Einem Menschen mit dissoziativer Amnesie helfen

Опубликовал Admin
16-05-2019, 01:00
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Wenn ein geliebter Mensch unter dissoziativer Amnesie leidet, dann ist das oft kaum zu ertragen. Dieser Mensch kann sich womöglich nicht an wichtige Ereignisse oder Menschen in seinem Leben erinnern und ist wahrscheinlich täglich verwirrt und desorientiert. Vielleicht bist du unsicher, wie du helfen kannst. Das Beste ist, dafür zu sorgen, dass dieser Mensch professionelle Hilfe bekommt. Du kannst lernen, wie du einen Menschen mit dissoziativer Amnesie unterstützen kannst.

Unterstützung anbieten

  1. Sorge dafür, dass der Betroffene qualifiziert behandelt wird. Hilf demjenigen, einen renommierten Arzt zu finden, dem du traust und mit dem sich der Betroffene wohlfühlt. Bei einer dissoziativen Störung ist Folgendes für die Klienten-Therapeuten-Beziehung wichtig:
    • Akzeptanz der Patientenerfahrungen
    • Die Bereitschaft zu lernen, wie man mit Dissoziation und Trauma arbeitet.
    • Die Bereitschaft, Frustration und emotionale Schmerzen zu tolerieren, die entstehen, weil über das Trauma gesprochen wird.
    • Die Bereitschaft, über einen langen Zeitraum mit dem Patienten zu arbeiten.
  2. Hilf dem Betroffenen, eine angemessene Behandlungsoption zu wählen. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die alle jeweils unterschiedlich effektiv sind. Du kannst dabei eine Schlüsselrolle spielen, indem du aus eurem Alltag beurteilst, wie die Behandlung anschlägt und indem du dem Arzt Feedback gibst. Zu den Behandlungsoptionen zählen:
    • Psychotherapie – die Arbeit mit einem Therapeuten, um Probleme zu lösen und persönliche Konflikte zu bewältigen.
    • Kognitive Therapie – dabei werden irrationale und negative Denkmuster modifiziert, die der persönlichen und emotionalen Gesundheit schaden.
    • Medikamente – das sind Mittel zur Behandlung der Symptome, die die Dissoziation begleiten, z.B. Depression und Angstzustände.
    • Familientherapie – dabei lernen Familienmitglieder etwas über die Störung und wie sie helfen können.
    • Kunsttherapie – dabei lernt der Patient, seine Gefühle kreativ, z.B. über Kunst oder Musik, auszudrücken.
    • Klinische Hypnose – diese Behandlung wird angewandt, um eine bewusste Wahrnehmung von Erinnerungen, Gedanken und Gefühlen hervorzurufen. Empfohlen wird eine Hypnotherapie nach Milton H. Erickson.
  3. Sprich du mit anderen Familienmitgliedern darüber. Der Betroffene ist wahrscheinlich nicht in der Lage zu erklären, was passiert ist. Er schweift ggf. ab, wird wütend, reagiert verwirrt oder weigert sich, mit anderen zu sprechen. Hilf dem Rest der Familie zu verstehen, dass:
    • Der Gedächtnisverlust des geliebten Menschen mehr als Vergesslichkeit oder altersbedingte Gedächtnisschwäche ist.
    • Der Betroffene leidet ggf. unter Symptomen wie der Unfähigkeit, sich an Informationen zu erinnern, an Depression, Angstzuständen und Verwirrung.
    • Der Betroffene gibt nicht nur vor, unter dieser Störung zu leiden. Ärzte sind in der Lage herauszufinden, ob jemand aus finanziellen, juristischen oder persönlichen Gründen Gedächtnisverlust vortäuscht.
  4. Versuche nicht, den Betroffene zu ermutigen, sich zu erinnern. Dissoziative Amnesie entsteht meist als Schutzmechanismus, um ein Individuum vor einem traumatischen Ereignis zu bewahren. Wenn du eine Person zu zwingen versuchst, sich an so ein Ereignis zu erinnern, dann kann das katastrophale Konsequenzen haben, z.B. Selbstmordabsichten oder gewalttätiges Verhalten. Der Betroffene kann sogar tiefer in seinen dissoziativen Zustand geraten.
    • Traumatische Ereignisse sollten nur mit einem erfahrenen Profi besprochen werden. Er ist in der Lage, dem Betroffenen gefahrlos und effektiv beizubringen, diese Ereignisse zu bestimmen und zu verarbeiten.
    • Besprich mit dem behandelnden Arzt, über was du mit dem Betroffenen sprechen darfst, was die Zeit des Gedächtnisverlustes angeht.
  5. Versuche zu Hause möglichst ein normales Leben aufrechtzuerhalten, um dem Betroffenen Unabhängigkeit und Lebensqualität zu ermöglichen. Derjenige sollte so viel Autonomie wie möglich im Alltag bekommen, natürlich in Absprache mit dem Arzt. Es ist normal, dass du denjenigen besonders beschützen willst. Aber das könnte zu Frustration und Ablehnung führen. Dazu kommt, dass der Betroffene durch einen bestimmten Grad an Autonomie eine gewisse Kontrolle über das Leben bekommt, das er durchs Trauma verloren hat.
    • Besorge demjenigen eine Haushaltshilfe, wenn das nötig ist, damit die Person normal leben kann.
    • Sorge dafür, dass derjenige soviel Kontakt wie möglich zu Freunden und Familie hat.
    • Finde Wege, damit der Betroffene sich glücklich und nützlich fühlt.
  6. Ermutige die Person, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Schlage ihr vor, sich einer örtlichen oder Online-Community anzuschließen, wo sich Menschen treffen, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Wenn der Betroffene mit so jemandem reden kann, dann fühlt er sich weniger allein und er bekommt praktische Tipps im Umgang mit der Dissoziation.
    • Recherchiere vorher jede mögliche Selbsthilfegruppe um sicherzustellen, dass sie gut organisiert ist und dafür sorgt, dass persönliche Grenzen zwischen den Teilnehmern eingehalten werden. Weniger gut strukturierte Gruppen, in denen Menschen mit unterschiedlich starken Traumen oder Dissoziationen zusammenkommen, sind manchmal weniger hilfreich. Deshalb solltest du dich unbedingt vorher genau erkundigen.

Sicherheitsmaßnahmen ergreifen

  1. Achte auf Selbstmordgefährdung. Menschen mit dissoziativer Amnesie sind oft selbstmordgefährdet, weil sie sich nicht mehr an Schlüsselmomente ihres Lebens erinnern. Sie geraten vielleicht sogar in einen dissoziativen Zustand, um einen vorhergegangenen Selbstmordversuch zu bewältigen. Als Teil des Unterstützerteams dieser Person solltest du auf folgende Anzeichen für Selbstmordabsichten achten. Die Person:
    • spricht darüber, sterben zu wollen
    • sucht nach Wegen, sich umzubringen (sammelt z.B. Tabletten oder kauft eine Schusswaffe)
    • trinkt mehr Alkohol oder nimmt mehr Medikamente oder Drogen
    • entzieht sich Freunden und Familie
    • spricht über sich, als sei sie eine Bürde für andere
    • fühlt sich hoffnungslos oder sieht keinen Ausweg
    • besucht andere oder verabschiedet sich
    • verschenkt teure Besitztümer
  2. Bereite einen Krisenplan vor. Wenn der Betroffene Anzeichen für Selbstmordabsichten zeigt, dann musst du sofort seinen Arzt/Therapeuten oder einen Notarzt rufen. Sobald Selbstmordabsichten bestehen, kann der behandelnde Arzt mit dem Betroffenen einen Sicherheitsplan erarbeiten.
    • Dieser Plan hilft sowohl dem Betroffenen als auch dem Unterstützerteam, Warnzeichen für Selbstmord zu erkennen. Er zeigt mögliche Bewältigungsstrategien oder Ablenkungen bei quälenden Gedanken und führt Kontaktpersonen auf, die um Hilfe gebeten werden können.
  3. Schütze den Betroffenen vor Selbstverletzungen. Während er versucht, mit seiner Identität und der verlorenen Zeit klarzukommen, solltest du besser Waffen, scharfe Gegenstände und andere Dinge beseitigen, mit denen er sich verletzen könnte.
    • Menschen mit dissoziativer Amnesie haben vielleicht schon einen Selbstmordversuch hinter sich oder leiden unter Selbstmordabsichten. Wenn du das Zuhause von gefährlichen Objekten befreist, dann schützt du den Betroffenen vor Selbstverletzungen.
  4. Sorge für eine ruhige, sichere Umgebung. Menschen mit dissoziativer Amnesie haben aufgrund ihres mentalen Zustandes bereits viel Stress. Sie kämpfen einen inneren Krieg, um sich daran zu erinnern, wer sie sind und was in ihrem Leben stattgefunden hat. Deshalb solltest du demjenigen so viel Ruhe und Frieden wie möglich in seinem Umfeld geben.
    • Du solltest damit rechnen, dass der Betroffene sich wegen des Gedächtnisverlustes aufregt. Bereite dich darauf vor, ihn zu beruhigen. Deshalb sollten möglichst nur Gäste ins Haus kommen, die unbedingt dort sein müssen. Zu viele Fremde können die Person verwirren oder aufregen.
    • Sorge für eine relativ ruhige und angenehme Atmosphäre. Vergiss nicht, dass viele Betroffene ein quälendes Trauma erlitten haben. Deshalb könnten sie laute Geräusche oder plötzliche Bewegungen stressen.
  5. Empfiehl nützliche Tipps zur Selbstfürsorge. Andere Sicherheitsmaßnahmen, um dem Betroffenen zu helfen sind, sich um Geist, Körper und Seele zu kümmern. Bestärke denjenigen in einem gesunden Lebenswandel, wozu Sport, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Drogen und Alkohol gehören (die die Symptome verstärken können). Es gibt viele Strategien der Selbstfürsorge, die dem Betroffenen guttun können.
    • Tagebuch schreiben kann zeigen, was die Person denkt oder fühlt und wenn es zu therapeutischen Zwecken verwendet wird, kann es verschüttete Erinnerungen oder Gedanken zurückholen.
    • Techniken zum Erden helfen dem Betroffenen, der sich oft mit wiederkehrenden Erinnerungen und Flashbacks quält, wieder in Kontakt mit der gegenwärtigen Umgebung zu kommen. Dazu zählen, etwas anzufassen, an etwas mit starkem Geruch zu riechen, ein Glas Wasser zu trinken oder sich kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen.
    • Achtsamkeitsmeditation verbessert die geistige Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks. Wenn schreckliche Gedanken oder Gefühle auftauchen, dann kann der Betroffene Achtsamkeit üben, indem er seine Aufmerksamkeit auf langsame, tiefe Atemzüge lenkt, indem er die Umgebung oder verschiedene Körperteile spürt.
    • Visualisierungen erlauben einer dissoziativen Person, sich im Geist an einen sicheren, friedlichen Ort zu begeben. Wenn quälende Gedanken, Gefühle oder Bilder auftauchen, dann kann er sich dorthin begeben und so die Situation besser bewältigen.
  6. Achte auf dich und deine Familie. Es ist anstrengend, sich um jemandem mit dissoziativer Amnesie zu kümmern. Vernachlässige deine eigenen emotionalen Bedürfnisse nicht. Suche dir Hilfe, wenn du merkst, dass du nicht gut damit klarkommst.

Dissoziative Amnesie verstehen

  1. Verstehe die Krankheit. Dissoziative Amnesie ist eine Störung, die oft durch ein Trauma im Leben des Betroffenen hervorgerufen wird. Diese Person vergisst wichtige persönliche Information über sich selbst und über Ereignisse in ihrem Leben. Das ist oft eine Reaktion, um das Trauma zu vergessen. Es gibt viel größere Erinnerungslücken als bei einfachen Gedächtnislücken oder Vergesslichkeit.
    • Dissoziative Amnesie wird über die medizinische Vorgeschichte diagnostiziert. Dazu gibt es Untersuchungen, um auszuschließen, dass es eine medizinische Ursache dafür gibt. Danach wird ein Psychiater oder Psychologe ein Gespräch oder eine Bewertung durchführen, um die Diagnose zu klären.
    • Menschen mit dissoziativer Amnesie leiden auch oft unter anderen Symptomen einer mentalen Erkrankung wie Depression oder Amnesie.
  2. Sprich mit dem Arzt des Betroffenen. Es ist wichtig, die Störung zu verstehen und wie sie den Leidenden beeinträchtigen. Je mehr du verstehst, desto leichter kannst du helfen und die Momente vergessen, wenn du dich total distanziert zum geliebten Menschen fühlst.
    • Lerne auch, was beim Betroffenen zur dissoziativen Amnesie geführt hat. Typische Auslöser sind Beteiligung an einem Unglück, bei dem er den Tod oder den nahen Tod erlebt hat, eine Kindheit mit Missbrauch, gravierender Stress im Leben, verbrachte Zeit in einer Kampfzone oder Beteiligung an einem Unfall usw.
    • Wenn du selbst nicht beteiligt warst, dann wirst du nicht vollständig begreifen, was derjenige durchgemacht hat. Du kannst aber die Tiefe der Schmerzen verstehen.
  3. Kenne die Prognose der Störung. Die Erfolge einer Behandlung bei einem Menschen mit dissoziativer Amnesie hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählt auch, ob der Betroffene unterstützt wird und wie er auf die Behandlung reagiert. Die meisten Menschen mit dieser Störung bekommen ihre Erinnerungen nach einer gewissen Zeit zurück. In seltenen Fälle bleiben die Erinnerungen für immer verschwunden.
    • Wenn dein geliebter Mensch eine qualifizierte Behandlung und viel Unterstützung von dir und anderen bekommen hat, dann steigt die Chance, dass er sein Gedächtnis vollständig wiedererlangt.
  4. Nimm an einer Selbsthilfegruppe für Familienmitglieder von Betroffenen teil. So bekommst du mehr Verständnis dafür, was diese Person durchmacht und wie du der Gruppe helfen kannst.
    • Diese Gruppen sind nicht nur für Betroffene da. Es gibt auch Gruppen, die insbesondere Angehörige und Freunde beraten, die sich um jemanden kümmern, der unter einer dissoziativen Störung oder nach einem erlittenen Trauma leidet.

Tipps

  • Je eher ein Mensch mit dissoziativer Amnesie Hilfe bekommt, desto wahrscheinlicher führt eine Behandlung zum Erfolg.
  • Frauen entwickeln eher eine dissoziative Amnesie als Männer.

Warnungen

  • Einige Menschen bekommen ihr verlorenes Gedächtnis nicht zurück. Bereite dich auf diese Möglichkeit vor.

Was du brauchst

  • Professionelle Hilfe
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