Wissenschaftliche Arbeit schreiben

Ein Forscher zeichnet sich durch Neugierde, Organisationsfähigkeit und Genauigkeit aus. Wenn du ein Forschungsprojekt durchführen willst, werden deine Ergebnisse durch eine methodologisch aufbereitete Suche, Bewertung und Dokumentation der Ressourcen besser ausfallen. Definiere, sortiere und bewerte deine Materialien bis du genügend Beweise hast, um einen schlüssigen Bericht zu schreiben.

Teil 1 von 5: Definiere den Projektumfang

  1. Finde einen guten Grund, warum diese Forschungsarbeit wichtig ist. Finde heraus, wer dir dabei hilft. Die Antwort basiert möglicherweise auf deinem akademischen, persönlichen oder beruflichen Bedarf, aber sie sollte dich motivieren, eine gründliche Arbeit zu leisten.
  2. Definiere das Problem oder die Frage. Reduziere die Frage auf die grundlegenden Bedingungen, Zeiträume und Disziplinen. Notiere dir einige Zwischenfragen, die du noch recherchieren musst, bevor du diese Frage beantwortest.
  3. Überlege dir deine These oder Behauptung. Normalerweise ist eine These eine Antwort auf ein allgemeines Thema oder eine allgemeine Frage. Du solltest eine Ahnung haben, wofür du deine Forschung verwenden willst, du musst das Ziel jedoch noch nicht ausformulieren, bevor du mit deiner Arbeit beginnst.
  4. Reiche einen Themenvorschlag ein, wenn es verlangt wird. Üblicherweise wird ein Vorschlag verlangt, wenn das Projekt länger als einige Wochen in Anspruch nimmt.
    • Abschlussarbeiten und Feldforschungen sind zu einem bestimmten Themenbereich zu erstellen und erfordern die Abgabe eines Vorschlags, in dem steht, welche Frage du durch deine Untersuchung beantworten möchtest.
    • Stelle zuerst die Frage vor, und erkläre dann, warum sie relevant und wichtig für den Fachbereich bzw. die Menschen ist, denen du deine Arbeit vorlegst.
    • Führe auch alle Arten der Untersuchung an, die du durchführen willst, z.B. Literaturrecherche, Umfragen, Statistiken, Zusammenarbeit mit Experten, usw.
  5. Definiere deinen Projektumfang und deine Parameter. Die folgenden Themen sollten geklärt sein, bevor du dich an die Arbeit machst:
    • Der Zeitrahmen für das Projekt. Du brauchst einen Zeitplan, um alles rechtzeitig fertigzustellen.
    • Eine Themenliste, die in deinem Bericht enthalten ist. Wenn es Lehrstoff oder eine offizielle Arbeit ist, sollte der Rahmen vorgegeben werden.
    • Ein Zeitplan für die Überprüfungen durch Lehrer oder Manager, um Rückmeldungen zu deinen Fortschritten zu erhalten und Fragen zu klären.
    • Die Anzahl der erforderlichen Quellen. Üblicherweise stehen die Quellenanzahl und die Länge der Arbeit in einem ausgewogenen Verhältnis.
    • Die Formvorgaben für deine Arbeit, Quellenangaben und Zitate.

Teil 2 von 5: Ressourcen finden

  1. Beginne im Internet mit den herkömmlichen Suchmaschinen. Gib einige grundlegende Begriffe ein, um einen Überblick zum Thema zu erhalten.
    • Bevorzuge Webseiten, die von Universitäten und Wissenschaftlern stammen und suche nach Forschungsprojekten, die von Regierungen beauftragt wurden.
    • Notiere auch Quellen, die du gerne zitieren würdest, und frage beim Betreuer nach, ob sie anerkannt werden.
    • Verwende bei der Suche in Suchmaschinen das Plus-Zeichen, um nach mehreren Begriffen zu suchen, die miteinander in Verbindung stehen. Z.B. „Weihnachten + Christtag“.
    • Verwende das Minus-Symbol, um Begriffe auszuschließen, z.B. „Weihnachten - Einkauf.“
    • Notiere Informationen zur Website, wie das Datum der Veröffentlichung, den Autor und die Organisation, die sie veröffentlicht hat sowie das Datum, an dem zu darauf zugegriffen hast und natürlich den URL.
  2. Gehe in die Bibliothek. Wenn möglich, benutze die örtliche Schul- oder Universitätsbibliothek. Steht keine größere Bibliothek zur Verfügung, besorge dir einen Bibliotheksausweis für die öffentliche Bibliothek vor Ort.
    • Frage bei einem Bibliotheksangestellten nach, um herauszufinden, welche Bände, Journale und Wörterbücher im Bestand vorhanden oder online zugänglich sind.
    • Lies Hintergrundinformationen nach und suche in Geschichtsbüchern, auf Fotografien und in größeren Wörterbüchern oder Enzyklopädien nach Definitionen.
    • Verwende den Online-Katalog der Bibliothek, um herauszufinden, welche Bücher über Fernleihe von anderen Bibliotheken angefordert werden können.
    • Nutze die PCs in der Bibliothek um Zugriff auf Journale und andere Medien zu erhalten, die nur über die PCs in der Bibliothek zugänglich sind.
    • Finde heraus, ob es im Medienraum noch andere verfügbare Quellen gibt, z.B. Mikrofichebestände, Filme oder Interviews.
    • Fordere vielversprechende Materialien über dein Bibliothekskonto an oder lasse dir von Mitarbeitern der Bibliothek dabei helfen.
  3. Vereinbare Gesprächstermine mit Leuten, die sich mit deinem Forschungsthema sehr gut auskennen. Durch Interviews und Umfragen kannst du Aussagen und Statistiken erwerben, die deiner Arbeit mehr Aussagekraft verleihen. Rede mit Experten, Zeugen und Menschen, die bereits relevante Untersuchungen in diesem Bereich durchgeführt haben.
  4. Plane eine beobachtende Forschungsmethode. Einen bestimmten Platz oder Ort aufzusuchen, um relevante Informationen zu sammeln, kann nützlich sein, um einen geschichtlichen Hintergrund für dein Projekt zu erstellen.
  5. Schränke deine Suche ein, um deine Forschung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Wenn du dich für eine These entschieden hast, solltest du auch sämtliche Unterthemen online, in einer Bibliothek oder in Interviews und Beobachtungen recherchieren. Bedenke, dass du wahrscheinlich zumindest sechs gute Quellen für jeweils 15 Seiten deiner Arbeit benötigst.

Teil 3 von 5: Quellen bewerten

  1. Finde heraus, ob es sich um primäre oder sekundäre Quellen handelt. Primäre Quellen sind Belege, Gegenstände oder Dokumente, die von Leuten stammen, die direkte Erfahrung mit einer Situation haben. Als Sekundärquellen werden jene Dokumente bezeichnet, in welchen Inhalte aus Primärquellen behandelt und diskutiert werden.
    • Eine Sekundärquelle kann einen Standpunkt oder eine Analyse eines historischen Ereignisses oder Dokuments darstellen. Beispielsweise ist eine Liste mit Einwanderern eine Primärquelle, während ein Zeitungsartikel über einen Familienstammbaum eine Sekundärquelle ist.
  2. Bevorzuge objektive Quellen gegenüber subjektiven Quellen. Wenn ein Autor eines Berichts nicht persönlich mit dem Thema verbunden ist, ist es wahrscheinlicher, dass er objektiver ist.
  3. Bevorzuge Quellen, die in Druckform erschienen sind. Quellen im Internet unterliegen normalerweise weniger strengen Kontrollen als in Journalen oder Büchern veröffentlichte Artikel.
  4. Halte nach Gegenstimmen Ausschau. Subjektive Quellen, die auch gegenteilige Meinungen berücksichtigen, können sehr wichtig sein, weil du dir dadurch ein besseres und objektiveres Bild vom Thema machen kannst. Suche nach Schwachpunkten in deiner Argumentation und nach Wegen, wie du damit umgehst.
    • Es ist einfach, Quellen zu finden, die deine These unterstützen. Finde aber auch Quellen, die nicht mit dieser Meinung übereinstimmen, um in deiner Arbeit auch gegenteilige Meinungen anzuführen.
  5. Beurteile, ob die Quelle relevant oder eher unzuverlässig ist, bevor du sie für dein Projekt verwendest. Halte alle Quellen getrennt, bis du weißt, dass du sie in deiner Arbeit verwenden willst. Du findest möglicherweise heraus, dass einige Quellen im Hinblick auf veröffentlichte Forschungsarbeiten doch nicht so wertvoll sind, wie sie dir anfangs erschienen.

Teil 4 von 5: Informationen aufzeichnen

  1. Führe ein Notizbuch. Schreibe die Fragen auf, die sich aufgrund deiner Arbeit stellen und notiere die Quellen und Antworten, die du dazu gefunden hast mit den Seitenzahlen und URLs.
  2. Markiere Teststellen. Fotokopiere wichtige Texte und markiere Begriffe, die du nachschlagen musst sowie Textstellen, die aufeinander aufbauen.
    • Verwende auf Fotokopien einen Textmarker oder Bleistift. Markiere die Stellen beim Durchlesen anstatt später nochmals darauf zurückzukommen.
    • Textstellen zu markieren fördert die Aufmerksamkeit beim Lesen.
    • Schreibe dir Zitate heraus, die du in deiner Arbeit verwenden könntest.
  3. Lege dir einen Ordner oder eine Datei an, um deine Recherche an einem Ort aufzubewahren. Trenne sie, wenn möglich, nach Thema oder Kapitel. Du könntest auch ein elektronisches Ablagesystem wie Evernote verwenden, um gescannte Dokumente, Webseiten und Notizen aufzubewahren.
  4. Gestalte einen Entwurf, während du dich vorarbeitest. Notiere die Themen, die du weiter aufspalten musst und bezeichne sie mit Buchstaben oder Ziffern.

Teil 5 von 5: Schreibkrisen überwinden

  1. Verallgemeinere nicht. Baue deine These nicht auf Verallgemeinerungen auf, die in früheren Forschungsberichten veröffentlicht wurden. Glaube nicht, dass ein in der Vergangenheit gewählter Ansatz der einzig richtige ist.
    • Lasse deine Arbeit für einige Tage ruhen, um etwas Abstand zu gewinnen und einen neuen Blick drauf werfen zu können. Mach jede Woche eine kleine Pause, wie bei einem Arbeitsverhältnis.
  2. Erzähle jemandem über deine Arbeit, der nichts mit dem Thema zu tun hat. Versuche zu erklären, was du herausgefunden hast. Fordere deinen Gesprächspartner auf, Fragen zu stellen, möglicherweise eröffnet sich dir ein neuer Blickwinkel auf dein Thema.
  3. Versuche Quellen in verschiedenen Disziplinen zu finden. Wenn du ein Thema aus einer anthropologischen Betrachtungsweise recherchiert hast, versuche auch soziologische, biologische oder andere Blickwinkel zu berücksichtigen. In deiner Bibliothek solltest du ausreichend Material vorfinden.
  4. Fange mit dem Schreiben an. Beim Schreiben siehst du dann, welche Unterkapitel möglicherweise noch mehr Recherche benötigen.

Was du brauchst

  • Bibliotheksausweis
  • Notebook
  • Textmarker
  • Fotokopierer
  • Bleistift
  • Mappen
  • Entwurf
  • Evernote-Anwendung
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