Mit unangenehmen Situationen in der Öffentlichkeit richtig umgehen

Unbehagliche gesellschaftliche Momente erlebt jeder einmal; wie du damit umgehst und wie du dich danach verhältst macht den Unterschied, ob du am liebsten im Erdboden versinken würdest, oder die Panne gekonnt überspielst. Soziales Unbehagen entsteht, wenn man sich in einer Situation nicht „normal“ oder sich nicht „in die Gemeinschaft eingebunden“ fühlt. Teilweise wird es von unseren eigenen Ängsten und Sorgen hervorgerufen und teilweise durch soziale Erwartungen und wie wir diese erfüllen. Unbehagliche gesellschaftliche Momente können uns aus Angst lächerlich zu wirken oder sogar von den anderen geächtet zu werden davon abhalten, wirklich mit anderen zu unteragieren. Wenn du Angst davor hast, in eine unangenehme Situation zu geraten oder bei anderen soziales Unbehagen hervorzurufen, dann gibt es gute Gründe dafür, die Angst abzulegen. Jeder muss lernen, gelegentlich mit Peinlichkeiten in Gesellschaft umzugehen und auch wenn du eher dazu neigst ein Unbehagen auszulösen als andere Personen kommen hier getestete Wege, um dieses Gefühl zu überwinden. Einige der Wege werden nun in diesem Artikel beschrieben.

Vorgehensweise

  1. Mach dir bewusst, dass du nicht allein bist. In Wirklichkeit sorgen die meisten von uns sich in der Öffentlichkeit über genau dieselben Dinge, besonders darüber, ob andere Personen uns mögen, ob wir einen guten Eindruck hinterlassen oder wir andere langweilen. Eigentlich heben sich die meisten unserer Sorgen wahrscheinlich gegenseitig auf, vorausgesetzt, wir befinden uns auf derselben Wellenlänge! Ab und an kommt es bei den meisten Menschen zu Schüchternheit, Scham aufgrund von Versprechern, ekligen Körpergeräuschen, dazu eine Unterhaltung zu zerstören oder zu Schwierigkeiten, mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen. Wenn du dich jedoch ständig so fühlst, dann könnte dies daran liegen, dass du jede soziale Situation übermäßig analysierst, was sie als schlimmer erscheinen lassen kann, als sie es eigentlich ist.
  2. Versuche die Quelle des unbehaglichen Gefühls zu ergründen. Bei vielen Leuten, die in Gesellschaft ein schlimmes Unbehagen empfinden, rührt dieses Gefühl aus Sorge, Furcht, Unsicherheit und mangelndem Selbstbewusstsein. Jede dieser Quellen kann in Angriff genommen werden, wenn du gewillt bist, deine Grenzen ein wenig zu verschieben um Wege zu finden dein Selbstbewusstsein aufzubauen. Es kann auch andere Gründe für Selbstzweifel geben wie etwa schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit, dem Gefühl, dass du nicht mit Leuten zusammen bist, mit denen du Gemeinsamkeiten hast oder die dich verstehen, eine introvertierte Person zu sein (was etwas anderes ist, als schüchtern zu sein), sich in Situationen zur Interaktion gezwungen zu fühlen (beispielsweise bei der Arbeit), der Druck durch Eltern oder Freundeskreis usw., dem du dich normalerweise nicht unterwerfen würdest, oder du bist dir unsicher über die Motivationen und Handlungen der Personen um dich herum. In jedem Fall solltest du versuchen, den Ursprung deines Unbehagens zu ergründen, damit du direkt daran arbeiten kannst.
    • Schüchtern zu sein kann deine sozialen Interaktionen wirklich hemmen. Es ist wichtig, bewährte Wege zu finden, um die Schüchternheit zu überwinden, entweder durch eigenständiges Lernen, oder indem du dir Hilfe holst. Denke daran, dass man Schüchternheit besiegen kann.
    • Introvertiert zu sein wird als etwas anderes als Schüchternheit angesehen, auch wenn eine Person Spuren beider Eigenschaften aufweisen kann. Introvertierte Personen ziehen es vor, das Rampenlicht zu vermeiden um sich aus vielen sozialen Situationen herauszuhalten weil sie abschweifen und weil eine Person durch mehr interne Interaktion beschäftigt ist, als es eine extrovertierte Person mögen würde. Eine schüchterne Person dagegen möchte an sozialen Unternehmungen teilhaben, hat aber Angst sich zu blamieren oder ausgeschlossen zu werden.
    • Sozialphobien stellen einen sehr einschränkenden Zustand oder eine Angststörung dar, wodurch die Person nicht in der Lage ist, im Alltag zu funktionieren, was auch die Schule, Arbeit und soziale Unternehmungen betrifft. Eine Person, die an Sozialphobien leidet, neigt dazu, sich an die Familie und vertraute Freunde zu halten und öffentliche zwischenmenschliche Beziehungen zu vermeiden. Sozialphobien entstehen aus einer permanenten Angst, dass andere Leute die daran leidende Person hinterfragen um sie zu demütigen oder zu beschämen. Wenn du an Sozialphobien leidest ist es wichtig, dir professionelle Hilfe zu holen da es sehr unwahrscheinlich ist, dass du sie allein überwinden kannst. Wie bei der Schüchternheit sind die Behandlungschancen sehr gut.
  3. Wenn du die Gefühle, die bei dir zu Unbehagen in sozialen Situationen führen, identifiziert hast, dann versuche diese Gefühle anzuerkennen wann immer sie auftauchen. Durch ein besseres Körperbewusstsein in unbehaglichen und furchteinflößenden Situationen kannst du bewusst wahrnehmen, dass dein Adrenalinpegel steigt und den Wunsch bei dir aufkommen zu lassen davonzurennen oder dich zu verstecken. Lerne dir in diesen Fällen selbst zu sagen: „Ich habe eine Angstreaktion, es wird gleich vorbei sein. Ich werde mich ruhig verhalten.” Je mehr du in diesen Momenten mit dir selbst sprichst, desto mehr wirst du beginnen, sie unter Kontrolle zu bringen.
    • Wichtig! Wenn du an einer Form der Sozialphobie leiden solltest, die stärker ist als das übliche anfängliche Zittern, das beinahe jeder erlebt, dann werde dir darüber bewusst, dass deine biologische Ausrüstung Einfluss auf deine Überreaktion hat, aber auch darüber, dass du dies kontrollieren kannst. Folgere daraus nicht, dass du eine schlechte oder unsoziale Person bist! Während deine Angst irrational ist, sind deine Körperreaktionen völlig real und du musst lernen, die beiden zu trennen, wenn du lernst, wie du deine Angst milderst ohne dich selbst zu beschuldigen, sondern indem du dein Verhalten veränderst.
  4. Steigere dein Selbstvertrauen. Auch wenn du dich nicht selbstsicher fühlst kannst du entweder so tun als ob bis es sich entwickelt oder du kannst dich daran erinnern, so freundlich wie möglich zu sein. Es ist natürlich sehr schwer in Situationen, die uns in Angst, Furcht und Panik versetzen und in denen wir den Wunsch verspüren uns zu verstecken oder davonzulaufen, selbstbewusst zu sein. Dich selbst aber zu fragen „was ist das Schlimmste, was passieren könnte?“ und wenigstens eine Sache zu versuchen, um mit den anderen in Kontakt zu treten ist ein guter Start.
    • Überstürzte nichts; Selbstvertrauen aufzubauen dauert seine Zeit und erfordert auch mal einen Schritt zurück bevor man wieder zwei nach vorn gehen kann bis du deine eigene, für dich komfortable soziale Nische findest. Lass dir Zeit, um ein selbstbewussteres Ich auszubilden.
    • Lies einige Artikel darüber, wie man seine Nerven beruhigt. Deine Nerven im Griff zu haben, wenn du mit anderen zusammen bist ist wichtig, da Nervosität dein Auftreten beeinflusst (Körpersprache) und auch wenn wir den Mund nicht öffnen, können andere Menschen daran sehen, dass wir Unbehagen empfinden. Es kann schwierig sein, mit einer Person umzugehen, der man ihr Unbehagen ansieht und daher kann es viele Leute davon abhalten sich mit dir zu befassen, wenn sie dies wahrnehmen. Es ist wichtig, das nicht als Antipathie falsch zu interpretieren; auch sie fühlen sich dadurch unbehaglich, deshalb solltest du lernen durch Körpersprache zu kommunizieren, da du den Leuten dadurch ein angenehmes Gefühl vermitteln kannst.
  5. Sei freundlich. Angenommen, dass jemand anderes mit dir in Verbindung treten will und zu Beginn das Beste von ihnen anzunehmen erlaubt es dir, offener und freundlicher anderen Leuten gegenüber zu sein. Auch wenn es wahr ist, dass, egal wie freundlich du bist, manche Personen immer antworten, als hätten sie Haare auf den Zähnen, so ist das dennoch kein Grund dich zu verkriechen und dir die Schuld dafür zu geben. Indem du freundlich bist, wirst du den anderen ein gutes Gefühl vermitteln und Wege finden, um das Eis zu brechen und du wirst weniger freundlichen Personen dadurch die Möglichkeit geben sich dir gegenüber mehr zu öffnen. Wenn du es nicht gewohnt bist freundlich zu sein, dann probier es aus. Du wirst über dich hinauswachsen wenn du realisierst, dass dies viel einfacher ist als permanent eine skeptische, vorsichtige und nicht vertrauensvolle Haltung an den Tag zu legen.
    • Ein freundliches Auftreten hilft, den anderen in deiner Anwesenheit ein gutes Gefühl zu vermitteln. Lächle, halte Blickkontakt ohne zu starren, erscheine entspannt und verwende offene Gesten (halte deine Arme beispielsweise lieber geöffnet als überkreuzt).
    • Sei freundlich, wenn du jemanden zum ersten Mal triffst und vertraue darauf offene Fragen zu stellen. Vermeide es, zu persönliche Dinge zu fragen, um nicht neugierig zu erscheinen und nicht zu provozieren, dass sie es im Gegenzug auch sind.
    • Freundlich zu sein bedeutet nicht, leichtgläubig zu sein. Bleibe achtsam bei Leuten, die ein beunruhigendes Verhalten an den Tag legen wie Aggression, Unanständigkeit oder Tyrannei und pass vor allem auf dich auf.
  6. Mach dir weniger Gedanken darüber, was die Leute über dich denken. Die meisten Leute machen sich darüber Sorgen, was die anderen von ihnen denken könnten, es ist am besten, dass du du selbst bleibst, wenn du beginnst dir darüber Sorgen zu machen. Außerdem wird es Leute geben, die tatsächlich gemein, kleinlich und sarkastisch sein werden, egal, wer du bist und was du erreicht hast; bei diesen Menschen ist das negative Verhalten meist eine Abwehrhaltung die sie einnehmen, um mit ihren eigenen Gefühlen der Unsicherheit, Unbehaglichkeit und des unwohl Fühlens fertigzuwerden. Daher richtet sich ihr Verhalten nicht gegen dich persönlich, sondern es ist das äußerliche Zeichen eines inneren Aufruhrs. Nimm das nicht zu schwer, mach einfach weiter und teile das Beste, das du zu bieten hast, ohne dir Sorgen darüber zu machen, was die anderen denken.
    • Werde dir darüber bewusst, dass viele Leute so nervös wie du sind; manche haben einfach bessere Wege gefunden, um dies zu verstecken. (Was bedeutet, dass auch du das kannst!)
    • Manche Menschen denken schlecht über andere, um nie einen Grund zu haben, ihre eigenen Mängel in Frage zu stellen. Du wirst die Denkweise solcher Personen niemals ändern können; mach dir stattdessen klar, dass sie so damit beschäftigt sind, andere zu beschuldigen, dass sie nicht merken, wie diese negativen Kommentare anderen erlauben, ihre Schwäche dadurch zu erkennen.
  7. Entspann dich. Gelegentlich passieren unangenehme und geradezu peinliche Dinge. In unserer unvollkommenen Welt geben uns manche Dinge das Gefühl, töricht zu sein oder auszusehen und sie sind ebenso existent wie die Dinge, von denen wir meinen, dass sie uns in einem würdigen, anmutigen und richtigen Licht darstellen. Oft haben wir keine Kontrolle über unangenehme Situationen, wie etwa der langen Periode des Schweigens in einem Gespräch, das sich ewig zieht, das unelegante und lautstarke entwischen von Winden, wenn wir es am wenigsten erwarten und der Sturz über den Teppich, wenn wir eine Ehrung entgegennehmen wollen. Diese Dinge passieren, sie sind aber kein Grund, uns selbst als mangelhaft anzusehen. Sie sind der Grund, unsere Menschlichkeit und den Fakt, dass das Leben zufällig und unvollkommen ist zu akzeptieren. Entspanne dich, um mit dieser Tatsache umgehen zu können und die lustigere Seite dieser unangenehmen Momente zu sehen. Dies wird dir nicht nur helfen, solche Vorkommnisse aus einer anderen Perspektive zu sehen, Humor löst auch oft Spannungen zwischen allen Anwesenden und erlaubt es den Leuten mit dir und nicht über dich zu lachen und durch Humor kann der unangenehme Moment ohne weiteres Aufheben vorübergehen.
    • Über dein eigenes Verhalten zu lachen, wenn so etwas passiert zeigt den Leuten und macht ihnen bewusst, dass die Situation nicht wirklich so Ernst ist. Und denke an die Personen, die sich wirklich über die Unzulänglichkeiten des Lebens lustig machen, die Comedians. Die Vorliebe für Charlie Chaplin, Rowan Atkinson oder einen lokalen Comedian wird dir helfen zu realisieren, dass die Peinlichkeit auch lustig sein kann.
  8. Konzentriere dich auf das Positive. Während uns unangenehme soziale Situationen dazu bringen können, uns auf das zu konzentrieren, was schief läuft ist es hilfreich, sich bewusst auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Was ist an den Dingen um dich herum gerade jetzt gut, auch wenn du dir wünschst, du würdest im Erdboden versinken? Einige positive Dinge anzuvisieren kann dir helfen, deine Perspektive dahingehend zu verändern, dass du erkennst, wie klein das unangenehme Erlebnis im großen Ganzen anzusehen ist. .
    • Zum Beispiel: Anna ist gerade auf der Tanzfläche über das Ende eines Teppichs gefallen, nachdem sie ihren Tanz mit Peter beendet hat. Sie ist der Länge nach auf das Gesicht gefallen. Anna ist wegen des unvollkommenen Endes eines perfekten Tanzes den Tränen nahe. Stattdessen realisiert sie, dass es unmöglich war, das Ende des Teppichs zu sehen und sie es zumindest für jeden offensichtlich gemacht hat, dass man an dieser Stelle vorsichtig sein muss. Zudem hat sie gerade einen wundervollen Tanz mit Peter beendet und er kniet schon neben ihr, um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein. Sie nimmt grazil seine Hand (er ist so ein Gentleman!), sie lächelt die besorgten Zuschauer an und sagt ironisch „wow, das war ein schräges Ende eines wundervollen Tanzes – achtet auf den Boden Leute!“ Alle seufzen erleichtert auf, weil sie nicht wussten, ob sie wegsehen oder lachen sollten und sie ihnen die Möglichkeit gab, die spannungsabbauende Option zu wählen. Anna erkennt, dass alles innerhalb von fünf Minuten vergessen sein wird und feiert weiter. (Anmerkung: Peter ist von Annas anmutiger Haltung im Augenblick des Missgeschickes hingerissen und erkennt, dass er sein ganzes Leben mit dieser widerstandsfähigen Person verbringen will und macht ihr am nächsten Tag einen Antrag.)
  9. Verwende Selbstgespräche, um mit dem Gefühl sozialen Unbehagens umzugehen. Selbstgespräche werden dir helfen, den Fokus davon, was andere von dir denken, ablenken und dich wieder beruhigen, damit du dich wieder wohlfühlen kannst. Einige der Dinge, die behilflich sein können, eine solche Situation zu überwinden, sind:
    • Meine Angst verzerrt meine Gedanken.
    • Ich widme den schlechten, körperlichen spürbaren Gefühlen zu viel Aufmerksamkeit.
    • Es sind nur die Chemikalien, die durch meine Angst freigesetzt werden, wegen denen ich mich so fühle.
    • Ich kann meine Angst überwinden.
    • Auch positive Wörter können sehr hilfreich sein. Sage dir selbst positive Dinge wie: „Ich bin ok“, „die Leute sind nett und ich habe Spaß dabei, mit ihnen zusammen zu sein“, „die Leute scheinen zu mögen, was ich sage oder tue“, „ich bin hier, um Spaß zu haben“.
  10. Lerne, dich zu entspannen. Entspannung ist keine einmalige Sache; es ist lebenslange Übung. Daher solltest du zuhause, wo du dich am wohlsten fühlst, damit beginnen zu lernen, wie du dich entspannen kannst. Übe eine tiefe Bauchatmung um Momenten der Angst Herr zu werden, mach Entspannungsübungen, Dehnübungen und sogar tägliche Meditationen, um deine Fähigkeit, dich wann immer von Nöten in einen entspannten Zustand zu versetzen, auszubauen. Beginne dann dein Wissen über die Entspannung und wende sie auch in deinem öffentlichen Leben an. Vor allem das tiefe und langsame Atmen können dir helfen dich zu beruhigen, wann auch immer du dich durch zu viel sozialen Input und Angst angegriffen fühlst. Aufmerksam auf solche Situationen zu achten wird dir vielleicht helfen, dich in sozialen Momenten wohler zu fühlen.
  11. Schaffe dir Raum, um dich zu erholen. Nicht alle peinlichen Situationen können durch ein Lachen oder tiefes Durchatmen gelöst werden. Manchmal kann es sein, dass die Scham, der Schmerz oder die nervenaufreibenden Emotionen zu stark sind, um in der Öffentlichkeit mit ihnen fertigzuwerden und es ist für dich und vielleicht auf für die anderen am besten, wenn du dann einfach gehst. Indem du dir selbst Raum schaffst, um dich zu erholen, kannst du dich beruhigen und über die Angst hinwegkommen.
    • Gib dein Bestes, um nicht einfach davonzurennen oder in Tränen auszubrechen. Entschuldige dich schnell und sage, das du einen Moment für dich brauchst/ ins Badezimmer oder an die frische Luft musst usw. und gehe in einem gleichmäßigen Schritt in normalem Tempo davon. Wenn es dir möglich sein sollte, dann ist es auch eine gute Idee zu sagen, dass du gleich zurück sein wirst, um ein noch nicht beendetes Gespräch oder eine Diskussion fortzuführen, die noch im Gange ist.
    • Wenn dem unangenehmen Moment eine aufgeheizte Diskussion zugrundeliegt, dann ist es völlig in Ordnung, dass du kurz rausgehst um dich zu beruhigen. Versprich der Person, dass du das Gespräch höflich weiterführen wirst, sobald du dich beruhigt hast. Das ist nicht feige; es erfordert sogar großen Mut im Moment deiner Wut oder Furcht zu erkennen, wann du dich für einen Moment zurücknehmen und dich zügeln und deine Gedanken sammeln musst.
    • Es kann auch mal eine Stunde dauern um dich zu beruhigen, wenn du voller Angst warst. Nimm dir die Zeit. Wenn das bedeuten sollte, dass eine Veranstaltung vorbei ist, bevor du dich besser fühlst, dann schicke einem Freund eine Nachricht um dich dafür zu entschuldigen, dass du nicht zurückkommst.
  12. Sei nett zu dir selbst. Sich in sozialen Situationen unwohl zu fühlen ist kein Daseinszustand, sondern eine temporäre Phase. Du wirst diesen bestimmten Vorfall überwinden und du wirst stattdessen viel mehr positive Erfahrungen machen. Jeder hat ab und an mal die Schnauze voll und jeder hat zumindest eine demütigende Erfahrung gemacht, von der man berichten könnte. Es ist ein Zeichen von Respekt und Nettigkeit sich selbst gegenüber, dass man auf diese Gegebenheiten mit einem ironischen Grinsen zurückblicken und realisieren kann, dass sie einen nicht gebrochen haben, sondern eher die sich am Tisch befindliche Gesellschaft unterhalten haben. Nimm dich davor in Acht, die Wichtigkeit einer schlechten Erfahrung nicht zu überbewerten und lass sie zu deinem allgemeinen Eindruck sozialer Interaktion beitragen; konzentriere dich so gut es geht auf die sozialen Interaktionen, die du genossen hast, die gut liefen, egal wie fade oder banal diese waren. Und mach dir, während du nett zu dir selbst bist bewusst, dass Sozialisation die Fähigkeit zu Lernen erfordert; sei nicht zu hart zu dir, wenn du diese Fähigkeiten noch nicht erworben hast. Sie können zu jeder Zeit im Leben erworben werden, vorausgesetzt, du bist dazu gewillt:
    • Small Talk – er hält ein Gespräch am Laufen und wenn du keine tieferen Gespräche mit den meisten Leuten, die du triffst, führst, dann ist das völlig in Ordnung, denn dies ist oft alles, was von dir erwartet wird.
    • Gute Gespräche – gute Gesprächsthemen für Unterhaltungen zu finden kann so einfach sein, wie guten Gesprächen zuzuhören und dir die Themen zu merken und sie wenn nötig vorzubringen. Wenn du ratlos hinsichtlich von Gesprächsthemen bist, dann kann dir dieser einfache Akt einiges an Furcht ersparen.
    • Witze – Witze zu einem unpassenden Zeitpunkt zu erzählen kann deine soziale Glaubwürdigkeit vernichten und dich schlecht aussehen lassen. Einen Witz hingegen zum richtigen Zeitpunkt zu erzählen kann auch den angespanntesten Moment auflockern.
    • Komplimente – mache aufrichtige Komplimente zum richtigen Zeitpunkt. Wenn du dabei nicht ehrlich bist, dann mach lieber keine Komplimente. Wenn du ein Anfänger im Komplimente machen bist, dann beobachte das Timing der anderen dabei und folge ihrem Beispiel.
  13. Verlass das Haus. Zuhause am Computer, am Arbeitsplatz sitzenzubleiben oder Einladungen zum Essen abzuwinken wird dir nicht helfen, unangenehme Situationen abzuwehren. Du schaffst sie hingegen dadurch sogar selbst, da du so völlig aus der Übung sein wirst, sozial zu interagieren. Sei stolz, gehe aus und sozialisiere dich öfter, anstatt dich zu verstecken. Du musst nicht zum Gesprächsthema der Stadt werden, gehe aber zumindest zu Verabredungen, die dich interessieren und führe kurze aber interessante Gespräche mit Menschen, mit denen du gerne zusammen bist. Beginne mit Personen, denen du vertraust und die du magst und steigere deine Sozialisation langsam und schließe auch Leute mit ein, mit denen du weniger vertraut bist.
    • Sozialisiere in kleinen Schritten. Die Sozialisation ist kein Marathon, Wettkampf oder Examen. Es geht darum, sich zu verbinden, Spaß zu haben und das Leben auszukosten. Wenn du dich nur ein wenig sozialisieren willst ist das ok, solange du es nur tust.
    • Erkenne, dass manche Leute versnobbt und distanziert sind. Sie sind nicht die Norm und sie sind kein Grund, dass du dich verstecken solltest. Lerne dich bei solchen Menschen würdevoll zu verabschieden wie etwa durch ein kurzes Nicken und zu sagen „es war schön, die kennenzulernen“, bevor du ihnen den Rücken zudrehst und gehst. Lass solche Begegnungen nicht all deine sozialen Erfahrungen ruinieren – es gibt immer jemand, der es wert ist, sich mit ihm abzugeben.
    • Lerne ebenso Gespräche zu beenden, wie du lernst sie zu führen. Bei vielen Menschen verursacht es ein unangenehmes Gefühl ein Gespräch, das nirgends hinführt und das unerträglich langweilig ist, zu beenden da sie Angst haben, grob oder gefühllos zu erscheinen.

Tipps

  • Menschen mit Sozialphobien können als hochnäsig, schwierig, seltsam oder hinderlich wahrgenommen werden. Wenn du das Gefühl hast, dass sich jemand auf diese Weise dir gegenüber verhält kann der wahre Grund dafür sein, dass er sich unwohl fühlt. Dies kann dir als ein Spiegel für dein eigenes Verhalten dienen und dir zeigen, wie du auf andere wirken könntest und es ermöglicht es dir, dich durch deine eigenen Erfahrungen mit der anderen Person zu verbinden.
  • Regelmäßiges Training kann dir helfen, dich an soziale Interaktion zu gewöhnen. Indem du angestaute Energie loswirst und Endorphine freisetzt wirst du dir selbst dabei helfen, dich zu beruhigen und deine Ängste zu überwinden.
  • Viele Menschen entwachsen dem unangenehmen Gefühl in sozialen Situationen. Dieser Zug ist häufig bei Teenagern und jungen Erwachsenen anzufinden und wenn die Menschen älter werden finden sie meiste Wege, diese Gefühle zu überwinden, die ihnen einst sehr mächtig erschienen. Die Elternschaft lässt einem oft keine Wahl!
  • Vermeide es zu tratschen oder schlecht über andere zu reden; dann musst du dich auch nicht darum sorgen, dass es auf dich zurückfallen könnte.
  • Wenn du nicht schon eine durchsetzungsfähige Person bist, dann verbringe Zeit damit, dir ein durchsetzungsfähiges Verhalten anzutrainieren und es zur Gewohnheit werden zu lassen. Ein durchsetzungsfähiger Kommunikationsstil kann dir helfen Angst in sozialen Interaktionen zu überwinden. Er wird es dir erlauben, deine eigenen Bedürfnisse auszudrücken und zu sagen was du denkst, ohne dabei die Gefühle anderer Menschen zu verletzen, während es dir hilft dich in der Interaktion selbstbewusst zu fühlen. Und wenn unangenehme Momente (unvorhergesehen) auftreten sollten, wirst du selbstbewusster sein und ohne Aggression, Angst und der Suche nach Distanz zu den anderen reagieren.
  • Verbessere deine Etikette. Wenn du die sozialen Normen der Gruppe, mit der du Zeit verbringst, nicht kennst, dann nimm die Mühe auf dich und lerne sie. Die sozialen Normen nicht zu kennen kann dir ein unangenehmes Gefühl verschaffen. Etikette ist eine Serie von einfachen sozialen Regeln, die Grenzen, Routinen und Signale festlegen, die jeder verstehen kann, nachdem er sie gelernt hat, zudem wird es dir in sozialen Situationen immer den Weg ebnen, wenn du höflich bist, auch wenn du dir unsicher über komplexere zugrundeliegende Bedeutungen bist. Die Menschen verzeihen einer höflichen Person normalerweise alles.
  • Lass deinen Blutdruck kontrollieren. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich manche Menschen aufgrund ihres hohen Blutdrucks sozial unangenehm verhalten.

Warnungen

  • Mach dir keine Sorgen und analysiere vor allem nicht zu viel. Je simpler du den Sinn einer sozialen Interaktion siehst, desto besser.
  • Wenn du bemerkst, dass Menschen dich anstarren, dann realisiere, dass sie einfach genauso neugierig sind wie du es bist. Versuche sie anzulächeln anstatt defensiv zu reagieren, dann werden sie denken, du seist eine nette Person.
  • Wenn die Menschen in der Vergangenheit physisch, sexuell oder verbal verletzt haben, dann kann eine soziale Interaktion erdrückend erscheinen, wenn du das Vertrauen in andere Menschen verloren hast. Suche dir professionelle Hilfe, um deine Ängste zu überwinden.
  • Vermeide es zu prahlen, um dich mit anderen zu verbinden. Wenn du dich dabei ertappst, über deine Errungenschaften oder Besitztümer zu schwafeln, dann stoppe dich und entschuldige dich oder stelle der anderen Person einfach Fragen über sie.
Information
Users of Guests are not allowed to comment this publication.