die Herzgesundheit besser wird, sondern auch dein psychisches Befinden, indem du weniger Stress empfindest und nicht so niedergeschlagen bist. Außerdem wirst du deine Chancen, in Zukunft erfolgreichere Beziehungen zu haben, vergrößern.
    • Jemandem verzeihen, der dir Unrecht angetan hat, ist ein Zeichen der Stärke, nicht der Schwäche. Es bedeutet nicht, dass du die verletzenden Taten billigst, sondern eher, dass du nicht zulassen willst, dass diese Taten dich noch länger belasten.
    • Einem Menschen verzeihen bedeutet nicht unbedingt, dass du dich mit ihm versöhnen musst. Je nach Situation wird das weder möglich noch eine gute Idee sein. Verzeihen bedeutet einfach, dass du Ressentiments und Rachegelüste hinter dir lässt.
    • Versuche mit der Person, die dich verletzt hat, mitzufühlen und dich in sie zu versetzen, so schwierig das auch sein mag. Es ist wichtig zu verstehen, dass Menschen oft andere verletzen, weil sie sich selbst verletzen.
    • Eventuell wirst du auch dir selber verzeihen müssen, wenn du teilweise selbst für deine vergangenen Verletzungen verantwortlich warst. Es ist wichtig, diese Verantwortung anzuerkennen, halte aber nicht daran fest. Verzeih dir selbst mit Mitgefühl und Verständnis.
  2. Aufhören, dich als Opfer zu betrachten. Obwohl eine andere Person dafür verantwortlich sein mag, dich in der Vergangenheit verletzt zu haben, ist sie nicht verantwortlich für deine Entscheidung, weiter über die Vergangenheit zu grübeln. Der erste Schritt zur Heilung ist, dein Leben wieder unter Kontrolle zu bekommen und dir bewusst zu werden, dass du die Kraft hast, deine Zukunft besser zu gestalten als deine Vergangenheit.
    • Wenn du fortfährst, die Person, die dich verletzt hat, für alles Negative in deinem Leben verantwortlich zu halten, dann erlaubst du ihr, dich zu beherrschen. Wenn du das nächste Mal einen solchen Gedanken hast, halte dir bewusst vor Augen, dass die Kontrolle in deinen Händen liegt. Versuche dann, an etwas Positives, das du tun könntest, um dich besser zu fühlen, zu denken.
    • Es kann sehr stärkend wirken, deine Heilung selbst in die Hand zu nehmen. Damit andere nicht mehr deine Handlungen und Emotionen beherrschen, stell einen eigenen Plan auf, wie du deine vergangenen Verletzungen überwinden wirst. Du kannst andere um Rat bitten, ermahne dich aber stets, dass du der Meister deines eigenen Lebens bist.
  3. Sich positive Bestätigungen wiederholt vorsagen. Falls dich die Verletzungen in deiner Vergangenheit mit einem beschädigten Selbstwertgefühl zurückgelassen haben, dann versuche, dir etwas Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken, welches deine positivsten Eigenschaften sind. Dann denke jeden Tag daran, dass du ein wunderbarer, wertvoller Mensch bist.
    • Versuche verschiedene Methoden, deine Selbstliebe zu bestätigen. Sing es, schreib es auf oder sage es dir laut vor. Schaffe ein Kunstwerk, das die bestätigenden Worte enthält, und stell es an einem Ort auf, wo du es oft sehen wirst.
  4. Deine Gefühle ausdrücken. Es kann befreiend wirken, wenn du dir erlaubst, dem Schmerz und den Verletzungen, die du fühlst, Ausdruck zu verleihen. Versuche in einem Heft aufzuschreiben, was passiert ist, oder schreib der Person, die dich verletzt hat, einen Brief (schick ihn aber nicht ab). Wenn du dir alles auf einmal von der Seele schreibst, wird dir das helfen, deine Gefühle zu verarbeiten und zu verstehen, warum du dich immer noch verletzt fühlst.
  5. Aus positiven Gründen die Vergangenheit wieder aufsuchen. Gewöhnlich ist es negativ, die Vergangenheit wieder aufzusuchen; wenn du es aber aus den richtigen Gründen tust, kann es dir helfen, dich von deinen vergangenen Verletzungen zu lösen und vorwärtszugehen. Falls du dich immer noch an Schuldgefühle oder andere negative Gedanken über dich selbst klammerst, versuche, die Vergangenheit nochmals zu überdenken und an dir vorüberziehen zu lassen, um zu ergründen, warum du so fühlst, wie du es tust. Dann erwäge alle Gründe, warum deine negativen Gefühle nicht auf Wahrheit beruhen.
    • Diese Übung wird am besten durchgeführt, um traumatische Ereignisse, für die du dich unnötig beschuldigst, aufzuarbeiten. Wenn du dich zum Beispiel für die Scheidung deiner Eltern verantwortlich fühlst oder das Gefühl hast, die Schuld an der Untreue deines Partners liege bei dir, dann überdenke das Ganze noch einmal, um die Ursache deiner negativen Gefühle verstehen zu lernen. Wenn du dir Zeit nimmst, um die Situation zu analysieren, dann wird dir bewusst werden, dass die negativen Gefühle, die du über dich selbst hegst, nicht auf Wahrheit beruhen.
    • Sei vorsichtig und beschuldige andere nicht zu viel. Der Sinn dieser Übung ist, nicht damit anzufangen, jemand anderem zu grollen, sondern zu erkennen, warum du ein schlechtes Gefühl in Bezug auf dich selbst hast, und aufzuhören, dich so zu fühlen.
  6. Die benötigte Unterstützung erhalten. Je nach Art der Verletzung, die du zu überwinden versuchst, wirst du vielleicht unterschiedliche Arten von Unterstützung brauchen. Halte deine Gefühle nicht zurück, wenn du dich von ihnen gefangen fühlst. Wenn du mit jemandem darüber sprichst, kann das helfen, deine Gefühle zu ordnen, und manchmal fühlt es sich einfach gut an, alles loszuwerden.
    • Sprich mit Freunden oder Familienmitgliedern über deine Gefühle, sorge aber dafür, dass sie nicht in die betreffenden Probleme verwickelt sind. Wenn sie nicht Partei sind, werden sie in einer weit besseren Lage sein, dich zu unterstützen.
    • Suche einen Einzel- oder Gruppentherapeuten mit Erfahrung in der Heilung von vergangenen Verletzungen oder Trauma. Dein Therapeut kann dir wahrscheinlich verstehen helfen, warum du die betreffenden Gefühle hast, und dir auch helfen zu lernen, wie du deine negativen Gefühle überwinden kannst.

Teil 2 von 2: Weitermachen

  1. Den Fokus auf etwas Positives richten. Wenn du negativen Gedanken und Erinnerungen erlaubst, von dir Besitz zu ergreifen, kann es sich anfühlen, wie wenn in deinem Leben kein Platz mehr für etwas Positives oder Beglückendes ist. Anstatt das zuzulassen, gehe umgekehrt vor und fülle dein Leben mit so vielen positiven Dingen, dass es keinen Platz mehr für Negativität gibt.
    • Beschäftige dich mit etwas Zielstrebigem, wie Weiterbildung oder Karriere, oder mit Dingen, die dir ein gutes Gefühl geben, wie freiwillige Arbeit oder eine tolle Zeit mit deinen Freunden verbringen.
  2. Deine leidvollen Erfahrungen als Lerngelegenheiten neu umreißen. Negative Gedanken neu umreißen kann sehr hilfreich sein bei dem Bemühen, weiterzumachen. Jeder macht zuweilen schmerzliche Erfahrungen; Gelegenheiten zu persönlichem Wachstum finden kann aber helfen, die Verletzung hinter sich zu lassen.
    • Vielleicht bist du zum Beispiel verletzt, weil dein Partner mit dir gebrochen hat. Anstatt bei dem Schmerz dieser Erfahrung zu verweilen, versuche ihn neu zu umreißen: „Ich fühle mich verletzt, weil ich meinen Partner verloren habe, aber ich habe viel aus dieser Beziehung gelernt, was ich in die nächste einbringen kann.“
    • Oder ein anderes Beispiel: Vielleicht war jemand herzlos zu dir. Du kannst das folgendermaßen umreißen „Diese Person war herzlos, aber ich bin stark und widerstandsfähig und ihr Benehmen wird mich nicht unten halten.“
  3. Sich aufdrängende Gedanken beachten. Wenn du beginnst, darüber nachzudenken, was vorgefallen ist, schiebe diese Gedanken sanft beiseite und rufe dir in Erinnerung, auf was du dich gegenwärtig in deinem Leben konzentrierst. Es geht in Ordnung, die Erinnerung anzuerkennen; es wird dir aber helfen, sie rasch mit einer Ermahnung an etwas Positives in deinem Leben zu ersetzen und nicht dabei zu verweilen.
    • Wenn du in Gedanken über die Vergangenheit vertieft wirst, versuche den folgenden Satz zu wiederholen: „In der Vergangenheit sind mir üble Dinge widerfahren, aber jetzt bin ich in der Gegenwart und habe keine Zeit, mich um die Vergangenheit zu sorgen, weil ich mich auf ___________ konzentriere“.
    • Als Alternative kannst du dir auch einen Augenblick Zeit nehmen und alle positiven Dinge in deinem Leben auflisten. Wenn du deinen Kopf mit glücklichen Gedanken füllst, wird kein Platz für negative Gedanken vorhanden sein.
  4. Anderen gegenüber offen sein. Wenn du in der Vergangenheit von jemandem verletzt wurdest, kann es leicht sein anzunehmen, dass andere dich auch in der Zukunft verletzen werden. Solche Gedanken können leider dazu führen, dass du eine neue Beziehung mit einem heimlichen Groll eingehst. Wenn du in Zukunft gesunde Beziehungen aufbauen möchtest, wirst du dein Bestmögliches tun müssen, deinen Groll hinter dir zu lassen, und zu vermeiden, aufgrund deiner vergangenen Erfahrungen das Schlimmste von anderen anzunehmen.

Tipps

  • Einer anderen Person grollen kann dich ängstlich, deprimiert und zornig machen. Paradoxerweise wird es wahrscheinlich überhaupt keine Wirkung auf die andere Person haben; deshalb dient es eigentlich keinem anderen Zweck als dich unglücklich zu machen.
  • Je nach deiner Lage könntest du von geführter Meditation oder kognitiver Verhaltenstherapie profitieren. Manche Menschen finden auch religiöse Aktivitäten hilfreich.
  • Groll ist ein Gemütszustand, der süchtig macht; daher könnte es einige Arbeit erfordern, deine negativen Gefühle hinter dir zu lassen. Gib nicht auf und überwinde dieses ungesunde Verhaltensmuster!
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